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12.09.2017

Positive Prognosen für Israels Pkw-Markt

Finanzministerium sieht grundlegenden Wachstumstrend / Umstellung auf erdgasbetriebene Wagen in Planungsphase / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Im Jahr 2017 erlebt der israelische Pkw-Markt eine Schwächephase, doch geht es laut einer Prognose der Zentralbank 2018 wieder aufwärts. Die Ergebnisse einzelner Jahre hängen oft mit Besteuerungsänderungen zusammen, so auch 2016 und 2017. Langfristig bleibt der Trend positiv, wobei das Finanzministerium auf zunehmenden Pkw-Besitz auch in den unteren Einkommensschichten hinweist. Hybridfahrzeuge werden populärer. Eine weitgehende Umstellung des Straßenverkehrs auf Erdgas ist geplant.

Für das Jahr 2018 erwartet die israelische Zentralbank (Bank of Israel) einen kräftigen Anstieg der Pkw-Importe. Als Grund nennen die Zentralbanker die für 2019 erwartete Anhebung der Pkw-Kaufsteuer. In deren Vorfeld werde es zu gesteigerten Pkw-Importen kommen. Allein durch das Vorziehen des Pkw-Erwerbs dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2018 um 0,3 Prozent steigen.

Nach diesem Muster verlief die Entwicklung bereits 2016. Angesichts der Anfang 2017 ins Haus stehenden Pkw-Steuererhöhung gab es einen regelrechten Run auf Pkw. Dementsprechend gedämpfter verläuft die Entwicklung 2017. Wie aus Angaben des Zentralamts für Statistik CBS (Central Bureau of Statistics) hervorgeht, lagen die saisonbereinigten Ausgaben der Privathaushalte für Kfz - bis auf einen relativ geringen Betrag für Krafträder handelt es sich dabei fast ausschließlich um Pkw - im 1. Halbjahr 2017 real um 18,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Beim Erwerb von Pkw für Investitionszwecke war der Rückgang mit 45,2 Prozent noch viel ausgeprägter, sodass die Gesamtausgaben für Pkw um 26 Prozent nachgaben.

Mehr Pkw auch in unteren Einkommensschichten

Die Besteuerung wird auch künftig ein wichtiger Faktor für den Pkw-Markt bleiben und für Schwankungen sorgen. Der langfristige Trend beim Pkw-Erwerb bleibt indessen positiv. Davon geht auch das israelische Finanzministerium (Ministry of Finance) aus. Wie das Ressort im Juni 2017 in einer Analyse des Konsumverhaltens in Israel ausführte, nimmt der Anteil der Haushalte niedrigerer Einkommensklassen am Besitz langlebiger Konsumgüter überdurchschnittlich schnell zu. Dies lege den Schluss nahe, dass einkommensschwächere Verbraucher zunehmend am wachsenden Wohlstand des Landes partizipierten - eine Entwicklung, die auch im Pkw-Kauf zum Ausdruck komme.

In der Tat belegen Zahlen des CBS, dass der Anteil der israelischen Haushalte des untersten Einkommenszehntels, die über mindestens einen Pkw verfügten, in den Jahren 2011 bis 2015 um 14 Prozentpunkte auf 38 Prozent und damit überdurchschnittlich stark gestiegen ist.

Israelische Einfuhr, Zulassungen und Pkw-Bestand
Jahr Pkw-Einfuhr, Mio. US$ (1) Pkw-Bestand zum Jahresende in Tsd. (2)
2010 3.057 2.053
2011 3.360 2.164
2012 2.896 2.246
2013 3.220 2.339
2014 4.063 2.457
2015 3.128 2.583
2016 4.960 2.727

1) HS 87.03; 2) einschl. Geländewagen, leichter Lieferwagen und Pritschenwagen, aber ohne Taxis

Quellen: CBS; Vereinigung der Kfz-Importeure (Israeli Vehicle Importers Association)

Hybridantrieb kommt voran - Umstellung auf Erdgas in Planung

Eine für die Zukunft des Pkw-Marktes wichtige Frage ist die Entwicklung der Nachfrage nach Fahrzeugen mit Hybridantrieb. In den letzten Jahren ist der Anteil dieser Fahrzeuge an den Neuzulassungen von Pkw erheblich gestiegen. Hatte er 2011 noch bei zwei Prozent gelegen, so waren es 2016 bereits rund 6 Prozent und im 1. Halbjahr 2017 circa 9 Prozent.

Dieser Anstieg ist nicht zuletzt den bedeutenden Steuervorteilen zu verdanken, die Hybridfahrzeuge im Rahmen der seit 2010 ökologisch gestaffelten Pkw-Kaufsteuer genießen. Indessen gibt es in Israel inzwischen Stimmen, die die gegenwärtige Bevorzugung von Hybridfahrzeugen für überzogen halten. Zwar senkt diese Antriebsart die Schadstoffemissionen, doch schaffen die Steuervorteile auch einen Anreiz zum Autokauf und damit zu zusätzlicher Belastung des Straßennetzes. Es gilt daher als möglich, dass die Steuerrabatte für Hybridfahrzeuge in absehbarer Zeit zumindest zum Teil reduziert werden.

Dafür hat die Regierung auch einen weiteren Grund, der in der längeren Frist eine wichtige Rolle spielen wird: Angesichts der massiven israelischen Offshore-Vorkommen an Erdgas strebt die Energiepolitik nämlich eine möglichst breite inländische Nutzung dieses Energieträgers an. Dazu gehört auch der Einsatz von Erdgas als Treibstoff für Kfz, zu dem die Förderung des Hybridantriebs in Konkurrenz stünde.

Gegenwärtig befinden sich einige wenige Erdgas-Pkw in der Erprobung, doch ist das Potenzial erheblich. Im Juli 2017 empfahl das in Haifa tätige Samuel Neaman Institute, ein angesehener Think Tank, als Langfristziel, den Treibstoffverbrauch des Verkehrswesens zu 60 bis 70 Prozent auf Erdgas umzustellen. Den Anfang wird dabei der öffentliche Verkehr machen, doch ist eine massive Umstellung des Straßenverkehrs auf Erdgas ohne Pkw - sie machen nämlich 84,2 Prozent des gesamten Kfz-Bestands aus - nicht denkbar.

Natürlich würde eine solche Wende nicht nur die Beschaffung von Pkw tangieren, sondern auch umfangreiche Infrastrukturinvestitionen erfordern. Zudem werden Umfang und Tempo der Einführung von Erdgas für Pkw auch in diesem Fall erheblich von der Steuerpolitik abhängen, da die Regierung sowohl die Pkw-Kaufsteuer als auch die Besteuerung der Treibstoffe kontrolliert und Erdgas-Pkw nach Belieben mehr oder weniger attraktiv machen kann.

(S.T.)

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