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12.02.2018

Russische Start-ups gründen lokale Amazons und Ubers

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Russen stark bei IT-Lösungen / Erste erfolgreiche Projekte deutscher Firmen / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - Die russische Start-up-Szene blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Die Zahl der Investitionen in Start-ups ist stabil, der russische Markt attraktiv. Gründer aus Russland klinken sich in globalisierte Start-up-Systeme ein und sind bereit, ins Ausland zu gehen. Chancen bieten sich für Investoren bei IT-Lösungen zu Cognitive- und Cloud-Computing, Gesichtserkennung sowie Biotech- und Industrietechnologien. Erste Projekte deutscher Firmen zeigen Erfolge. (Kontaktadressen)

Gründungsgeschehen und Entwicklungstendenzen

Aktuelle Situation

Das Know-how russischer Start-ups steckt in erfolgreichen E-Commerce-Plattformen, Fintech-Software, sozialen Netzwerken, Online-Taxi- und -Lieferdiensten. So vielschichtig ihre Tätigkeitsfelder sind, so mannigfaltig ist auch die Verwendung des Begriffs Start-up.

Eine offizielle Definition gibt es nicht. Landläufig wird in Russland ein Unternehmen als Start-up bezeichnet, wenn es nicht älter als zwei bis drei Jahre ist. Bezüglich des Umsatzes wird keine Abgrenzung vorgenommen. So bezeichnet Oleg Tinkoff, Inhaber der Online-Bank Tinkoff Credit Systems, sein Unternehmen nach wie vor als Start-up. Eine Firma sei ein Start-up, wenn sie sich als solches fühle, so der erfolgreiche Manager.

Eine genaue Anzahl aller Start-ups in Russland zu ermitteln ist schwierig. Weder beim russischen Statistikamt Rosstat noch bei der Business-Datenbank Spark-Interfax liegen hierzu Daten vor. Auf der Plattform "Wiki Start" (https://www.rb.ru/start/) wird die russische Gründerszene für westliche Unternehmen etwas transparenter dargestellt. Dort können sich Start-ups können sich dort potenziellen Investoren präsentieren. Allerdings erfolgen die Einträge freiwillig, daher sind die Zahlen wenig aussagekräftig.

Im Jahr 2016 rutschte die russische Gründerszene nach Angaben des "Ecosystem Ranking" des Start-up Genome Projekts, einer der bekanntesten Studien weltweit, aus den Top 20. Im Vorjahr hatte die Hauptstadt Moskau noch den 13. Platz belegt.

Doch im Zuge der Wirtschaftskrise verringerten Investoren den Umfang des investierten Kapitals von 2,19 Milliarden auf 410 Millionen US-Dollar (US$). Die Wagniskapital-Transaktionen gingen 2016 um 29 Prozent von 232,6 Millionen auf 165 Millionen US$ zurück. Die Zahl der abgeschlossenen Transaktionen blieb jedoch mit 184 in etwa konstant zum Vorjahr, so die aktuellste Money-Tree Studie von Price Waterhouse Coopers (PWC) und der Russian Venture Company (RVC).

Etwa 90 Prozent der Investitionen in den Phasen "Early Stage" und "Expansion" flossen 2016 in Cloud-Technologien und Software-Lösungen, der Rest in Biotech- und Industrietechnologien. Die Kapitalgeber werden vorsichtiger und streuen ihre Investitionen über mehrere kleinere Projekte. Die hohe Aktivität der Investoren auf dem russischen Venture Capital Markt und das stabilere wirtschaftliche Umfeld verbessern die Aussichten für das Jahr 2017.

Regionale Konzentration

Findige Gründer mit cleveren Geschäftsideen gibt es nicht nur im russischen "Silicon Valley", dem Innovationszentrum Skolkowo westlich von Moskau, sondern auch in den russischen Weiten. Eine Auflistung der innovativsten Regionen bietet der Verband Assoziazija Innovazionnich Regionov Rossii (AIRR, http://www.i-regions.org).

