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10.08.2018

Polen setzt verstärkt auf Energiespeicher

Neues Gesetz verbessert Ertragspotenzial / Von Michal Wozniak

Berlin (GTAI) - Batteriebasierte Speicher werden in Polen noch wenig genutzt. Die Einführung des Kapazitätsmarktes könnte der Branche jetzt neuen Schwung verleihen.

Anbieter von Energiespeichern können in Polen von dem Gesetz über den Kapazitätsmarkt profitieren. Das unterstreicht die Polnische Kammer für Energiespeicherung (Stowarzyszenie Polska Izba Magazynowania Energii; PIME). Auch deutsche Unternehmen zeigen Interesse an diesem Zukunftsmarkt.

Das Gesetz trat Mitte Januar 2018 in Kraft. Es soll gewährleisten, dass jederzeit ausreichend Energie verfügbar ist. Bezahlt wird nicht mehr die produzierte Strommenge, sondern die Bereitstellung von elektrischer Energie, die im Falle einer Stromknappheit kurzfristig abgerufen werden kann.

Eine Zulassung zum Kapazitätsmarkt können Firmen beantragen, die eine Leistung von mindestens 2.000 Kilowatt anbieten können. Um diesen Wert zu erreichen, kann die Leistung mehrerer Energiespeicher, die an verschiedenen Orten ans Stromnetz angeschlossen sind, kumuliert werden. Die Stromquellen müssen ihre Wirkleistung ununterbrochen für mindestens 4 Stunden zur Verfügung stellen können. Mit der Einführung des Kapazitätsmarktes sollen unter anderem Schwankungen bei der Stromproduktion von erneuerbaren Energiequellen ausgeglichen werden können.

Vorbereitungen für Kapazitätsmarkt laufen auf Hochtouren

Der polnische Stromnetzbetreiber PSE (Polskie Seici Energetyczne) hat Anfang Juli 2018 die Ergebnisse der ersten Zertifizierung zur Teilnahme an Auktionen zum Kapazitätsmarkt bekanntgegeben. Insgesamt wurden 1.167 Einheiten zugelassen, darunter 18 bestehende Energiespeicher mit einer Gesamtleistung von knapp 1.539 Megawatt und 15 geplante Anlagen mit 111 Megawatt. Die Auktionen für die Jahre 2021, 2022 und 2023 werden entsprechend am 15. November, 5. Dezember und 21. Dezember 2018 durchgeführt.

Die Technologien, die bei den geplanten Speichern angewendet werden sollen, wurden nicht spezifiziert. Krzysztof Kochanowski, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer bei PIME, erklärt dazu: "Von Investoren wissen wir, dass hauptsächlich elektrochemische Technologien in Verbindung mit Windkraft zum Zuge kommen werden."

Große fangen klein an

An Pilotprojekte wagen sich bereits die staatlichen Energiekonzerne. In Schlesien will Polska Grupa Energetyczna (PGE) seine 600 Kilowatt starke Photovoltaik-Anlage auf dem Berg Zar um einen batteriebasierten Energiespeicher ergänzen. Der Speicher mit 500 Kilowatt Leistung und einer Kapazität von 750 Kilowattstunden wird zusammen mit dem Unternehmen CIM-mes Projekt gebaut. Knapp die Hälfte der veranschlagten Investitionskosten von 1,6 Millionen Euro steuert das Nationale Zentrum für Forschung und Entwicklung (Narodowe Centrum Badan i Rozwoju; NCBR) bei.

Der Konzern Energa baut zusammen mit Hitachi und dem Stromnetzbetreiber PSE den größten Hybrid-Energiespeicher Polens. Bis 2019 soll SAG Elbud Gdansk die Anlage mit einer Leistung von 6.000 Kilowatt und einer Kapazität von 27.000 Kilowattstunden neben dem Windpark Bystra realisieren. Für Speicherkapazitäten werden sowohl Lithium-Ionen-, als auch Bleiakkumulatoren sorgen.

Tauron setzt auf Innovationen

Tauron erhob die Energiespeicherung zu einer der Hauptentwicklungsrichtungen seiner Strategischen Forschungsagenda. Die Firma beteiligt sich unter anderem an einem weltweiten Forschungsprogramm des US-amerikanischen Electric Power Research Institutes und am Corporate Venture Capital-Fonds EEC Magenta. Beim letztgenannten sollen in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Entwicklungsfonds (Narodowy Fundusz Rozwoju; NFR) und dem NCBR etwa 50 Millionen Euro für im Energiebereich tätige Start-ups zur Verfügung gestellt werden.

