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31.12.2015

Polen benötigt mehr Materialien für Innenausbauten

Hersteller von Keramikfliesen investiert / Gute Aussichten für Chemieprodukte und Stahlprofile / Von Beatrice Repetzki

Warschau (gtai) - Die wieder zunehmende Errichtung von Wohnhäusern und anderen Gebäuden in Polen eröffnet Anbietern von Materialien zum Innenausbau neue Absatzchancen. Der inländische Hersteller von Keramikfliesen, Grupa Tubadzin, vergrößert seine Kapazitäten. Die Importe solcher Produkte weisen einen steigenden Trend auf. Führende polnische Produzenten von Bauchemie und Stahlprofilen erwarten 2016 weitere Zuwächse. (Kontaktanschrift)

Die dynamische Bautätigkeit führt in Polen zu einer wachsenden Nachfrage nach Baumaterialien, darunter Keramikfliesen. Von dieser Entwicklung können auch deutsche Anbieter profitieren. In den ersten elf Monaten 2015 erhöhte sich der Umsatz der Bauwirtschaft laut Statistischem Hauptamt GUS real um 3,3% auf einen Wert von 75,4 Mrd. Zloty (Zl; rund 17,8 Mrd. Euro, 1 Euro = 4,2411 Zl; Stand: 24.12.15). Im Gebäudebau nahmen die Umsätze um 1,1% auf 26,0 Mrd. Zl zu. Im Jahr 2014 hatte der Zuwachs insgesamt 3,6% betragen; der Umsatz im Gebäudebau war aber um 4,0% gesunken.

Der 2015 eingetretene Wachstumstrend dürfte auch 2016 anhalten. In den ersten elf Monaten 2015 wurden laut GUS 171.400 Wohnungsbauprojekte registriert beziehungsweise erhielten eine Baugenehmigung. Das waren 18,7% mehr als von Januar bis November 2014. In dieser Zeitspanne wurde zudem mit dem Bau von 156.000 Wohneinheiten begonnen (+11,8%). Das lässt auf eine künftige Belebung schließen, zumal bis Ende November mit 128.855 Einheiten nur 0,8% mehr als in der gleichen Vorjahresperiode übergeben worden waren.

Angesichts dieser Entwicklung vergrößern inländische Produzenten ihr Angebot an Baumaterialien. Der Hersteller von Keramikfliesen, Grupa Tubadzin (http://www.tubadzin.pl), plant den Bau einer Fabrik in Sieradz auf dem Gebiet der Sonderwirtschaftszone von Lodz (Lodsch). Die Bauarbeiten sollen im Januar 2016 beginnen, sodass die Produktion im Oktober starten kann.

Seine Ausgaben für den Bau veranschlagt der Investor auf über 135 Mio. Zl. In der Fabrik sollen über 100 Personen jährlich rund 3 Mio. qm Keramikplatten herstellen. Dabei handelt es sich vorwiegend um großformatige Platten, wie der Vorsitzende der Grupa Tubadzin, Miroslaw Jedrzejczyk, gegenüber der Tageszeitung Rzeczpospolita sagte. Zu der Gruppe gehörten bislang zwei Fabriken in Tubadzin und in Ozorkow mit einer Gesamtkapazität von jährlich rund 12 Mio. qm Fliesen. Diese seien vollständig ausgelastet.

Firmenangaben zufolge exportiert Grupa Tubadzin etwa ein Viertel ihrer Produkte und verkauft drei Viertel an inländische Abnehmer. Dieses Verhältnis soll auch in der geplanten dritten Fabrik beibehalten werden, sofern die Marktverhältnisse sich nicht änderten. Bedeutende inländische Konkurrenten der Grupa Tubadzin sind die drei börsennotierten Gesellschaften Rovese S.A. (http://www.rovese.com), Ceramika Nowa Gala S.A. (http://www.nowa-gala.com.pl) und Polcolorit S.A. (http://www.polcolorit.pl).

Ukraine verringert Bestellungen

Polen exportiert in starkem Maße vor allem glasierte keramische Fliesen, Boden- und Wandplatten sowie Mosaiksteinchen. In den ersten drei Quartalen 2015 sanken die Ausfuhren von Keramikfliesen jedoch laut Marktforschungsfirma Centrum Analiz Branzowych (CAB, http://www.cab-badania.pl) um 6,6% gegenüber Januar bis September 2014 auf 164,4 Mio. Euro. CAB verfasste eine Marktstudie mit dem Titel "Rynek plytek ceramicznych edycja 2015" (Der Markt für Keramikplatten Ausgabe 2015, http://www.cab-badania.pl/attachments/article/17/opis-rynek-plytek.pdf.).

Gut ein Viertel der Lieferungen ging demnach nach Deutschland (25,9%), gefolgt von der Slowakei (21,3%), der Tschechischen Republik (14,8%), der Ukraine (12,8%) und anderen. Schon 2014 waren die Ausfuhren in die Ukraine eingebrochen, während das Hauptabnehmerland für glasierte Produkte, die Slowakei und auch Deutschland ihre Bestellungen erhöhten. Deutschland wurde zudem zum wichtigsten Abnehmerland unglasierter Produkte.

