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04.01.2018

Ostafrika fragt zunehmend Arzneimittel nach

Überdurchschnittliches Wachstum in den nächsten Jahren / Kaum deutsche Exporte / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Wohl nirgendwo in der Welt sind die Herausforderungen an den Gesundheitssektor so groß wie in Subsahara-Afrika. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Für die Pharmaindustrie bedeutet das überdurchschnittliche Zuwachsraten. Alleine der ostafrikanische Markt für Arzneimittel dürfte bis 2021 eine Größenordnung von 3,5 Milliarden US-Dollar erreichen, sagt eine neue Studie des US-amerikanischen Beraterunternehmens Frost & Sullivan. Dies entspricht jährlichen Zuwachsraten von mehr als 10 Prozent.

HIV, Malaria und Tuberkulose sind zum Beispiel in keinem anderen Teil der Welt so weit verbreitet wie in Afrika, heißt es in der Studie. Für Regierungen und medizinische Leistungsanbieter ist es ein ständiger Kampf an zwei Fronten: Auf der einen Seite nimmt wegen des Bevölkerungsdrucks die Zahl der Patienten und Hilfesuchenden immer weiter zu, während es auf der anderen Seite immer schwieriger wird, die notwendigen Finanzmittel zu beschaffen.

Ostafrikas Arzneimittelsektor unterentwickelt

Während der Kontrolle von übertragbaren Krankheiten unverändert die Priorität der Gesundheitssysteme gilt, ist der rapide Zuwachs von nichtübertragbaren Krankheiten die nächste Herausforderung. Ostafrika unterscheidet sich diesbezüglich kaum von anderen Regionen südlich der Sahara. Die klimatischen Bedingungen sind vergleichbar, die Prävalenz von Krankheiten auch. Trotz großer Fortschritte bei der Bereitstellung von Gesundheitsleistungen, Finanzierung, Infrastruktur und Technologie in den letzten Jahren ist der ostafrikanische Arzneimittelsektor insgesamt gesehen kleiner als der in anderen Regionen Afrikas - trotz einer größeren Bevölkerung.

Multinationale Firmen wollen dies durch eine verstärkte Präsenz verändern, während sich alle Regierung der Region die medizinische Versorgung der breiten Bevölkerung auf die Fahnen geschrieben haben. Dabei kommt nach Ansicht der vorgelegten Studie der Bereitstellung von Arzneimittel eine entscheidende Rolle zu. Verschiedene therapeutische Gesundheitsbereiche wie Onkologie, Herz-Kreislauf, Atemwegserkrankungen und zentrales Nervensystem sind danach auf dem Vormarsch und werden die Nachfrage nach einschlägigen Arzneimitteln anheizen.

Verstärkte Produktion vor Ort

Dabei geht der Trend zu einer größeren Produktion von Arzneimitteln vor Ort, um die Abhängigkeit von Spenden und Importen zu vermindern. Gleichzeitig soll damit auch die Qualität der Produkte langfristig gesichert werden. Regionales Vorbild des Gesundheitssektors ist Ruanda, das wie kaum ein anderes Land südlich der Sahara seine Gesundheitsausgaben steigert und eine breite Versorgung bereitstellt. In Bezug auf eine lokale Arzneimittelproduktion haben einschlägige Firmen in Kenia einen qualitativ guten Ruf, gelten aber als nicht ausgelastet, während Äthiopien mit seinen neuen Industrieparks im großen Stil eine neue Produktion aufbauen will.

Zu den internationalen Hauptkonkurrenten vor Ort zählen vornehmlich GlaxoSmithKline, Pfizer, Novartis, Roche und AstraZeneca. Sie profitieren vor allem von einer neuen Mittelschicht, die auch nach pharmazeutischen Markenprodukten fragt. Die deutschen Exporte von pharmazeutischen Erzeugnissen nach Ostafrika sind bislang marginal und erreichten 2016 trotz eines Zuwachses um 16 Prozent nur 24,4 Millionen Euro. Dies entsprach dem durchschnittlichen Jahresumsatz von elf deutschen Apotheken.

Deutsche Exporte von pharmazeutischen Erzeugnissen in ausgewählte ostafrikanische Länder (WA30; in Mio. Euro)
2014 2015 2016
Äthiopien 4,90 3,97 7,76
Kenia 7,78 9,48 7,73
Uganda 3,26 4,76 4,72
Tansania 1,53 1,19 2,28
Ruanda 0,92 1,09 1,39
Eritrea 0,25 0,60 0,48

Quelle: Statistisches Bundesamt

(M.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kenia, Äthiopien, Ruanda, Ostafrika Arzneimittel, Diagnostika, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie

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‎+49 228 24 993 284

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