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23.02.2018

Onshore-Windfarmen in Polen stehen zum Verkauf

Projekte für Offshore-Parks werden entwickelt / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Aufgrund nachteiliger Bedingungen droht zahlreichen Onshore-Windparks in Polen die Insolvenz. An ihren Aufkauf sind aber mehrere Investoren, darunter deutsche, interessiert. Auch inländische Energiegruppen wollen sich in diesem Bereich engagieren. Gleichzeitig werden Windparks in der Ostsee geplant, deren Realisierung aber von der Förderung abhängt. Darüber wird demnächst bei einem Forum beraten. (Kontaktadressen)

Sinkende Preise für grüne Zertifikate und höhere Steuerbelastungen bringen Festland-Windfarmen in Polen in finanzielle Schwierigkeiten. Interesse an der Übernahme solcher Parks zu einem möglichst niedrigen Preis zeigen ausländische Fonds, Investoren aus der Branche und Gesellschaften, an denen der Staat beteiligt ist. Von solchen Akquisen könnten laut dem Vorsitzenden der Polskie Stowarzyszenie Energetyki Wiatrowej (PSEW, Polnische Vereinigung der Windenergie), Janusz Gajowiecki, sogar die Hälfte der installierten Windkapazitäten, also Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 2.000 bis 3.000 Megawatt, betroffen sein. Die Windenergie bleibt die wichtigste erneuerbare Quelle in Polen.

Installierte Leistung erneuerbarer Energien (in MW)
2015 2016 2017 *)
Wind 4.582 5.807 5.849
Biomasse 1.123 1.281 1.362
Wasser 982 994 988
Biogas, auch landwirtschaftlich 213 234 235
Sonne 71 99 104
Insgesamt 6.970 8.416 8.538

*) Stand: Ende September

Quelle: Urzad Regulacji Energetyki (URE, Energieregulierungsamt)

Gajowiecki erwartet die ersten Transaktionen im 1. Halbjahr 2018. Derzeit hätten etwa 70 Prozent der großen Farmen mit einer Kapazität von über 10 Megawatt Probleme mit der Begleichung ihrer Verbindlichkeiten. Zum einen wirkte sich eine Gesetzesnovelle zu erneuerbaren Energien von Juli 2017 negativ auf die Preisentwicklung von grünen Zertifikaten aus. Zum anderen wurde die Steuerbasis für Windradbetreiber im Juli 2016 erweitert, weswegen sie höhere Immobiliensteuern abführen müssen. Im gleichen Jahr wurde der einzuhaltende Mindestabstand zu Gebäuden vergrößert, wodurch Ausbaumöglichkeiten stark eingrenzt sind. Viele Betreiber können mangels finanzieller Ressourcen nicht mehr auf eine Verbesserung des rechtlichen Rahmens warten.

Übernahmen von Onshore-Anlagen erwartet

Laut Informationen der Tageszeitung Rzeczpospolita, die sich auf einen Juristen in einer internationalen Kanzlei beruft, gibt es etliche Interessenten, die Windfarmen in Polen übernehmen wollen. Darunter seien große Fonds von außerhalb Europas. Hinzu kämen internationale Konzerne mit deutschem, französischem und britischem Kapital, die relativ einfach die Tätigkeit der Farmen optimieren könnten.

Auch inländische Energiegruppen, an denen der Staat beteiligt ist, gelten als Interessenten. Dem Vernehmen nach bereite Tauron Polska Energia S.A. den Kauf umfangreicher Windkraftaktiva vor. Die börsennotierte Polenerga S.A. will laut dem Portal WysokieNapiecie.pl eine in den Konkurs gegangene, 6 Megawatt starke, Windfarm vom Londoner Investment Fonds Impax übernehmen.

Inländische Energiegruppen zeigen sich auch daran interessiert, an Auktionen zur Errichtung von Windfarmen teilzunehmen. Dabei erhalten die jeweils kostengünstigsten Projektvorschläge den Zuschlag (nähere Informationen unter: http://www.gtai.de/MKT201509048000). Bevor eine solche Auktion stattfindet, ist eine Gesetzesnovelle angekündigt, die die Bedingungen für Windanlagen wieder verbessern soll. Einzelheiten sind bisher nicht bekannt.

