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12.01.2018

Nach Rekordjahr 2017 hofft Israels Tourismus auf weiteres Wachstum

Besucherzahl auf knapp 3,9 Millionen gestiegen / Infrastruktur bleibt ausbaubedürftig / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Im Jahr 2017 verzeichnete Israel die bisher höchste Zahl ausländischer Besucher: knapp 3,9 Millionen. Dieses Ergebnis lag um 25,8 Prozent über dem Vorjahresstand und beendete eine dreijährige Schrumpfungsphase. Für 2018 erwartet das Tourismusministerium weiteres Wachstum, wobei ein neues Marketingkonzept ebenso wie Low-Cost-Flüge eine wichtige Rolle spielen sollten. Beim Hotelbau ist Eiltempo angesagt.

Im Jahr 2017 kamen 3.863 Tausend ausländische Gäste nach Israel: 25,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei unterscheidet die Amtsstatistik zwischen Tagesbesuchern, die das Land ohne Übernachtung besuchen und übernachtenden Touristen. Im Jahr 2017 entfielen 93,5 Prozent der Besucher auf die Kategorie "Touristen", gegenüber 94,5 Prozent im Vorjahr.

Zahl ausländischer Besucher in Israel 2010 bis 2017 (Tsd. Personen)
Jahr Besucher insgesamt Touristen Tagesbesucher
2010 3.450 2.803 641
2011 3.360 2.820 542
2012 3.520 2.886 635
2013 3.540 2.962 578
2014 3.251 2.927 325
2015 3.109 2.799 309
2016 3.070 2.900 170
2017 3.863 3.613 250

Quelle: Zentralamt für Statistik (Central Bureau of Statistics)

Zur Erholung des Fremdenverkehrs haben mehrere Faktoren beigetragen. Nicht zuletzt verlief das Jahr 2017 ohne größere militärische Konflikte. Ferner ist die Zahl der Low-Cost-Flüge auf Israel-Strecken gestiegen. Zudem gewährte Israel Luftfahrgesellschaften Prämien für Direktflüge zum Ben Gurion-Flughafen ab Flughäfen, von denen es bisher keine Israel-Verbindung gab. Im Jahresverlauf 2017 wurden 18 solcher Strecken eröffnet. Zudem subventionierte Israel Direktflüge in die Rotmeer-Stadt Eilat mit 45 Euro pro Passagier.

Einen weiteren Grund sieht das Tourismusministerium in intensiverem Marketing und in der Ansprache neuer Kundenkreise. Der Marketingetat des Ressorts lag 2017 bei umgerechnet 122 Millionen US-Dollar - etwas mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Israels Tourismusminister Yariv Levin erklärte, das Ministerium sei von der bisherigen Konzeption, vorwiegend jüdische Besucher und religiös motivierte christliche Gäste anzusprechen, abgerückt und habe das Land in höherem Maße als Urlaubsziel vermarktet. Zudem habe Israel zur Förderung von Israel-Reisen Verträge mit führenden ausländischen Reiseveranstaltern wie beispielsweise der chinesischen Ctrip oder der US-amerikanischen Expedia geschlossen.

Dennoch zeigt ein Blick auf die Reisegründe der ausländischen Touristen, dass "klassische" Urlauber auch 2017 in der Minderzahl blieben. Nur 33 Prozent gaben als Besuchsgrund Besichtigungstouren, Wandern, Unterhaltung oder Erholung an. Demgegenüber erklärten 25 Prozent der Touristen, als Pilger gekommen zu sein, während 24 Prozent Familie oder Freunde besuchten und 11 Prozent geschäftliche oder dienstliche Gründe hatten. Weitere 8 Prozent gaben andere oder keine Gründe an.

Deutschland rückt auf Rang vier vor

Das nach Staatsangehörigkeit wichtigste Herkunftsland der Besucher blieben 2017 die Vereinigten Staaten. Mit großem Abstand folgten Russland, Frankreich und Deutschland. Die Zahl deutscher Gäste nahm gegenüber dem Vorjahr um 27,2 Prozent zu.

