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31.01.2018

Projektmarkt in Lateinamerika belebt sich

Mehr Investitionen in Transportinfrastruktur, Wasserversorgung und Bergbau geplant / Von Ulrich Binkert

Bonn (GTAI) - In Lateinamerika und der Karibik dürfte sich das Projektgeschäft insgesamt erholen. Darauf deuten zumindest Angaben des Informationsdienstleisters BNamericas hin, der eine Datenbank zu großen Vorhaben in der Region betreibt. Demnach stieg der Gesamtwert aktiver Großprojekte in Infrastruktur, Bergbau sowie Ölwirtschaft und Petrochemie seit Mitte 2016. Die Summe ist derzeit um ein Viertel höher als damals und liegt immer noch um ein Zehntel über dem Wert vor einem halben Jahr.

Im Januar 2018 listete der in Santiago de Chile angesiedelte Informationsdienstleister für Großprojekte zwischen Mexiko und Feuerland Investitionen von insgesamt 1,19 Billionen US-Dollar (US$). Im Juli letzten Jahres waren es noch 1,08 Billionen und im Juli 2016 rund 0,96 Billionen US$. Den größten Satz machte dabei Argentinien. Dort ist die Regierung unter Präsident Macri seit dessen Amtsantritt Ende 2015 mit einer Reihe von wirtschaftsliberalen Reformen auf Investoren zugegangen.

Geplante Investitionen in Großprojekte (Mrd. US$) 1)
Sektor/Land 2) Insgesamt Transportinfrastruktur Strom Bergbau/Metalle Öl/Gas Wasserversorgung/Abfall Petrochemie
Lateinamerika und Karibik gesamt 1.194,5 494,8 289,3 182,1 137,8 71,8 18,6
Brasilien 230,1 107,2 53,7 10,8 40,7 17,7 -
Chile 220,6 30,5 91,9 74,9 0,9 22,5 -
Peru 126,5 43,2 28,3 38,3 7,2 3,5 6,0
Argentinien 92,4 33,9 31,2 16,4 3,2 6,5 1,3
Mexiko 92,1 33,5 23,3 8,0 17,1 8,3 1,8
Kolumbien 61,5 41,0 9,3 4,2 3,6 3,5 -
Venezuela 52,5 4,2 8,8 1,3 35,9 1,3 1,0
Ecuador 52,2 27,9 4,1 2,5 13,6 2,2 1,9
Bolivien 37,7 15,6 13,7 2,1 0,5 0,2 5,6
Panama 32,7 19,4 4,9 5,7 1,1 1,6 -

1) ohne gestoppte und abgesagte Projekte, Stand: 25. Januar 2018; 2) genannte Staaten: ohne Projekte, die mehreren Ländern zugeordnet sind (insgesamt 54 Mrd. US$)

Quellen: BNamericas; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Große Bewegung herrscht den Zahlen zufolge in Chiles Stromwirtschaft. Dort will die Branche viermal so viel Geld in die Hand nehmen wie in Mexiko und immer noch deutlich mehr als in Brasilien. Die meisten Mittel sind dabei für erneuerbare Energien vorgesehen - allein 56 Milliarden US$ sollen in Solarparks fließen. Auch für den Ausbau der Wasserversorgung plant das relativ kleine Chile viel Geld ein, allein 15 Milliarden US$ für die Süd-Nord-Wasserpipeline "Aquatacama".

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Mit Abstand größter Projektmarkt für die Transportinfrastruktur bleibt BNamericas zufolge Brasilien. Der Wert der Vorhaben im Sektor ist dort aktuell um gut ein Fünftel höher als noch vor anderthalb Jahren. Brasiliens Wirtschaft hat nach langer Rezession 2017 erstmals wieder zugelegt (um geschätzt rund 1 Prozent), und der Internationale Währungsfonds hat die Wachstumsprognose für 2018 im Januar leicht auf knapp 2 Prpzent angehoben. Auch Peru, Kolumbien, Ecuador und Panama planen einen - bezogen auf die Größe ihrer Volkswirtschaften - recht massiven Ausbau der Transportinfrastruktur.

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Die Daten sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Es ist schwer zu entscheiden, ab welchem Stadium ein Vorhaben als realistisch zu gelten hat. So berücksichtigt BNamericas auch den Nicaragua-Kanal, der mit 50 Milliarden US$ viermal so teuer wäre wie die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes und den viele Beobachter als Wunschtraum oder reines Spekulationsobjekt einstufen. Gleichzeitig existiert auch in Guatemala ein 10 Milliarden US$ schwerer Plan für einen Transportkorridor zwischen Atlantik und Pazifik - den BNamericas jedoch nicht aufführt.

Außerdem vernachlässigt die Aufstellung naturgemäß kleinere Vorhaben sowie Arbeiten, die sich schwerlich in einem großen, umfassenden Gesamtplan oder -projekt darstellen lassen. Dies dürfte ein Grund sein, warum BNamericas das regionale Schwergewicht Mexiko nur im Mittelfeld platziert, hinter den deutlich kleineren Volkswirtschaften Chile und Peru. Die beiden Bergbaunationen planen große Minenvorhaben, führen allerdings auch eine Vielzahl von teuren Projekten etwa der Stromwirtschaft und Transportinfrastruktur auf.

(B.U.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien, Argentinien, Chile, Lateinamerika Bauwirtschaft, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Kraftwerksbau, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau

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