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03.08.2015

Norwegen investiert in Krankenhäuser

Zahlreiche Aus- und Neubauten / Deutsche Firma liefert Module für einen kompletten Klinikbau / Von Heiko Steinacher

Oslo (gtai) - Helse Nord, die für den Norden Norwegens zuständige Gesundheitsbehörde, hat umfangreiche Pläne für den Aus- und Neubau von Krankenhäusern bekanntgegeben. Insgesamt gibt es in dem Königreich vier regionale Gesundheitsbehörden, die als staatliche Unternehmen für ein abgegrenztes geografisches Gebiet und/oder spezifische Tätigkeiten verantwortlich sind. (Kontaktanschriften)

Die für den Norden des Landes zuständige, regionale Gesundheitsbehörde, Helse Nord, will von 2014 bis 2017 rund 6,5 Mrd. Norwegische Kronen (nkr; rund 0,7 Mrd. Euro; 1 Euro = 8,7550 nkr im Juni-Mittel 2015) in Medizintechnik und die Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnik(IKT)-Lösungen investieren. Helse Nord ist für fachärztliche Leistungen in Krankenhäusern in den Provinzen Nordland, Troms, Finnmark und Svalbard verantwortlich.

Im Zuge einer Gesundheitsreform sind 2002 in Norwegen die vier regionalen Gesundheitsbehörden Helse Nord, Helse Midt-Norge, Helse Vest und Helse Sor-Ost entstanden. Die Regierung hat damals die Verantwortung über die Krankenhäuser von den Provinzen (fylke) übernommen. Den regionalen Gesundheitsbehörden gehören insgesamt 43 Gesundheitsunternehmen (helseforetak; HF). Letztere sind in der Regel für ein oder mehrere Krankenhäuser verantwortlich, einige wenige aber auch nur für Apotheken.

Modernste IKT-Lösungen für Hospitäler im hohen Norden

Helse Nord hat in Stokmarnes (auf der Inselgruppe der Vesteralen) bereits im Mai 2014 ein neues Klinikgebäude eröffnet. Dieses sowie die beiden Krankenhäuser in Vestvagoy (Lofoten) und Bodo gehören zum HF Nordlandssykehuset. In Bodo entsteht gerade ein neuer, 15.000 qm großer und über zehn Stockwerke hoher Flügel, in dem künftig die meisten ambulanten und Ein-Tages-Behandlungen vorgenommen und Operationssäle untergebracht sein werden. Im Zuge dieser Maßnahmen sind hohe Investitionen in neue medizintechnische Anlagen geplant. Danach folgt eine grundlegende Sanierung der übrigen Krankenhausteile. Bis Ende des Jahres 2018 sollen alle Arbeiten in Bodo abgeschlossen sein. Die Kosten dafür belaufen sich schätzungsweise auf über 3,6 Mrd. nkr.

Neuer Krankenflügel an der Universitätsklinik Nord-Norge in Tromso

Die Investitionen in den neuen Krankenflügel an der Universitätsklinik Nord-Norge in Tromso, der bis 2018 fertiggestellt sein soll, dürften sich auf über 1,4 Mrd. nkr summieren. Er soll vor allem der intensivmedizinischen Überwachung, der Behandlung von fortgeschrittenen Krebserkrankungen und der Durchführung spezieller, stationärer Reha-Maßnahmen dienen sowie ferner eine poliklinische Abteilung beherbergen.

Erst im Juni 2015 wurde auf dem Klinikgelände ein neues Patientenhotel, das Akutpatienten den Komfort eines Hotels bietet, eröffnet. Es ist das landesweit größte und hat eine Gesamtfläche von 12.000 qm, 17 Stockwerke und 243 Zimmer. Im Gegensatz zu anderen Ländern stehen Patientenhotels nach skandinavischem Muster medizinisch-pflegerisch dafür geeigneten Krankenhauspatienten in vielen Fällen ohne Zusatzkosten offen.