Das Innovationszentrum Skolkowo ist das Herz des russischen Start-up-Ökosystems mit den Forschungsschwerpunkten IT, Energieeffizienz, Biomedizin und Nukleartechnologie. Die vom Skolkowo-Fonds geförderten Fintech-Start-ups Scorista, Oz Forensics und TalkBank haben vordere Plätze im Finale des internationalen Wettbewerbs "Startup Challenge" von Innotribe belegt, der im Juli 2017 während des "International Financial Congress" in Sankt Petersburg stattfand.

Außerdem gewannen 2016 zwei Start-Ups Preise der Moskauer Stadtregierung für ihre Projekte in der Luftfahrtindustrie. Eines entwickelt eine neue Technologie für Flugzeugtriebwerke, das andere schlägt Modifikationen am Design von Flugzeugtragflächen vor, um Lärm zu reduzieren.

In Sankt Petersburg forschen Gründer im Business-Inkubator "Ingria".

In Tatarstan ist das Universitätsstädtchen "Innopolis" Vorreiter bei Innovationen. Zu den Vorzeigeprojekten gehört der Bau einer Strecke für autonom fahrende Busse. Die Nutzfahrzeughersteller Kamaz und Wolgabus wollen bis 2018 entsprechende Lösungen vorstellen.

In Uljanowsk an der Wolga entsteht das "Technologie-Tal" - ein Innovationscluster, in dem der Industriepark "Sawolschje" angesiedelt ist. Hand in Hand mit den bereits vor Ort produzierenden Firmen forschen Start-ups zu alternativen Energien und der Zukunft von Transport und Luftfahrt. Das "Uljanowsk Technology Transfer Center" (Ulnanotech) dient dabei als Zentrum für den Technologietransfer in der Start-up-Szene.

Das Akademgorodok in Nowosibirsk beheimatet neben Forschungsinstituten auch Start-ups. In Tomsk ist ein Wissenschaftszentrum (Schwerpunkt: Neue Materialien) und in Kemerowo im Kuzbass ein Institut für Biotechnologie angesiedelt. Die drei genannten Regionen formieren einen inoffiziellen sibirischen Innovations-Cluster.

Erfahrungen von Start-ups

Erste deutsche und russische Unternehmen machen sich die Start-up-Infrastruktur bereits zu Nutze und haben erfolgreiche Programme aufgelegt. Die Bayer AG und der russische Fonds zur Entwicklung von Internet Initiativen (FRII) arbeiten im Rahmen des Agrar-Akzelerators Grants4Apps zusammen. Sie unterstützen Agrar-Start-ups bei der Erforschung von Lösungen zu Pflanzenkrankheiten, umweltfreundlicher Abfallentsorgung und Robotik. Die Gründer dürfen auf die Infrastruktur im Moskauer Bayer-Büro zugreifen und erhalten von Bayer zudem 50.000 Euro Startkapital.

SAP arbeitet bereits seit fünf Jahren mit dem Skolkowo-Fonds erfolgreich zusammen und startete im Juni 2017 das Programm "Start-up Focus". Der virtuelle Akzelerator bietet Start-ups eine Plattform für die Entwicklung von B2B-Lösungen in den Bereichen Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und virtuelle Realität für die Kunden des deutschen Software-Konzerns. SAP stellt den Zugang zu seinen Programmen zur Verfügung und fordert als Gegenleistung nicht einmal einen Anteil an dem Start-up.

Die russische Fluggesellschaft Aeroflot hat den ersten Big-Data-Auftrag in Russland im Wert von 50 Millionen Rubel (720.980 Euro; EZB-Wechselkurs vom 12. Juli 2017: 1 Euro = 69,35 Rubel) an das Start-up Data Advance vergeben. Ziel ist die Entwicklung eines Systems zur Früherkennung von Schäden an Verschleißteilen bei Flugzeugen (Predictive Maintenance). Sensoren analysieren Bauteile und melden selbstständig, wenn diese einer Wartung bedürfen. Ein System ermittelt den technischen Zustand der Flugzeuge mithilfe riesiger Mengen von gesammelten Daten (Big Data). Spezielle mathematische Modelle weisen Schwachpunkte aus. Mit dieser Methode spart Aeroflot Zeit und Geld für Inspektionen.

