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15.02.2018

Polnischer Steinkohlebergbau plant Großinvestitionen

Zahlreiche neue Schächte geplant / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Polen will wieder mehr Steinkohle fördern und die Effizienz des Bergbaus erhöhen. Um die anstehenden Investitionen schultern zu können, sollen Bergwerke von Energiekonzernen übernommen werden. Tauron hat bereits eine eigene Fördergesellschaft, die einen großen neuen Schacht errichtet. Große Beträge wollen auch die Polnische Bergwerksgruppe PGG, die Kohlegesellschaft JSW und die Lubliner Kohle LW Bogdanka aufbringen.

Die Kohlegruppe Jastrzebska Spolka Weglowa (JSW) plant laut der Tageszeitung Rzeczpospolita in den kommenden Jahren Investitionen in Höhe von über 240 Millionen Euro jährlich. Das Investitionsprogramm für die Jahre 2016 bis 2025 des Bergwerks Lubelski Wegiel Bogdanka, an der der Energieerzeuger Enea zu 66 Prozent beteiligt ist, sieht Ausgaben von insgesamt 963 Millionen Euro vor.

Geplante Investitionen des polnischen Steinkohlesektors (in Mio. Euro)
2017 2018 2019 2020 2021 2022
317 570 558 479 481 484

Quelle: Programm für den Steinkohlesektor in Polen

Diese beiden Gesellschaften wie auch das private Przedsiebiorstwo Gornicze Silesia (Bergwerksunternehmen Silesia) wollen sich künftig stärker vertikal integrieren. Daher erwägt die JSW zum Beispiel, das zum privaten Bergwerkmaschinenhersteller Kopex gehörende Przedsiebiorstwo Budowy Szybow (Unternehmen für den Bau von Schächten) zu übernehmen.

Die Bergbaugesellschaft des Energiekonzerns Tauron Polska Energia, Tauron Wydobycie, lässt bereits seit September 2017 im Bergwerk Sobieski im oberschlesischen Jaworzno den Förderschacht Grzegorz errichten. Er soll den neuen Kraftwerksblock von Tauron in Jaworzno mit Steinkohle versorgen. Das Investitionsvolumen wird auf 132 Millionen Euro veranschlagt. Das Projekt soll 2023 abgeschlossen werden. Die erste Phase der Arbeiten, für die rund 55 Millionen Euro veranschlagt wurden, führt ein Konsortium aus Unternehmen der Famur-Gruppe aus, die Ende 2016 den Konkurrenten Kopex übernommen hat.

LW Bogdanka bemüht sich um neue Förderkonzessionen, um weitere Schächte graben zu können. Im November 2017 erhielt das Bergwerk bereits die Genehmigung zur Ausbeutung des Vorkommens Ostrow mit schätzungsweise 186 Millionen Tonnen Kohle.

Kooperationen und Übernahmen

Die Polska Grupa Gornicza (PGG, Polnische Bergwerksgruppe) prüft die Gründung einer Zielgesellschaft mit dem Polski Fundusz Rozwoju (PFR, Polnischer Entwicklungsfonds). Diese würde von Kopex ein Projekt zum Bau des Steinkohlebergwerks Przeciszow in der Woiwodschaft Malopolskie (Kleinpolen) im Wert von 1,2 Milliarden Euro übernehmen. Nach Angaben der Rzeczpospolita soll 2018 eine Entscheidung fallen.

Der PFR ist bereits seit Ende 2017 an einem Gemeinschaftsunternehmen mit der Famur-Gruppe beteiligt: Die Mining Equipment Finance soll Kohleproduzenten bei der Beschaffung moderner Bergwerksmaschinen und -ausrüstungen unterstützen.

Geplante Investitionen der PGG 2017 bis 2020 (in Mio. Euro)
Beschaffungen Bauten Bereitstellung der Schächte zur Ausbeutung
385 578 770

Quelle: Rzeczpospolita

Medienberichten zufolge hat die JSW daran Interesse, das Koks-Bergwerk in Debiensko zu übernehmen. Erst 2016 hatte die australische Prairie Mining dieses der tschechischen New World Resources abgekauft. Der Wert des Bergwerks wird auf rund 400 Millionen Euro geschätzt.

Ein Programm der polnischen Regierung zum Steinkohlebergbau sieht vor, dass Bergwerke verstärkt von Energiekonzernen übernommen werden. Betroffen wären davon PGG und LW Bogdanka.

Ferner will die Regierung Umstrukturierungsmaßnahmen im Steinkohlesektor finanziell unterstützen. Die EU-Kommission stimmte bereits staatlichen Zuschüssen zu, um Bergwerke zu schließen und Abfindungen sowie andere Zahlungen an ehemalige Bergleute zu leisten. Laut der Agencja Rozwoju Przemyslu (ARP, Agentur für Industrieentwicklung) sank die Anzahl der Kumpels binnen elf Jahren bis November 2017 bereits um nahezu ein Drittel auf 83.000.

Effizienz muss steigen

Parallel dazu nahm auch die Fördermenge ab: Von über 100 Millionen Tonnen jährlich bis 2004 auf schätzungsweise 67 Millionen Tonnen in 2017. Dennoch entfielen 2016 über vier Fünftel der EU-weiten Steinkohleförderung auf Polen. Das schwarze Gold spielt bei der Energieerzeugung in dem Land weiter eine zentrale Rolle, vor allem bei der Wärmeenergie.

Struktur der Stromerzeugung in Polen 2016 (in %)
Steinkohle Braunkohle Wind Erdgas Biomasse, Biogas Wasser Übrige
48 30 7 5 5 2 3

Quelle: Programm für den Steinkohlesektor in Polen

Struktur der Wärmeerzeugung in Polen 2016 (in %)
Steinkohle Erdgas Biomasse Heizöl Braunkohle Übrige
73,0 7,7 8,0 5,7 1,6 4,0

Quelle: Programm für den Steinkohlesektor in Polen

Der jährliche Bedarf wird bis 2030 auf eine Größenordnung von 70 Millionen bis 71 Millionen Tonnen veranschlagt. In den ersten elf Monaten 2017 importierte Polen laut Eurostat 11,6 Millionen Tonnen Kohle gegenüber nur 7,3 Millionen Tonnen von Januar bis November 2016.

Förderung von Steinkohle in Polen (in Mio. t)
2012 2013 2014 2015 2016 2017 *)
79,5 76,5 73,0 72,5 70,4 67,0

*) Schätzung der Agentur für Industrieentwicklung ARP

Quellen: Programm für den Steinkohlesektor in Polen; Statistisches Hauptamt GUS

Von zentraler Bedeutung für den Kohlebergbau sind laut Einschätzung von Experten eine Erhöhung der Effizienz und eine Senkung der Kosten. Die Kohlekraftwerke müssen ebenfalls rentabler werden. Eine Möglichkeit seien zum Beispiel Installationen zur Kohlevergasung. Enea erwägt den Bau einer entsprechenden Anlage unweit der LW Bogdanka im Raum Lublin. Eine endgültige Entscheidung wird im Laufe von 2018 erwartet.

(B.R.)

Mehr zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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