Zur Universitätsklinik Nord-Norge gehören auch noch kleinere Krankenhäuser in Harstad und Narvik. In Narvik soll von 2019 bis 2022 ein neues Klinikgebäude errichtet werden. Der Investor hat dafür bereits ein Grundstück im Wert von 9,7 Mio. nkr erworben.

Deutsches Unternehmen liefert Module für neues Hospital in Kirkenes

Auch die unweit der norwegisch-russischen Grenze im äußersten Nordosten des Landes gelegene Stadt Kirkenes erhält bis September 2016 ein Krankenhaus. Das komplette Gebäude wird von Cadolto industriell vorgefertigt und erst vor Ort zusammengesetzt.

Das Unternehmen mit Stammsitz in Cadolzburg bei Nürnberg stellt hierfür etwa 330 spezifische Module, die unter anderem auch die gesamte Medizin-, Labor und Gebäudetechnik beinhalten, her. Die modulare Bauweise erspart viel Zeit, was angesichts der kurzen Sommer im hohen Norden eine wichtige Rolle bei der Vergabeentscheidung gespielt haben dürfte.

Das neue Krankenhaus wird auf einer Fläche von über 16.000 qm entstehen und eine Notaufnahme, Radiologieeinrichtungen, Operations- und Kreißsäle sowie eine Poliklinik haben. Der zweistöckige Modulbau erfüllt außerdem Passivhausstandards. Der Investitionsrahmen beträgt rund 1,44 Mrd. nkr.

Das Krankenhaus in Kirkenes sowie zwei weitere in Hammerfest und Alta gehören zum HF Finnmarkssykehuset. Das Hospital in Alta will im nächsten Jahr vor allem neue medizintechnische Ausrüstungen beschaffen. In Hammerfest dauern bereits begonnene Modernisierungsarbeiten weiter an.

Krankenhausbauprojekte nicht nur im ganz hohen Norden

Auch in den südlicheren Landesteilen wird in den Aus- und Neubau von Krankenhäusern investiert. So sieht die Ölmetropole Stavanger für ihre Universitätsklinik (HF Helse Stavanger) Ausgaben in Höhe von rund 8 Mrd. nkr vor. Die Arbeiten hierzu befinden sich aber erst in der Konzeptphase.

Im Zuständigkeitsbereich des HF Helse Fonna besteht Erneuerungsbedarf insbesondere in Haugesund. Das dortige Krankenhaus soll ab 2018 erweitert werden - ob in Form eines kompletten Neu- oder Anbaus an das bestehende Gebäude, ist indes noch offen.

In der Konzeptphase befinden sich auch die Pläne für den Bau eines Krankenhauses in Drammen, gut 40 km südwestlich von Oslo. Die Arbeiten an der Universitätsklinik in der Hauptstadt selbst sind weitgehend abgeschlossen.

Am Krankenhaus in Kristiansand (HF Sorlandet sykehus) sowie an der Universitätsklinik St. Olavs Hospital in Trondheim soll unter anderem der Bereich der Akutpsychiatrie ausgebaut werden.

Kontaktanschriften:

Helse Nord

Sjogata 10, Postboks 1445, 8038 Bodo

Tel.: 0047 75/51 29 00 Fax: -51 29 01

E-Mail: postmottak@helse-nord.no, Internet: http://www.helse-nord.no

Helse Midt-Norge

Strandvegen 1, Postboks 464, 7501 Stjordal

Tel.: 0047 74/83 99 00, Fax: -83 99 01

E-Mail: postmottak@helse-midt.no, Internet: http://www.helse-midt.no

Helse Vest

Nadlandskroken 11 (Forus), Postboks 303 Forus, 4066 Stavanger

Tel.: 0047 51/96 38 00

E-Mail: helse@helse-vest.no, Internet: http://www.helse-vest.no

Helse Sor-Ost

Parkgata 36, Postboks 404, 2303 Hamar

E-Mail: postmottak@helse-sorost.no, Internet: http://www.helse-sorost.no

(S.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Norwegen Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Gewerbebau

Kontakt

Heiko Steinacher

‎+49 (0)228 24 993-260

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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