Finanzierung von Start-ups

Russische Gründer sind fleißig, findig und flexibel bei der Umsetzung ihrer Ideen. Doch spätestens bei der Frage nach der Finanzierung müssen diese noch etwas sein: attraktiv. Diese Frage steht in Russland stärker im Fokus als in anderen Ländern.

Eine Finanzierung durch Bankkredite ist wegen der hohen Zinsen - der Leitzins liegt derzeit bei 9 Prozent - nahezu unerschwinglich und private Geldgeber sind eine Ausnahmeerscheinung. Strategische Investoren könne man an einer Hand abzählen, sagt Dimitri Tschichatschjow, Managing Partner des Fonds Runa Capital. Sie investieren nur, wenn das Projekt kurzfristig Gewinne abwirft. So bleiben oftmals nur Risikokapital-Fonds.

In Russland waren 2015 etwa 266 Private Equity Fonds und Venture Capital Fonds mit einem Kapital von 22,7 Milliarden US$ aktiv. Daneben gibt es etwa 62 weitere Fonds mit Staatsanteil mit einem Kapital von 32,2 Milliarden Rubel. Die Summe der Investitionen in den russischen Venture Capital Markt ist 2016 um 2,3 Prozent auf 894 Millionen US$ gestiegen, ergab eine Untersuchung der Firmen RB Partners und EY (Ernst & Young).

Im Jahr 2016 investierte der Skolkowo-Fonds 120 Millionen US$, ein Rückgang um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Fonds zur Zusammenarbeit zur Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen (Fond Sodejstwija Raswitie Malych i Srednych Predpriyatia) ist nach der Skolkowo-Stiftung des russischen Investors Iwan Bortnik benannt. Er förderte bisher 15.000 Unternehmer und 5.500 Start-ups. Russian Venture Capital (RVC) ist ein staatlich gelenkter Risikokapitalfonds.

Ausgestattet mit einem Kapital von 33,2 Milliarden Rubel wurde der Fonds in die "Nationale Technologische Initiative" aufgenommen. Der Akzelerator Generation S vergab seit seiner Gründung 4.237 Preise im Wert von insgesamt 15 Millionen Rubel. Der Fonds zur Förderung von Innovationen (FRI) lobt ebenfalls Prämien aus.

Die russische Regierung unterstützt Start-ups im Rahmen der "Nationalen Technologischen Initiative" (NTI) mit dem Fonds zur technologischen Entwicklung (FTR). Im Jahr 2016 finanzierte dieser Projekte mit einem Volumen von etwa 20 Milliarden Rubel. In der "Nationalen Technologischen Initiative" (http://www.asi.ru/nti/) identifizieren Technologie-Unternehmer, Venture-Investoren, Wissenschaftler, Vertreter von wissenschaftlichen Instituten, Wirtschafts- und Sozialverbänden, Manager aus der Wirtschaft und Ministerien die Schlüsseltechnologien und -märkte der Zukunft. Auf dieser Basis werden Entwicklungspläne für russische Technologie-Unternehmen - nationale Champions - bis zum Jahr 2035 erstellt.

Auch von Unternehmerseite gibt es Start-up-Initiativen. Firmen stehen unter Modernisierungsdruck und müssen im globalen Wettbewerb bestehen. Oftmals ist die Lösung von Problemen kein Kerngeschäft von Konzernen. Firmen loben daher Preise für gute Forschungsergebnisse aus. So zahlte die Ak Bars Bank (Tatarstan) dem Entwickler von Systemen zur Verarbeitung von Big Data, Noxa Data Lab, ein Preisgeld von 5.000 US$.

Ikea hat im Juli 2017 sein zweites "Mega Accelerator"-Programm in Russland gestartet. Start-ups sollen mit innovativen Ideen dazu beitragen, die MEGA Shopping Malls von Ikea in Räume für Treffen und Entspannung zu verwandeln, das Kundenerlebnis zu verbessern und die Geschäftsprozesse zu optimieren. Dem Gewinner winkt eine Prämie von 2 Millionen Rubel (etwa 34.000 US$). Vizepremier Dworkowitsch erklärte, dass es auch in staatlichen Holdings unerlässlich sei, Innovationsabteilungen zu schaffen.

