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07.01.2015

Polen importiert mehr Arzneien aus Deutschland

Apotheken vergrößern ihr Zusatzsortiment / Von Beatrice Repetzki

Warschau (gtai) - Polen ist ein dynamischer Absatzmarkt für Arzneien und Heilmittel aus Deutschland. Die Nachfrage von Selbstzahlern wächst, die Apotheken erweitern ihr Sortiment um frei verkäufliche Artikel. Der Einzelhandel konzentriert sich durch die Bildung von Ketten. Das polnische Parlament will die Ausfuhrmöglichkeiten bei rezeptpflichtigen Arzneien begrenzen, um einer Knappheit im Inland vorzubeugen. Die Bestände innerhalb des Landes sollen zudem künftig elektronisch erfasst werden.

Mit dem Trend zur gesunden Lebensweise steigt die Nachfrage nach Heilmitteln, Nahrungsergänzungsmittel und dermatologischen Produkten in Polen. Die Apotheken erweitern ständig ihr Sortiment um frei verkäufliche Produkte. Die Marktforschungsgesellschaft PharmaExpert Sp.z o.o. (http://www.pharmaexpert.pl) prognostiziert den Gesamtwert der Verkäufe der Apotheken 2014 auf etwa 28,5 Mrd. Zloty (Zl; rund 6,6 Mrd. Euro, 1 Euro = 4,3053; Stand: 29.12.14) und stützt sich dabei auf die Ergebnisse der ersten elf Monate. Das entspricht einem nominalen Zuwachs um gut 3% gegenüber 2013 (27,6 Mrd. Zl).

Dabei sanken die Verkäufe von erstattungsfähigen und rezeptpflichtigen Medikamenten 2013 um 19,6% gegenüber 2011 auf 10,1 Mrd. Zl. Als Vergleichsjahr wurde 2011 gewählt, da Anfang 2012 restriktivere Erstattungsregelungen in Kraft traten. Bei rezeptpflichtigen, aber nicht erstattungsfähigen Arzneien ergab sich ein Zuwachs um 17,9% auf 6,2 Mrd. Zl. Die Nachfrage nach frei verkäuflichen Heilmitteln, Nahrungsmittelzusätzen und dermatologischen Kosmetika stieg um 11,2% auf 11,3 Mrd. Zl.

Verkäufe von Nahrungsmittelzusätzen (Menge in Mio. Packungen, Wert in Mrd. Zl)
1. Halbjahr 2012 2. Halbjahr 2012 1. Halbjahr 2013 2. Halbjahr 2013 1. Halbjahr 2014
Menge 72,9 76,7 83,4 79,7 84,1
Wert 1,15 1,20 1,31 1,29 1,39

Quelle: Marktforschungsfirma IMS Health

Bei Arzneiwaren, die für den Einzelverkauf dosiert wurden, stiegen die polnischen Exporte 2013 laut GUS um 25% auf fast 8,5 Mrd. Zl. Die Importe waren jedoch mit knapp 14,0 Mrd. Zl (+3%) deutlich höher. Deutschland war jeweils der wichtigste Handelspartner. Kräftig um 50% auf 397 Mio. Zl zugenommen haben die Importe von undosierten Arzneiwaren. Hier gewann Kanada große Marktanteile hinzu und wurde zum Hauptanbieter vor den Niederlanden (38,6 Mio. Zl) und Deutschland (34,5 Mio. Zl).

Import von Pharmazeutika (in Mio. Zl)
Produktgruppe / Zolltarifposition 2011 2012 2013
Dosierte Arzneiwaren für den Einzelverkauf (3004) 14.755,0 13.603,4 13.994,1
.Deutschland 1.932,7 2.075,7 2.312,3
.Vereinigtes Königreich 1.909,4 1.771,6 1.864,5
.Frankreich 2.643,4 1.703,0 1.431,6
.Niederlande 804,5 983,6 705,0
.Ungarn 751,3 743,8 812,9
.Italien 820,9 727,8 852,4
.Schweiz 657,7 664,7 732,3
Undosierte Arzneiwaren (3003) 154,0 264,5 396,5
.Kanada 2,9 27,6 77,8

Quelle: Hauptamt für Statistik GUS, Außenhandel

Polen selbst exportierte ebenfalls mehr undosierte Arzneiwaren. Insbesondere die Nachfrage aus Deutschland expandiert. Weitaus wichtiger sind jedoch die polnischen Exporte von dosierten Medikamenten, bei denen vor allem Deutschland und Russland ihre Bestellungen erhöhten.

