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23.07.2015

Saudi-Arabien realisiert umfangreiche Schienenprojekte

Metro in Riad wird ausgebaut / Neue Nahverkehrssysteme in mehreren Städten geplant / Von Robert Espey

Dugai/Riad (gtai) - Saudi-Arabien hat in den letzten vier Jahren Schienenprojekte für 5 Mrd. US$ in Betrieb genommen. Aktuell sind Vorhaben für über 39 Mrd. US$ im Bau und weitere für etwa 75 Mrd. US$ in der Planung. Allerdings befinden sich einige Vorhaben noch in einer frühen Planungsphase und die Umsetzung erscheint ungewiss. Von den laufenden und geplanten Schienenprojekten entfallen 72 Mrd. US$ auf Nahverkehrssysteme und 43 Mrd. US$ auf den Regional- und Fernverkehr.

In Saudi-Arabien ging 2010 als erstes schienengebundenes Nahverkehrsprojekt eine 20 km lange automatische Hochbahn (Al Mashaaer Monorail) in Mekka in den Teilbetrieb. Eine nördliche Verlängerung der Al Mashaaer Monorail um 20 km für 2 Mrd. US$ ist in der Diskussion. In dem im Bau befindlichen King Abdullah Financial District von Riad soll 2015 eine 3,6 km Monorail-Strecke (0,2 Mrd. US$) in Dienst gehen.

Mit drei Konsortien wurden 2013 Verträge im Gesamtwert von über 23 Mrd. US$ zum Bau von sechs Metro-Linien in Riad unterzeichnet. Die Fertigstellung wird frühestens 2019 erwartet. Vertragspartner ist Riads städtische Entwicklungsgesellschaft, die Arriyad Development Authority. Das Metro-System wird vollautomatisch operieren, eine Länge von etwa 180 km haben und soll durch ein 1.150 km Bussystem ergänzt werden. Das Metro-System wird zu etwa 50% als Hochbahn realisiert, etwa 40% verlaufen unterirdisch, nur 10% auf Straßenniveau.

Die Design-Build-Aufträge wurden in drei Paketen gebündelt (Linien 1 und 2; Linie 3; Linien 4, 5 und 6). Jeweils eingeschlossen sind das rollende Material sowie alle M&E-Arbeiten (Mechanical and Electrical). Die Linien 1 und 2 gingen für 9,5 Mrd. US$ an ein BACS-Konsortium unter Führung von Bechtel, die anderen Partner sind der lokale Almabani General Contractors, Griechenlands Consolidated Contractors Company (CCC) sowie Siemens. Das auf Siemens entfallende Auftragsvolumen beträgt 2,1 Mrd. US$. Der Siemens-Auftrag umfasst 74 Inspiro-Züge, die Bahnelektrifizierung, die Signal- und Kommunikationstechnik für den fahrerlosen Betrieb sowie die gesamte Systemintegration.

Die Linie 1 ist eine 38 km lange Nord-Süd-Verbindung, die im Wesentlichen unterirdisch von der nördlichen zur südlichen "Ring Road" über die Olaya, King Faisal und Batha Street führen wird. Auf der Strecke wird es 26 Haltestellen geben. Drei auf Kreuzungen der Line 1 mit anderen Strecken liegende Metro-Stationen sind als architektonische Wahrzeichen eines modernen Riads konzipiert. Die Planung der "Olaya Station" (Kreuzung Linien 1 und 2) ging an das Dortmunder Architektenbüro Gerber. Die Station am King Abdullah Financial District (Linien 1, 4 und 6) wird nach Plänen der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid gebaut, Snohetta (Norwegen) hat den Zuschlag für die "Downtown Station" (altes Stadtzentrum; Qasr al Hokm) bekommen. Die Line 2 ist eine 25 km West-Ost-Verbindung (16 Bahnhöfe,), davon 10 km unterirdisch.

Die Linie 3 (41 km) wird vom New Mobility Konsortium für 5,9 Mrd. US$ gebaut, bestehend aus Italiens Ansaldo STS, Bombardier (Kanada), Salini-Impregilo (Italien), Larsen & Toubro (Indien) und der lokalen Nesma. Den 7,8 Mrd. US$ Auftrag zum Bau der Linien 4, 5 und 6 (insgesamt 73 km) erhielt das FAST Konsortium, das gebildet wird aus der spanischen FCC Gruppe (Fomento de Construcciones y Contratas), Samsung C&T, Frankreichs Alstom, Strukton Rail (Niederlande), Freyssinet Saudi Arabia, Typsa (Spanien) and Setec (Frankreich).