Für das Jahr 2017 erwarten Experten weniger Aktivitäten staatlicher Fonds wie VTB Capital. Ausnahme bleibt der Skolkowo-Fonds. Doch für die russischen Start-ups zeigt sich ein Silberstreif am Horizont. Die Investitionen von internationalen Unternehmen wie SAP und Facebook wachsen. Die Erklärung könnte darin liegen, dass die Rentabilität eines Investments in Russland mit 27 Prozent höher ist als in Europa mit 17 Prozent oder den USA mit 14 Prozent. Beispielsweise hat Facebook die Selfie-App MSQRD, die digitale Masken für die Benutzer des sozialen Netzwerks entwickelt, vom belarussischen Start-up Masquerade Technologies gekauft.

Russische Geldgeber investieren verstärkt in Start-ups, deren Lösungen Exportpotenzial bieten. Die Top-10 der russischen Fonds haben gut die Hälfte ihrer Investitionen in internationale Start-ups gesteckt, die meisten davon in Europa. Die russische Sberbank vergibt einen ersten Venture-Kredit und pumpt 100 Millionen Euro in den Online-Taxidienst Gett Taxi, einen Konkurrenten von Uber.

Wege der Geschäftspartnersuche

Russische Gründer wenden sich bei der Suche nach Geschäftspartnern in erster Linie an Akzeleratoren. Der größte und bekannteste ist Generation S, der 2013 von Russian Venture Capital (RVC) gegründet wurde. Er hilft Start-ups, ihr Geschäft zu entwickeln, zu vermarkten und Geschäftspartner zu gewinnen. Auch Vereinigungen wie Digital Hub oder der Fonds zur Entwicklung von Internet Initiativen (FRII) stellen Kontakte her. Der im Jahr 2013 gegründete Fonds unterstützt Start-ups in allen Entwicklungsstadien.

Selbst Ausschau halten nach Partnern können Start-ups auf Konferenzen. So schloss AT Energy im Rahmen des "Startup Village" in Skolkowo Anfang Juni 2017 eine Kooperationsvereinbarung mit der deutschen Linde AG. Der Industriegashersteller liefert Wasserstoff für die Drohnen des Start-ups, welche die Gas- und Ölpipelines in Russlands Hohem Norden überwachen.

Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) in Moskau hat im Herbst 2016 eine eigene Arbeitsgruppe "Start-up" unter der Leitung von Grigory Kolesnikow (Bayer) gegründet. Daneben gibt es die Unterarbeitsgruppen IT-Sicherheit und E-Commerce. Als Gastredner konnte die AHK Natalia Kasperskaja von Infowatch, Igor Bogatschjov vom Skolkowo-Fonds, Dmitrij Kalajew vom Fonds zur Entwicklung von Internet Initiativen (FRII) und Alexander Potapow von Russian Venture Capital (RVC) begrüßen.

Dmitrij Kononenko, Referent für das Thema Digitalisierung bei der AHK, plant mit der Arbeitsgruppe eine Delegationsreise im Herbst 2017 nach Deutschland. "Davon erhoffen wir uns Impulse für die Zusammenarbeit zwischen russischen Start-ups und deutschen Unternehmen, von der beide Seiten profitieren", so Kononenko.

Verbreitung von Internet und Breitband-Anschlüssen in Russland
Kennziffer 2012 2014 2016
Anteil Internetnutzer (in %)* 52,6 67,5 70,4
Festnetz-Breitband-Anschlüsse (in Mio.) 26,1 29,7 30,8
Mobile Breitband-Anschlüsse (in % der Einwohner ab 16 Jahren), darunter: 40,0 42,0 46,6
.Smartphones 22,5 17,6 42,1
.Tabletts 2,5 8,4 19,0
Markt für Enterprise Content Management (in Mrd. Rubel) 25,6 34,4 37,0
Markt für Enterprise Resource Planning (in Mrd. Rubel) 90,1 99,2 117,5

*) Einwohner ab 16 Jahren, Internetnutzung mindestens einmal pro Monat

Quellen: GfK; J'son & Partners Consulting; TAdviser

Russische Start-ups müssen bei der Akquise von Geschäftspartnern zudem gegen das schlechte Image ankämpfen, das mit Russland verknüpft ist. Jewgeny Kaspersky, Gründer von Kaspersky Labs, erklärt, dass es als russische Firma per se nicht einfach sei, auf ausländischen Märkten erfolgreich zu sein. "Wir werden immer mit russischen Hackern in Verbindung gebracht", so der Unternehmer. Hinzu kommt, dass das Branding "Made in Russia" bei Kunden auf Skepsis stößt und Start-ups in ihrer Entwicklung eher behindert, als fördert.

