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13.08.2018

Russisches Gebiet Rostow modernisiert Infrastruktur

Ausbau der erneuerbaren Energien kommt zügig voran / Von Hans-Jürgen Wittmann

Moskau (GTAI) - Rostow am Don behauptet seine Rolle als industrielles Zentrum und wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Südrussland. Mit Investitionen in Straßen und Windparks modernisiert das Gebiet seine Wirtschaft.

Im Jahr 2017 stieg das Bruttoregionalprodukt des Gebiets Rostow um 2,9 Prozent und lag damit beinahe doppelt so hoch wie das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes auf föderaler Ebene (1,5 Prozent). Die Industrieproduktion legte wertmäßig gar um 7,4 Prozent zu. Die verarbeitende Industrie steuerte durch den ortsansässigen Maschinen-, Lokomotiven-, oder Hubschrauberbau mit einem Wachstum von 7,6 Prozent einen großen Anteil bei. Daneben sind Landwirtschaft und Nahrungsmittelverarbeitung wichtige Standbeine der Region. Die Herstellung von Landmaschinen stieg 2017 um 15,6 Prozent.

Deutsche Unternehmen wie die Großhandelskonzerne Metro und Selgros, der Windkraftentwickler Sowitec oder der Hersteller von Mess- und Regeltechnik, Samson AG, haben das Potenzial der Region erkannt und sind mit Produktionsstandorten oder Mitarbeitern vor Ort präsent. Evonik Industries hingegen stieg Ende 2017 aus einem Projekt mit der Firma Don Bio Tech zur Produktion von Aminosäuren aus.

Ausbau der Infrastruktur als Entwicklungsmotor

Rostow ist mit dem Don-Wolga-Kanal der zentrale Logistikknotenpunkt zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer wie auch zwischen Nord- und Südrussland. Etwa 90 Prozent aller Passagier- und 80 Prozent aller Gütertransporte in Richtung Nordkaukasus passieren die Stadt am Don. Entsprechend hoch sind die Auslastung und der Abnutzungsgrad der Verkehrswege. Zur Verbesserung der Infrastruktur hat die Regierung eine Strategie zur Entwicklung des Transportwesens bis zum Jahr 2030 verabschiedet. Auf dem Sankt Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) wurden Investitionsvereinbarungen von 164 Millionen Euro abgeschlossen, vor allem zum Ausbau der Infrastruktur.

Im Rahmen der Entwicklungsstrategie plant die Gebietsregierung bis 2030 den Bau einer 12 Kilometer langen U-Bahn für etwa eine Milliarde Euro. Zur Realisierung des Projekts benötigt Rostow jedoch finanzielle Hilfe aus Moskau. Alternativ soll die Streckenführung oberirdisch verlaufen, um die Kosten zu senken. Noch bis 2020 wird der multimodale Transport- und Logistik-Knoten "Rostowskij Uniwersalnyj Port" ausgebaut. Das Großprojekt gehört zu den wichtigsten Investitionsprojekten des Gebiets und soll auf Grundlage einer öffentlich-privaten Partnerschaft realisiert werden. Die Gesamtkosten betragen etwa 270 Millionen Euro.

Daneben wird eine Umgehungsstrecke der Autobahn M4 "Don" um die Stadt Aksaj gebaut. Rosawtodor wird das etwa 1,1 Milliarden Euro teure und 65,5 Kilometer lange Projekt realisieren. Die Arbeiten am 1. Abschnitt sollen 2018 beginnen, die 2. Etappe wird 2020 enden. Die Russische Eisenbahn (RZD) plant bis 2030 den Bau einer Hochgeschwindigkeitszugstrecke von Moskau über Rostow am Don nach Sotschi. Bereits im November 2017 öffnete der neue Flughafen Platow seine Pforten - der erste komplette Flughafenneubau nach Zerfall der Sowjetunion. Zur Fußball-Weltmeisterschaft wurde die Rostow-Arena am Südufer des Don für 280 Millionen Euro fertiggestellt.

