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11.08.2017

Outletzentren in Polen locken mit Attraktionen

Bau neuer Shopping Malls / Besteuerung kommerzieller Immobilien geplant / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Handelskomplexe für Ausverkaufsware befinden sich in Polen im Auftrieb und werden aufwändiger gestaltet. Viele Schnäppchenjäger wollen gleichzeitig dort auch gastronomische, Service- und Freizeitangebote nutzen. Die Anzahl der Outletzentren steigt kurzfristig auf rund 20. Außerdem entstehen weitere Shopping Malls, ältere werden erweitert sowie modernisiert. Das Finanzministerium plant eine Steuer auf kommerzielle Immobilien. Der Handel an Sonntagen soll begrenzt werden.

Outletzentren sind in Polen beliebt und ähneln immer mehr den regulären Einkaufs- und Freizeitkomplexen. Sie erhalten gastronomische Einrichtungen, Kinosäle oder Kegelbahnen. Preisbewussten Verbrauchern bieten sie Vorsaison- und Überschussware zu günstigen Preisen an. Um noch attraktiver zu werden, locken sie Kunden mit Freizeitangeboten.

Mitte 2017 gab es laut der Immobilienfirma Colliers International 14 Outletzentren, davon drei in Warschau, zwei in Bialystok sowie je eins in Krakow (Krakau), Wroclaw (Breslau), Gdansk (Danzig), Sosnowiec (Sosnowitz), Rzgow bei Lodz (Lodsch), Poznan (Posen), Szczecin (Stettin), Lublin und Rzeszow. Fünf weitere sind geplant: Silesia Outlet in Gliwice (Gleiwitz), Metropolitan Outlet und Outlet Center Bydgoszcz, beide in Bydgoszcz (Bromberg) sowie noch zwei in Krakow.

Bisher verfügt nur der Outlet Park Szczecin über ein Kino. Den Park suchten im 1. Halbjahr 2017 laut seinem Direktor Mariusz Machnicki über 1,67 Mio. Kunden auf. Das Centrum Fashion Outlet Krakow, das Ende 2018 nach einem Umbau der Galeria Plaza eröffnet werden soll, erhält Cafes, Restaurants, eine Bowling Bahn, ein Fitnessstudio und einen IMAX-Kinokomplex. Der Investor ist Peakside Capital und der Bauentwickler sowie Verwalter die Gesellschaft PROM. Ebenfalls in Krakow ist das Cracovia Outlet des Typs mixed-use geplant. Hier will der Investor KG Group bis 2019 Platz für fast 150 Geschäfte schaffen.

Der Investor des Silesia Outlet, 6B47 Poland, erhielt bereits eine Baugenehmigung. Auf einer Fläche von fast 20.000 qm sollen in Gliwice über 120 Geschäfte mit Bekleidungs- und Schuhmarken Platz finden, darunter Adidas, Puma, Reebok, Pierre Cardin, Vistula, Wolczanka und andere. Geplant ist, in einer ersten Phase 12.000 qm zu übergeben, die mit einem Auchan Hypermarkt verbunden werden, wie Miroslaw Januszko von 6B47 gemäß der Tageszeitung Rzeczpospolita sagte. Das Silesia Outlet solle gegen Ende 2018 seine Pforten öffnen. Der Hauptbauausführer wird noch im Rahmen einer Ausschreibung ausgewählt.

Innenraumausstattungen im Metropolitan

In Bydgoszcz entsteht bis 2018 das Metropolitan Outlet an der Stelle einer bereits existierenden Handelsgalerie. Es wird mit einem Carrefour-Hypermarkt verbunden. Über 60 Mode-, Sport-, Schuh- und Interieurmarken können sich dort auf 17.000 qm einrichten. Hinzu kommen Gastronomie- und Servicestellen sowie ein Spielplatz. Ein breites Angebot an Hausgeräten wollen dort unter anderen Dajar Home & Garden sowie Home & Cook vertreiben. Betreiber des Metropolitan Outlet wird die spanische Gesellschaft Neinver.

Polen verfügte Mitte 2017 über 13,4 Mio. qm moderne Einzelhandelsflächen in größeren Komplexen, darunter 9,5 Mio. qm in über 400 Einkaufszentren. Allein im 1. Halbjahr kamen 63.100 qm hinzu, davon 16.600 qm in Einkaufszentren, 21.500 qm in Handelsparks und 25.000 qm in freistehenden großflächigen Objekten.

