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12.10.2018

Senegal setzt verstärkt auf Solarstrom

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Gasfunde eröffnen auch Chancen bei thermischen Kraftwerken / Von Carsten Ehlers

Dakar (GTAI) - Die Aktivitäten in Senegals Stromsektor sind so hoch wie lange nicht mehr. Investitionen fließen in die Stromerzeugung sowie in den Netzausbau.

Umfangreiche Aktivitäten im senegalesischen Stromsektor dürften auch deutschen Unternehmen zahlreiche Liefer- und Beratungschancen bieten. Mehrere Kraftwerke befinden sich im Bau, weitere sind geplant. Damit soll die gegenwärtige Kapazität von derzeit etwa 1.000 Megawatt (MW) bis Ende 2019 auf 1.260 Megawatt erhöht werden. Nachdem im Jahr 2012 erstmals private Stromproduzenten (Independent Power Producers, IPP) in Senegal zugelassen wurden, sollen diese den Großteil der Investitionen stemmen. Das Interesse ist rege.

Strom soll sauberer werden

Gleichzeitig strebt die Regierung Abkehr von Schweröl und Diesel hin zu erneuerbaren Energien und Erdgas vor. Viel Geld fließt auch in die Erweiterung der Netze sowie die ländliche Elektrifizierung. Bis zum Jahr 2025 setzt sich die Regierung das Ziel, dass jeder senegalesische Haushalt über einen Stromanschluss verfügen soll. Mit einer Abdeckungsrate von etwa 61 Prozent der Haushalte steht Senegal im westafrikanischen Vergleich bereits jetzt ganz gut da.

Im Bau befindliche oder geplante Projekte im Energiesektor Senegals
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Windpark Taiba N'Diaye (158,7 MW) k.A. Geplant. Investor ist Lekela (Joint Venture der irischen Mainstream sowie dem britischen Entwicklungsfonds Actis). Die Turbinen kommen von der dänischen Vestas. Finanzierung: Overseas Private Investment Corporation (OPIC; USA), EKF Kapital (Dänemark).
Flexicycle-Wärmekraftwerk (130 MW) k.A. Geplant. IPP der libanesischen Melec Power Gen (MPG) in Malicounda. Turbinen kommen von Wärtsilä. Fertigstellung soll 2020 sein.
Kohlekraftwerk Bagny-Sendou (125 MW) 600 Im Bau. Fertigstellung geplant für 2018. Public-private-Partnership (PPP) seitens der Compagnie d'électricité du Sénégal (Ces).
Sambagalou-Wasserkraftwerk (im Rahmen des Projekts OMVG, 128 MW) 493 Geplant. Beteiligt sind unter anderem die Weltbank, die KfW und die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB).
Solarpark in Thiès (15 MW) k.A. Im Bau. KfW beteiligt, gebaut von Vinci Energies.
Solarpark in Kahone (30 MW) k.A. Geplant. Ausschreibung 2018 im Rahmen von Scaling-Solar. Zuschlag für das Konsortium Meridiam/Vinci Energies.
Solarpark in Touba (30 MW) k.A. Geplant. Ausschreibung 2018 im Rahmen von Scaling-Solar. Zuschlag für das Konsortium Meridiam/Vinci Energies.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Mehrere Solarparks sind ans Netz gegangen

Herausragend sind im afrikanischen Kontext die Fortschritte bei der Nutzung von Fotovoltaik. Mehrere Solarparks mit einer Gesamtkapazität von etwa 140 Megawatt sind in dem sonnenreichen und zugleich trockenen Sahelland bereits in Betrieb gegangen. Weitere Projekte sind geplant. Anfang 2018 erhielt ein Bieterkonsortium bestehend aus Engie und Meridiam den Zuschlag für den Bau zweier weiterer Solarparks in Kahone und Touba mit einer Kapazität von insgesamt 60 Megawatt.

Die beiden Projekte werden im Rahmen des sogenannten Scaling-Solar-Programms der Weltbank durchgeführt. Dabei wird der senegalesische Regulierer CRSE von der Weltbank bei der Durchführung von Bieterverfahren unterstützt. Das im Jahr 2013 mit Unterstützung der GIZ in Senegal eingeführte Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht eigentlich die Durchführung von Ausschreibungen vor. Bisher wurden die Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements; PPA) jedoch bilateral verhandelt, was von einigen Gebern als intransparent kritisiert wurde.