Aktuelle Investitionsprojekte im Gebiet Rostow
Projekt / Standort Investitionen (in Mio. Euro) Fertigstellung Unternehmen
Bau einer Umgehungsstraße / Aksaj 1.100,0 2020 Awtodor, http://www.avtodor-tr.ru, Regierung des Gebiets Rostow, http://www.donland.ru
Bau einer Staustufe / Bagajewskaja 315,0 2020 Regierung des Gebiets Rostow, http://www.donland.ru
Bau eines Zentrums zur Produktion von Jeans 273,9 2019 Gloria Jeans, http://www.gloria-jeans.ru
Ausbau der Produktion von Entenfleisch / Millerowo 171,2 Ende 2018 Donstar (gehört zu Ewrodon), http://www.don-star.ru
Entwicklung des Windparks / Azow 145,0 2020 Enel Russia, http://www.enelrussia.ru, Sowitec, http://www.sowitec.com
Ausbau eines mautpflichtigen Abschnitts der Autobahn M4 (Don) 78,5 2027 Rosawtodor, http://www.rosavtodor.ru,VEB-Bank, http://www.veb.ru
Bau eines Müllverarbeitungswerks / Wolgodonsk und Rostow am Don 41,1 Ende 2018 GF Tschistyj Gorod, http://clean-rf.ru/
Bau eines Lagerkomplexes / Aksaj 34,2 2019 FM Logistic, http://www.fmlogistic.ru
Bau einer Milchfarm 30,1 k.A. Agrokomplex imeni Tkatschjowa, http://www.zao-agrokomplex.ru
Aufbau einer Telekommunikationsinfrastruktur 28,5 2020 Rostelecom, http://www.rt.ru
Bau eines Werks zur Herstellung von Kunststoffbehältern für die Landwirtschaft / Azow 17,0 Ende 2018 I Plast, http://www.iplast.com
Bau eines Container-Terminals / Azow 13,7 2018 Uyut
Bau eines Produktions- und Lagerkomplexes / Aksaj 6,2 2021 Rost Agro Service, http://www.rosagroservis.com
Bau eines Werks zur Herstellung von Frischhaltefolien / Batajsk 2,2 2020 Atlantis Pak, http://www.atlantis-pak.ru
Ausbau der Produktion von Süßwaren / Aksaj k.A. 2019 Süßwarenfabrik Mischkino, http://www.mishkino-conf.ru
Bau eines Lagerkomplexes / Rostow k.A. 2019 Sewerno-kawkaskoje Logistitscheskoje Predprijatie, http://www.sklp.biz

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Projekte sind einsehbar beim Investitionsportal des Gebiets Rostow: https://invest-don.com/ru/invest_map_success

Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Die Gebietsregierung möchte das Potenzial der Windenergie nutzen. Erste Projekte werden ab 2019 den Betrieb aufnehmen. Die deutsche Firma Sowitec baut zusammen mit dem russischen Tochterunternehmen des italienischen Konzerns Enel im Gebiet Rostow für 145 Millionen Euro den Windpark Azow mit einer Kapazität von 90 Megawatt. Ab 2020 soll er grünen Strom liefern. Die Turbinen liefert der deutsch-spanische Konzern Gamesa. Über ihre gemeinsame Firma Wetroenergetika haben Rosnano und Fortum den Zuschlag für den Bau von Windparks im Gebiet Rostow mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt erhalten. Diese sollen bis 2022 schrittweise in Betrieb gehen. Die Investitionen belaufen sich auf etwa 425 Millionen Euro.

Weitere Windparks mit einer Gesamtkapazität von 300 Megawatt sind in Planung. Damit könnten 600 Megawatt an Strom erzeugt werden - was Rostow zum größten russischen Lieferanten von Windenergie machen würde. Die Gebietsregierung plant, den überschüssigen Strom in andere Regionen zu verkaufen.

Daneben soll die Produktion von Windmühlen und deren Bauteile im Gebiet lokalisiert werden. Die Firma Nowawind (gehört zu Rosatom) plant für etwa 205 Millionen Euro den Aufbau einer Produktion von Windkraftanlagen. Rosatom gründete im Dezember 2017 mit der niederländischen Firma Lagerwey das Joint Venture Red Wind zur Produktion von Turbinen für Windräder in Wolgodonsk.

Landtechnik aus Rostow "Made in Russia"

Das Gebiet Rostow ist ein Zentrum der Landwirtschaft in Russland. Die Ackerflächen von 8,5 Millionen Hektar bestehen zu gut zwei Dritteln aus sehr fruchtbarem Schwarzerdeboden. Vor allem Getreide, Gemüse und Sonnenblumen werden angebaut. Die Stadt am Don beheimatet Russlands größten Hersteller von Landtechnik: Rostselmasch. Das Unternehmen produziert Mähdrescher und weitere Gerätschaften zur Feldbearbeitung.

Gemeinsam mit dem führenden russischen Entwickler von Software für unbemannte Fahrzeuge, Cognitive Technologies, entwickelt Rostselmasch einen Prototyp eines autonomen fahrenden Mähdreschers. Ab 2023 sollen die ersten Exemplare in Serie gehen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Kraftwerksbau, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Regionalstruktur

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