Mekka bekommt vier neue Nahverkehrslinien

Für die anderen Ballungsräume in Saudi-Arabien sind ebenfalls schienengebundene Nahverkehrssysteme vorgesehen. Die Planung ist in Mekka am weitesten fortgeschritten. Der Bau von insgesamt vier Linien (A bis D) ist in der Diskussion. Die Kosten für die Gesamtstrecke von 180 km werden mit 16 Mrd. US$ veranschlagt. Mekkas Stadtverwaltung hat im Juli 2013 den Programmmanagementvertrag für das gesamte "Mecca Mass Rail Transit"-Projekt" (MMRT) an die New Yorker Firma Parsons Brinckerhoff vergeben. Projektmanagementverträge für den Bau der einzelnen Linien wurden noch nicht vergeben.

Im April 2014 wurden zwei Pakete für Bauleistungen der Phase 1 (46 von letztlich 80 km) der Linien B und C mit 22 Stationen ausgeschrieben, etwa 26 km sind unterirdisch und 20 km als Hochbahn geplant. Abgabefrist für die Bewerbungen war Ende Oktober 2014. Zehn Konsortien hatten sich für die Ausschreibung präqualifiziert, darunter keine deutsche Firma. Die Ausschreibung für die Streckentechnik (Schienenweg, Elektrifizierung etc.) lief bis Mitte Januar 2015. Wann das rollende Material ausgeschrieben wird, ist derzeit unklar. Mit den Ausschreibungen für die Linien A (54 km, 27 Stationen) und D (47 km, 25 Stationen) wird frühestens 2016 gerechnet.

In Jeddah sind drei Metro-Linien (insgesamt 108 km) geplant: Orange Line (67 km; 32 Stationen), Blue Line (24 km; 17 Stationen) und Green Line (17 km; 7 Stationen). Das Budget liegt bei insgesamt 9,5 Mrd. US$. Gegenwärtig wird an der Planung für die Orange und Blue Line gearbeitet. Im Mai 2014 wurde Aecom als Projektmanager für eine erste Planungs- und Designphase engagiert. Frankreichs Systra und Khatib & Alami (Libanon) wurden im Juli mit einer vorläufigen Planung beauftragt. Das britische Architektenbüro Foster & Partners gilt als Favorit für das Design der Metro-Stationen. Mit der Ausschreibung von Bauleistungen ist in der zweiten Jahreshälfte 2015 zu rechnen. Entlang der Jeddah Corniche bis nach North Obhur soll eine 38 km lange Straßenbahnstrecke für 3 Mrd. US$ entstehen. Als Projektmanager wurde im Mai 2014 Aecom engagiert.

In Medina sind vier Metrolinien für über 8 Mrd. US$ in Planung, davon befinden sich allerdings nur zwei Linien im fortgeschrittenen Planungsstadium. Die Stadt Medina will drei Linien (Green, Blue, Red) mit einer Gesamtlänge von 94 km bauen. Für die 32 km Green Line, die mit 1,5 Mrd. US$ kalkuliert wird, hatte 2013 ein libanesisch-türkisches Joint Venture (Khatib & Alami und Istanbul Ulasim) den Auftrag erhalten, ein Design-Konzept zu erstellen. Im März 2015 wurde bekannt, dass ein neuer Auftrag sowohl für die Green Line als auch für die beiden anderen Strecken (Blue Line: 22 km; Red Line: 40 km) an ein französisches Joint Venture aus Egis und Systra vergeben worden ist, die Ergebnisse sollen in zwölf Monaten vorliegen. Mit Ausschreibungen für Bauaufträge kann jetzt frühestens Ende 2016 gerechnet werden.

Bereits ausgeschrieben ist in Medina eine 30 km lange Metrostrecke für die entlang der Hijrah Road entstehende "Pilgrim City". Projektbetreiber ist das Finanzministerium beziehungsweise der Public Investment Fund. Die Baukosten dieser Metro Linie werden mit 4 Mrd. US$ veranschlagt, die Saudi Binladin Group soll das günstigste Angebot eingereicht haben.

In Saudi-Arabiens Ostprovinz wird an einer Durchführbarkeitsstudie für den Bau eines 86 km langen Metro-Systems gearbeitet, das die benachbarten Städte Khobar, Dammam, Dhahran und Qatif versorgen soll. Mit dem Abschluss der Studie wird in Kürze gerechnet. Die möglichen Kosten werden auf 9 Mrd. US$ geschätzt.

