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15.06.2018

Rumäniens Markt für Nahrungsmittelmaschinen hat Potenzial

Schrittweises Marktwachstum erwartet / Importe dominieren / Von Michael Marks (Mai 2018)

Bukarest (GTAI) - Der rumänische Markt für Nahrungsmittelmaschinen ist noch relativ klein. Die Ausrüstungen werden zumeist importiert. Führende Anbieter stammen aus Italien und Deutschland. Zahlreiche Vertriebsfirmen mit Mehrfachvertretungen bieten ihre Produkte an. Fleisch- und Backindustrie stellen aussichtsreiche Kunden für den Kauf von Maschinen. Die Beschaffung von Produktionsanlagen erfährt staatliche Förderung im Kontext von EU-Programmen.

Der rumänische Markt für Nahrungsmittelmaschinen bleibt vergleichsweise unterentwickelt. Die niedrigen Investitionen in Landwirtschaft und Agrartechnik mit nicht ausgeschöpftem Produktionspotenzial in der Nahrungsmittelverarbeitung schlagen sich auch in der Nachfrage nach Nahrungsmittelmaschinen nieder. Mittel- bis langfristige Verbesserungen in der Wertschöpfungskette lassen ein schrittweises Marktwachstum erwarten.

Einfuhren kennzeichnen den Markt. Er wird vor allem von rumänischen Händlern dominiert, die regelmäßig mehrere internationale Marken vertreten. Hierzu zählen Marken wie Rondo, Boyens Backservice, Vakona, Wachtel (Deutschland), Ibonhart, Mono (Vereinigtes Königreich), Fatosa (Spanien), Stawiany (Polen), Jeros (Dänemark), Valmar (Slovenien), ZACMI - Zanichelli Meccanica, Agriflex (Italien), IQ Frost AB (Schweden).

Importe von Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie in Rumänien ( in Mio. Euro)
Maschinen für Nahrungsmittelindustrie 2008 2014 2016
Gesamt SITC 74527+727 235,72 98,74 150,47
.Italien 42,79 26,56 39,87
.Deutschland 88,09 25,30 32,42
.Schweiz 3,0 0,84 15,29

Quelle: Eurostat

Die Importe von Lebens- und Futtermittelverarbeitungsmaschinen (SITC Gruppe 727) samt Produktgruppen für Kühl- und Gefriertechnik (SITC 741.43, -45, -49), nicht elektrischen Backöfen (SITC 741.37), Trocknern für landwirtschaftliche Erzeugnisse (741.84), Verpackungsmaschinen (SITC 745.27), Waagen (SITC 745.31) und Zubereitungsmaschinen (SITC 741.87) betrugen 2016 knapp 254 Millionen Euro und etwa 300 Millionen Euro im Jahr 2017.

Die lebensmittelverarbeitenden Unternehmen beziehen ihre industriellen Maschinen und Anlagen auf dem rumänischen Markt oder direkt aus dem Ausland. Die Importe kommen vor allem aus Italien (circa 28/24 Prozent der Gesamtimporte der Branche 2016/2017). Der zweitwichtigste Lieferant ist Deutschland (rund 20/23 Prozent). Die Importe aus anderen Lieferländern verlaufen eher erratisch. Die Importe aus anderen Lieferländern verlaufen unstetig.

So wurden zum Beispiel Verpackungsmaschinen im Wert von 15 Millionen Euro aus der Schweiz im Jahr 2016 importiert, während die Importe sich 2017 nur auf circa 644.000 Euro beliefen. Produkte der Gruppe 727.22 - Maschinen, Apparate und Geräte zum industriellen Aufbereiten oder Herstellen von Lebensmitteln, Futtermitteln oder Getränken - wurden im Wert von 1,5 Millionen Euro im Jahr 2016 aus Dänemark importiert, während es 2017 hohe 7,8 Millionen Euro waren.

Kaum rumänische Produktion

Das inländische Angebot ist gering. Letztverfügbare Daten von Eurostat für das Jahr 2015 sprechen von 68 Unternehmen in dieser Sparte, die einen kumulierten Umsatz von 29 Millionen Euro mit 755 Mitarbeitern erwirtschafteten. Es werden Teile und Komponenten exportiert. Anlagen für die inländische Lebensmittelindustrie werden meist komplett importiert, bei Bedarf unter Hinzufügung lokaler Komponenten.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Produktion von Ausrüstungen und Geräten für die Milchverarbeitung bildet das Unternehmen Inox Center (http://www.inoxcenter.ro). Es produziert von einfachen Melkmaschinen für kleine Landwirte bis hin zu großen Anlagen für große Betriebe und Anlagen für die Milchverarbeitung. Bekannte Produzenten wie Danone, Olympus, Hochland oder Sanlacta gehören zu den Kunden.

