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26.04.2018

Seoul setzt auf saubere Luft durch Solarkraft

Produktion wandert in Nachbarregionen / Förderung des Wohnungsbaus / Von Alexander Hirschle

Seoul (GTAI) - Die südkoreanische Hauptstadt Seoul gilt als modern und hochgradig funktional. Aufgrund der hervorragend ausgebauten Infrastruktur können von dort aus sämtliche Regionen des Landes innerhalb kürzester Zeit erreicht werden. Doch die Bewohner der Hauptstadt leiden zunehmend unter der starken Luftverschmutzung und hohen Immobilienpreisen. Regierung und Stadtverwaltung wollen gegensteuern und planen den Bau zahlreicher öffentlicher Wohnungen sowie eine stärkere Nutzung von Solarenergie.

In der Metropolregion um Seoul inklusive Gyeonggi-do, dem industriellen "Speckgürtel" der Hauptstadt, leben rund 25 Millionen Menschen. Dies entspricht etwa der Hälfte der Einwohner des Landes. Im "Stadtkern" selbst beläuft sich die Bevölkerung immer noch auf 10 Millionen. Die Hauptstadt versteht sich als hochmoderne Metropole. Die meisten Gebäude und Infrastruktureinrichtungen sind nicht älter als 30 Jahre.

Kulturelle Vorreiterrolle zieht Besucher an

Seoul ist daher keine Schönheit im klassischen Sinne und kann sich trotz seiner ansprechenden Topographie nicht mit anderen asiatischen Metropolen wie Hongkong, Singapur oder Shanghai messen. Der Tourismus ist vorwiegend auf Besucher aus Asien beschränkt, die im Regelfall zum Shoppen in den zahlreichen Duty-Free-Läden oder etwa für Schönheitsoperationen nach Seoul kommen. Auch die große Beliebtheit von südkoreanischen Fernsehserien in Asien lockt Besucher an deren Schauplätze. Südkorea hat in den vergangenen Jahren einen festen Platz als kulturelles Zentrum des Kontinents erobern können.

Seoul ist allerdings kein billiges Pflaster. Im Ranking des EIU (Economist Intelligence Unit) lag es auf Rang sieben der teuersten Standorte weltweit, nur einen Platz hinter Genf. Auf der anderen Seite ist die Lebensqualität im internationalen Kontext nicht ähnlich hoch einzustufen: Gemäß des City Wealth Index der Immobilienfirma Knight Frank lag die Stadt 2018 in der Kategorie "Lifestyle", die unter anderem die Anzahl von Luxushotels, die Qualität der Restaurants und Top-Universitäten umfasst, nur auf Rang 28.

Die Metropole gilt auf der anderen Seite als hochgradig funktional. Sie verfügt über eines der besten und größten U-Bahnnetze weltweit mit mehr als 300 Kilometern Ausdehnung und etwa acht Millionen Passagieren pro Tag. Öffentliche Verkehrsmittel transportieren mehr als 13 Millionen Menschen täglich. Umfassender drahtloser Zugang zum Internet in öffentlichen Gebäuden, Bahnen und Bussen ist Usus. Insgesamt gibt es im Stadtgebiet knapp 11.000 öffentliche Access Points (AP) für WLAN-Verbindungen, und die Internetgeschwindigkeiten gelten als die schnellsten weltweit.

Unternehmen verlagern Produktion

Aufgrund der hervorragend ausgebauten Infrastruktur lassen sich von Seoul aus nahezu sämtliche wichtigen Städte und regionale Zentren in zwei bis drei Stunden mit dem Schnellzug KTX erreichen. Aus diesem Grund haben viele internationale Firmen ihren Sitz in Seoul. Die Produktion hingegen wird zunehmend in die anliegende Region Gyeonggi-do ausgelagert, da dort die Lohnkosten 2017 um knapp 15 Prozent günstiger waren. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die Verantwortlichen auf der Suche nach neuen Wachstumssektoren für Seoul.