Export von Pharmazeutika (in Mio. Zl)
Produktgruppe / Zolltarifposition 2011 2012 2013
Dosierte Arzneiwaren für den Einzelverkauf (3004) 5.946,0 6.784,1 8.485,1
.Deutschland 1.005,6 1.019,3 1.170,4
.Frankreich 512,6 754,7 736,4
.Russische Föderation 641,2 673,7 929,6
.Italien 570,7 514,8 397,9
.Vereinigtes Königreich 483,8 361,0 357,8
Undosierte Arzneiwaren (3003) 137,8 222,1 293,6
.Deutschland 18,4 46,6 83,4

Quelle: Hauptamt für Statistik GUS, Außenhandel

Exporte sollen kontrolliert werden

Den Wert der 2013 von Großhändlern ausgeführten Medikamente schätzt das Marktforschungsinstitut IMS Health auf eine Größenordnung von 2 Mrd. Zl. Deren Aktivitäten nahmen 2014 weiter zu. Daher will der polnische Gesetzgeber nun die Exportmöglichkeiten der Großhändler einschränken, um die Abdeckung des Inlandsbedarfs zu gewährleisten und einen möglichen Mangel zu verhindern. Das sieht ein von Parlamentariern erarbeitetes Projekt zur Novellierung des Pharmarechts vor, dessen erste Lesung Mitte 2014 im Gesundheitsausschuss erfolgte.

Demnach müssen Großhändler ihre Lieferabsichten an ausländische Apotheken dem Hauptpharmainspektorat Glowny Inspektorat Farmaceutyczny (GIF, http://www.gif.gov.pl) mitteilen, der diese innerhalb von sieben Tagen unterbinden kann. Das Gesundheitsministerium will zudem ab 2017 die im Inland vorhandenen Bestände an Medikamenten elektronisch erfassen. Dann müssen Apotheken, Großhändler und Produzenten dem GIF Angaben über ihre Lagervorräte machen. Schon ab Anfang 2015 soll das GIF dem Gesundheitsministerium monatlich über die Verfügbarkeit von Medikamenten in Polen berichten.

Die führenden Großhändler sind Pelion, Farmacol und Neuca. Ihr Gewinn wird 2014 aufgrund niedrigerer Handelsspannen geschmälert. Die behördlich festgelegten Großhandelsmargen für erstattungsfähige Medikamente wurden Anfang 2014 weiter auf 5% gesenkt. Das entspricht einem Rückgang um 50% gegenüber Anfang 2012. Der Konkurrenzdruck verschlechtert die Finanzlage weiter.

Der Einzelhandel ist noch zersplittert, konsolidiert sich aber zunehmend. Von den Ende September 2014 rund 14.200 Apotheken landesweit gehörten laut IMS Health 32% einer Kette mit mindestens fünf Filialen an. Ihr Anteil an den gesamten Umsätzen der Apotheken betrug jedoch 46%. In den ersten neun Monaten 2014 kamen 64 neue Ketten hinzu, sodass ihre Gesamtzahl auf rund 330 stieg. Parallel stieg die Anzahl der großen Ketten mit über 50 Apotheken von fünf auf elf.

Von Januar bis September 2014 mussten 180 Apotheken schließen, von denen zwei Drittel keiner Kette angehörten. Gleichzeitig wurden 581 Apotheken eröffnet, von denen die meisten Teil einer Kette waren. Steigende direkte Lieferungen an Krankenhäuser graben dem Einzelhandel zunehmend das Wasser ab. Diese nahmen laut IMS Health in den ersten acht Monaten 2014 um über 13% zu und hielten dadurch einen Anteil von 15,7% am gesamtem Pharmamarkt.

Die in Pommern etablierte Apothekenkette Gemini will landesweit vertreten sein und eröffnet neue Filialen. Auf Expansionskurs befindet sich auch die Kette Ziko Apteka aus Krakow (Krakau) mit inzwischen über 70 Apotheken. Sie investiert weiter auch in ihren dermokosmetischen Bereich; zu der Kette Ziko Dermo gehörten im Sommer 2014 schon 17 Filialen. Auch die israelische Kette SuperPharm will bis Ende 2016 die Zahl ihrer Apotheken auf über 100 verdoppeln. Dr Max des Penta-Fonds und Dbam o Zdrowie des Großhändlers Pelion sind ebenfalls auf der Suche nach weiteren lukrativen Standorten.

(B.R.)

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Polen Arzneimittel, Diagnostika

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