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17.07.2017

Schwedens Forstindustrie stellt Weichen für die Zukunft

Schwedens Forstindustrie stellt Weichen für die Zukunft

Suche nach neuen Produkten und Geschäftsmodellen / Investitionen Holz verarbeitender Betriebe könnten 2017 um 3,5% steigen / Von Heiko Steinacher und Adam Forsström

Stockholm (GTAI) - Um die Digitalisierung in ihren Unternehmen voranzutreiben, wollen sich schwedische Forstkonzerne mit Startups zusammentun. Die Bioökonomie wird für die Zukunft der Forstwirtschaft in dem nordischen Land eine bedeutende Rolle spielen. Mehrere Hochschulen und Unternehmen wollen zusammen mit der Regierung in Stockholm eine nationale Plattform zur Unterstützung der Spitzenforschung und Entwicklung von Hochtechnologien für die Wald- und Forstwirtschaft aufbauen.

Unternehmen in Schwedens (und Finnlands) Forstindustrie wollen ihre Geschäftsprozesse stärker digitalisieren. Der finnisch-schwedische Konzern Stora Enso (Papier, Verpackungsmaterial, Forsterzeugnisse) strebt hierzu eine Kooperation mit sechs Startups an, die neben Finanzierungsquellen auch Zugang zu Mentoring-Programmen und Laboratorien erhalten sollen. Gemeinsam mit dem finnischen Akzelerator Vertical und der Aalto-Universität hat Stora Enso ein Executive Education Programm ins Leben gerufen. Dessen Ziel ist es, disruptive Innovationen im Bereich der Digitalisierung zu entwickeln, die geeignet sind, Geschäftsprozesse des Konzerns umzugestalten. Ende August 2017 soll das Projekt starten.

Forstindustrie meets Industrie 4.0

Auch SCA stellt hohe Summen für die Entwicklung innovativer, digitaler Lösungen bereit. Der Konzern hat seine Geschäftsbereiche im Sommer 2017 in zwei börsennotierte Unternehmen getrennt, den Hygiene- und Gesundheitsproduktanbieter Essity und den Forstwirtschaftskonzern SCA. Zusammen mit IBM und BizMaker, einem Gründerzentrum für die Provinz Västernorrland, hat SCA den sogenannten Forest Business Accelerator gegründet. Gestärkt werden soll dadurch vor allem die Kooperation mit Startups, die in den Bereichen künstliche Intelligenz und Virtual Reality arbeiten.

Die staatliche Forschungsbehörde Vinnova unterstützt in diesem Jahr acht Innovationsprojekte im Bereich der Digitalisierung und zur Erhöhung des Produktionsflusses von Sägewerken. Eines der geförderten Vorhaben ist "Digitala sagverket" (auf Deutsch: "Digitales Sägewerk"), zu dem sich das Sägewerk Moelven Valasen, das Netzwerk für Forschung und Technik RISE, das Maschinenbauunternehmen RemaSawco und Schneider Electric zusammengeschlossen haben; die Gesamtkosten für das auf zwei Jahre angelegte Projekt werden mit 10 Mio. Schwedische Kronen (skr; gut 1 Mio. Euro, 1 Euro = 9,7538 skr im Juni-Durchschnitt 2017) beziffert.

Schweden will die Bioökonomie stärken

Gemäß seiner im Jahr 2012 verabschiedeten nationalen Bioökonomiestrategie will Schweden durch eine nachhaltige Produktion und Nutzung von Biomasse fossile Ressourcen zunehmend ersetzen. Um mehr Bioprodukte zu entwickeln, kooperieren insbesondere Chemieunternehmen in den letzten Jahren enger mit der heimischen Holzindustrie (siehe auch: GTAI-Bericht "Schweden will Holz und -abfallprodukte besser nutzen", https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=schweden-will-holz-und-abfallprodukte-besser-nutzen,did=1452740.html).

