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16.11.2016

Russischsprachige Israelis bilden ein wichtiges Marktsegment

Hoher Bildungsstand und gehobene Ansprüche / Für Anbieter im oberen Marktbereich interessant / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Russischsprachige Israelis stellen eine für Anbieter von Konsumgütern des gehoberen Bedarfs interessante Verbrauchergruppe, die allerdings adäquat angesprochen werden muss. Das gilt vor allem, aber nicht nur für die Sprache. Viele israelische Unternehmen widmen dem "russischen Sektor" große Aufmerksamkeit. Für ausländische Anbieter relevanter Produkte empfiehlt es sich sicherzustellen, dass ihre lokalen Vertriebspartner dieses Marktsegment gebührend berücksichtigen. (Kontaktanschrift)

Eine amtliche Definition des "russischen Sektors" in Israel gibt es nicht. Gemeint sind Einwanderer, die ab 1990 aus der ehemaligen Sowjetunion immigriert sind, sich bis heute im Alltag weitgehend der russischen Sprache bedienen und damit für die Absatzpolitik von Unternehmen eine separat zu erreichende Gruppe bilden.

Die Zahl ehemaliger Sowjetbürger, beziehungsweise Bürger der Nachfolgestaaten der UdSSR, die ab 1990 bis 2015 in Israel eingewandert sind, liegt bei knapp 1,1 Mio. Die bei weitem größten Gruppen kamen Anfang der neunziger Jahre, doch hält die Immigration zumindest in begrenztem Umfang auch heute an. Im Jahr 2015 lebten in Israel rund 750.000 Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Das entsprach 9% der Landesbevölkerung.

Der Großteil der Einwanderer hält, trotz der in aller Regel erfolgreichen Integration, am Gebrauch der russischen Sprache fest, wie die auf den russischsprachigen Sektor spezialisierte Werbeagentur Pirsum Marina erklärte.

Gebildete Verbraucher

Die Immigranten aus der Ex-UdSSR sind überdurchschnittlich gut gebildet. So hat sich die Zahl der israelischen Ärzte und Ingenieure während der Immigrationswelle verdreifacht. Dank einer Integrationspolitik, die die beruflichen Qualifikationen der Einwanderer in aller Regel anerkannte, konnte die Mehrheit der Fachkräfte in Israel in ihrem jeweiligen Beruf unterkommen. Das bedeutet, dass das Einkommensniveau dieser Einwanderergruppe über dem Landesdurchschnitt liegt.

Im Jahr 2015 waren 71% der ex-sowjetischen Immigranten im Arbeitsalter beschäftigt oder suchten Arbeit, während es bei der alteingesessenen Bevölkerung 68% waren. Der Beitrag der Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion zur industriellen und sozialen Entwicklung des Landes wird auch an ihrer Berufsstruktur deutlich.

Beschäftigungsstruktur von Einwanderern aus der Ex-UdSSR 2015
Sektor Anteil an der Zahl der beschäftigten Immigranten aus der Ex-UdSSR, in % Anteil an der Bevölkerung, in %
Industrie 23,0 9,8
Bauwirtschaft 4,2 3,2
Handel 10,8 11,3
Information und Kommunikation 6,0 5,6
Öffentliche Verwaltung 4,5 12,8
Gesundheits- und Sozialdienste 17,5 9,8
Andere Sektoren 34,0 47,4

Quelle: Zentralamt für Statistik

Viele israelische Unternehmen sprechen die russischsprachige Klientel gezielt an. Dafür steht eine breite Palette von Möglichkeiten zur Verfügung. Neben mehreren russischsprachigen Tageszeitungen erscheint eine Reihe von Zeitschriften und lokalen Wochenzeitungen. Insgesamt werden im Lande mehr als 30 regelmäßige Printpublikationen veröffentlicht. Wohl gilt auch für die russischsprachige Absatzpolitik, dass die Bedeutung der Printmedien in der Werbung abnimmt, doch sind Presseprodukte immer noch ein unerlässlicher Teil des Werbemix.

In etwa gleichbleibend populär bleiben Fernsehen und Radio. Russischsprachige Fernsehzuschauer haben Zugriff auf israelische ebenso wie auf russische Sender, die im Multikanal-TV angeboten werden. Es ist möglich, aber kompliziert, in die von den israelischen TV-Betreibern ins Programm aufgenommenen Sendungen aus Russland israelische Werbeblocks einzublenden.

Sachliche und selbstbewusste Kundschaft

Viele israelische Geschäfte unterhalten russischsprachige Facebook-Seiten, die regen Zuspruch finden. Das gilt insbesondere für Produkte wie Elektrohaushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Möbel und Haushaltszubehör, aber auch für Nahrungsmittelprodukte. Es gibt eine Reihe auf die russischsprachige Kundschaft spezialisierter Nahrungsmittelgeschäfte, darunter auch eine große Supermarktkette, Tiv Taam. Im Gegensatz zu den meisten israelischen Lebensmittelläden bieten "russische" Geschäfte auch nichtkoschere Spezialitäten an. Das kann für ausländische Nahrungsmittelexporteure von Interesse sein: Die Einfuhr nichtkoscherer Nahrungsmittel ist - außer bei Fleisch und Fleischprodukten - erlaubt.

Das Konsumverhalten russischsprachiger Verbraucher ist eher europäisch orientiert. Informative Werbeinhalte, so Pirsum Marina, werden effekthaschender Werbung bevorzugt. Sie legen großen Wert auf Produktqualität und Kundendienst und sind dafür auch bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Grundsätzlich zeichnen sie sich durch Markentreue aus.

Das Qualitätsbewusstsein und die Kaufkraft machen die russischsprachigen Israelis zu einer interessanten Zielgruppe für Anbieter von Konsumgütern im oberen Marktbereich und damit auch für viele deutsche Exporteure. Für ausländische Exporteure empfiehlt es sich sicherzustellen, dass ihre israelischen Importpartner der Bedeutung und den Besonderheiten des russischsprachigen Marktsegments in gebührendem Maße Rechnung tragen.

Kontaktanschrift

Pirsum Marina Advertising Agency

Ansprechpartnerin: Mr. Gabriel Zubok

Yegi'ey Kapayim St. 2, Tel Aviv 67778

Tel.: 00972 50/ 9002 902

E-Mail: pirsum.marina@gmail.com, Internet: http://pirsumarina.com (nur Hebräisch und Russisch)

(S.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Konsum / Konsumentenverhalten, Werbung

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‎+49 228 24 993 234

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