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10.09.2018

Philippinen investieren 160 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur

Know-how und Finanzierung aus dem Ausland gefragt / Von Achim Haug

Manila (GTAI) - Die philippinische Volkswirtschaft soll durch den massiven Ausbau der Infrastruktur transformiert werden. "Build Build Build" bietet Chancen, eine Beteiligung ist aber nicht einfach.

Die Infrastruktur gilt als großer Schwachpunkt der Philippinen. Im Ranking des World Economic Forum zur Wettbewerbsfähigkeit 2017/18 lag das Land auf Rang 56 von 137 Volkswirtschaften. Im Bereich Infrastruktur wurde aber nur Rang 97 erreicht. Dies führt zu hohen Logistikkosten, die ausländische Unternehmen mitunter von einem Engagement abhalten.

Um Abhilfe zu schaffen, hat Präsident Rodrigo Duterte das massive Investitionsprogramm "Build Build Build" ins Leben gerufen. Bis 2020 sollen dafür - die Angaben schwanken - 160 bis 180 Milliarden US-Dollar (US$) investiert werden. Vorrangig 75 Schlüsselprojekte werden vorangetrieben, derzeit insbesondere Bahnstrecken.

In der Vergangenheit haben die Philippinen zu wenig in ihre Infrastruktur investiert. Im Jahr 2017 hat sich der Anteil der Infrastrukturinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 5,4 Prozent erhöht, während er in der Dekade zuvor bei nur rund 2 Prozent des BIP gelegen hatte. Ziel ist es, bis 2022 einen Wert von 7,4 Prozent zu erreichen. Investitionen in Infrastruktur beleben aktuell die Wirtschaft und sollen vor allem in der Zukunft eine höhere Dynamik bescheren. Derzeit steigen allerdings auch das Haushalts- und Handelsbilanzdefizit, da ein großer Teil der Materialien eingeführt werden muss (mehr dazu im Artikel "Philippinen müssen viele Baustoffe importieren" unter http://www.gtai.de/mkt201808318002).

Schwerpunkt liegt auf Transportinfrastruktur

Die Regierung plant 75 Flaggschiff-Projekte, die grundlegende Bedeutung für die Wirtschaft haben, aber auch aufwändig und teuer sind. Dazu zählen sechs Flughäfen, vier Häfen, neun Bahnlinien, drei schnelle Bustransitverbindungen sowie 32 Straßen und Brücken. Darüber hinaus befinden sich vier Kraftwerke, zehn Wasserprojekte sowie zehn Flutschutzmaßnahmen auf der Liste. Auf der "Build Build Build"-Internetseite können die Projekte eingesehen werden (http://www.build.gov.ph).

15 der Großprojekte wurden 2017 gestartet, eins bereits davor. Für weitere zehn Projekte fällt 2019 der Startschuss, und 2020 kommen noch vier weitere hinzu. Von den neuen Projekten werden acht durch ODA (Official Development Assistance) finanziert, drei durch multilaterale Geber, drei von der philippinischen Regierung, und eins ist als Public Private Partnership (PPP) geplant.

Besonders im Fokus steht auch Mindanao, die zweitgrößte Insel. Die autonome Region im Süden der Philippinen, die aufgrund islamistischer Rebellen als Unruheherd gilt, soll wirtschaftlich entwickelt werden. Sie ist die Heimatregion des gegenwärtigen Präsidenten.

Bereits in der Umsetzung befindet sich die vierte Stadtbahnlinie in Metro Manila, die MRT 7. Anfang 2018 wurde mit den Bauarbeiten am South-East Metro Manila Expressway gestartet. Rund 616,5 Millionen US$ fließen in den C6 Expressway, auf dem laut Planung ab 2020 von Taguig City nach Quezon City die Stadt umfahren werden kann. Daneben sind das Luzon Spine Expressway Network, das Metro Manila Logistics Network, eine Reihe neuer Brücken und Straßen in der Hauptstadt und der 74 Kilometer lange Metro Cebu Expressway geplant. In Manila steht die erste U-Bahnlinie in den Startlöchern. Die 13 Stationen lange Strecke soll für rund 7 Milliarden US$ bis 2025 gebaut werden.

Finanzierung durch ausländische Geber

Die Finanzierung derartiger Projekte war immer ein Problem in den Philippinen. Statt wie in der Vergangenheit PPP zu nutzen, zahlt der Staat jetzt häufiger direkt. Noch ist die Staatsverschuldung relativ niedrig. Eine große Steuerreform, die 2018/19 umgesetzt wird, soll zusätzliche Einnahmen generieren, die laut Regierung rund 25 Prozent des "Build Build Build"-Programms finanzieren könnten. Darüber hinaus werden Anleihen begeben, ein Samurai-Bond in Yen im August 2018.

Japan ist häufig als Finanzier unterwegs: Die U-Bahn und andere Projekte werden von der Japan International Cooperation Agency (JICA) teilfinanziert. Für die kommenden fünf Jahre plant diese 9,2 Milliarden für Infrastrukturprojekte in den Philippinen ein. Auch China öffnet seine Schatullen, 2016 wurden rund 24 Milliarden US$ versprochen. Viel passiert ist allerdings nicht. Trotzdem sind chinesische Bauunternehmen immer stärker bei Projekten wahrnehmbar, gerade im Energiebereich. Im Herbst 2018 steht ein Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten in den Philippinen an, und ohne die Unterzeichnung großer Infrastrukturvorhaben wird er nicht abreisen.