Stark in die Forschungs- und Entwicklungsarbeit eingebunden sind die technischen Universitäten des Landes, vor allem die Königlich Technische Hochschule (KTH) in Stockholm, die Technische Hochschule Chalmers (CTH) und die Technische Universität Lulea (LTU). Am Wallenberg Wood Science Center (WWSC) werden neue Materialien auf Holzbasis entwickelt. Eine wichtige außeruniversitäre Einrichtung sind die RISE Research Institutes of Sweden. Laut der Informationsplattform Bioökonomie.de legen sie großen Wert auf industrienahe Forschung sowie Dienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Gemeinsam mit der Regierung wollen KTH, CTH und die sechs Unternehmen BillerudKorsnäs, Holmen, SCA, Södra, Stora Enso und Sveaskog eine nationale Forschungsplattform zur Unterstützung der Spitzenforschung und Entwicklung von Hochtechnologien für die Wald- und Forstwirtschaft aufbauen. Von den jährlich rund 250 Mio. bis 300 Mio. skr, die laut Pressemeldungen im Rahmen dieses Projekts pro Jahr an Ausgaben geplant sind, soll die Industrie einen wesentlichen Teil beisteuern.

Hersteller investieren zunehmend in Karton-Produktionskapazitäten

Schwedens Markt für Holzerzeugnisse gilt insgesamt als stabil. Die Zellstoffindustrie des nordischen Landes hält ihr Produktionsniveau weitgehend unverändert aufrecht. Allerdings ist die Nachfrage nach Druck- und Grafikpapier in den letzten Jahren gesunken, während der Bedarf an Verpackungsmaterial gestiegen ist. Unternehmen wie BillerudKörsnäs, SCA und Stora Enso reagieren darauf mit Kapazitätsum- und -ausbau (siehe auch: GTAI-Bericht "Schwedens Papierbranche investiert in Kartonmaschinen", http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=schwedens-papierbranche-investiert-in-kartonmaschinen,did=1669756.html).

Laut einem Bericht des Verbandes der schwedischen Forstindustrie (Skogsindustrierna) vom April 2017 werden in diesem Jahr in der Holz verarbeitenden Industrie des nordischen Landes Investitionen in Höhe von insgesamt über 18,1 Mrd. skr erwartet. Das entspräche einem Zuwachs gegenüber dem bereits investitionsstarken Jahr 2016 um etwa 3,5%.

Größere Investitionsprojekte in der schwedischen Holzverarbeitungsindustrie (Investitionen in Mrd. skr)
Projekt Unternehmen Investition Investitionshöhe (Mrd. skr) Anmerkungen
Helios SCA Kapazitätsausbau für Langfasersulfatzellstoff 7,8 Fertigstellung im Juni 2018 geplant
Värö-Mörrum (Ausbau) Södra Kapazitätsausbau für Langfasersulfat- und Dissolvingzellstoff 6,0 Fertigstellung Jahresende 2017 geplant
Next Generation Billerud Korsnäs Kapazitätsausbau im Werk in Gruvön, neue Kartonmaschine 5,7 Fertigstellung Jahresende 2019 geplant

Quelle: Dagens Industri

Investitionen der schwedischen Holz-, Zellstoff- und Papierindustrie (in Mio. skr)
Sparte 2015 2016 2017 *)
Insgesamt, davon 12.069 17.531 18.145
.Sägewerksindustrie 1.504 1.672 1.726
.Zellstoffindustrie 3.566 9.526 6.669
.Papier- und Pappindustrie 5.458 4.293 6.936
.Holz- und Holzwarenindustrie 670 1.016 1.740
.Papierwaren- und Pappwarenindustrie 871 1.024 1.074

*) Prognose

Quelle: SCB

(S.H., A.F.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweden Holz, Möbel, Papier, Pappe, allgemein, Papier-, Pappe-Erzeugnisse, Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas), Druck-, Verlagserzeugnisse, Strom-/ Energieerzeugung, Bioenergie

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