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07.12.2015

Sicherheitstechnik in Chinas Städten gefragt

Katastrophenschutz und Rettungstechnik mit Potenzial / Aufbau eigener Technologie und Marken im Fokus / Von Achim Haug

Hongkong (gtai) - China ist einer der größten Märkte für Sicherheitstechnik weltweit. Doch der Eintritt für ausländische Firmen ist nicht unbedingt leicht. Heimische Unternehmen werden bei Standardlösungen immer besser, und die Regierung setzt auf den Aufbau eigener Kompetenzen. Trotzdem bieten sich Chancen vor allem für Systemintegration und spezialisierte Anbieter im Bereich Katastrophenschutz und Rettung. (Kontaktanschriften)

Der Umsatz der Sicherheitsbranche in China lag 2014 bei rund 410 Mrd. Renminbi Yuan (RMB; etwa 67 Mrd. US$, 1 US$ = 6,143 RMB - Jahresdurchschnitt), gibt das China Security and Protection Industry Yearbook an. Das Wachstum hat sich damit im Zuge der allgemeinen Wirtschaftsabschwächung im Vergleich zum Vorjahr auf 11,9%etwas verlangsamt. 2013 lag der Anstieg noch bei rund 14%. Eine im Jahrbuch wiedergegebene Umfrage unter repräsentativen Unternehmen von Ende 2014 erbrachte ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 15%, die befragten Firmen wiesen Umsätze von 66 Mrd. RMB auf.

Das Land hat weiterhin großen Bedarf an Sicherheit wie Video-und Überwachungstechnik, Zugangskontrollsysteme, Alarmanlagen und -systemen, aber auch Katastrophenschutz wie Feuerschutz- und Flutmanagement. Besonders in den Megacities werden Verkehrsüberwachung und -regelung sowie Zugangssysteme in Hochhäusern und die Überwachung großer Menschenmengen weiter an Bedeutung gewinnen. Rund 700 Mio. Chinesen leben offiziell in den Städten, knapp 55% der Bevölkerung. Über 160 Städte mit mindestens 1 Mio. Einwohner werden gezählt.

Sicherheitsindustrie (Umsatz und Wertschöpfung in Mrd. RMB; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2012 2013 2014 Veränd.
Umsatz 320,0 366,5 410,0 11,9
Wertschöpfung 115,0 131,0 145,0 10,7

Quelle: China Security and Protection Industry Yearbook 2014

Die Urbanisierung schreitet rasch voran. Die großen Küstenstädte sind bereits relativ gut mit Überwachungskameras abgedeckt, und die Inlandsstädte folgen jetzt. 2012 wurde das "Safe City"-Programm des Ministry of Public Security auf über 400 größere Städte ausgeweitert. Dabei werden mehr als 10 Mio. Kameras eingebaut und über 18 Mrd. US$ Investitionen getätigt, schätzt die Shenzhen Public Security Association. Viele Städte und Provinzen geben große Summen für öffentliche Sicherheit aus. Zum Beispiel hat die Südprovinz Guangdong 30 Mrd. RMB für visuelle Überwachung veranschlagt.

Laut der Zeitschrift "China Security and Protection" sollen sich bis 2020 die Investitionen für intelligenten Transport auf 180 Mrd. RMB belaufen, und mehr als 2.000 Firmen seien im Reich der Mitte aktiv. Einbezogen werden darin neben Transportkarten, die netzübergreifend nutzbar sind, und intelligente Transportlösungen sowie Carsharing-Apps.

Konkurrenz im Bereich technischer Ausrüstung hart

Allerdings sind die Aussichten für eine rein technische Ausstattung nicht besonders gut, da viele chinesische Hersteller zu sehr niedrigen Preisen anbieten, so die Einschätzung der von "China Public Security Expo" befragten Firmen. Technologisch sind sie zwar noch nicht auf dem Niveau ausländischer Wettbewerber, konstatiert das Sicherheits-Jahrbuch. Doch dafür sind sie nicht nur preislich sehr konkurrenzfähig, sondern der Bereich öffentliche Sicherheit gilt als besonders sensibel gegenüber einer ausländischen Beteiligung. Dies gilt allerdings nicht unbedingt für Zugangskontrolle, Management von ÖPNV sowie Feuer- und Katastrophenschutz.

Im Bereich Katastrophenschutz ist die Björn-Steiger-Stiftung in den Städten Jieyang und Wuhan mit Modellprojekten unterwegs. Jieyang in der Provinz Guangdong soll bis 2016 mit einem funktionierenden Rettungssystem ausgestattet werden. Auch Airbus Helicopters erhofft sich Orders für Rettungshubschrauber. Im Oktober 2015 wurde ein Auftrag über 100 H135 Helikopter unterzeichnet, diese werden hauptsächlich für Rettungsflüge und Polizeieinsätze genutzt.