Typische Wege zur Gründung eines Start-ups

Russische Gründer sind zu 40 Prozent Absolventen von Universitäten, zu 40 Prozent aus der Unternehmenswelt und zu 20 Prozent Quereinsteiger. Üblicherweise nutzen Start-ups Inkubatoren, Akzeleratoren und Co-Working-Spaces, um ihre Lösungen zu entwickeln. Die privaten Akzeleratoren möchten mit ihrer Investition Profite erzielen und Anteile am Start-up erwerben. Staatliche Akzeleratoren hingegen verfolgen einen politischen Auftrag, die Forschung in Russland zu lokalisieren. Die Aktivitäten der Fonds mit Staatsbeteiligung koordiniert ein Expertenrat der Regierung.

Absolventen russischer Hochschulen verfügen über eine gute, wenn auch theorielastige Ausbildung. Viele Universitäten vermitteln ihren Abgängern aber kaum unternehmerisches Denken. Die russische Regierung motiviert daher Studenten mit Prämien, eigene Unternehmen zu gründen. Vizepremier Arkadi Dworkowitsch, der für die Entwicklung des Start-up-Ökosystems zuständig ist, erklärte bei der Konferenz "Startup Village", dass Russland das Unternehmertum an Universitäten stärken müsse. Das Bildungsministerium will bis Herbst 2017 eine entsprechende Strategie erarbeiten.

Die Medien haben die Bedeutung des Themas auch erkannt und bewerben die Start-up-Szene. Auf dem Sender NTV wird in Zusammenarbeit mit der Vneschekonombank (VEB) eine Reality-Show über Start-ups an den Start gehen. Ziel ist es, Start-ups als neue Form des Unternehmertums zu bewerben.

Russische Start-ups sind bereit, sich international auszurichten. Für Unternehmen ist es wenig attraktiv, eine Lösung nur für den russischen Markt zu entwickeln. Ein Produkt, das in internationale Märkte exportiert werden kann, ist lukrativer: "Von 700 Projekten, die wir unterstützen, ist kein einziges auf Importsubstitution ausgerichtet", erklärt Wartan Minasjan von Kaspersky Labs.

Gegenwärtige rechtliche Schwierigkeiten für Start-ups

In der Regel arbeitet ein russisches Start-up in einem Akzelerator oder im Rahmen von Co-Working-Modellen. Üblicherweise schließen Start-up und Investor einen Lizenzvertrag. Die Forschungsergebnisse gehen dann auf den Risikokapitalgeber über. Dabei wird in Russland zwischen dem Recht auf Erschaffung (Autorenrecht) und dem ausschließlichen Nutzungsrecht unterschieden. Ein Gründer kann auch als selbstständiger Unternehmer (Individualni predprinimatel) tätig werden. Bei diesem Modell fallen nur 6 Prozent Gewinnsteuer an. Nachteile sind jedoch die Haftung mit dem Privatvermögen und keine Möglichkeit auf Eintrag eines Markenrechts.

Internetlösungen unterliegen in Russland keiner Pflicht zur Registrierung oder Patentierung. Beim russischen Patentamt RosPatent könnten Patente eingetragen werden, doch dieser Prozess ist nicht formalisiert. Besitzt eine Internetlösung beispielsweise keinen Quell-Code (Izchodnij Kod), kann es nicht patentiert werden. Die Bestimmungen zum Datenschutz sind im Jahr 2015 verschärft worden. Ausländische Unternehmen sind verpflichtet, die persönlichen Daten ihrer Kunden auf Servern in Russland zu speichern. Dass die russische Kontrollbehörde RosKomNadzor dies sehr ernst nimmt, musste LinkedIn erfahren. Die Karrierebörse wurde zeitweise gesperrt, weil sie keinen Nachweis erbringen konnte, die Daten in Russland zu speichern.