Fleischverarbeitung im Fokus

Bedeutende Chancen für die Lieferung von Maschinen zur Lebensmittelverarbeitung bestehen im Bereich der Fleischproduktion. Die Regierung will die Erzeugung von Schweinefleisch fördern. Der Konsumbedarf liegt weit über der Produktion und wird zu bedeutenden Teilen aus Importen gedeckt. Beabsichtigt ist eine Verdoppelung der Erzeugung. In Hinblick darauf werden künftig mehr Ausrüstungen für Schlachthöfe und Fleischverarbeitung benötigt. Der Verbrauch von Schweinefleisch liegt in Rumänien bei circa 30 kg pro Person jährlich. Dies entspricht der Hälfte des gesamten Fleischverbrauchs. Die Schweinezucht erhält bereits staatliche Subventionen.

Darüber hinaus bestehen Chancen für Ausrüstungen für die Backindustrie. Brot bildet das Hauptlebensmittel. Laut Statistikamt ist der Brotkonsum auf 97 Kilo pro Person im Jahr 2017 geschrumpft. Trotzdem liegt das weit über dem europäischen Durchschnitt. Die Rumänen essen gerne Brot zu allen Mahlzeiten. Aber Weizenbrot ist nicht mehr ganz so stark gefragt wie früher, dafür werden Vollkorn- und Roggenbrot, Brot mit Kartoffelstückchen und sogar glutenfreies Brot verstärkt verzehrt.

Groß bleibt die Nachfrage nach Kleingebäck, so nach Brötchen und Laugengebäck, sowie nach feinen Backwaren wie Kuchen, Torten oder Waffeln. Auch hier bieten sich Chancen für entsprechende Ausrüstungen. Die Vorlieben gehen auch in Richtung "hausgemacht", so etwa bei Fleischprodukten, Brot und Kuchen, Süßigkeiten und Eis. Das Lieferpotenzial für Anlagen mit kleinerem Wert ist in diesem Marktsegment von wachsender Bedeutung.

Der Markt weist auch gegensätzliche Trends auf. In jüngerer Zeit haben zahlreiche rumänische Klein- und mittelegroße Unternehmen (KMU) EU-Fördermittel oder Staatshilfen zwecks Produktion von Fleisch (-erzeugnissen), Brot, Gebäck, Süßigkeiten, Eis oder Milch (-produkten) erhalten. Was zu Investitionen geführt hat. Zugleich gab es auch einen Trend der Desinvestition bei Großunternehmen, etwa Lactalis (Frankreich) und Pfeifer & Langen (Deutschland). Sie meldeten angesichts wohl unzureichender Produktivität die Schließung ihrer Produktionsstätten im Kreis Constanta beziehungsweise im Kreis Bihor.

Unter den Händlern von Nahrungsmittelmaschinen in Rumänien tummeln sich zahlreiche Unternehmen auf dem Markt. Beispielhaft genannt seien Valdo Invest (http://www.valdo-invest.ro), Stelas (http://www.stelas.ro), Ria Do Trading (http://www.riado.ro) oder Tehnoviluti (http://www.tehnoviluti.ro). Im Grunde handelt es sich um viele Anbieter mit kleinen Umsätzen, die oft auch keine Waren auf Lager haben, sondern auf Bestellung aktiv werden. Ausländische Produzenten von Nahrungsmittelmaschinen haben sich im Land nicht angesiedelt.

Kauf von Anlagen erhält Förderung

Im Rahmen des Nationalprogramms für ländliche Entwicklung (NPLE) werden Unternehmen gefördert, die in der Nahrungsmittelverarbeitung tätig sind und Produktionsanlagen anschaffen wollen. KMU erhalten in diesem Rahmen bis zu 1 Million Euro Unterstützung, große Unternehmen bis zu 1,5 Millionen Euro. Für komplette Produktionsketten werden bis zu 2,5 Millionen Euro Hilfen gewährt. Die Förderung beträgt 40 bis 50 Prozent des Investitionswerts.

Unternehmen, deren Projekte einem der Investitionsbereiche der "Nationalen Strategie für Forschung, Entwicklung und Innovation 2014 bis 2018" unterliegen, zu denen auch die Lebensmittelindustrie zählt, dürfen sich um staatliche Beihilfe im Rahmen eines Staatsbeihilfe- und De-minimis-Schemas über das Operationelle Programm Wettbewerbsfähigkeit bewerben. Insgesamt stehen den Unternehmen für den Zeitraum 2018 bis 2020 circa 40 Millionen Euro zur Verfügung.

Geschäftspraxis

Für die Beschaffung von Ausrüstungen gibt es vereinfachte Ausschreibungen. Es werden meist drei bis fünf Lieferanten geladen. Da der Markt für Lebensmittelverarbeitungsmaschinen in Rumänien relativ klein ist, empfiehlt sich der Einstieg über einen Händler, der mehrere Marken vertritt. Die Vakona GmbH zum Beispiel vertreibt auf dem rumänischen Markt ihre Anlagen für die Lebensmittelindustrie im Rahmen eines Alleinvertriebsvertrages über den rumänischen Händler Stelas (http://www.stelas.ro).

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht Zoll und Ausschreibungen in Rumänien sind unter http://www.gtai.de/rumaenien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Rumänien Vertrieb / Distribution /Marketing, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 228 24 993 321

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