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17.07.2017

Philippinen bauen Transportinfrastruktur aus

Mangelnde Kapazitäten bremsen Wirtschaftsentwicklung / Schlechte Position im Logistics Performance Index / Von Jürgen Maurer

Taipei (GTAI) - Die Philippinen setzen für die nächsten Jahren einen Investitionsfokus auf die Transportinfrastruktur. Denn nur mit einer funktionierenden Logistikbasis kann das Land so schnell weiter wachsen wie bisher und ausländische Investoren anziehen. Straßennetz, See- und Flughäfen sollen ausgebaut oder modernisiert werden. Bei Durchführung, Betrieb und Instandhaltung der Projekte ist der Privatsektor gefragt. Um die Vorhaben zügig umzusetzen, soll es mehr öffentliche Finanzierung geben als geplant.

Der Ausbau der Transportinfrastruktur steht auf der Agenda der Regierung ganz oben. Sie will dafür in den nächsten fünf Jahren Investitionen in Höhe von 6,4 Mrd. US$ zur Verfügung stellen. Die National Economic and Development Authority (NEDA) hat Ende Juni 2017 eine Reihe von Projekten genehmigt, die schnell umgesetzt werden sollen.

Dabei will die Regierung nicht mehr so stark auf das bislang genutzte Modell der Public-Private Partnerships (PPP) setzen, sondern die Projekte ganz aus öffentlichen Mitteln oder über ausländische Entwicklungshilfe finanzieren. Nach Fertigstellung sollen Betrieb und Instandhaltung an private Firmen übertragen werden.

Dieses PPP-Hybrid-Modell soll erstmals für die Erweiterung des nördlich von Manila gelegenen Clark International Airport angewendet werden und dürfte auch beim Ausbau des Flughafens in Sangley Point südlich der Hauptstadt zur Anwendung kommen. Beide Projekte sollen noch 2017 starten, um mittelfristig den internationalen Flughafen in Manila zu entlasten. Zwar steht die Erhöhung der Passagierkapazität im Vordergrund, jedoch dürfte auch die Entwicklung der Luftfrachtkapazitäten an Bedeutung gewinnen, da diese Flughäfen nahe der Exportverarbeitungszonen liegen.

Häfen sind wichtigste Umschlagsplätze

Für die Ein- und Ausfuhr von Waren spielen in den Philippinen die Seehäfen die wichtigste Rolle. Ihre Kapazitäten sollen ausgebaut werden. Beispielsweise hat Asian Terminals Inc., der Betreiber des Batangas Container Terminal und des Manila South Harbor, für 2017 Investitionen in neue Kräne und andere Containerförderausrüstung in Höhe von circa 96 Mio. $ geplant. Die Kapazität in Batangas soll bis 2018 auf 600.000 TEU (twenty-foot equivalent) verdoppelt werden.

Der größte philippinische Containerhafenbetreiber, die International Container Terminal Services, setzt ebenfalls auf Kapazitätserweiterung. Im Manila International Container Terminal wird die Fahrrinne vertieft, damit die neuen, großen Containerschiffe bis 13.000 TEU anlanden können. Dazu werden fünf neue Kräne zur Be- und Entladung angeschafft. Für Ausrüstungsinvestitionen sind 80 Mio. $ vorgesehen.

Aufgrund der hohen Wachstumsdynamik des Landes wird das Transportvolumen weiter steigen. In den Häfen wurden laut Philippine Port Authority 2016 knapp 250 Mio. t an Waren umgeschlagen, das ist ein Zuwachs von 12%. Dabei stieg das Import- und Exportvolumen um 12,6% auf 151 Mio. t und die im Inland beförderte Menge um 10% auf 98 Mio. t. Das internationale Transportvolumen verteilte sich auf 76,8 Mio. t im Import (+4% gegenüber 2015) und 74,8 Mio. t im Export (+23%).

Intermodaler Transport als Fernziel

Um ein intermodales Transportnetz zu schaffen, wird das System des Roll-On-Roll-Off in den regionalen Häfen modernisiert. Dazu muss der Straßenzugang zu See- und Flughäfen verbessert und das Straßennetz für den inländischen Fernverkehr ausgebaut werden. Denn im Inland wird der überwiegende Teil der Güter über die Straße transportiert, wohingegen Schienentransport so gut wie nicht existent ist.

Mit den wachsenden Ein- und Ausfuhrmengen, steigendem inländischen Konsum und entsprechend zunehmendem Transportaufkommen rückt auch die Lagerhaltung stärker in den Fokus. Der Bedarf an Lagerhäusern ist hoch. So sollen die Transportbedingungen für agrarische Erzeugnisse verbessert werden, etwa durch den Bau von Kühlhäusern. Unilever Philippines lässt gegenwärtig in Laguna sein größtes Distributionszentrum errichten. Es soll im Herbst 2017 fertiggestellt sein.

Bruttowertschöpfung der Transport- und Lagerbranche (in Mio. philPeso; Veränderung in %)*)
2014 2015 2016 Veränd. 2016/15
Gesamt 213,8 231,7 251,6 8,6
.Land 115,9 124,6 134,1 7,6
.Wasser 16,1 17,4 18,4 5,8
.Luft 23,3 26,8 30,5 13,7
.Lagerdienste 58,5 62,9 68,6 9,1

*) 2014: 1 US$ = 44,4 philPeso; 2015: 1 US$ = 45,5 philPeso; 2016:1 US$ = 47,5 philPeso

Quelle: Philippine Statistics Authority, 2017

Logistik mit vielen Schwächen

Mangelnde Infrastruktur und geringe Effizienz führen bislang dazu, dass die Logistikkosten in den Philippinen hoch sind. Sie machen laut Department of Trade and Industry zwischen 24 und 53% der Großhandelspreise aus. Hinzu kommen zwischen 8 und 30% Transportkosten und Hafengebühren.

Daher ist die Verbesserung von Transport und Logistik wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Die beteiligten Akteure haben einen Fahrplan ausgearbeitet, die "Philippine Multimodal Transportation and Logistics Industry Roadmap". Sie wurde im April 2016 veröffentlicht und fordert, Infrastruktur und administrative Rahmenbedingungen zu verbessern.

Im Logistics Performance Index 2016 der Weltbank haben sich die Philippinen gegenüber 2014 um 14 Plätze auf Rang 71 verschlechtert. Dabei wurden jeweils 160 Länder in die Bewertung einbezogen. Die größten Schwächen gab es bei Infrastruktur, Zoll und logistischer Kompetenz.

Ranking im Logistics Performance Index im regionalen Vergleich
2012 2014 2016
Singapur 1 5 5
Malaysia 29 25 32
Thailand 38 35 45
Vietnam 53 48 63
Indonesien 59 53 64
Philippinen 52 57 71

Quelle: World Bank, 2017

(M.J.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in den Philippinen können Sie unter http://www.gtai.de/philippinen abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein

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