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12.10.2017

Russische Holzverarbeiter investieren über 1,3 Milliarden Euro in neue Anlagen

Cluster vertiefen Wertschöpfung / Bau von Holzhäusern kurbelt Nachfrage an / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - Russlands Holzverarbeiter suchen neue Absatzmärkte. Die gesunkene Kaufkraft der Bevölkerung und die Krise am Immobilienmarkt erhöhen den Preisdruck auf heimische Hersteller. Die Regierung fördert die Erhöhung der Verarbeitungstiefe, den Bau von Holzhäusern und die Produktion von Holzpellets. Deutsche Ernte- und Sägewerkstechnik sind mittelfristig gefragt. Allerdings kostet illegaler Holzeinschlag den russischen Staat jährlich Milliarden Rubel.

Die Produktion der russischen Holzverarbeitungsindustrie ist in den ersten acht Monaten 2017 um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Vor allem die Herstellung von Holzfaser- und Holzspanplatten steigt.

Produktion der Holzverarbeitungsindustrie in Russland
Produktgruppe Januar bis August 2017 Veränderung Januar bis August 2017 / Januar bis Augst 2016 (in Prozent)
Holzmaterialien, in Längsrichtung gesägt oder geteilt, in Schichten geteilt oder geschält, dicker als 6 mm; hölzerne Eisenbahn- oder Straßenbahnschwellen, nicht imprägniert (Millionen Kubikmeter) 17,4 6,6
Holzschwellen, imprägniert (Tausend Kubikmeter) 126 -25,3
Sperrholz (Millionen Kubikmeter) 2,6 -0,3
Holzspanplatten und ähnliche Platten aus Holz oder anderen holzigen Stoffen (Millionen Kubikmeter) 5,5 12,1
Faserplatten aus Holz oder anderen Holzwerkstoffen (Tausend Kubikmeter) 393 13,5

Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

Cluster für Holzverarbeitung sollen Modernisierung beschleunigen

Russland besitzt die größten Holzvorräte der Welt. Die Weiten Kareliens, des Urals und Sibiriens beheimaten ein Fünftel aller Waldgebiete. Diesen Schatz möchte das Land heben. Aber die Holzverarbeitung in Russland weist im Vergleich zur Konkurrenz aus Europa bislang eine geringe Verarbeitungstiefe auf. Die Einrichtung von Holz-Clustern wie in Wologda, Tomsk oder Omsk soll die heimische Wertschöpfung erhöhen. Dabei werden neuartige Technologien wie die Herstellung von Nanozellulose, Biotreibstoff sowie hochwertigen Papier- und Pappe-Erzeugnissen gefördert. Auch die Cross-Laminated-Timber-Technologie (CLT) soll ausgebaut werden. Umweltminister Sergej Donskoj verspricht sich einen Aufschwung bei der Produktion von Holzpellets und -briketts. Sägemehl könnte so gewinnbringend verarbeitet werden. Damit sollen neue Absatzmärkte im Ausland erschlossen und die Rentabilität um bis zu 30% gesteigert werden.

