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02.08.2018

Oh, wie schön ist Panama

Investoren loben den Standort und arrangieren sich mit dem Fachkräftemangel / Von Ulrich Binkert

Panama-Stadt (GTAI) - "Panama? Als Erstes kommt der Kanal, dann Janosch und als Drittes die Papers." So reagieren deutsche Kunden von Klaus Happ, wenn er sie auf Marktchancen in Panama hinweisen will.

"Und meine Kunden sind allesamt sehr wohlhabende und gebildete Leute", ergänzt der Unternehmensberater, der seit Langem zwischen Deutschland und Panama pendelt und dabei auch Investoren berät. Dabei biete der Standort anhaltend hohes Wirtschaftswachstum, Stabilität durch den US-Dollar als Zahlungsmittel und eine hervorragende Lage samt Infrastruktur.

Wer in Panama selbst Manager oder gar Behördenvertreter auf die Panama Papers oder Steuertricksereien anspricht, kann sich auf einen längeren Vortrag gefasst machen, das Land sei inzwischen viel transparenter. Fest steht: Panama ist seit Jahren eine der dynamischsten Volkswirtschaften Amerikas und wird dies auch bleiben, glaubt jedenfalls der Internationale Währungsfonds (IWF). Der Fonds verortet das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2022 weiterhin bei einem jährlichen Plus von 5 bis 6 Prozent. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf ist inzwischen vergleichbar mit der Ungarns, obgleich das Land nur die Fläche Bayerns und die Bevölkerungszahl von Rheinland-Pfalz hat.

Wirtschaft wächst dynamisch

Grundlage der Expansion sind hohe Investitionen in die Infrastruktur. Dabei ist "die Struktur von Panamas Entwicklungsfinanzierung nachhaltig", wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2017 urteilte ("Multi-Dimensional Review of Panama"). Öffentliche wie private Akteure verschuldeten sich relativ wenig. Die Staatsverschuldung hat sich bei knapp 40 Prozent des BIP eingependelt. Das Budget der Zentralregierung ist seit 2016 mit lediglich rund 1 Prozent des BIP im Minus und wird nach Erwartung der Economist Intelligence Unit zumindest bis 2019 nahezu ausgeglichen sein. Wichtig sind dabei die zusätzlichen Gebühren, die Panama nach der Erweiterung des Kanals einnimmt.

Auslandsinvestoren vertrauen dem Land

Ausländische Investoren tragen zur Entwicklung Panamas nach der OECD-Analyse überdurchschnittlich bei. Sie setzen offenkundig viel Vertrauen in das Land. Panama war 2017 wie schon im Jahr davor das zentralamerikanische Land mit dem meisten Zufluss an Direktinvestitionen (FDI).

Zufluss an Direktinvestitionen (FDI) in Panama im Vergleich
Indikator Panama Costa Rica Guatemala Kolumbien Mexiko
FDI (2017, Mio. US$) 6.066 2.997 1.147 13.924 31.726
FDI als Teil des BIP (2010-2017, in %) 1) 9,0 5,7 2,0 4,1 2,6
FDI nach Sektor (in %) 1) 2) 3)
.Rohstoffe 8,6 2,4 17,7 42,4 7,5
.Verarbeitende Industrie 4,9 28,7 18,0 14,5 54,1
.Dienstleistungen 82,5 57,4 58,1 43,7 39,8

1) Durchschnitt über die acht Jahre; 2) Anteil am FDI-Gesamtzufluss; 3) Panama: 2010 bis 2016

Quellen: Cepal (FDI); Internationaler Währungsfonds (BIP); Berechnungen von Germany Trade & Invest

2017 floss nach Angaben der UNO-Kommission Cepal ein Fünftel der FDI (1.256 Milliarden US-Dollar (US$)) in das Kupferbergwerk Cobre Panamá, das noch 2018 in Betrieb gehen soll. Die restlichen Mittel gingen jedoch wie in den Vorjahren ganz überwiegend dahin, wo Panama stark ist: In Dienstleistungen; und das sind nicht nur die Bankentürme in Panama-Stadt, sondern vor allem Transport und Logistik sowie Handel. So kündigte Dubai World 2017 Investitionen entlang des erweiterten Kanals von 113 Millionen US$ an, FedEx sowie Kühne + Nagel gaben ähnlich umfangreiche Pläne bekannt.