Deutsche Firmenvertreter sehen sich hier im Nachteil, denn die häufig niedrigen Preise gekoppelt mit staatlicher Finanzierung können sie nicht anbieten. Auch von Schmiergeldern ist die Rede. Direkte Regierung-zu-Regierung-Projekte, wie China sie umsetzt, werden von deutscher Seite nicht favorisiert.

Zulieferungen vor allem an Privatfirmen bieten Chancen

Viele Projekte werden auch als BOT (Build-Operate-Transfer) ausgeschrieben, oder die Firmen sollen eine finanzielle Beteiligung am Betreiber eingehen, zum Beispiel 20 Prozent für zehn Jahre. Dies machen deutsche Firmen in den Philippinen ungern. Es bestehen allerdings durchaus Chancen bei der Zulieferungen von Spezialbauleistungen und Ausrüstung. Nicht wenige Unternehmen winken zwar bei Regierungsaufträgen direkt ab: Zu groß sei die Bürokratie und zu kompliziert die Abwicklung. Nicht wenige Projekte werden aber als PPP realisiert, und hier sind die Chancen deutlich besser. Vor allem - so Firmenvertreter - wenn die philippinische Seite schlechte Erfahrungen mit chinesischer Ausrüstung gemacht hat.

Die Baukosten in den Philippinen gelten als relativ hoch. Grund dafür sind Kartelle von Baufirmen, hohe Stromkosten und die notwendigen Importe von Baustoffen und Ausrüstung aus dem Ausland. Durch den Bauboom wird die Lage noch schlimmer, auch Fachkräfte fehlen. Beobachter bezweifeln daneben die Kapazität der Planungsbehörden, den Bau-Boom zu beherrschen.

Die Oberaufsicht über die Planung hat der National Economic Development Council NEDA. Zuständig für Straßen und Brückenbau ist das Department of Public Works and Highways, für Bahnlinien das Department of Transportation. Auf der Seite des PPP Centers der Regierung findet sich eine Pipeline aktueller Projekte, die im Bau, in der Beschaffungsphase oder noch im Planungsstadium sind (PPP Center: https://ppp.gov.ph). Außerdem findet sich dort ein Ratgeber, wie Vorschläge für PPP-Projekte von Privatunternehmen eingereicht werden können. Dies ist in den Philippinen nicht unüblich und wird zum Beispiel von Japan mit Regierungsunterstützung praktiziert.

Die Deutsche Auslandshandelskammer Philippinen führt im Februar 2019 eine Geschäftsanbahnungsreise für die BereicheInfrastruktur und Mobilität in die Philippinen für KMU durch. Informationen unter http://philippinen.ahk.de/events/events-in-the-philippines/events-single-view/events/geschaftsanbahnung-philippinen-aus-dem-bmwi-markterschliessungsprogramm-fur-kmu/

Ausgewählte Infrastrukturprojekte
Projekt Umfang (in Mrd. US$) Stand Kommentar
Mega-Manila Subway 6,71 Start 2018, Fertigstellung 2025 25 km U-Bahn mit 14 Haltestellen, teilfinanziert durch Japan
MRT Line 7 1,47 Baubeginn im April 2016, Fertigstellung 2020 22,8 km Bahnstrecke, Hochstraße von 22 km. PPP durch Konglomerat San Miguel; EPC Vertrag hat Joint Venture von EEI und Hyundai; Rollendes Material von Hyundai Rotem, wie auch Signalanlagen sowie Kommunikations- und Energie-infrastruktur
North-South Commuter Railway, Phase 1 2,0 Ausschreibung Sommer 2018; Baubeginn 2019 Verlängerung in den Norden von Tutuban nach Malolos, (36,7 km); Finanzierung von JICA. Ausschreibungsseite: http://www.pnr.gov.ph/about-contact-us/bids-awards/north-south-commuter-railway
Malolos-Clark Railway 3,98 Phase 1 Baubeginn 2. Quartal 2019, Fertigstellung 2022; Phase 2 ab 2022 69,5 km elektrifizierte Bahnstrecke zwischen Malolos und dem Clark International Airport; Finanzierung von ADB und JICA
Stromnetz-Verbindung Visayas-Mindanao 1,00 Fertigstellung Ende 2020 Kabelverbindung auf die Insel Mindanao, Unterwasser 184 km, Überland 526 km; Auftraggeber National Grid Corp.
Mindanao Railway Phase 1 0,67 Ausschreibung November 2019, Fertigstellung 2022 102 km Bahnstrecke zwischen Tagum, Davao City und Digos; Ausgestaltung noch im Fluss, ein/zwei Schienen, elektrifiziert oder nicht; Finanzierung durch China
PNR South Long-Haul railway 3,31 Baubeginn 2019, Fertigstellung 2022 Bahnnetz, insgesamt 639 km, verschiedene Unterstrecken; über Finanzierung durch China wird spekuliert
Metro Manila Flood Management Project 0,5 Start 2018, Fertigstellung 2023 Rehabilitierung und Modernisierung von 36 Pumpanlagen, derzeit Beschaffung; Federführung DPWH und MMDA, Finanzierung durch Weltbank und Asian Infrastructure Investment Bank

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in den Philippinen können Sie unter http://www.gtai.de/philippinen abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen Bauwirtschaft, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein

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