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29.07.2014

Rohstoffsektor Mosambiks expandiert kräftig

Neue Kohleprojekte in Planung / Riesige Gasvorkommen im Rovuma Becken / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (gtai) - Mosambik entwickelt sich zunehmend zu einem aufstrebenden Bergbaustandort. In der Tete Provinz haben bereits Konzerne wie Vale und Rio Tinto investiert. Die Gesellschaften planen, ihre Produktion stark hochzufahren. Weitere Minenprojekte stehen in den Startlöchern. Das Interesse von Explorationsunternehmen wächst und führte zur Entdeckung neuer Vorkommen von Eisenerz, Mineralsanden und Graphit. Vor der Nordküste wird die Erschließung großer Gasfelder vorbereitet. (Kontaktanschriften)

Der wirtschaftliche Aufschwung Mosambiks ist zum überwiegenden Teil dem Rohstoffsektor zu verdanken. Allein 2012 und 2013 spülten die Rohstoffunternehmen jeweils über 4 Mrd. US$ an ausländischen Direktinvestitionen ins Land. Dominiert wird der Bergbau durch die Kohleförderung in der Provinz Tete. Dort befinden sich hochgradige Kokskohlevorkommen von rund 23 Mrd. t.

Mit Vale, Rio Tinto, Jindal und Beacon Hill sind bereits vier Bergbaugesellschaften aktiv. Dennoch betrug die Produktion 2013 nur 5,9 Mio. t. Dies ist in erster Linie fehlenden Transportmöglichkeiten geschuldet. Mit der Fertigstellung von Infrastrukturprojekten dürfte sich die Kohleproduktion in den kommenden Jahren aber massiv erhöhen. Bis 2020 wird ein jährlicher Wert von 50 Mio. t angestrebt.

Allein Vale investiert bis Mitte 2015 rund 2,1 Mrd. US$ in die 2. Phase seiner Moatize Mine, wodurch die Förderkapazität auf 22 Mio. t aufgestockt wird. Auch Rio Tinto (Benga Mine) und Jindal wollen den Output ihrer Förderstätten auf 10 Mio. t pro Jahr steigern. Beide Minen können auf insgesamt 20 Mio. t ausgebaut werden. Mit dem Changara Coal Project will sich Beacon Hill ein zweites Standbein in Mosambik schaffen und circa 530 Mio. US$ investieren. Bis 2019 fließen zudem über 5 Mrd. US$ in vier weitere Kohleprojekte.

MKT201407288004.14

Quelle: Mit Erlaubnis von United Nations, Cartographic Section

Neue Kohleprojekte in Tete
Projekt Geplante Jahresproduktion (t) Investitionssumme (US$) Anmerkungen
Midwest Africa 7,2 Mio. 1,4 Mrd.
Rio Tinto (Zambeze Mine) 12 Mio. 3,3 Mrd. Produktionspotenzial für bis zu 40 Mio. t pro Jahr
Minas de Revuboe (Talbot Group und Nippon Steel) 7 Mio. 746 Mio. Ausbau auf 17 Mio. t möglich
Ncondezi Energy 1,5 Mio. 288 Mio. 4,7 Mrd. t Ressourcen; Produktion für eigenes Kraftwerk

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Unternehmen wie Coal of India oder Eurasian National Resources Corporation (ENRC) befinden sich noch in der Explorationsphase und könnten weitere Projekte starten. Bis dato wurden allein in Tete mehr als 110 Bohrlizenzen vergeben.

In der Niassa Provinz gerät mit dem dortigen Maniamba Becken eine weitere aussichtsreiche Kohlebergbau-Region ins Visier der Explorationsunternehmen. Insgesamt 148 Bohrlizenzen wurden bereits erteilt. Es wird vermutet, dass in Niassa ebenso große Vorkommen wie in Tete lagern könnten. Im Jahr 2014 sollen neue Konzessionen in Niassa und Tete vergeben werden.