Im Logistik-Index der Weltbank liegt Panama in Lateinamerika an erster Stelle (Rang 38 unter 160 Ländern weltweit). "Ein Ersatzteil aus Deutschland habe ich hier in 24 Stunden", sagt der Chef einer Anlagenfirma, "in Kolumbien bin ich mit einer Woche gut bedient". Die Logistiker steuern von hier ihr Geschäft in der Region oder in ganz Amerika, so auch DHL und DB Schenker. Die Lufthansa fliegt fünfmal wöchentlich den Flughafen Tocumen an und will dem Vernehmen nach eine sechste Verbindung einrichten.

Fachkräftemangel als größtes Manko

Als größtes Problem des Standorts nennen Vertreter ausländischer Firmen unisono das Finden passender Arbeitskräfte, auch wenn der Personaldienstleister Manpower dies für Panama als "unterdurchschnittlich schwierig" einschätzt. Es kommt zu wenig nach aus einheimischen Unis und Fachinstituten, so das allgemeine Urteil, zu theoretisch sei die Ausbildung. Viele Hochschulen hätten zwar Logistik-Studiengänge, sagt ein Mann vom Fach, "die Absolventen wissen aber nicht, was eine Bill of Lading ist".

Wie anderswo in Lateinamerika gibt es nicht genügend Fachpersonal auf der mittleren Ebene. In Panama hat man es aber - besonders in ausländischen Firmen - auch in den oberen Etagen sehr häufig mit Ausländern zu tun. Diese dürfen eigentlich nur 10 Prozent der Belegschaft ausmachen, Staatsangehörige "befreundeter Länder" Panamas fallen nach Aussage der Praktiker allerdings nicht unter diese Klausel. "Befreundet" sind zum Beispiel Deutschland, Österreich sowie Costa Rica und Brasilien, allerdings nicht Kolumbien oder Venezuela. Als Sedes de Empresas Multinacionales (SEM) registrierte Firmen können unbegrenzt Ausländer beschäftigen.

Bei den einfacheren Tätigkeiten wechseln Angestellte häufig, die Arbeitslosenrate beträgt laut IWF nur 6 Prozent. Dell gibt die Fluktuationsrate für sein großes Dienstleistungszentrum mit 11 Prozent an und findet das "sehr wenig", bei einem führenden Logistiker wechselt jedes Jahr ein Drittel der Belegschaft. Ganz wichtig ist eine gute Personalabteilung, sagt der Chef einer ausländischen Firma mit hundert Beschäftigten. Wenn da etwas nicht klappe oder die Leute ihr Geld nicht stets korrekt bekämen, seien sie schnell verärgert. Die Gesetze seien arbeitnehmerfreundlich, bei Streitereien lohne sich allemal ein Vergleich gegenüber dem unsicheren Gang vor Gericht.

"Relaxed, tranquilo, take it easy - das ist der Vorteil hier in Panama. Und der Nachteil", ist in der Chefetage eines großen ausländischen Betriebs zu hören, wenn es um die Belegschaft geht. Kundenorientierter als einheimische Angestellte seien im Allgemeinen Kolumbianer und Venezolaner, von denen seit Verschärfung der Krise im Nachbarland viele auch nach Panama kommen.

Um das englischsprachige Personal gibt es große Konkurrenz seitens anderer Firmen, sagt Dells Operations Manager Alisa Exline. Im Call Center der Firma telefonieren insgesamt 600 Leute auf Englisch. Exline äußert sich sehr positiv über ihre Leute. Die Kundenzufriedenheit liege bei 93 Prozent, bei einer Zielmarke von 88 Prozent. Kunden in Nordamerika beschwerten sich nie über einen Latino-Akzent, dafür umso häufiger, wenn sie einen schnell sprechenden Inder an der Strippe hätten.

"Bürokratie ist ok", der Zoll eher nicht

Die Bürokratie ist nach Aussagen mehrerer Firmenvertreter, die sich in der Region bewegen, "weniger schlimm" als in Costa Rica oder Kolumbien. Der Zoll allerdings bereitet den Managern Kopfzerbrechen. So sei das Frachtterminal des Flughafens Tocumen zwar rund um die Uhr in Betrieb, der Zoll aber mache abends Dienstschluss. Die Behörde sei "null digitalisiert", alles dauere. In der Freizone Colón öffneten die Beamten immer wieder Container, weil ein wichtiger Warenscanner zwar vorhanden sei, seit der Beschaffung vor zehn Jahren aber nie funktioniert habe. Die Manager sehen das Problem beim Zoll weniger in einem Mangel an Geld, vielmehr fehle in der Politik der Wille an Veränderung.

Weitere Informationen zu Panama finden Sie unter http://www.gtai.de/panama.

Dieser Artikel ist relevant für:

Panama Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Arbeitsmarkt / Löhne / Ausbildung, Geschäftspraxis allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

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