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11.10.2018

Philippinische Elektronikexporte ziehen kräftig an

Branche hofft auf Produktionsverlagerung aus China / Von Achim Haug

Manila (GTAI) - Die Elektronikindustrie ist der wichtigste Exportzweig der Philippinen. Um die Erfolge fortzusetzen, will das Land Milliardeninvestitionen anziehen.

Die philippinische Elektronikindustrie spielt eine kleine, aber nicht unbedeutende Rolle in den globalen Lieferketten der Branche. Sie konnte 2017 Rekordexporte von 32,7 Milliarden US-Dollar (US$) verbuchen, so der Branchenverband SEIPI (Semiconductor and Electronics Industries of the Philippines Foundation Inc.), und durchbrach damit zum ersten Mal seit 2010 wieder die 30-Milliarden-US$ Marke.

Die Dynamik setzt sich 2018 fort: Nach einem Zuwachs von 11 Prozent im Jahr 2017 stiegen die Branchenausfuhren in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die SEIPI bleibt aber bei ihrer vorsichtigen Prognose von 6 Prozent Exportsteigerung für 2018, die auf der international zurückhaltenden Stimmung im Gewerbe basiert. Von einem weltweiten Abschwung im Elektronikhandel wären die philippinischen Fabriken ebenfalls betroffen.

Die Philippinen sind seit den 90er Jahren ein wichtiger Standort für die Montage elektronischer Bauteile. Vor allem amerikanische und japanische Unternehmen fertigen hier Elemente wie Leiterplatten oder "packen" die integrierten Schaltkreise weiter ein - Fertigungsschritte, die als Semiconductor Manufacturing Services und Electronics Manufacturing Services bezeichnet werden. Die Zwischenprodukte werden dann zur weiteren Verwendung exportiert, häufig nach China.

Seit 2007 nimmt Vietnam eine zunehmend bedeutende Position als Produktionsstandort ein und hat inzwischen die Philippinen bei den Elektronikexporten überholt. Vielfach handelt es sich um Produktionsstätten, die aus China nach Südostasien verlagert wurden und nur Komponenten aus importierten Vorprodukten zusammensetzen, mit geringer eigener Wertschöpfung.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China beschleunigt den Trend, Produktionsstätten aus der Volksrepublik nach Südostasien zu verlagern. An erster Stelle stehen dabei Vietnam und Malaysia, aber auch die Philippinen und Indonesien machen sich Hoffnungen. Die derzeitigen Unklarheiten über eine Reform der Unternehmensbesteuerung in den Philippinen hält Elektronikfirmen allerdings zum Teil von Neu- oder Erweiterungsinvestitionen ab.

Den Löwenanteil der Elektronikausfuhren der Philippinen machen Halbleiter aus, die 2017 für knapp drei Viertel der Exporte standen. Sie stiegen mit 12,7 Prozent überdurchschnittlich. Der Verband gibt eine positive Exportentwicklung für Unterhaltungselektronik, Büromaschinen sowie Kommunikationstechnik an, während Autoelektronik sowie Elektronik für Medizin und Industrie schwächer seien.

Elektronik dominiert deutsch-philippinischen Handel

Elektronikprodukte stehen insgesamt für rund die Hälfte der philippinischen Ein- und Ausfuhren. Größte Lieferanten sind Südkorea und Taiwan, China spielt in diesem Segment keine große Rolle. Auch bei den Importen aus Deutschland waren 2017 Integrierte Schaltungen (SITC 776) die wichtigste Position. Laut philippinischem Statistikamt standen Produkte aus dieser Kategorie (die auch LED beinhaltet) für 218 Millionen US$ oder 10 Prozent der gesamten Einfuhren "Made in Germany". Die deutschen Lieferungen sanken allerdings um fast ein Drittel gegenüber dem Vorjahr.

Auch für den deutschen Maschinenbau stellt die Elektronikindustrie einen bedeutenden Abnehmer dar: Mit einem Wert von 23,3 Millionen Euro waren Maschinen für die Elektronikproduktion 2017 eine der bedeutenderen Liefergruppen.

