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25.03.2016

Polnische Chemiebranche investiert für die Zukunft

Fokus auf Steigerung der Erzeugungskapazitäten / Engagement in Forschung und Entwicklung steigt / Von Michal Wozniak

Warschau (gtai) - Um im globalen Technologiewettstreit nicht ins Hintertreffen zu geraten, steigern polnische Chemiekonzerne ihre Investitionsbemühungen. Großunternehmen bauen ihre Kapazitäten aus und forschen. Das Förderprogramm Innochem soll auch ihnen, vor allem aber kleineren Firmen, unter die Arme greifen. Während der ersten Ausschreibungsphase übertraf das Interesse das verfügbare Budget um mehr als die Hälfte.

Dank der guten globalen Konjunktur und fallender Rohstoffpreise konnten polnische Chemieunternehmen für 2015 überwiegend gute Geschäftsergebnisse vermelden. Um das Niveau zu halten, investieren sie nicht nur in neue Kapazitäten, sondern auch in Forschung und Entwicklung.

Allen voran der größte polnische Branchenvertreter und zweitgrößte Düngerlieferant Europas, die Grupa Azoty (http://www.grupaazoty.com). " In den Chemie- und Kunststoffsparten sowie neuen Tätigkeitssegmenten müssen wir auf fortgeschrittene Technologien sowie innovative Produkte und Dienstleistungen setzten. Ohne diese Aktivitäten wären wir zum Scheitern verurteilt", unterstreicht Firmenchef Dariusz Malinowski.

Das Unternehmen eröffnete daher im Oktober 2015 fünf neue Labore im Institut für Neue Chemische Synthesen (http://www.ins.pulawy.pl) für knapp 25 Mio. Euro. Die größten Ausgaben beanspruchte das Forschungszentrum für überkritische Extraktionsprozesse. Mit der zur grünen Chemie gehörenden Technologie sollen unter Einsatz von CO2 und ausschließlich natürlichen Rohstoffen ökologische Produkte hergestellt werden. Ferner baute der Konzern Versuchslabore für neue Technologien im Bereich der Düngermittelherstellung, Hochdruckchemie und bioaktive Verbindungen sowie eine Pilotinstallation zur Erforschung von Prozessen zur Katalysatorengewinnung durch Mitfällung.

Die Forschungskapazitäten sollen laut Unternehmensvertretern auch Dritten zugänglich gemacht werden. Die meisten Branchengrößen verfügen allerdings über eigene Einrichtungen, so zum Beispiel der Kautschuk-Anbieter Synthos (http://www.synthosgroup.com), der Farbhersteller Sniezka (http://www.sniezka.pl) oder PCC Rokita (http://www.pcc.rokita.pl), das unter anderem Polyurethane und Tenside produziert.

Forschungsarbeiten in der Chemie finanziell unterstützen wird ein der Branche gewidmetes Förderprogramm des Nationalen Zentrums für Forschung und Entwicklung (http://www.ncbr.gov.pl). In der ersten Ausschreibungsrunde von "Innochem" im Februar 2016 standen knapp 30 Mio. Euro zur Verfügung. Umfang und Thematik der Forschung sind kaum Grenzen gesetzt. Die Innovationen können die Ölverarbeitung, Brennstoff- und Mineralöladditive, Düngemittel, großvolumige Polymerstoffe oder Spezialprodukte betreffen, erklärte gegenüber dem Portal wnp.pl Beata Tylman, Vertreterin des Beratungsunternehmen PwC (http://www.pwc.pl). PwC unterstützte die Polnische Kammer der Chemieindustrie (http://www.pipc.org.pl) bei der Machbarkeitsstudie des Programms "Innochem".

Eingegangen sind 49 Anträge mit einem Gesamtvolumen von über 70 Mio. Euro, davon sollte sich die Kofinanzierung auf 44 Mio. Euro belaufen. Welche der Vorhaben sich weiterqualifizieren, wird im 2. Quartal des Jahres bekanntgegeben.

Löwenanteil der Investitionen fließt in größere Kapazitäten

Die für polnische Verhältnisse beachtlichen FuE-Ausgaben verblassen gegenüber anderen Investitionsprojekten der Konzerne. Noch für 2016 sieht Grupa Azoty die Fertigstellung eines Polyamid-Werkes in Tarnau (Tarnow) für etwa 75 Mio. Euro vor. Etwas weniger als die Hälfte dieses Betrags wird die benachbarte Linie zum Granulieren von Mineraldüngern kosten. In seinem größten Einzelvorhaben baut der Konzern eine Installation zur Herstellung von Prophylen im westpommerischen Pölitz (Police): Bis zur Inbetriebnahme 2019 soll sie knapp 400 Mio. Euro kosten. Im gleichen Werk dauern Modernisierungsarbeiten an der Ammoniak-Installation für weitere 30 Mio. Euro an.