Große Vielfalt an Rohstoffen

Über Kohle hinaus will Mosambik seinen Bergbau aber weiter diversifizieren. Das Flaggschiffprojekt ist dabei der geplante Eisenerzabbau durch Baobab Resources in der Tete Provinz. In den Lagerstätten Tenge und Ruoni verfügt das Unternehmen über circa 760 Mio. t Eisenerz. Geplant ist die Herstellung von 1 Mio. t Roheisen pro Jahr. In die erforderliche Mine und Schmelze sollen rund 1,1 Mrd. US$ investiert werden. Der Bau ist für 2015/16 vorgesehen. Die Produktion könnte später auf bis zu 4 Mio. t erweitert werden.

Potenziale bietet auch der Abbau von Schwermineralsanden wie Titan, Ilmenit oder Zirkonium. Die irische Kenmare Resources ist schon an der Nordküste des Landes tätig und hat ihre dortige Moma-Mine vor kurzem erweitert. Eine Reihe von Unternehmen sucht entlang der Nordküste nach weiteren Reserven, etwa die indische Afrifocus Resources sowie die chinesische Ayu Mining in der Agoche Region.

Der Süden kann ebenfalls interessante Vorkommen aufweisen. Savannah Resources entwickelt in der Inhambane Provinz das Jangamo Projekt. In direkter Nachbarschaft verfolgt der Bergbauriese Rio Tinto eine weitere Mineralsandmine. Die chinesische Anhui Group will dagegen 500 Mio. US$ in das ehemals von BHP Billiton betriebene Chibuto Vorhaben investieren.

Zudem dürfte sich Mosambik zum weltweiten Zentrum des Graphitbergbaus entwickeln. Die australische Syrah Resources erklärte, in Balama mit 117 Mio. t die größten Vorkommen der Welt entdeckt zu haben. Im Vergleich dazu beziffert der US Geological Survey die restlichen weltweit bekannten Graphitreserven auf lediglich 77 Mio. t. Das Minenprojekt befindet sich in der Cabo Delgado Provinz und soll Mitte 2015 in Betrieb gehen. Direkt angrenzend plant Triton Resources mit Balama North eine weitere große Graphitmine. Auch die deutsche Graphit Kropfmühl will sich in Mosambik betätigen.

Der Goldabbau ist bislang hingegen nur durch teilweise illegalen Kleinbergbau geprägt, der in der Regel durch Schürftätigkeiten entlang von Flüssen stattfindet. Dabei wird auch das umweltschädliche Quecksilber eingesetzt. Mit 120 kg war die offizielle Produktion 2013 insgesamt gering. Ein Teil dessen verschwindet in dunklen Kanälen. Auroch Minerals plant mit dem Manica Gold Projekt nun erstmals eine größere Förderanlage, die sowohl im Tage- als auch im Untertagebau betrieben werden soll. Dadurch wird ab 2015 in mehreren Phasen eine Produktion von über 100.000 oz pro Jahr angestrebt. Mit Gold One und Republic Gold prüfen weitere Gesellschaften ein Engagement in Mosambik.

Vorkommen Seltener Erden noch ungenügend erforscht

Möglichkeiten sehen Experten auch für Seltene Erden wie Tantal, insbesondere in den Provinzen Tete und Zambezia entlang der Grenze zu Malawi. Das vorhandene Potenzial wird bislang allerdings unzureichend erforscht. Kimberley Rare Earths konnte in Maliongue in Tete aber bereits interessante Vorkommen aufspüren.

Eine bestehende Tantalmine von Highland African Mining Company (HAMC) in Marropino musste 2013 hingegen wegen zu hoher Kosten schließen. Stattdessen will HAMC für 180 Mio. US$ eine neue Tantalproduktion in Morrua aufbauen. Schlechte Zugangswege und mangelnde Stromversorgung sind die Hauptprobleme, mit denen Bergbaugesellschaften in Mosambik zu kämpfen haben.

Weitere Entwicklungen könnten sich in den Segmenten Phosphat und Nickel ergeben. Vale interessiert sich für die Phosphatlagerstätten bei Evate in der Nampula Provinz. Eine Produktion von 2 Mio. t/Jahr wäre nach ersten Studien möglich. Zusammen mit einer Düngemittelfabrik würde sich eine Investitionssumme von 3 Mrd. US$ ergeben. Nach Aussage des neuen Landeschefs Pedro Guttemberg steht das Vorhaben derzeit aber nicht auf der Prioritätenliste des Konzerns.