Die starke Verflechtung im Elektronikhandel führt zudem zu einer Kuriosität: Laut Weltbank hatte 2016 kein Land einen höheren Anteil von Hightechexporten an den gesamten Ausfuhren als die Philippinen. Im Jahr 2016 wurden nach dieser Definition für 26,1 Milliarden US$ Hightechgüter ausgeführt, was 55 Prozent entsprach.

Um die Position des Landes zu festigen und weiter auszubauen, hat die SEIPI ihre Product and Technology Holistic Strategy (PATHS) aufgestellt. "Der Schlüssel ist, neue Technologie anzuziehen", erklärte SEIPI-Präsident Dan Lachia bei der Vorstellung der Strategie. Dafür sollen die philippinischen Elektronikexporte diversifiziert werden und neben reinen Produkten künftig auch Dienstleistungen für die Elektronikindustrie umfassen. Diese bestehen zum Beispiel im Design von integrierten Schaltkreisen oder allgemein Forschung und Entwicklung. Kritiker merken allerdings an, dass die Philippinen dafür nicht die Basis hätten, was Personal und Forschungseinrichtungen angeht.

Industrie will bis 2030 Investitionen von 5 Milliarden US$ anziehen

Die Industriestrategie sieht daher auch vor, zusätzliche Investitionen anzuziehen - auch aus dem Ausland. Bis 2020 sind 1,5 Milliarden US$, bis 2025 3 Milliarden US$ und bis 2030 sogar 5 Milliarden US$ zusätzlich anvisiert. SEIPI schätzt, dass 2017 weniger als 1 Milliarde US$ Neuinvestitionen in die Branche flossen. Die Umsätze der Industrie sollen laut der Strategie bis 2025 auf 40 Milliarden US$ jährlich ansteigen, bis 2030 werden 50 Milliarden US$ angepeilt.

Die Elektronikindustrie wird von ausländischen Firmen dominiert, fast 72 Prozent sollen in ausländischem Eigentum sein. Die Branche gilt dadurch aber auch als eine der produktivsten im Land. Allerding konnten die Produktivitätssteigerungen in den letzten Jahren nicht mit südostasiatischen Nachbarn mithalten. Ein Grund ist, dass weiterhin relativ einfache Tätigkeiten mit niedriger Wertschöpfung verrichtet werden.

Große exportorientierte Produzenten der Elektronikindustrie sind zum Beispiel Texas Instruments, die Samsung-Tochter Phoenix Semiconductor Philippines Corporation, Nanox (gehört zu Japan Display Group). Continental-Temic fertigt Automobilelektronik. Der Elektronikverband SEIPI hat 261 Mitglieder und schätzt, dass insgesamt rund 926 Firmen mit rund 2,2 Millionen Mitarbeitern in der Branche tätig sind. Die meisten sitzen im Großraum Manila und Calabarzon. Dort liegt auch der Cluster in Cavite, wo Intel einst als erstes Halbleiterunternehmen in den Philippinen investierte. Inzwischen haben die Amerikaner die Fabrik aber geschlossen.

Die Elektronikindustrie könnte von der geplanten Reform der Körperschaftsteuer profitieren. Im Entwurf sind10 Prozent Steuersatz vorgesehen, statt heute 30 Prozent. Dafür würden aber auch Subventionen abgebaut, so die Idee der Regierung. Die Unklarheit bezüglich der finanziellen Auswirkungen verunsichert derzeit Firmen und bremst Investitionen. Der Verband SEIPI hat die Steuerreform zuletzt befürwortet und den niedrigen Steuersatz für Elektronikfirmen als fair bezeichnet - angesichts des hohen Beitrages für die Volkswirtschaft und Beschäftigung der Branche.

Kontaktanschriften

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
SEIPI http://www.seipi.org.ph Elektronikverband
Philippine Semiconductor and Electronics Convention and Exhibition http://www.seipi.org.ph/meetings/psece/ Größte Industriemesse, im Juni 2019 in Manila

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in den Philippinen können Sie unter http://www.gtai.de/philippinen abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Philippinen Elektrotechnik/Elektronik allgemein, Elektronik, allgemein, Elektronische Bauelemente

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