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10.06.2015

Polnische Chemieprojekte konkretisieren sich

Kapitalspritze für Azoty / Inländischer Bedarf an Kunststoffen steigt / Von Beatrice Repetzki

Warschau (gtai) - Die Finanzierung der Vorhaben der polnischen Stickstoffgruppe Grupa Azoty ist einen Schritt vorangekommen. Die Gesellschaft Polnische Entwicklungsinvestitionen PIR stellt ihr mindestens ein Viertel der Kosten für den Bau einer Fabrik für Propylen zur Verfügung. Außerdem erweitert die Grupa Azoty ihre Möglichkeiten in ihrem wichtigsten Geschäftsbereich, dem Kunstdünger, für den sie weitere Rohstoffe fördern will. Die Herstellung von Kunststoffen in Polen zieht wieder an. (Kontaktanschrift)

Die Stickstoffgruppe Grupa Azoty S.A. plant bis 2020 Investitionen in Höhe von insgesamt etwa 7 Mrd. Zloty (Zl; rund 1,7 Mrd. Euro, 1 Euro = 4,1600 Zl; Stand: 5.6.15). Nach und nach klärt sich die Finanzierung dieser Ausgaben. Das wichtigste Projekt ist der Bau einer Fabrik für Propylen am Chemiestandort Police (Pölitz) bei Szczecin (Stettin). Der Umfang der Investition liegt bei rund 1,4 Mrd. Zl, hinzu kommen ein Kraftwerksblock (150 Mio. Zl) und ein Chemikalienterminal im Hafen von Police (150 Mio. Zl).

Die Gesellschaft Polskie Inwestycje Rozwojowe S.A. (PIR, Polnische Entwicklungsinvestitionen; http://www.pir.pl) beteiligt sich an den Kosten zu mindestens 25%. Sie war Mitte 2013 gegründet worden, um das Regierungsprogramm "Inwestycje Polskie" verwirklichen zu können. Die PIR soll langfristige, rentable Infrastrukturprojekte im Inland kofinanzieren und fungiert dabei als Kapitalinvestor. Die Gesellschaft ergänzt damit Finanzierungsangebote des privaten Finanzsektors. Die endgültige Finanzierung der Propylen-Fabrik, die Anfang 2019 ihren Betrieb aufnehmen soll, soll gegen Ende 2015 geklärt sein. Die Technologie liefert der US-Konzern Honeywell.

Ergebnisse der Grupa Azoty (in Mrd. Zl)
2013 2014 1. Quartal 2014 1. Quartal 2015
Einnahmen 9,82 9,90 2,7 2,8
Nettogewinn 0,23 *) 0,30 *) 0,15 0,31

*) um einmalige Ereignisse korrigiert

Quelle: Grupa Azoty

Dank der neuen Fabrik sollen sich die jährlichen Einnahmen der Grupa Azoty um etwa 2 Mrd. Zl kräftig erhöhen. Das entspricht einer Verdoppelung der Einnahmen von Azoty Police. Die Fabrik soll mit 200 Mitarbeitern pro Jahr 400.000 t Propylen produzieren. Verwendet wird dieses zur Herstellung unter anderem von Lösungsmitteln, Acrylfarbe und Polypropylen.

Zu den Abnehmern gehört ein inländischer Produzent von Farben und Lacken, die Fabryka Farb i Lakierow Sniezka (http://www.sniezka.pl) aus Lubzina im Südosten des Landes. Das Börsenmaklerhaus BDM prognostiziert diesem für 2015 Einnahmen von 543 Mio. Zl (2014: 546 Mio. Zl) mit einem Nettogewinn von 40,1 (2014: 39,9) Mio. Zl. Ein Viertel der Einnahmen erwirtschaftete Sniezka 2014 mit Exporten in die Ukraine und die Russische Föderation sowie nach Belarus.

Den Großteil des Propylens werden jedoch die zur Grupa Azoty gehörenden Zaklady Azotowe Kedzierzyn abnehmen. Diese nahmen im April 2015 eine Produktionsanlage für Plastifikatoren auf der Basis von Terephthalat in Betrieb, die für 40 Mio. Zl errichtet worden war. Diese Kunststoffe werden bei der Herstellung verschiedener PVC-Produkte verwendet, darunter Fußbodenbeläge, gebogene Rohre, Folien und Verpackungen.

Fabrik für Polyamid entsteht

Die auf Kunstdünger und Kunststoffe spezialisierte Grupa Azoty führt noch weitere Vorhaben durch. In ihren Werken in Tarnow begann sie mit dem Bau einer Fabrik für Polyamid, die Kosten von 320 Mio. Zl verursacht. Außerdem entsteht dort für 141 Mio. Zl eine Installation zur Granulierung von Kunstdünger.