Ostsee-Böen zur Stromerzeugung

Das Potenzial der Windenergie aus dem polnischen Teil der Ostsee veranschlagt die Fundacja na rzecz Energetyki Zrownowazonej (FNEZ, Stiftung für Nachhaltige Energie) auf 8 bis 10 Gigawatt. Laut ihrem Vorsitzenden Maciej Stryjecki hat der Ostseewind, zusammen mit neuen Gaskraftwerken, gute Chancen, einen Großteil der laut Polskie Sieci Elektroenergetyczne (PSE, Polnische Starkstromnetze) bis 2035 benötigten neuen Kapazitäten von 16 Gigawatt zu stellen. "Kohle kommt nicht in Frage, da die Regierung angekündigt hat, dass das Projekt in Ostroleka der letzte neue Kohleblock in Polen sein wird. Onshore-Windparks auch nicht, weil die Entwicklung der Branche blockiert wurde. Kleine Energiecluster, Biogasanlagen und Fotovoltaik? Diese können maximal 3,5 Gigawatt beisteuern. Kernkraft? Ein AKW wird nicht vor 2035 fertig. Bleibt also Offshore und Gas", erläuterte Stryjecki gegenüber der Zeitung Puls Biznesu.

Struktur der installierten Kapazitäten zur Stromerzeugung Ende 2016 (Anteil in %)
Steinkohle Braunkohle Erneuerbare Industrie *) Wasser Gas
46,8 22,7 14,7 6,3 5,7 3,9

*) Industriekraftwerke für Eigenbedarf mit unterschiedlichen Energiequellen

Quelle: Polskie Sieci Elektroenergetyczne (PSE, Polnische Starkstromnetze)

Die FNEZ kooperiert mit über 30 Firmen und Organisationen, die dem Polskie Porozumienie Przemyslu Energetyki Morskiej (PPPEM, Polnischer Industrieverein für Meeresenergie) angehören. Dessen Mitglieder vertreten die inländischen Branchen Schiffbau, Kabel und Elektrik sowie Meeres-Ingenieurwesen und -Logistik.

Auch inländische Firmen, die sich schon auf den globalen Märkten für Offshore-Technologie einen Namen gemacht haben, wollen sich beteiligen. Sie liefern unter anderem Fundamente für Windräder, Türme und Stahlkonstruktionen, Meereskabel und Transformationsstationen sowie spezielle Schiffe, die zum Bau und Unterhalt der Anlagen benötigt werden (nähere Informationen unter:

http://www.gtai.de/MKT201604018000). Kooperationschancen bestehen ferner für deutsche Unternehmen, seien es Ingenieurleistungen, die Bereitstellung von Know-how oder die Zulieferung von Technik und Ausrüstungen.

Investoren aus den USA und China zeigen sich laut dem FNEZ-Vorsitzenden Maciej Stryjecki ebenfalls an der Durchführung von Offshore-Vorhaben interessiert. Seine Stiftung bemühe sich um eine Änderung der geltenden Bestimmungen. Diese sehen vor, dass beim Bau eines Windparks in der Ostsee, der Investor Anschlusskosten an das Stromnetz tragen muss. Die FNEZ strebe dagegen an, diese auf den Abnehmer umzuwälzen. Zu klären ist noch die Entwicklung eines solchen Meeresnetzes und ob die staatlichen Polskie Sieci Elektroenergetyczne (PSE, Polnische Energienetze) dies auf sich nehmen werden.

Erste Vorhaben startklar

In Polen werden bereits einige Projekte zum Bau von Offshore-Windparks entwickelt. Noch wurde aber keine Investitionsentscheidung getroffen. Die Polenergia und der Polska Grupa Energetyczna S.A. (PGE, Polnische Energiegruppe AG) unterzeichneten Vorverträge über einen Anschluss von insgesamt 2,2 Gigawatt bis 2026 ans Stromnetz. Für drei Vorhaben werden umfassende Umweltuntersuchungen durchgeführt und zwei Projekte erhielten 2016 Bescheide zu ihrer Umweltverträglichkeit.

Die Realisierung der Vorhaben hängt aber auch im Offshore-Bereich von der Organisation von Auktionen ab, die den Betreibern langfristig garantierte Abnahmepreise garantieren. Über die Zukunft des Offshore-Sektors wird beraten bei dem Baltyckie Forum Przemyslu Energetyki Morskiej (Ostsee-Forum der Meeresenergieindustrie), das vom 28. Februar bis 1. März 2018 in Warschau stattfindet. Das Konzept dafür erarbeitete die FNEZ.

Kontaktadressen

Polskie Stowarzyszenie Energetyki Wiatrowej (PSEW)

Vorsitzender: Janusz Gajowiecki

ul. Chmielewskiego 22a

70-028 Szczecin, Polen

T. +48 695 105 700

biuro@psew.pl

http://psew.pl

Fundacja na rzecz Energetyki Zrownowazonej (FNEZ)

Vorsitzender: Maciej Stryjecki

ul. Bukowinska 24a / 14

02-703 Warszawa, Polen

T. +48 22 412 24 92

http://www.fnez.pl

Mehr zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen

(B.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Strom-/ Energieerzeugung, Wind

Kontakt

Michal Wozniak

‎+49 30 200 099 266

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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