Aktuelle Projekte in der Holzverarbeitung in Russland
Projekt / Standort Investitionen (Millionen Euro) Geplante Fertig-stellung Unternehmen
Modernisierung der Kocherei und der Anlagen zur Papierproduktion / Karelien 383,6 2020 Segheza Group (AFK Sistema), https://www.segezha-group.com
Bau von zwei Holzverarbeitungswerken / Gebiet Swerdlowsk 234,4 2019 Holding Sowremennye Technologii Obrabotki Drewesiny (Stod) http://www.lsolvl.ru
Modernisierung der Anlagen zur Pappeproduktion / Maikop, Republik Adygeja 156,2 2023 SFT Group, http://www.sftgroup.ru
Bau einer Anlage zur Sperrholzproduktion / Gebiet Kostroma 140,6 2020 Segheza Group (AFK Sistema), https://www.segezha-group.com
Einbau einer Verdampferanlage und Renovierung der Kartonmaschine / Gebiet Archangelsk 80,0 2018 Archangelskij ZBK (gehört zur Pulp Mill Holding, Österreich)
Bau eines Holzverarbeitungswerkes / Gebiet Archangelsk 65,6 2018 ZAO Lesosawod-25 http://www.sawmill25.ru
Modernisierung der Anlagen zur Baukartonherstellung / Gebiet Leningrad 60,0 2017 Knauf Petroboard http://www.knaufpetroboard.ru
Modernisierung der Linie zur Produktion von Papier / Gebiet Wologda 46,8 2020 Sokolskij ZBK, http://www.sokolmill.ru
Bau eines Holzverarbeitungswerks / Ustjansk (Gebiet Archangelsk) 34,4 2018 Ustjanskaja Lesopererabatyvayuschtschaja Kompania, http://www.ulkust.ru
Aufbau einer Sperrholzproduktion / Gebiet Nischni Nowgorod 32,8 2019 Paged Sklejka (Polen). http://www.sklejkapisz.pl
Ausbau der Sperrholzproduktion / Sosnoborsk (Region Krasnojarsk) 31,2 2020 KrasFan, http://www.krasfan.com
Ausbau der Produktionsanlagen des Werks "Sila Kartona" / Gebiet Perm 21,8 2018 Permski ZBK
Ausbau der Holzverarbeitungsanlagen von SibirLes / Gebiet Tomsk 18,1 2021 Sunn Yuan (China)
Bau einer Büro- und Hotelmöbelfabrik 15,6 2018 Felix, http://www.felix.ru
Bau eines Werks zur Produktion von CLT-Panelen / Toropez (Gebiet Twer) 15,0 2018 Segheza Group (AFK Sistema), https://www.segezha-group.com
Bau eines Holzverarbeitungswerks / Region Krasnojarsk 4,9 2018 OOO Koschurnikowo Tel: 007 895/030 654 59
Bau von zwei Holzverarbeitungswerken / Galitsch (Gebiet Kostroma) k.A. 2018 Bekanntmachung des Gouverneurs
Absichtserklärung zum Bau eines Werks zur Produktion von Zellstoffverpackungen / Serpuchow (Gebiet Moskau) k.A. k.A. Decapulp (Spanien), http://www.decapulp.com

Projektwerte umgerechnet mit EZB-Wechselkurs vom 30.06.17: 1 Euro = 63,99 Rubel

Quelle: Recherchen von Germany Trade and Invest

Regierung legt Förderprogramm für die Holzverarbeitung auf

Um die Verarbeitungstiefe und den Wertschöpfungsgrad in der Holzwirtschaft zu erhöhen, hat das Industrieministerium die "Strategie zur Entwicklung des Holz verarbeitenden Komplexes bis 2030" erarbeitet. Für den Bau von Holzhäusern und die Produktion von Zellstoff stehen Fördergelder von 2 Billionen Rubel (31,3 Milliarden Euro, EZB-Wechselkurs vom 30.06.17: 1 Rubel = 63,99 Euro) bereit. Der Ertrag pro Hektar Wald soll um bis zu 50 Prozent steigen, die Marge bei der Holzverarbeitung um das 2,5-fache.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen die russischen Holzbetriebe in moderne Ausrüstung investieren. Etwa 86 Prozent der Holzbearbeitungs- und Forstmaschinen werden importiert, so Timur Irtuganow vom Verband für Holzindustrie. Dabei lieferte Deutschland im 1. Quartal 2017 Technik für 15,9 Millionen Euro. Anlagenbauer wie Siempelkamp, Dieffenbacher oder Homag können mittelfristig auf Aufträge hoffen.

