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04.01.2018

Pharmamarkt in Australien ist sehr importabhängig

Deutsche Produkte mit hohem Marktanteil / Umsatz der Apotheken soll bis 2022 jährlich 1,3 Prozent wachsen / Von Werner Kemper

Sydney (GTAI) - Die australische Pharmaindustrie kann die wachsende Nachfrage nicht decken: Ihre Produktion steigt zwar, dennoch verliert sie Marktanteile an die ausländische Konkurrenz. Deutsche Erzeugnisse genießen einen sehr guten Ruf. Getrieben wird das Wachstum durch die alternde, recht wohlhabende Bevölkerung. Der Trend zur gesunden Ernährung macht außerdem Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel beliebter. Derartige Produkte australischer Herkunft sind auch in Asien sehr begehrt.

Der australische Arzneimittelmarkt präsentiert sich uneinheitlich. Einerseits wächst die Nachfrage, andererseits verliert die heimische Industrie weiter Marktanteile, während ausländische Erzeugnisse kräftig zulegen. Einige bedeutende Hersteller von Pharmaprodukten haben in den letzten Jahren das Land verlassen und gleichzeitig ist die Anzahl der Konkurrenten, vor allem in Asien, stark gestiegen.

Apotheken erzielten laut der Marktforschungsgesellschaft IBISWorld im Wirtschaftsjahr 2016/17 (1. Juli bis 30. Juni) einen Umsatz von 12,7 Milliarden US-Dollar (US$). Bei über 63 Prozent der in Apotheken verkauften Produkte handelt es sich um verschreibungspflichtige Medikamente. Arzneimittel werden ebenfalls von Supermärkten und Discountern angeboten. Diese weiten ihre Produktpalette bei rezeptfreien Heilmitteln und Lebensmittelzusätzen, den sogenannten OTC-Produkten (Over the Counter), ständig aus und stellen eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Apotheken dar. Dennoch schätzt IBISWorld das Umsatzwachstum der Apotheken bis zum Jahr 2022 auf jährlich 1,3 Prozent.

Produktion heimischer Erzeugnisse soll zunehmen

Die inländische Produktion von Medikamenten soll im Wirtschaftsjahr 2016/17 bei knapp über 7,7 Milliarden US$ gelegen haben, wovon Produkte im Wert von rund 2,6 Milliarden US$ für den Export vorgesehen waren. Bei den heimischen Erzeugnissen rechnet IBISWorld in den nächsten fünf Jahren mit einem durchschnittlichen Wachstum von 1,6 Prozent jährlich. Etwa 85 Prozent der in Australien verkauften Arzneimittel werden über den Großhandel vertrieben, allerdings haben in den letzten Jahren Direktimporte stetig zugenommen. Vor allem sogenannte Discount-Pharmazien beziehen ihre Produkte häufig direkt vom Hersteller.

Die in Australien hergestellten Arzneimittel teilten sich wie folgt auf: 47 Prozent sind erstattungsfähige Medikamente; 22,7 Prozent sind nicht erstattungsfähige Medikamente; 14,3 Prozent sind Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel; 13 Prozent sind OTC-Produkte und die restlichen 3 Prozent sind sonstige Produkte.

Getrieben wird das Wachstum des Sektors vor allem von der alternden Bevölkerung und den recht hohen Einkommen. Außerdem setzt sich immer mehr ein Trend zu einem gesünderen Lebenswandel durch, mit viel Bewegung, Einschränkung des Konsums von Genussmitteln gekoppelt mit der Einnahme von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln. Insbesondere in den wohlhabenderen Wohngegenden entlang der Küste ist die Dichte der Geschäfte, die sich auf derlei Produkte spezialisiert haben, recht hoch.

Außenhandel mit Arzneimitteln legte kräftig zu

Deutsche Branchenprodukte konnten 2016 mit einem Lieferwert von 1,2 Milliarden US$ und einem Zuwachs von 6,1 Prozent ein sehr gutes Ergebnis erzielen. Dennoch reichte es nicht, den Spitzenplatz in der australischen Importstatistik zu verteidigen. Dieser wurde von Irland erobert. Experten gehen davon aus, dass die Importe 2017 weiter zugelegt haben dürften.

Australische Einfuhr medizinischer Produkte nach wichtigen Lieferländern (in Milliarden US$; Anteil und Veränderung in Prozent) 1) 2)
Lieferland 2015 2016 Anteil 2016 Veränd. 2016/15
Insgesamt 7,8 8,4 100,0 7,4
.Irland 0,8 1,3 15,3 68,4
.Deutschland 1,1 1,2 14,5 6,1
.USA 1,1 1,2 14,1 5,4
.Schweiz 0,9 0,8 9,0 -15,7
.Vereinigtes Königreich 0,6 0,5 6,5 -6,9

1) SITC-Warengruppe 54; 2) Durchschnittswechselkurs 2016/17: 1 US$ = 1,28 $A

Quelle: UN Comtrade

Die australischen Exporte legten von 1,9 Milliarden US$ im Jahr 2015 auf 2,6 Milliarden US$ im Jahr 2016 um beeindruckende 39,8 Prozent zu, wenn auch auf recht niedrigem Niveau. Wichtigste Abnehmerländer waren China mit 620 Millionen US$ (plus 59 Prozent) und die USA mit 590 Millionen US$ (plus 156,5 Prozent). In Asien - vor allem in China - sind Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel aus Australien sehr beliebt. Die Exporte dieser Produktgruppe nach China haben sich von 2015 auf 2016 auf über 200 Millionen US$ verdoppelt.

(W.K.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Australien können Sie unter http://www.gtai.de/australien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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