Inbetriebnahme der Hochgeschwindigkeitsbahn verzögert sich

Seit 2010 wird an der 12 Mrd. US$ Haramain-Hochgeschwindigkeitsbahn gebaut, die Mekka (über Jeddah und die King Abdullah Economic City) mit Medina verbinden wird (444 km) und vor allem dem Transport der Pilger dienen soll. Die Implementierung des Haramain-Vorhabens ist in drei Blöcke zerlegt worden. Das 1,8 Mrd. US$ teure "Package 1" der Projektphase 1 beinhaltet den Bau des Streckenfundaments (einschließlich Brücken, Tunnel etc.). Das "Package 2" der Phase 1 (2,2 Mrd. US$) bezieht sich auf den Bau von fünf Bahnhöfen. Die offizielle Vergabe der Phase 2 (7,7 Mrd. US$) erfolgte Anfang 2012. Sie umfasst die Installation der Schienen, die Signal- und Telekommunikationstechnik, die Stromversorgung und das rollende Material. Zudem ist der Auftragnehmer, ein saudisch-spanisches Konsortium, mindestens zehn Jahre für den Betrieb und die Wartung des gesamten Systems zuständig. Die Inbetriebnahme der Haramain-Bahn verzögert sich und ist nun für 2016 geplant. Im September 2013 hat die Deutsche Bahn Tochter DB International für das Haramain-Projekt einen umfassenden Auftrag zur Planprüfung, Bauüberwachung und Kontrolle der Fahrzeugproduktion erhalten.

Im September 2014 hat die spanische Consultrans einen 1,8 Mio. US$ Auftrag für eine Studie zum Bau einer 480 km Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Riad und Dammam erhalten. Angestrebt wird eine Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h. Erste Kostenschätzungen gehen von 14 Mrd. US$ aus. Nach Angaben der Saudi Railways Organization (SRO) kann gegenwärtig auf der zwischen den beiden Städten existierenden 449 km Personenverkehrsstrecke (über Abqaiq und Hofuf) mit Geschwindigkeiten von bis zu 180 km/h gefahren werden.

Die oben genannte, weitgehend fertiggestellte "Mineral Railway" ist Teil des 2.800 km "North-South-Railway"-Projekts. Drei weitere Strecken des "North-South"-Systems sind im Bau: Al Jalamid Abzweig zur Waad Al Shamal Phosphate City (169 km), von Ras Al Khair nach Jubail (85 km) und von Jubail nach Dammam (115 km). Der Streckenbau für die drei Verbindungen kostet insgesamt 0,5 Mrd. US$. Derzeit läuft die Präqualifizierung für die Signaltechnik der drei Strecken, die etwa 150 Mio. US$ kosten soll.

Das bereits 2004 begonnene "Saudi Landbridge"-Projekt, eine Bahnverbindung zwischen der West- und Ostküste, ist bislang über die Planungsphase nicht hinausgekommen. Das Projekt sieht den Bau einer 7 Mrd. US$ Strecke von Jeddah nach Riad (950 km) vor. In Riad hätte die "Landbrücke" Anschluss an die existierende Riad-Dammam Bahnverbindung und die "North-South Railway".

Pläne für Regionales Schienennetz

Das saudi-arabische Schienennetz soll Teil eines regionalen Netzes werden, das alle Länder des Golf-Kooperationsrates (GCC) umfasst. Für Verbindungen nach Kuwait, Bahrain, Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind auf saudi-arabischem Territorium rund 700 km Schienenstrecke für 2 Mrd. US$ vorgesehen. Die Realisierung einer Strecke zwischen den VAE und Saudi-Arabien ist mittelfristig denkbar. Der Zeitrahmen für Verbindungen in die anderen drei Länder erscheint dagegen sehr ungewiss.

An der Westküste Saudi-Arabiens sollen zusätzlich zur Haramain-Bahn Verbindungen zwischen Jeddah und dem nördlich gelegenen Yanbu (300 km) sowie zwischen Jeddah und dem südlichen Jizan (660 km) entstehen. Ferner existieren Pläne für einen südlichen Abzweig von der Landbridge ab Taif über Khamis Mushayt nach Abha (700 km). Die Kosten dieser drei Projekte, die zeitweise auf Eis lagen und jetzt erneut in der Prüfung sein sollen, werden mit insgesamt über 4 Mrd. US$ kalkuliert.

(R.E.)

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