Geber federn mitunter das finanzielle Risiko ab

Durch das Bieterverfahren konnte der Verkaufspreis an das staatliche Versorgungsunternehmen Société nationale d'électricité du Sénégal (Senelec) auf unter vier Eurocents je Kilowattstunde gedrückt werden. Bei fast allen Solarparks spielen Geberorganisationen wie die französische Proparco bei der Finanzierung eine Rolle. Diese federn finanzielle Risiken ab, welche unter anderem durch die schlechte wirtschaftliche Lage des einzigen Stromabnehmers Senelec bei derartigen Projekten immanent sind.

Bereits fertig gestellte Fotovoltaikprojekte in Senegal
Name Kapazität (in MW) Fertigstellung Anmerkungen
Senergy in Santhiou-Mékhé 30 2016 PPP, Anteilseigner: Meridiam (53%), Fonsis (32%) und Proparco (15%); Finanzierung in Höhe von 34,5 Mio. Euro durch Proparco. Bau durch Solairedirect und Eiffage.
Senergy II in Bokhol im Nordwesten 20 2016 Finanzierung in Höhe von 25,9 Mio. Euro durch GreenWish Partners (Frankreich). Bau durch Vinci Energies.
Malicounda nahe Mbour 22 2016 PPP mit Senelec und privaten Investoren aus Italien. Finanzierung durch Solaria über 30 Mio. Euro.
Kahône nahe Kaolack 20 2018 Gebaut von Vinci Energies.
Sakal nahe Louga 20 2018
Ten Merina nahe Santhiou-Mékhé 30 2017 Finanzierung: Proparco (34,5 Mio. Euro Kredit), Société belge d'investissement pour les pays en développement (BIO; 43 Mio. Euro Kredit), Meridiam (43 Mio. Euro); Bau durch Solairedirect und Eiffage.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Windpark "Taiba N'Diaye" soll bald gebaut werden

Ebenfalls geplant ist der Bau eines Windparks im Norden Senegals in Taiba N'Diaye mit einer Kapazität von 158,7 Megawatt. Projektentwickler Lekela verkündete Mitte 2018, dass die Finanzierung abgeschlossen sei und mit dem Bau begonnen werden könne. Den Einsatz erneuerbarer Energien fördert in Senegal auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Sie sieht Potenzial insbesondere bei der Eigenversorgung mit Solarstrom ("embedded production") seitens der in Dakar präsenten Industrieunternehmen. So berät die GIZ im Rahmen ihres Projektentwicklungsprogramms (PEP; Teil der Exportinitiative Energie des BMWi) Unternehmen über die rechtlichen, finanziellen und wirtschaftlichen Aspekte dieses Geschäftsmodells.

Fotovoltaik-Anlagen als Lösungen im Bereich der ländlichen Elektrifizierung hingegen haben nach Einschätzung von Marktkennern an Attraktivität eingebüßt. Demnach haben in jüngster Vergangenheit diverse Geberorganisationen das Land mit Solarpanels geradezu zugepflastert, ohne sich um die Wartung zu kümmern. Etliche Anlagen stehen still, weshalb Solarenergie in vielen Dörfern als unzuverlässig gilt. Angesichts knapper Reparaturkapazitäten bieten sich robuste Technologien an, die einfach zu bedienen und zu warten sind.

Thermische Kraftwerke sollen mittelfristig mit Erdgas gespeist werden

Auch thermische Kraftwerke werden gebaut. Geplant ist der Bau des Flexicycle-Wärmekraftwerks vom libanesischen IPP Melec Power Gen (MPG) in Malicounda. Bereits kurz vor der Fertigstellung steht das Kohlekraftwerk in Bargny-Sendou. Beide sollen ab 2021 mit Erdgas betrieben werden. Die Suche nach Öl und Gas vor der senegalesischen Küste brachte in den vergangenen Jahren sehr gute Ergebnisse, sodass nun unter anderem der französische Ölkonzern Total eine Abbaulizenz erworben hat. Ab 2021, so schätzen Experten, könnte erstmals mit der Förderung begonnen werden.