Laut Izabela Sekrecka von der Immobilienfirma Cushman & Wakefield (C&W) gab es Ende März 2017 in Polen 416 Einkaufszentren. Das Land sei mit 247 qm je 1.000 Einwohner schon relativ gut damit ausgestattet. Der westeuropäische Durchschnitt liege bei 264 qm und der gesamteuropäische bei 206 qm. Dennoch entständen weitere Objekte; rund 670.000 qm hätten sich Mitte 2017 im Bau befunden. Davon sollten zwei Drittel noch 2017 übergeben werden.

Der Großteil der neuen Einkaufszentren wird in großen Agglomerationen errichtet. In Warschau entstehen die Galeria Polnocna (Nordgalerie), Elektrownia Powisle und Galeria Mlociny, in Wroclaw die Wroclavia, in Gdansk das Forum Gdansk, in Krakow die Serenade und in Katowice (Kattowitz) Libero. Ein Drittel der derzeit gebauten Fläche entfällt auf mittelgroße Städte mit 200.000 bis 400.000 Einwohnern wie das Centrum Handlowe Lublin und auch auf Kleinstädte mit unter 75.000 Einwohnern wie Vivo! in Krosno oder der Color Park in Nowy Targ.

Modernisierung bestehender Konsumtempel

Gleichzeitig werden ältere Einkaufszentren um- und ausgebaut und den heutigen Anforderungen angepasst. So steht eine Vergrößerung um 7.000 qm der großen Warschauer Shopping Mall Arkadia noch 2017 an. Der Handelspark Janki im Süden Warschaus, der sich aus mehreren einzelnen Großmärkten und Hallen zusammensetzt, wird bis 2019 um 70 Geschäfte erweitert. Ausgebaut werden auch die Galaxy in Szczecin, deren Fläche um 60.000 qm steigt, und der Park Handlowy Franowo in Poznan, so Sekrecka gemäß der Tageszeitung Rzeczpospolita.

Gehörte noch vor 20 Jahren ein Hypermarkt zu einem Handelskomplex dazu, so kommen nun Großmärkte für Lebensmittel aus der Mode. Die britische Handelskette Tesco gab Anfang Juni 2017 die Schließung von neun Hypermärkten in Polen bekannt. Außerdem will sie die Fläche bestehender Märkte reduzieren. Auch die französische Kette Carrefour schließt sechs Verkaufsflächen.

Vor einigen Jahren hatten sich bereits die Ketten Geant aus Frankreich und Real aus Deutschland aus Polen zurück gezogen. Die beiden Supermarktketten Alma und MarcPol gingen 2016 Bankrott. An den Delikatessenmärkten Alma ist eine zur französischen Gruppe E.Leclerc gehörende Gesellschaft interessiert, die dafür laut Pressemeldungen 94 Mio. Zloty (Zl; rund 22 Mio. Euro, 1 Euro = 4,2423 Zl; Stand: 4.8.17) bezahlen möchte. Die Discounterkette Zabka (Kleiner Frosch) wurde 2017 für 1,1 Mrd. Euro zum Kauf angeboten. Zulauf haben nahe gelegene kleine Lebensmittelläden.

Anzahl der Lebensmittelgeschäfte in Polen nach Größe und Art
2013 2014 2015 2016
Kleine Siedlungsläden 10.855 11.673 11.847 12.937
Discounter 3.298 3.563 3.699 3.807
Supermärkte 4.270 4.593 4.960 4.905
Hypermärkte 444 466 471 476

Quelle: Marktforschungsfirma PMR

Das Finanzministerium will Gesellschaften, denen kommerzielle Immobilien im Wert von über 10 Mio. Zl gehören, eine Steuer auferlegen. Diese soll 0,5% des Wertes dieser Immobilien pro Jahr betragen und unabhängig vom Geschäftsergebnis entrichtet werden. Das sieht ein Gesetzesprojekt vor. Auf die zuvor geplante Einzelhandelssteuer muss Polen laut einem Beschluss der EU-Kommission verzichten mit der Begründung, dass dadurch die Gleichbehandlung der Unternehmen auf dem Markt nicht mehr gewährleistet wäre.

Weitere Beschränkungen können auf den Einzelhandel zukommen, denn die Gewerkschaft NSZZ Solidarnosc drängt auf ein rigoroses Handelsverbot an Sonntagen. Über ein entsprechendes Gesetzesprojekt berät der Sejm (Parlament), der allem Anschein nach mehr Ausnahmen zulassen möchte. Die zu erwartenden Umsatzeinbußen für den Handelssektor im Falle eines vollständigen Handelsverbots an Sonntagen veranschlagt die Consultingfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) auf rund 10 Mrd. Zl.

(B.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Einzelhandel, Immobilienmarkt

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Heiko Steinacher

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