Exporte keramischer Fliesen, Boden- und Wandplatten, Mosaiksteinchen (in Mio. Zl)
Produktgruppe (Zolltarifnummer) 2012 2013 2014
Glasiert (6908) 580,9 677,7 672,2
.Slowakei 82,1 93,6 103,7
.Deutschland 37,2 63,0 88,5
.Russische Föderation 81,9 81,0 75,6
.Ukraine 106,0 133,7 69,5
.Tschechische Republik 74,0 66,0 67,0
Unglasiert (6907) 211,7 253,3 250,2
.Deutschland 36,4 42,4 37,1
.Russische Föderation 25,3 27,8 27,2
.Ukraine 29,1 45,7 24,9

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS, Außenhandel

Einfuhren von Boden- und Wandplatten nehmen zu

Die Importe keramischer Fliesen, Boden- und Wandplatten sowie Mosaiksteinchen weisen einen steigenden Trend auf. Laut CAB nahmen sie in den ersten drei Quartalen 2015 um 8,6% zu mit Italien, Spanien und Deutschland als wichtigsten Lieferländern. Bei glasierten Produkten konnte das Hauptlieferland Spanien in den vergangenen Jahren Zuwächse verzeichnen. Gleiches gilt für das Hauptlieferland unglasierter Produkte, Italien.

Importe keramischer Fliesen, Boden- und Wandplatten, Mosaiksteinchen (in Mio. Zl)
Produktgruppe (Zolltarifnummer) 2012 2013 2014
Glasiert (6908) 255,2 258,0 286,2
.Spanien 96,8 108,4 129,9
.Italien 77,9 91,4 87,0
.VR China 24,3 20,1 17,6
.Deutschland 37,2 18,1 14,9
Unglasiert (6907) 152,6 160,7 184,3
.Italien 75,5 84,5 96,4
.Deutschland 29,8 37,4 36,9

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS, Außenhandel

Die sinkenden Ausfuhren bei steigenden Einfuhren ließen die Produktion von Keramikfliesen und Gehwegplatten 2014 um 2,8% auf insgesamt 110,5 Mio. qm zurückgehen. Bei kleineren Keramikfliesen mit einer Fläche von bis zu 90 qcm ergab sich jedoch ein kräftiger Zuwachs um 31,5%.

Produktion von Keramikfliesen und Gehwegplatten (in 1.000 qm)
2012 2013 2014
Keramikfliesen und Gehwegplatten 108.267 113.626 110.466
.glasierte Steinprodukte, über 90 qcm 47.662 42.918 40.604
.glasierte Keramikprodukte, über 90 qcm 28.433 37.997 36.926
.glasierte Keramikprodukte, bis 90 qcm 5.697 5.817 7.652

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS, Industrieproduktion

Polen ist ebenfalls ein bedeutender Hersteller von sanitärkeramischen Objekten. Der Output davon stieg in den ersten elf Monaten 2015 laut vorläufigen Angaben des GUS um 1,1% auf 81.688 t, darunter waren 37.359 t Produkte aus Porzellan (+13,4% gegenüber Januar bis November 2014).

Produktion von Sanitärkeramik (in t)
2012 2013 2014
Sanitärkeramische Objekte 83.689 91.426 87.173
darunter
.aus Porzellan (auch chinesisches) 30.101 40.336 35.853

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS, Industrieproduktion

Auch Hersteller anderer Baumaterialien freuen sich über eine steigende Nachfrage nach ihren Produkten, einen Trend, der auch 2016 angesichts des regen Wohnungsbaus anhalten soll. Dazu zählt das Unternehmen für Bauchemie Selena FM (http://www.selena.pl), dessen Vorsitzender Jaroslaw Michniuk wachsende Verkäufe von Schaum, Abdichtmasse und Leim feststellt.

Der größte inländische Hersteller von kaltgezogenen Stahlprofilen, in die vor allem Gipskarton-Bauplatten für den Innenausbau eingefasst werden, MFO (http://www.mfo.pl), verzeichnet seit Anfang 2015 monatlich zweistellige Zuwächse. In den ersten drei Quartalen waren die Verkäufe von MFO um gut 21% höher als von Januar bis September 2014, wie der Vorsitzende des Unternehmens, Tomasz Mirski, gemäß Rzeczpospolita sagte. Künftig erwarte er noch bessere Ergebnisse.

Kontaktanschrift:

Tubadzin Management Group Sp. z o.o.

Cedrowice Parcela 11, 95-035 Ozorkow

Tel.: 0048 42/7 10 37-00, Fax: -99

E-Mail: tubadzin@tubadzin.pl, Internet: http://www.tubadzin.pl

(B.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Baustoffe, Glas, Keramik, allgemein, Keramik-, Porzellanerzeugnisse, Hochbau

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