Bau von Holzhäusern wird gefördert

Die Holzindustrie hofft auf ein Wachstum bei den wichtigsten Abnehmerbranchen. Ein vielversprechendes Marktsegment sind Holzhäuser; sie werden in Russland immer beliebter. Zurzeit liegt das Marktvolumen bei 500 Milliarden Rubel, so Oleg Pantikow von der Vereinigung der Holzhausbauer. Dabei kommen bei Holzhäusern neueste Technologien mit Kreuzlagenholz (KLH) und CLT-Paneelen zum Einsatz, die in jeder Klimazone verbaut werden können.

Doch erst 12 Prozent aller Neubauten sind aus Holz. Es fehlt an Bestimmungen zum Bau und Brandschutz von Holzhäusern, die höher als drei Etagen sind. Zudem entstehen Neubauten üblicherweise am Ortsrand, also weit entfernt von Schulen, Geschäften und Behörden. Würden sie zentraler liegen, wäre die Nachfrage wohl größer. Darüber hinaus vergeben russische Banken kaum Kredite. Deshalb muss der Bau von Holzhäusern mit staatlichen Finanzmitteln stimuliert werden. Im Gebiet der Jamal-Nenzen stellt die Regionalregierung 50 Millionen Rubel für deren Errichtung zur Verfügung. Auch das Bau- und das Industrieministerium fördern den Bau von mehretagigen Holzhäusern.

Nachfrage nach Möbeln wächst nur leicht

Die Produktion von Möbeln wuchs in den ersten acht Monaten 2017 um 8,5%. Da die frei verfügbaren Geldeinkommen rückläufig sind (-1,8 Prozent), kaufen die Kunden vor allem Billigmöbel. Walter Kadnar, Präsident des Marktführers Ikea, erwartet, dass die Verkäufe noch etwa zwei Jahre auf niedrigem Niveau bleiben werden. Der Möbelkonzern hat deshalb die Preise von 1.800 Waren um 15 bis 20 Prozent gesenkt. Um langfristig mehr Marktanteile zu erobern, eröffnete Ikea im Herbst 2016 sein fünftes Produktionswerk in Nowgorod.

Die lange Zeit beliebten Importe von Möbeln aus Italien oder Deutschland gingen im Zuge der Rubelabwertung rasant zurück. Die Verordnung der russischen Regierung Nr. 1230 vom November 2016 schränkt zudem die Einfuhr von Möbeln für staatliche Abnehmer ein, wenn es ein vergleichbares russisches Produkt auf dem Markt gibt.

Schäden durch illegalen Holzeinschlag

Geld verdienen möchte Russland auch mit dem Export von Holz. Im Jahr 2016 betrug der Rundholzeinschlag 214 Millionen Kubikmeter - ein Rekord in den letzten 20 Jahren. Das Rundholz wird vor allem in die VR China geliefert, die 2016 etwa 12,8 Millionen Kubikmeter abnahm - ein Plus von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Einnahmen aus dem Export wuchsen 2016 um 13 Prozent auf 238 Millionen US-Dollar, im 1. Quartal 2017 legten sie nochmals um 13 Prozent zu. Dabei liefert Russland vor allem unbearbeitetes Rundholz, das 16 Prozent des Weltmarktes ausmacht.

Doch wird das Holz nicht nur auf legalem Wege außer Landes gebracht. Der Schaden durch illegal abgeholzte Bäume belief sich 2016 laut Umweltminister Sergej Donskoj auf 11,9 Milliarden Rubel. Es seien 52.400 Fälle von illegalem Holzeinschlag mit einem Gesamtvolumen von 4,1 Millionen Kubikmeter registriert worden, der Großteil davon im Gebiet Irkutsk. Das Gebiet Kirow setzt mittlerweile Drohnen ein, um die Waldflächen zu kontrollieren. Die Markierung der Stämme soll den Raubbau verhindern. Daneben bedrohen Feuer die Wälder. Durch Unachtsamkeit oder Brandstiftung gehen jedes Jahr riesige Flächen in Flammen auf. Auch die Missachtung von Umweltschutznormen schädigt den Baumbestand nachhaltig.

(HJW)

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein, Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas), Holzbearbeitungsmaschinen

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