Russische Start-ups können Ausländer mit Arbeits- oder Businessvisa anstellen. Eine Beschäftigung im Rahmen der Vorschriften des Föderalen Migrationsdienstes ist problemlos möglich. Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) bietet ihren Mitgliedsunternehmen einen entsprechenden Einladungs- und Visumservice an.

Um Rechtsstreitigkeiten bei Vertragsabschlüssen mit Investoren zu umgehen, rät Anna Kirjakowa, Juristin für Patentrecht beim Informationszentrum der deutschen Wirtschaft in Moskau, Start-ups zu einer in der Praxis bewährten Lösung: dem Abschluss einer Geheimhaltungs- und Verschwiegenheitsklausel. Ansonsten können sich Start-ups an ihren Rechtsbeistand oder Organisationen wie die Russische Union der Unternehmer (RSPP), Delowaja Rossija, den Fonds zur Förderung von Internet Initiativen (FRII) oder die Nicht-Regierungsorganisation Innopraktika wenden.

Kontaktadressen

Start-Up Village

Skolkowo Innovation Center

143026 Moskau, Russische Föderation

T +7 495 956 00 33

startupvillage@sk.ru

https://www.startupvillage.ru

Akzelerator Generation S

Serebrynitscheskaja nabereschnaja 29

109028 Moskau, Russische Föderation

T +7 495 777 01 04

info@generation-startup.ru

http://www.generation-startup.ru

Higher School of Economics (HSE)

Ansprechpartner: Jaroslav Kusminow, Direktor

ul. Mjasnizkaja 20

101000 Moskau, Russische Föderation

T +7 495 771 32 32

hse@hse.ru

http://www.hse.ru

Universität Innopolis (Tatarstan)

Ansprechpartner: Kirill Semenichin, Direktor

ul. Universitetskaja 1

420500 Innopolis, Russische Föderation

T +7 843 203 92 53

university@innopolis.ru

https://university.innopolis.ru

Co-Working-Space Bayer AO

Ansprechpartner: Grigory Kolesnikov, IT / Demand & Project Management

ul. 3 Rybinskaja 18, Haus 2

107113 Moskau, Russische Föderation

T +7 495 234 20 00

grigory.kolesnikov@bayer.com

http://www.bayer.ru

Co-Working Space SAP Labs C.I.S. OOO

Ansprechpartner: Wjatscheslaw Gerschow, Direktor Business Development

Kosmodamianskaja nabereschnaja 52/5

115054 Moskau, Russische Föderation

T +7 495 755 98 00

viacheslav.gershov@sap.com

http://www.sap.com

Russian Venture Capital

Ansprechpartner: Alexander Potapow, Managing Director

Serebrjanitscheskaja nabereschnaja 29

109028 Moskau, Russische Föderation

T +7 495 777 01-04

Potapov.AE@rusventure.ru

http://www.rvc.ru

Fonds zur Entwicklung von Internet Initiativen (FRII)

Ansprechpartner: Dmitrij Kalajew, Director of acceleration and educational programs

ul. Mjasnizkaja 13

101000 Moskau, Russische Föderation

T +7 495 258 88 77

dkalaev@iidf.ru

http://www.iidf.ru

Fonds zur Förderung von Innovationen (FRI)

Ansprechpartner: Sergej Poljakow, Direktor

3-i Obydenskij pereulok 1

119034 Moskau, Russische Föderation

T +7 495 231 35 79

info@fasie.ru

http://www.fasie.ru

Die 50 besten russischen Start-ups (Überblick)

http://www.sostav.ru/publication/top-50-rossijskikh-startapov-20870.html

Informationsportale zu Start-ups und Venture Capital

http://www.firrma.ru (Firma)

http://www.ewdn.com (East-West Digital News)

(HJW)

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Digitalisierung, Start-up

Kontakt

Boris Alex

‎+49 30 200 099 605

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