Ein längerfristiges Projekt ist das von verschiedenen Gebern finanzierte Projekt "Organisation pour la mise en valeur du fleuve Gambie (OMVG)". Im Rahmen von OVMG sollen mehrere Wasserkraftwerke gebaut werden, welche die Länder Guinea, Gambia, Senegal und Guinea-Bissau mit Strom versorgen. Eines der geplanten Kraftwerke (Sambagalou) befindet sich in Senegal am Gambia-Fluss. Ebenfalls im Rahmen des OMVG-Projektes sollen grenzüberschreitende 225-Kilovolt-Übertragungsleitungen verlegt werden, damit zwischen den besagten Ländern mit Strom gehandelt werden kann.

US-amerikanische MCC stellt 500 Millionen US-Dollar zur Verfügung

Angesichts des massiven Ausbaus der Stromerzeugung muss auch das Netz mitwachsen. Das französische Unternehmen Vinci erhielt kürzlich den Zuschlag für den Bau mehrerer Umspannstationen inklusive der Verlegung neuer Leitungen über einen Gesamtbetrag von 190 Millionen Euro. Bis 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Geld für den Ausbau kommt unter anderem von der Weltbank und der französischen Agence Francaise de Développement (AFD). Mit 500 Millionen US-Dollar (US$) hat kürzlich die US-amerikanische Millennium Challenge Corporation (MCC) einen der größten Beträge für den senegalesischen Energiesektor bereit gestellt. Auch MCC will sich unter anderem beim Ausbau der Verteilungsnetze sowie bei der Verbesserung der ländlichen Stromversorgung engagieren.

Der Strombedarf des Landes steigt rasant. Das hohe Bevölkerungswachstum in Senegal sorgt dafür, dass jährlich mindestens 300.000 Menschen zu den derzeit etwa 17 Millionen Senegalesen hinzu kommen. Verstärkt wird die Nachfrage aktuell noch durch ein hohes Wirtschaftswachstum von über sechs Prozent in den Jahren 2018 und 2019. Stromknappheit würde die hohe wirtschaftliche Dynamik bremsen, was die Regierung unter dem amtierenden Präsidenten Macky Sall unbedingt verhindern möchte. Sall möchte bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2019 wieder gewählt werden.

Energieversorger Senelec soll kommerzialisiert werden

Dringend reformbedürftig ist der staatliche Energieversorger Senelec. Das Staatsunternehmen ist hoch verschuldet und arbeitet trotz Fortschritten in den letzten Jahren immer noch ineffizient. Daher stehen Themen wie Kommerzialisierung und Teilprivatisierung schon seit Jahren auf der Agenda. Demnächst soll die Trennung von Übertragung und Verteilung von Strom durchgeführt werden. Die Stromverteilung, mit der letztlich die Einnahmen generiert werden, soll nach den Vorstellungen der Regierung an einen privaten Betreiber abgegeben werden. Politisch sind solche Maßnahmen indes nur schwer umzusetzen.

Senelec stellt in seinem jetzigen Zustand ein Investitionshemmnis für den gesamten Stromsektor dar. Alle privaten Kraftwerksbetreiber müssen ihren Strom an den Monopolisten Senelec verkaufen. Das dafür notwendige Power Purchase Agreement (PPA) wird in der Regel vor Realisierung der Investition abgeschlossen. Bei einem maroden Stromversorger wie Senelec reicht aber das PPA als Sicherheit für den Investor nicht aus, weil die Gefahr von Zahlungsausfällen besteht. Oft muss der Staat noch zusätzliche Garantien abgeben, damit die Investition durchgeführt wird.

Institutionen im senegalesischen Energiesektor
Name der Institution Funktion Webseite
Ministère du Pétrole et des Energies Für den Stromsektor zuständiges Ministerium http://www.energie.gouv.sn
Commission de Régulation du Secteur de l'Électricité (CRSE) Regulierungsbehörde http://www.crse.sn
Société nationale d'électricité du Sénégal (Senelec) Nationaler Stromversorger http://www.senelec.sn
Agence Sénégalaise d'Électrification Rural (ASER) Für die ländliche Stromversorgung zuständige staatliche Institution k.A.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Dieser Artikel ist relevant für:

Senegal Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Stromübertragung und -verteilung, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, alternative Energien

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Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

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