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14.09.2017

Polnische Hafengruppe Szczecin-Swinoujscie investiert in den Ausbau

Vertiefung der Wasserstraße nach Swinemünde / Seetransport an polnischer Küste wächst / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - In den polnischen Seehäfen werden immer mehr Ladungen gelöscht. Daher erweitern sie ständig ihre Kapazitäten. Der geplante Ausbau der Wasserstraße nach Swinoujscie ermöglicht dem Stettiner Hafen eine kräftige Erhöhung des Güterumschlags. Er will beim Transport zwischen Skandinavien und Südeuropa eine größere Rolle spielen. Der Hafen von Gdynia erweitert und vertieft seine Fahrrinnen, um noch größere Frachter aufnehmen zu können. Gdansk erhält eine neue Basis für Agrargüter.

Die Hafengruppe Szczecin-Swinoujscie (Stettin-Swinemünde) vergrößert ihre Kapazitäten. Die 68 Kilometer lange Wasserstraße zwischen beiden Hafenanlagen soll ausgebaut und auf 12,5 Meter vertieft werden. Ein Gesetz dazu hat Staatspräsident Andrzej Duda im Mai 2017 unterzeichnet. Dieser Ausbau ermöglicht weitere Investitionen in die Hafenanlagen. Den Gesamtwert der Investitionen in die Weiterentwicklung der Hafengruppe veranschlagen Branchenkenner auf 588 Millionen Euro.

Die westpommerschen Hafenanlagen wollen ihre Bedeutung als Umschlagplatz für Güter, die zwischen Skandinavien und Südeuropa transportiert werden, stärken. Sie könnten manchen Kunden eine Alternative zu den Häfen von Hamburg und Bremerhaven bieten. Auf der ausgebauten Wasserstraße zwischen Szczecin und Swinoujscie werden voraussichtlich ab 2022 Frachtschiffe bis 40.000 Tonnen Tragfähigkeit fahren können. Dadurch könnte in Szczecin um die Hälfte mehr Güter umgeladen werden.

Auch Anlagen, die bereits in den letzten Jahren entstanden sind, können nach dem Ausbau der Wasserstraße besser genutzt werden. In Swinoujscie wurde 2016 ein LNG-Terminal eröffnet, Szczecin erhielt einen neuen Getreideterminal. Die Struktur der transportierten Güter ändert sich. Es dominieren nicht mehr Kohle und Erze, sondern Getreide und flüssige Brennstoffe gewinnen an Gewicht.

Nach 24,1 Millionen Tonnen im Vorjahr soll der Hafenumschlag in Szczecin-Swinoujscie 2017 die Menge von 25 Millionen Tonnen übersteigen. Das erwartet der Hauptgeschäftsführer der Seehäfen Szczecin und Swinoujscie Dariusz Slaboszewski. Die Hafengruppe investiert in ihre Verladekapazitäten über 235 Millionen Euro.

Containerumschlag zwischen Ostsee und Adria

Ein Schlüsselprojekt ist die geplante sogenannte Meeresautobahn zwischen Swinoujscie und Trelleborg in Schweden. Polen kommt dabei die Aufgabe zu, eine Kaianlage für den Intermodaltransport in Swinoujscie zu bauen, der auf der Achse von der Ostsee zur Adria liegt. Der Bau der Anlage, an die dann Schiffe mit bis zu 265 Metern Länge anlaufen können, soll Mitte 2018 beginnen. Der Weitertransport der Container wird per Bahn erfolgen. Ein Konsortium aus den Firmen Compono und Tractebel Engineering soll das Projekt verwirklichen. Die Hafenverwaltung hat mit diesen Firmen bereits einen Vertrag unterzeichnet.