Auch Baobab Resources hat bereits Phosphatvorkommen in Muande (Tete) im Auge. Das Unternehmen Rovuma Resources untersucht neuentdeckte Nickelvorkommen von geschätzten 23 Mio. t bei Montepuez in der Cabo Delgado Provinz.

Insgesamt ist die Geologie Mosambiks noch vergleichsweise unerforscht, sodass es mit zunehmender Explorationstätigkeit nach Einschätzung von Eduardo Alexandre, Direktor im mosambikanischen Bergbauministerium, in den kommenden Jahren noch einige Überraschungen geben könnte.

Gasförderung läutet neue Epoche ein

Ein völlig neues Kapitel in der Geschichte Mosambiks dürfte mit dem Beginn der Offshore-Gasförderung 2018 aufgeschlagen werden. Die Hoffnungen ruhen dabei auf dem Rovuma Becken vor der Küste von Cabo Delgado. In den dortigen Blöcken 1 und 4 haben die jeweiligen Betreiber Anadarko und Eni insgesamt bereits Vorkommen von 190 Trillion cubic feet (tcf; rund 5,7 Bill. cbm; 1 cbft. = etwa 0,03 cbm) entdeckt. Beide Unternehmen planen in Palma den Bau einer gemeinsamen Gasverflüssigungsanlage für den Export nach Asien.

In der 1. Stufe sind zwei Trains mit einer Kapazität von jeweils 5 Mio. t vorgesehen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 10 Mrd. US$. Mit einem späteren Ausbau auf eine Produktionskapazität von 50 Mio. t könnte Mosambik zu einem der größten Gaslieferanten der Welt aufsteigen. Anadarko erklärte, bereits zwei Drittel seiner geplanten Anfangsproduktion über langfristige Verträge an asiatische Kunden verkauft zu haben.

Da nicht das gesamte Gas wirtschaftlich an der Küste angelandet werden kann, will Eni im Alleingang eine weitere Verflüssigungsanlage auf einer Meeresplattform errichten. Die Suche nach Partnern für das technische Design hierfür läuft.

Zudem könnte Mosambik mit weiteren Gasfunden Schlagzeilen machen. In den Blöcken 2 und 5 sowie 3 und 6 des Rovuma Beckens sind die norwegische Statoil beziehungsweise die malaysische Petronas noch auf der Suche nach wirtschaftlich verwertbaren Gasvorkommen. Auch die Ausschreibung neuer Explorationsblöcke entlang der rund 2.500 km langen Küste ist geplant. Als nächstes sollen weitere Lizenzen im Rovuma Becken sowie im Zambezi Graben vergeben werden.

Auf dem Festland soll die Suche nach Gas ebenfalls fortgesetzt werden. Die südafrikanische Sasol fördert bereits Gas aus den Pande- und Temane Feldern und gab 2013 bekannt, bis 2018 rund 2,4 Mrd. US$ in Mosambik investieren zu wollen. Als aussichtsreich gilt darüber hinaus der in Sofala gelegene Buzi Block, in dem die indonesische PT Energi aktiv ist.

Chancen für deutsche Unternehmen könnte auch das 50 Mio. US$ schwere Mining and Gas Technical Assistance Project (MAGTAP) der Weltbank bieten.

Kontaktanschriften:

Ministério dos Recursos Minerais

Av. Fernão Magalhães. Nº 34

Tel.: 00258 21/31 48 43

http://www.mirem.gov.mz

Vale

Internet: http://www.vale.com/mozambique

Rio Tinto

Internet: http://www.riotinto.com

Jindal Africa

22 Kildoon Road, Bryanston 2021, South Africa

Tel.: 0027 11/706 84 20, Fax: -22

E-Mail: info@jindalafrica.com

Baobab Resources

Capitol Resources Lda

Rua de França 19, Coop, Maputo

Tel.: 00258 21/41 52 00

Anadarko

Internet: http://www.anadarko.com

Eni

Internet: http://www.eni.com

(He.St.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Mosambik Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Öl, Gas, Kohle

Kontakt

Edith Mosebach

‎+49 (0)228 24 993-288

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