Führende Herkunftsländer ausländischer Besucher 2017
Land Tsd. Personen Anteil in % Veränderung Vorjahr in %
USA 806 20,9 19,9
Russland 398 10,3 39,6
Frankreich 312 8,1 6,5
Deutschland 229 5,9 27,2
Vereinigtes Königreich 212 5,5 7,6
Ukraine 192 5,0 16,4
China 124 3,2 44,2
Italien 111 2,9 26,1
Polen 105 2,7 94,4
Kanada 85 2,2 21,4

Quelle: Zentralamt für Statistik

Für das Jahr 2018 rechnet sich Israel gute Chancen aus, das Rekordergebnis von 2017 zu überbieten. Angesichts der bis zum Jahreswechsel vorliegenden Buchungen, so Levin gegenüber der israelischen Wirtschaftszeitung Globes, sei eine Touristenzahl von 4 Millionen realistisch.

Gleichzeitig baut Israel sein Netz von Luftfahrtabkommen als Teil seiner Politik des offenen Himmels weiter aus. Ende 2017 unterzeichnete das Land solche Abkommen mit zehn Ländern. Zum Teil handelt es sich um neue Abkommen und zu einem weiteren Teil um Änderungen bestehender Vereinbarungen. Das Abkommen mit dem Vereinigten Königreich soll die Luftfahrtbeziehungen nach dem Brexit regeln.

Außerdem werden im Rahmen des Luftfahrtabkommens mit der EU im März 2018 alle noch verbleibenden Begrenzungen beseitigt. Somit schafft Israel die Grundlagen für einen weiteren Ausbau des Flugstreckennetzes, das das Land mit der Außenwelt verbindet, und auch das wird dem Tourismus neue Impulse verleihen.

Schließlich setzt Israel auf eine massive Expansion der Urlauberzahlen in Eilat. Während in der Wintersaison 2016/17 rund 70.000 ausländische Touristen mit Direktflügen in die südlichste Stadt des Landes kamen, erwartet das Tourismusministerium in der Wintersaison 2017/18 dank Low-Cost-Flügen die vierfache Zahl.

Hotelbau hinkt noch hinterher

Die positive Prognose für 2018 stellt allerdings die Infrastruktur des Fremdenverkehrssektors vor eine Herausforderung. Wohl hat sich das Bautempo neuer Hotels dank verstärkter Förderung durch das Tourismusministerium in den letzten Jahren beschleunigt. Wie Levin erklärte, befanden sich Ende 2017 rund 6.000 Hotelzimmer im Baustadium gegenüber 1.500 nur einige Jahre zuvor. Dennoch hat sich diese Bautätigkeit noch nicht wesentlich auf den Bestand der Hotelzimmer ausgewirkt. Deren Zahl lag im dritten Quartal 2017 bei 49.000. Das waren 2,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Es fehlt vor allem an billigeren Hotels und Motels. Nach Schätzung des Tourismusministerium fallen nur rund 30 Prozent der Hotelzimmer in die einfache und preiswerte Kategorie. In der Hochsaison treten aber auch generelle Engpässe auf. So etwa erklärte Yossi Fattal, Vorsitzender der Vereinigung der Reiseveranstalter für ankommenden Tourismus (Incoming Tour Operators Association), Mitgliedsfirmen der Vereinigung vermeldeten mangelnde Hotelzimmerverfügbarkeit für das Frühjahr ebenso wie für die Herbstmonate 2018. Viele individuelle Touristen behelfen sich mit Fremdenzimmern, was bei Gruppen aber nicht möglich ist.

In den Jahren 2018 und 2019 wird die Inbetriebnahme von insgesamt 4.000 weiteren Hotelzimmern erwartet. Sollten sich die optimistischen Tourismus-Prognosen bestätigen, wäre dies aber keine ausreichende Entlastung.

Die Regierung versucht, den Bau von Hotels nicht nur durch finanzielle Anreize, sondern auch durch eine Vereinfachung des Baugenehmigungsverfahrens anzukurbeln. Dennoch klagt die Branche über eine wuchernde Bürokratie. "Ein Hotel im Ausland zu eröffnen ist im Vergleich zu Israel ein Spaziergang", erklärte im Dezember 2017 Leon Avigad, einer der Besitzer der israelischen Hotelkette Brown gegenüber der Wirtschaftszeitung The Marker. Auch deshalb fließt viel israelisches Kapital in Hotelinvestitionen in Übersee.

(S.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Luftverkehr / Flughäfen, Tourismus / Hotels / Gastgewerbe, allg.

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