Basisdaten Seoul
Indikator 2016
Einwohner (Mio.) 10,1 2)
Fläche (qkm) 605,2
BIP/Kopf (US$) 31.244
Bevölkerungsdichte (Einwohner/qkm) 16.729 2)
Elektrizitätsverbrauch pro Kopf (MWh/Jahr) 4,6 2)
Länge des ÖPNV (km) Busse (218km), U-Bahnen (317km)
Abfall pro Einwohner kg/Jahr) 343 1)
Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwasser (Anteil in %) 100,0 2)
Wasserverbrauch pro Kopf Liter/Tag) 290 2)

1) 2015; 2) 2017

Quellen: Seoul Metropolitan Government; Statistics Korea

Die Immobilien- und Baubranche durchlief in den vergangenen Jahren eine starke Boomphase. Die Stadtväter von Seoul hatten in der Zeit des "Wirtschaftswunders vom Han" bei baulichen Maßnahmen den Fokus in erster Linie auf Quantität und Funktionalität gerichtet. Nun stehen immer mehr qualitative und regenerative Aspekte im Vordergrund. Durch die Preissteigerungen für Immobilien in der Vergangenheit sind bezahlbare Appartements oder Häuser für die Bewohner jedoch fast unerschwinglich geworden. Nur 40 Prozent der Einwohner leben in ihren eigenen vier Wänden.

Öffentliche Bauten sollen Wohnungsnot lindern

Aus diesem Grund will die Regierung die Spekulation mit Wohnimmobilien in besonders betroffenen Stadtteilen wie etwa Gangnam stärker regulieren. Dazu wurden verschiedene Maßnahmen zur Stabilisierung des überhitzten Wohnungsmarktes angekündigt wie strengere Regeln bei der Kreditvergabe und Steuererhöhungen für Besitzer von zwei und mehr Eigentumswohnungen.

Ebenso soll durch umfangreiche Wohnbauprojekte gegengesteuert werden. Bereits seit 2012 wurden 140.000 öffentliche Wohnungen gebaut, für den Zeitraum bis 2022 sind weitere 240.000 Appartements geplant. Dabei sollen Subventionen für private Baufirmen und auch der Aufkauf bestehender Wohneinheiten und deren Renovierung eine stärkere Rolle spielen. Angesichts der zunehmenden Zahl von Singlehaushalten wird sich vor allem die Nachfrage nach kleineren und mittelgroßen Einheiten in den kommenden Jahren erhöhen.

Luftverschmutzung zunehmend kritisch

Ein weiteres Problem ist die stark zunehmende Luftverschmutzung. Vor allem die Belastung mit Feinstaub wird zu einer Gefährdung der Gesundheit. Neben landesweiten Maßnahmen wie der Abschaltung alter Kohlekraftwerke plant auch die Stadtverwaltung von Seoul im Bereich Erneuerbarer Energien neue Initiativen. So wurde Ende 2017 der "2022 Solarcity Plan" lanciert mit dem Ziel, innerhalb von vier Jahren eine Million Haushalte mit Solarpanelen auszustatten. Bis 2022 soll sich die Menge an erzeugten Solarstrom auf ein Gigawatt (GM) verachtfachen.

Seoul will zur "Solar City" avancieren

Dafür sollen rund 1,5 Milliarden US$ ausgegeben werden, die in 59 Einzelprojekte fließen. Für neu entstehende öffentliche Wohnungen wird die Installierung von Solaranlagen verpflichtend. Ferner will man fünf Supportzentren aufbauen, um die Bevölkerung bei der Installation und Wartung von PV-Anlagen zu beraten.

Ein weiterer Baustein ist die verstärkte Nutzung elektrischer Fahrzeuge. Da die mangelhafte Infrastruktur als Nadelöhr und Haupthemmnis für diese Pläne gilt, soll auch die Zahl der Ladestationen massiv erhöht werden. Die Stadtverwaltung veröffentlichte im September 2017 einen Plan, Seoul zu einer "Electric car-friendly City" umzugestalten. Dafür sollen unter anderem 1.500 Schnellladestationen an leicht zugänglichen Stellen aufgebaut werden. Des Weiteren sollen bis 2025 rund 3.000 öffentliche Elektrobusse verkehren, deren Anschaffung stark subventioniert wird.

Ausgewählte Großprojekte Seoul (Investition in Mio. Euro)
Projektbezeichnung Investition Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Bau einer unterirdischen Stadt in Seoul 988 Baubeginn: 2019, Fertigstellung: 2023 Seoul Meteropolitan Government
Verlängerung Seoul Metro (Linie 7) nach Incheon 988 Baubeginn: 2021, Fertigstellung: 2026 Incheon Metropolitan City
Eisenbahnbau Ansan-Yeouido (39,6km) 2.584 Geplante Fertigstellung: 2023 Ministry of Land, Infrastructure and Transport,POSCO E&C

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Korea, Rep. können Sie unter http://www.gtai.de/korea abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Südkorea Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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Oliver Höflinger

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