Die großen chinesischen Firmen sind in der Regel über Überwachungstechnik wie beispielsweise Kameras gewachsen und inzwischen sehr konkurrenzfähig. Hierzu zählen Hikvision und Dahua. 50 Firmen sind bereits an der Börse, und über 120 Unternehmen haben Umsätze im Bereich Sicherheitstechnik von über 100 Mio. RMB. Nun werden Felder wie Zugangskontrollsysteme mit biometrischer Erkennung sowie intelligente Analyse angegangen. Dazu zählt auch die Analyse von "Big Data". Zunehmend streben sie Partnerschaften mit ausländischen Firmen an, um ihre Technologie zu verbessern und den Export auszuweiten.

Wachstumsfelder Sicherheit für Netze und Finanzindustrie

Die Firma Gosuncn (Gaoxingxin) konzentriert sich neben der städtischen Industrie auf Telekommunikationssicherheit und Sicherheit für die Finanzindustrie. Dies sind Wachstumsbereiche, da die Finanzbranche expandiert und an Komplexität zunimmt. So entstehen laufend internetbasierte Möglichkeiten, Geld zu transferieren, anzulegen oder auszuleihen. Diese verbreiten sich rasend schnell, der Datenschutz bleibt dabei gelegentlich auf der Strecke.

Die Exporte von Sicherheitstechnik beliefen sich in den vergangenen Jahren auf rund 15 Mrd. RMB, schätzt die "China Security and Protection". Der Schwerpunkt liegt auf visueller Überwachungstechnik wie Kameras, und die aktivsten Exportstandorte sind Hangzhou und Shenzhen. Doch nur rund ein Drittel der Ausfuhren entfällt auf heimische Marken; den Löwenanteil haben allerdings ausländische Firmen, die im Reich der Mitte fertigen. Zum Beispiel produziert Bosch Security & Communications System seine Kameras in Zhuhai in Guangdong. Inzwischen wird dort auch Forschung und Entwicklung betrieben.

Anfang November 2015 hat das Industrieministerium einen Fonds zur Unterstützung der Sicherheitstechnikindustrie eingerichtet. 100 Mrd. RMB sollen für die Industrieentwicklung bereitgestellt werden. Partner des Ministeriums sind die China Development Bank und der Versicherungskonzern Ping´an. Die Zielsetzung ist bislang recht breit vorgeben mit Förderung neuer Technologien, Produkten, Ausrüstung und Dienstleistungen. Im 13. Fünfjahresplan 2016 - 2020 wird das Land den Aufbau eigener Technologie, integrierter Lösungen und eigener Marken stark fördern, schätzen Industrieinsider.

Große Unternehmen der Sicherheitsindustrie *) (in Mio. RMB; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
Unternehmen Umsatz 2014 Veränd.
Hikvision 17.233 60,4
Dahua Technology 7.332 35,5
Suntektech Co.,Ltd. 2.265 7,1
Infinova Group 979 1,2
Gosuncn Technology Group Co., Ltd. 737 37,4
NetPosa Technologies Ltd. 640 46,5
Guangdong Anjubao Digital Technology Co., Ltd. 640 22,6
Jieshun Science & Technology Industry Co.,Ltd 549 19,0
Wuhan Guide Infrared Co., Ltd. 398 11,7
Zhejiang Dali Technology Co.,Ltd. 362 38,5
OB Telecom Electronics Co., Ltd. 203 70,5

*) gelistete Firmen mit Schwerpunkt Sicherheitstechnik

Quelle: China Security and Protection Industry Yearbook 2014

Im Oktober 2016 findet in Beijing die "China International Exhibition on Public Safety and Security" (Security China 2016) statt. Organisiert wird sie von der China Security and Protection Industry Association, die dem Ministry for Public Security unterstellt ist (http://www.securitychina.com.cn ). Die "China Public Security Expo" fand im November 2015 statt und wird erst wieder im Herbst 2017 abgehalten. Sie gilt als eines der größten Branchenevents der Welt und findet in Shenzhen statt. Aus Deutschland gefördert werden die Messe "China Fire" in Beijing und die "Mischmesse China International Hardware Show".

Kontaktanschriften:

China Security and Protection Industry Association (CSPIA)

13/F Hangtian Keji Building, No.16 Fucheng road, Haidian District, 100037 Beijing, China

Tel.: 0086 10/68 76 76 37

E-Mail: international@bizcspia.com; Internet: http://www.bizcspia.com, http://www.21csp.com.cn

Shenzhen Security & Protection Industry Association

4F,Yinglong Development Center, 6025 Shennan Road, Shenzhen, China

Tel.: 0086 755/88 30 91 17

Internet: http://www.cpssecu.org

(H.G.)

Dieser Artikel ist relevant für:

China Signal-, Sicherheitstechnik (nicht Zugangs-Kontrolltechnik), Zugangs-Kontrolltechnik, Biometrie, etc.

Christina Otte

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