Die bereits erarbeiteten Lösungen will Tauron an einer Pilotanlage in Cieszanowice in der Woiwodschaft Oppeln testen. Der Energiespeicher soll über eine Leistung von mindestens 2.000 Kilowatt und eine Kapazität von 500 Kilowattstunden verfügen und mit der benachbarten 30-Megawatt-starken Windkraftanlage des Konzerns zusammenarbeiten. Die Firma erhält dafür etwa 2,2 Millionen Euro Fördermittel aus dem Operationellen Programm Infrastruktur und Umwelt. Der Speicher soll Ende 2019 betriebsbereit sein. Robert Zasina, Vorstandsvorsitzender von Tauron Dystrybucja, stellt in Aussicht, langfristig ähnliche Projekte an weiteren Standorten zu realisieren.

Aus der Privatwirtschaft engagieren sich vor allem Technologielieferanten im Bereich der Energiespeicherung. Mitte August 2018 will Energietechnikzulieferer ZPUE an seinem Hauptsitz in Wloszczowa mit ersten Tests eines auf Lithium-Ionen-Batterien basierenden Speichers beginnen. Die Anlage wird unterirdisch gebaut. Das Unternehmen verspricht sich dadurch Vorteile bei der Effektivität und Langlebigkeit. Der Speicher soll den Stromfluss in der Produktionsanlage stabilisieren, aber auch als Puffer für zwei weitere Kraftwerke dienen: Einer Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 2,4 Kilowatt und einer Windkraftanlage mit 2,8 Kilowatt.

Wichtige Investitionsprojekte im Bereich Batterietechnologie in Polen (Investitionssumme in Mio. Euro)
Akteur/Projekt Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
LG Chem 1.300 Inbetriebnahme Ende 2018 Werk für Li-Ion-Batterien für Elektroautos in Wroclaw; jährliche Kapazität: 100.000 Batteriepacks
Umicore k.A. Inbetriebnahme Ende 2020 Werk für Elektroden für Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge in Nysa; Teil eines 660 Mio. Euro großen Investitionsplans; etwa 400 Arbeitsplätze
Capchem 47 Inbetriebnahme Mitte 2020 Elektrolyt-Werk in Wroclaw; jährliche Kapazität: 40.000 t
Zhangjiagang Guotai-Huarong New Chemical Materials 38 Inbetriebnahme 2020 Elektrolyt-Werk in Godzikowice
LS Cable & System 15 Inbetriebnahme 2019 Werk für Batteriekomponenten in Dzierzoniow; Ausbau einer bestehenden Halle mit 10.000 qm

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Deutsche Unternehmen wollen mitmischen

Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen sowie kleine Produktionsbetriebe will das polnische Tochterunternehmen des deutschen Batterieherstellers BMZ ansprechen. In Zusammenarbeit mit Soltech Service bringt es ein System aus Haushaltsbatterie und Fotovoltaikanlage auf den Markt. Mit Speicherkapazitäten von über 10 Kilowattstunden ist das sogenannte Energy Storage System X größer als alle bisherigen Lösungen des Gleiwitzer Werkes. Laut Firmenangaben bietet es zudem die größte Energiedichte in seinem Format.

Im polnischen Speichersegment engagieren will sich auch das deutsche Energieversorgungsunternehmen EWE. "Immer mehr erneuerbare Quellen werden ans Netz angeschlossen. Zudem hat Polen im Vergleich zum gesamten Markt der europäischen Union eine der schlechtesten Situationen in Bezug auf Energiesicherheit", erklärte der Vorstandsvorsitzende von EWE Polska, Daniel Waschow, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Newseria Biznes. Den Kostenfaktor sieht er mittel- bis langfristig als abnehmende Barriere. Einerseits sinken Batteriepreise kontinuierlich, andererseits bietet das neue polnische Kapazitätsmarktgesetz Möglichkeiten zur Haupttätigkeit dazuzuverdienen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Tauron Innowacje http://www.tauron.pl/tauron/o-tauronie/tauron-innowacje Ansprechpartner: Pawel Poneta, Teamleiter Forschung und Entwicklung, E-Mail: pawel.poneta@tauron.pl; Szymon Kowalski, Leitender Spezialist für Forschung und Entwicklung, E-Mail:szymon.kowalski@tauron.pl
Nationales Zentrum für Forschung und Entwicklung http://www.ncbr.gov.pl/en/ Narodowe Centrum Badan i Rozwoju; Vergibt Förderung für Forschungsprojekte und die Entwicklung von Produkten bis zur Marktreife
Nationaler Entwicklungsfonds http://www.pfr.pl/en/ Narodowy Fundusz Rozwoju; Hilft bei Finanzierung innovativer Projekte
Polnische Kammer für Energiespeicherung pime.pl/ Stowarzyszenie Polska Izba Magazynowania Energii; Branchenverband

Das Gesetz über den Kapazitätsmarkt finden Sie im Originalwortlaut unter: http://prawo.sejm.gov.pl/isap.nsf/download.xsp/WDU20180000009/O/D20180009.pdf

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik

Kontakt

Michal Wozniak

‎+49 30 200 099 266

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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