Im Rahmen der Sicherung der Energieversorgung des Konzerns soll noch in diesem Jahr der erste Block eines neuen Heizkraftwerks (HKW) in Kandrzin (Kedzierzyn) anlaufen. Inklusive des bis 2019 angedachten Ausbaus umfasst das Vorhaben einen Schätzwert von knapp 150 Mio. Euro. Nahezu den doppelten Betrag kosten könnte ein Gaskraftwerk in Pulawy, über dessen Bau noch 2016 entschieden werden soll. Dem Abschluss nähern sich Arbeiten an einer Abgasreinigungsanlage im Tarnauer HKW für etwa 40 Mio. Euro.

Ausgewählte Investitionsprojekte der chemischen Industrie in Polen (Investitionssummen in Mio. Euro 1) )
Firma Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
Grupa Azoty 410 Baubeginn 2016; Fertigstellung bis spätestens 2019 Anlage zur Herstellung von Prophylen in PDH-Technologie; Police
Grupa Azoty 260 Fertigstellung bis 2019 geplant; endgültige Entscheidung steht noch aus Gas-und-Dampf-Kraftwerk Pulawy
Grupa Azoty 160 Fertigstellung bis 2021 Ausbau der Anlage zur Herstellung von Salpetersäure; Pulawy
Synthos 95 Inbetriebnahme bis 2018 Müllverbrennungsanlage; Auschwitz
Grupa Azoty 90 Linie I - bis 2018; Linie II - bis 2020 Zwei Linien zur mechanischen Granulierung von Düngemitteln (Salpeter); Pulawy
Synthos 75 Fertigstellung bis Ende 2017 und 2018 Bau einer Anlage zur Herstellung von Polystyrol für Isolierschaume; Pflanzenschutzmittelwerk mit F&E-Abteilung; Auschwitz

1) Umrechnung nach Bundesbank-Durchschnittskurs vom 17.3.16: 1 Euro = 4,2895 Zl

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Presseberichte

Ciech (http://www.ciechgroup.com) baut seine Soda-Kapazitäten um ein Drittel aus. Die erste Phase des etwa 70 Mio. Euro teuren Vorhabens wurde Ende 2015 abgeschlossen. Der Konzern sucht zur Zeit auch Durchführer zahlreicher Forschungsprojekte, unter anderem zum Thema Karbonisierung von Ammoniaklake, CO2-Gewinnung aus der Sodaproduktion oder im Bereich von Pflanzenschutzmitteln (Details in polnischer Sprache unter: ciechgroup.com/grupa-ciech/postepowania-zakupowe). Das Tochterunternehmen Vitrosilicon (http://www.vitrosilicon.com.pl) startete mit dem Ausbau der Produktion von Natriumsilikaten.

Der Kautschuklieferant Synthos (http://www.synthosgroup.com) legte einen Investitionsplan im Wert von knapp einer Viertelmilliarde Euro vor. Die Hälfte davon soll 2016 vergeben werden. Darin begriffen ist eine 75 Mio. Euro teure Installation zur Herstellung von Nitrilkautschuk sowie ein Kieselerdewerk für die Reifenindustrie. In Auschwitz (Oswiecim) soll zudem bis 2018 eine Müllverbrennungsanlage mit jährlichen Verarbeitungskapazitäten von bis zu 160.000 t entstehen, die zur Senkung der Energiebeschaffungskosten beitragen soll.

PCC Rokita gab 2015 laut seinem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Rafal Zdon über 30 Mio. Euro für Investitionen aus. Zukünftig sollen Herstellungskapazitäten in den Bereichen Propylenoxid, Polyol sowie Polyurethane entstehen. Bei Boruta-Zachem (http://www.boruta-zachem.pl) startete bereits Ende 2015 eine innovative, nahezu 8 Mio. Euro teure Produktionslinie für Biotenside. "Die Messdaten der einzelnen Prozesse werden wir für den Bau von Modellen der geplanten Bioraffinerie nutzen", erklärte während der Eröffnung Firmenchef Marcin Pawlikowski.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Chemische Industrie, allgemein, Forschung und Entwicklung

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