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03.01.2018

Polen plant zentralen Großflughafen

Hohe Investitionen in Bahn- und Straßenanbindung / Regionale Airports wachsen / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) -Ein Verkehrsknotenpunkt mit Großflughafen soll 2027 im Zentrum Polens in Betrieb gehen. Mit den Bauarbeiten kann voraussichtlich Anfang 2020 begonnen werden. Zu dem Komplex wird auch ein Bahnhof gehören, zu dem Gleise zu legen sind. Eine Autobahnumgehung um das 40 Kilometer entfernte Warschau soll Autofahrer dorthin führen. Auch in anderen Regionen wird die Airport-Infrastruktur ausgebaut, um dem wachsenden Passagieraufkommen zu entsprechen. (Kontaktadressen)

Nachdem die Entscheidung zum Bau des zentralpolnischen Großflughafens mit Verkehrsknotenpunkt, Centralny Port Komunikacyjny (CPK), im Herbst 2017 gefallen ist, stehen Mammutinvestitionen an. Bis zur geplanten Übergabe 2027 soll das Vorhaben insgesamt 7,4 Milliarden bis 8,3 Milliarden Euro kosten. Davon entfallen auf den Flughafen selbst 3,8 Milliarden bis 4,5 Milliarden Euro, auf den Bahnhof mit Infrastruktur 1,9 Milliarden bis 2,1 Milliarden Euro und auf die Straßenanbindung knapp 1,7 Milliarden Euro. Dazu zählt eine Umgehungsautobahn um die Hauptstadt Warschau.

Als Standort des CPK ist der rund 40 Kilometer westlich von Warschau, zwischen der Hauptstadt und Lodz (Lodsch), gelegene Ort Stanislawow in der Gemeinde Baranow vorgesehen. Er liegt an der Autobahn A2. Der CPK soll eine Fläche von 3.000 Hektar umfassen und die Bezeichnung Port Solidarnosci erhalten, wie der Regierungsbevollmächtigte zum Bau des CPK, Mikolaj Wild, mitteilte. Zur Finanzierung des Projekts gilt die Gründung einer speziellen Zielgesellschaft als wahrscheinlich. Chinesische Investoren zeigen sich daran besonders interessiert.

Nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2027 sind bis 2035 weitere Investitionen vorgesehen. Allein in die Bahnanbindung sollen 5,5 Milliarden Euro fließen. Rund 800 Kilometer neue Bahnstrecken sind geplant, bestehende sind zu modernisieren. Schließlich soll alle 15 Minuten ein Zug die Hauptstadt mit dem CPK verbinden, der auch zum zentralen Bahnverkehrsknotenpunkt des Landes wird. Wird eine Bahnfahrt von Krakow (Krakau) oder Katowice (Kattowitz) zum CPK 2027 noch 90 Minuten lang dauern, so soll sich die Fahrtzeit bis 2035 auf 75 Minuten verkürzen. Zur Finanzierung der Bahninvestitionen will die Regierung auch Fördermittel der Europäischen Union (EU) heranziehen.

Bau soll 2020 starten

Gegen Ende 2019 könnten laut Wild Investoren ausgewählt werden, die sich an dem CPK-Projekt beziehungsweise an der Zielgesellschaft beteiligen wollen, denn so lange dürften die vorbereitenden Arbeiten andauern. Der neue Flughafen soll in starkem Maße als Drehkreuz für umsteigende Passagiere dienen. In seiner Umgebung sind Hotels, Einkaufsgalerien und sogar zahlreiche Wohnungen geplant. Am Anfang werde die polnische Fluggesellschaft LOT etwa 40 Prozent des Flugverkehrs dort abdecken.

Zunächst sind zwei Startbahnen vorgesehen, später sollen noch zwei weitere hinzukommen. Anfänglich soll der CPK 24 Millionen bis 25 Millionen Passagiere jährlich abfertigen, in einer zweiten Phase dann bis zu 45 Millionen Fluggäste. Diese Anzahl kann sich langfristig durch weitere Ausbaumaßnahmen verdoppeln.