Zur Finanzierung der umfangreichen Vorhaben unterzeichnete die Grupa Azoty mit einem Bankenkonsortium einen Kreditvertrag über 1,5 Mrd. Zl. Die Verhandlungen mit der Europäischen Investitionsbank EIB über einen Kredit von 550 Mio. Zl sowie mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) über ein weiteres Darlehen von 150 Mio. Zl stehen vor dem Abschluss.

Die Grupa Azoty plant daneben Zusammenschlüsse und Übernahmen im Ausland mit dem Schwerpunkt Europa. In Afrika hält sie mit ihrer Gesellschaft Azoty Police bereits einen Mehrheitsanteil von 55% an der senegalesischen African Investment Group (AIG), die sie für fast 29 Mio. US$ erworben hatte.

Azoty Police rechnet im Senegal mit großen Lagerstätten von Phosphorit und will die Förderung 2015 aufstocken. Die Gesellschaft hat vor, dort ein zweites Bergwerk und eine Fabrik für Phosphorsäure in Betrieb zu nehmen. Außerdem verfügt AIG über Konzessionen für die Ausbeutung von Vorkommen von Ilmenitsanden (Titaneisen) und Kalziumphosphaten.

Die Grupa Azoty ist der zweitgrößte Hersteller von Kunstdünger Europas und erwirtschaftete im 1. Quartal 2015 laut eigenen Angaben fast zwei Drittel ihres Umsatzes (63%) mit diesem Produkt. Mit großem Abstand folgten andere Chemieprodukte (22%), Kunststoffe (12%), Energie (2%) und übrige (1%).

Produktion von Kunstdünger 1) und Kunststoffen (in 1.000 t, Veränderung in %)
2013 2014 Jan. bis Mai 2014 Jan. bis Mai 2015
Stickstoffdünger 1.834 1.941 695 712
Phosphordünger 372 408 137 160
Kunststoffe in Grundformen 2.993 2.715 934 970
.Polyäthylen 347 337 120 129
.Polyvinylchlorid (PVC) 306 275 111 110
.Polypropylen (PP) 259 221 75 80

1) Mineralischer oder chemischer Dünger, als reiner Bestandteil, auch mit mehreren Bestandteilen

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS

Der polnische Output an mineralischen oder chemischen Düngemitteln steigt laut dem Statistischen Hauptamt GUS. Die Grupa Azoty sucht auch im Inland nach Rohstoffen und will in Kooperation mit dem Kupferkombinat KGHM Polska Miedz im Raum Puck (Puzk), nördlich von Gdynia (Gdingen), Vorkommen von Kalium-Magnesium-Salzen erforschen, die auch zur Herstellung von Kunstdünger verwendet werden.

Der im Jahr 2014 rückläufige Trend bei der Herstellung von Kunststoffen in Grundformen konnte in den ersten fünf Monaten 2015 laut GUS umgekehrt werden. Bei der Verarbeitung von Kunststoffen verzeichnete das Land 2014 laut der Organisation PlasticsEurope einen Zuwachs von 4,6%.

Hier besteht noch Wachstumspotenzial, denn der Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststoffen liegt in Polen derzeit bei etwa 80 kg im Jahr gegenüber gut 95 kg im EU-Durchschnitt. Allein 2014 stieg die Nachfrage um über 7,1% auf 3,1 Mio. t. Der inländische Bedarf an Kunststoffprodukten wächst laut dem Geschäftsführenden Direktor der Fundacja PlasticsEurope Polska, Kazimierz Borkowski, zur Herstellung von Verpackungen, elektrischen und elektronischen Geräten sowie Kfz.

Die inländische Produktion kann die Nachfrage allein nicht abdecken, weshalb umfangreiche Importe notwendig sind. Der Kunststoffbranche gehörten 2014 in Polen rund 7.680 Unternehmen mit insgesamt über 143.000 Mitarbeitern an. Sie erwirtschafteten zusammen einen Umsatz von 15,6 Mrd. Euro.

Kontaktanschrift:

Grupa Azoty S.A.

ul. Kwiatkowskiego 8, 33-101 Tarnow/Polen

Tel.: 0048 14/6 37 37 37, Fax: -6 33 07 18

E-Mail: kontakt@grupaazoty.com, Internet: http://grupaazoty.com

(B.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Chemische Industrie, allgemein, Kunststoffe und Gummi, Agrarchemikalien

Kontakt

Marlene Bukowski

‎+49 (0)30 200099-260

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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