Das Ministerium für Meereswirtschaft und Binnenschifffahrt MGMiZS (Ministerstwo Gospodarki Morskiej i Zeglugi Srodladowej) plant außerdem den Bau eines neuen Containerterminals in Swinoujscie. Dieser Tiefwasserterminal soll rund 470 Millionen Euro kosten und 1,5 Millionen Standardcontainer (TEU) jährlich umladen können. Damit wäre er halb so groß wie der Deepwater Container Terminal (DCT) in Gdansk, der eine Jahreskapazität von rund 3 Millionen TEU hat. Die Verkehrsanbindung der Hafengruppe Szczecin-Swinoujscie soll weiter verbessert werden. Die in südliche Richtung führende Schnellstraße S3 soll noch fertiggestellt, die Bahnlinien CE59 und E59 modernisiert, und die Oder schiffbar gemacht werden. So will die gesamte Region von der Hafenentwicklung profitieren.

Der Containerumschlag in allen polnischen Seehäfen, der 2016 laut dem Statistischen Hauptamt GUS noch um 9,3 Prozent gestiegen war, nahm in den ersten sieben Monaten 2017 nur noch um 2,2 Prozent zu und entwickelte sich damit im Vergleich zum gesamten Hafenumschlag, der im selben Zeitraum um 3,8 Prozent zulegte, unterdurchschnittlich. Flüssige Massengüter hatten daran einen großen Anteil

Güterumschlag in den polnischen Seehäfen (in 1.000 Tonnen , Veränderung gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum in Prozent)
2016 Veränderung Januar bis Juli 2017 Veränderung
Massengüter, trocken 26.472 2,8 14.714 -6,6
Massengüter, flüssig 19.100 1,3 11.903 20,5
Container 14.841 9,3 9.017 2,2
Ro-ro Cargo (Roll on, roll off) 8.406 8,3 5.009 2,2
Übrige kleinere Ladungen 4.108 15,0 2.622 12,0
Insgesamt 72.926 4,9 43.264 3,8

Quelle: GUS

Gdansk erweitert Kapazitäten

Den Hafen von Gdynia (sollen immer größere Schiffe, speziell Containerfrachter anlaufen können. Daher schafft er eine Wendemöglichkeit für Schiffe mit einer Länge von bis zu 400 Metern und vertieft die Hafenkanäle. Der Danziger DCT kann solch große Frachter bereits aufnehmen. Nicht nur der Hafen von Gdynia, sondern auch der von Gdansk soll noch besser an das Straßen- und Schienennetz angebunden werden, in das ebenfalls investiert wird.

Künftig sollen am Danziger Hafen auch mehr Getreide, Futtermittel und andere Agrarerzeugnisse umgeschlagen werden. Der Hafenbetreiber OT Logistics investiert dazu rund 71 Millionen Euro in eine große Verlade- und Lagerbasis. Deren Umladekapazität soll 2018 bereits fast 3 Millionen Tonnen betragen und 2020 noch auf rund 6 Millionen Tonnen aufgestockt werden.

Allein in und um den Hafen von Gdansk wollen die Hafenverwaltung, die Betreibergesellschaft, die Stadtverwaltung, die polnische Bahn PKP und staatliche Institutionen rund 1,9 Milliarden Euro investieren. Dazu gehört der Bau eines Straßentunnels unter dem Weichselarm Martwa Wisla, bei dem sich auch ein historischer Hafen befindet, der revitalisiert und modernisiert werden soll. Rund 235 Millionen Euro dieses Betrages entfallen auf die Hafenverwaltung, die die Hälfte davon mit EU-Mitteln finanzieren will.

Mit dem Bau eines Nordkais beim Außenhafen dürfte noch 2017 begonnen werden. Er schlägt gleichzeitig die Brücke zu einem möglichen künftigen Zentralhafen (Port Centralny). Dieser könnte nach 2020 in der Danziger Bucht auf einer künstlichen Inselanlage entstehen, der 550 Hektar Wasserfläche weichen sollen. Dort könnten fünf bis acht Terminals gebaut werden. Dadurch soll die jährliche Verladekapazität des Danziger Hafens auf über 100 Millionen Tonnen steigen. Bis 2016 war der Güterumschlag dort auf 37,3 Millionen Tonnen angewachsen. Bislang gibt es allerdings erst visionäre Überlegungen zu dem Mammutvorhaben, das mehrere Milliarden Euro verschlingen würde.

(B.R.)

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Polen Wasser-, Hafenbau

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