Die Zivilluftfahrtbehörde (Urzad Lotnictwa Cywilnego; ULC) geht davon aus, dass 2035 insgesamt 94 Millionen Passagiere Flughäfen in Polen nutzen werden; 2017 waren es schätzungsweise 36 Millionen. Im 1. Halbjahr 2017 wurden 17,9 Millionen Fluggäste abgefertigt; das waren 17,1 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2016.

Chopin-Airport in Warschau soll bald geschlossen werden

Wenn das neue Drehkreuz seinen Betrieb aufnimmt, soll der bestehende Warschauer Chopin-Flughafen geschlossen werden. Low-Cost-Carrier könnten aber weiterhin den unweit der Hauptstadt gelegenen Airport Modlin nutzen. Ryanair erwägt, an einem polnischen Flughafen sein Umsteigezentrum in Mittelosteuropa zu schaffen, wofür Modlin sich gute Chancen ausrechnet. Billigflieger halten in Polen einen Marktanteil von 55,8 Prozent.

Derweil wird der Warschauer Chopin-Airport allmählich zu klein. Ab 2019/2020 dürfte er ernsthafte Probleme bekommen, den Andrang der Passagiere zu bewältigen. So sind dort verschiedene Investitionen von insgesamt über 48 Millionen Euro vorgesehen. Im 1. Halbjahr 2017 nutzten laut ULC knapp 7 Millionen Reisende den Flughafen; das waren 25 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2016.

Auch andere Airports verzeichnen wachsende Passagierzahlen. Der zweitgrößte des Landes, Krakow-Balice, will 2017 über 5 Millionen Reisende abfertigen (1. Halbjahr 2017: 2,7 Millionen Passagiere; +17,4 Prozent); 2037 sollen es bereits 12 Millionen sein. Daher seien an diesem Flughafen in den nächsten 20 Jahren Investitionen in Höhe von rund 238 Millionen Euro erforderlich. Der Bau einer neuen Startbahn wurde bereits beschlossen.

Die Fläche des Passagierterminals soll von derzeit 55.000 Quadratmeter auf rund 80.000 Quadratmeter erweitert werden. Dafür muss der Güterterminal weichen, der an eine andere Stelle versetzt wird, wo die Lagerfläche dann um 30 Prozent vergrößert wird. Auch die gesamte Infrastruktur in der Umgebung des Airport ist weiter auszubauen und anzupassen. Die Finanzierung soll hauptsächlich mit Eigenmitteln der Flughafengesellschaft erfolgen, die unter anderem Schuldverschreibungen ausgeben will.

Kleine Flughäfen für Ostpolen

Weitere kleinere Regionalflughäfen kommen 2018 hinzu. Der Bau des Flughafens in Krywlany bei Bialystok soll 10,5 Millionen Euro kosten und der in Suwalki (Suwalken) 3,6 Millionen Euro. Beide können von kleineren Flugzeugen mit bis zu 50 Passagieren, Privatjets, Lufttaxis, Rettungsdiensten, dem Grenzschutz oder Zoll genutzt werden.

Auch in Südostpolen wird die Airport-Infrastruktur ausgebaut. Der Flughafen Rzeszow Jasionka wurde im Sommer 2017 um den Waimea Cargo Terminal bereichert, der über 7 Millionen Euro gekostet hatte. Im 1. Halbjahr 2019 soll dort ein Holiday Inn Express Hotel seine Pforten öffnen. Das Flugfeld in Krosno wurde mit Mitteln der Stadt für 6,4 Millionen Euro ausgebaut und will nun etwas größere Flugzeuge als bisher bedienen. Es wird vom Aeroklub Polski verwaltet, der Hauptnutzer ist der Aeroklub Podkarpacki.

Den Airport Gdynia Kosakowo in Gdynia (Gdingen) sollen künftig kleine Privatflugzeuge anfliegen können. Außerdem sind dort Einrichtungen zur Pilotenausbildung vorgesehen. Außer 15 Flughäfen gibt es in Polen rund 60 Landeplätze, von denen über die Hälfte Hobbyflieger-Clubs und Privatleuten gehören.

Kontaktadressen

Zivilluftfahrtbehörde http://www.ulc.gov.pl
Flughafen Krakow-Balice http://www.krakowairport.pl

Mehr zum Land finden sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

(B.R.)

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Polen Flughafenbau

Kontakt

Michal Wozniak

‎+48 22 5310 610

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