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02.02.2016

Singapur gewährt Bussen und Fahrrädern Vorfahrt

Plan zum Umstieg auf Bus, Bahn und Fahrrad vorgestellt / Kfz gehen unter die Erde und ÖPNV wird Hauptverkehrsträger / Von Rainer Jaensch

Kuala Lumpur (gtai) - Der flächenarme Stadtstaat Singapur, der seinen Kfz-Verkehr schon stark reglementiert hat, schaltet nun noch weiter auf öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) um. Automobile werden teilweise unter die Erde geleitet oder zu selbstfahrenden Kfz gemacht. Der ÖPNV wird mit zweistelligen Milliardenbeträgen ausgebaut. Vorfahrt erhalten auch Fahrradfahrer und Fußgänger dank eines Ausbaus des Wegenetzes. (Internetadresse)

Im Jahr 2050 werden 85% der Pendler in Singapur öffentliche Transportmittel als Hauptfortbewegungsmittel nutzen. Mit dieser Ankündigung trat Transportminister Khaw Boon Wan an die Öffentlichkeit und ersetzte damit die bisherige Zielvorgabe (75% ÖPNV bis 2030). Mit Hilfe dieses Plans sollen die Singapurer bewogen werden, ihre Autos stehen zu lassen und stattdessen zu gehen, Fahrrad zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Um den Umstieg zu erleichtern, hat die Regierung ihre "Roadmap" gleich mit zwei konkreten Verkehrsprojekten untermauert.

Die Fahrtrichtung, in die es nun geht, ist nicht neu. Diese skizzierte bereits Goh Chee Kiong, Direktor für saubere Technologien, Gebäude und Infrastrukturlösungen beim staatlichen Economic Development Board im September 2013. "Die neueste Entwicklung weise unter die Erde, wobei die Regierung einen Underground Masterplan erwäge", erklärte er im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Nachdem mittlerweile einiges an unterirdischen Lösungen realisiert worden ist - von Shopping Malls bis zu Öllagerstätten - geht es nun auch verkehrsmäßig weiter unter die Erde.

Entsprechend wird der geplante 21,5 km lange North-South-Expressway neu entworfen. Unterirdisch sind jetzt zwei Fahrspuren für Kfz vorgesehen und eine Spur für Schnellbusse. Parallel dazu erhalten überirdisch Kfz nur eine Spur, Busse eine zweite. Daneben ist eine Spur für Fahrradfahrer und eine für Fußgänger vorgesehen.

Das zweite Projekt ist ein Fußgänger- und Fahrradweg, der auf einem 450 m langen Stück der Bencoolen Street zwischen Middle Road und Bras Basah Road gebaut wird. Für diesen Zweck werden bis 2017 zwei der ursprünglichen vier Kfz-Spuren umgewandelt.

Große Investitionspläne für den Ausbau des Bus- und Bahnnetzes

Insgesamt werden mehr innerstädtische Fuß- und Fahrradwege geschaffen, wobei die überdachten Strecken um den Faktor vier verlängert werden. Neue Wohngebiete wie die Bidadari Town werden so entworfen, das sie ihre Bewohner zum Gehen, Radfahren und zur Nutzung öffentlicher Transportmittel ermutigen. Dazu ist die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des Bus- und Stadtbahnnetzes zu verbessern. So investiert die staatliche Land Transport Authority in mehr Techniker und Ingenieure wie auch in striktere Wartung.

Ferner muss das Bus- und Bahnnetz enger und weiter gespannt werden. Entsprechend sind für den öffentlichen Personennahverkehr bis 2020 Investitionen von 36 Mrd. Singapur Dollar (S$; rund 23 Mrd. Euro; 1 S$ = 0,65 Euro) vorgesehen. Bis 2030 soll sich das Schienennetz auf 360 km verdoppeln. Acht von zehn Haushalten werden dann eine Bahnstation innerhalb eines zehnminütigen Fußwegs erreichen.

Automobile sollen insgesamt weniger und dabei selbständiger fahren. So werden Versuche für selbstfahrende Kfz durchgeführt. Als Städte, die ebenfalls in eine automobilärmere Richtung planen, nannte Transportminister Khaw Seoul, Hamburg und Madrid.

Internetadresse:

Land Transport Authority (LTA)

Internet: https://www.lta.gov.sg

(R.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Singapur Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Straßenverkehr, Öffentlicher-Personen-Nahverkehr (ÖPNV)

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Lisa Flatten

‎+49 228 24 993 392

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