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04.08.2015

Smartphones revolutionieren den Telekommarkt in Vietnam

Vietnamesen kaufen und surfen mobil / Märkte für Telekomdienste und Kommunikationstechnik wachsen schwungvoll / Von Thomas Hundt

Hanoi (gtai) - Smartphones und Mobilfunk formen das Kommunikationsgeschäft in Vietnam um. E-Commerce, E-Government, Onlinespiele und soziale Netzwerkdienste entfalten sich mit großen Schritten. Besonders Smartphones kurbeln die Einzelhandelsumsätze an. Auf dem Weg zur Informationsgesellschaft sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen. Ein schnelleres Datentempo im Internet erfordert zum Beispiel mehr Investitionen. Zudem muss die Daten- und Netzwerksicherheit erhöht werden. (Kontaktanschrift)

Mehr als die Hälfte der 90 Mio. Vietnamesen sind jünger als 30 Jahre. Im Durchschnitt surfen die Bürger jeden Tag mehr als fünf Stunden im Internet, mit steigender Tendenz. Facebook beispielsweise erfreut sich mit 30 Mio. registrierten Nutzern steigender Beliebtheit. Jugendliche kommunizieren über Chatdienste, darunter teilen sich Zalo, eine vietnamesische App mit 30 Mio. Nutzern, und Viber die Marktführerschaft. Die Anbieter von Onlinespielen, Videos und Apps rechnen mit zweistelligen Zuwächsen. Werbetreibende erklären die digitalen Medien zum Wachstumsmarkt überhaupt.

Der Markt für Handyspiele nimmt bereits eine Vorreiterrolle in Südostasien ein. Die Einkünfte mit "Mobile Games" beliefen sich nach Berechnung der Marktforscher von Newzoo 2014 auf etwa 230 Mio. US$, damit generierten die vietnamesischen Spieler 21% der gesamten Umsätze in Südostasien. Bis zum Jahr 2017 sollen die Einnahmen mit Handyspielen auf ungefähr 490 Mio. $ klettern. Die meisten Spiele verkaufen die Firmen VNG Corporation, Gamota und VTC Multimedia Corporation.

Die Regierung sperrt im Gegensatz zur VR China nicht die Webseiten von Youtube, Twitter, Google und anderen führenden Informationsplattformen. Doch kontrolliert der Staat den Informationsaustausch im Internet, um nach eigenen Aussagen in den digitalen Medien die geistigen Eigentumsrechte sowie die Gesellschaftsordnung stärker zu schützen. Ein Dekret "On Management, Provision and Use of Internet Services and Information Content Online" mit der Nummer "72/2013-ND-CP" klassifiziert Internetwebseiten nach Kategorien und legt seit dem 1.1.13 die Pflichten von Internetdienst-, Onlinespielanbietern und sozialen Webseiten genau fest.

Staatliche Organisationen setzen vermehrt auf elektronische Systeme. Behörden sind angehalten, mehr Verwaltungsprozesse digital abzuwickeln (Stichwort E-Government). Bürger und Unternehmen können Steuern, Zölle und Stromrechnungen inzwischen an vielen Stellen online einreichen und bezahlen. Bei der Einführung setzen die zuständigen Organisationen auf ausländische Technologien und oft auf eine internationale Beratung.

Onlinedienste immer beliebter

Vietnamesen steigen in Onlineangebote voll ein. Mittlerweile bestellen sie ihr Essen bei foody.vn oder anderen Onlinediensten und ordern ein Taxi bei Grabtaxi, Easytaxi oder Uber. Der elektronische Einkauf (E-Commerce) ist den Kinderschuhen und den anfänglichen Startschwierigkeiten entwachsen. Die Einkaufsangebote waren lange Zeit begrenzt und die Verbraucher vertrauten der Geschäftsabwicklung über das Internet nicht so recht.

Nach Angaben der Vietnam E-Commerce and Information Technology Agency (http://www.vecita.gov.vn) erzielte der Business-to-Consumer E-Commerce 2014 Einnahmen von 3,0 Mrd. $, nach 2,2 Mrd. $ im Vorjahr. Umsatzstärkste Plattformen waren 2014 lazada.vn, sendo.vn, 123mua.vn und zalora.vn.

2014 bezahlten Kunden ihre Interneteinkäufe zu 64% in bar an Expresslieferdienste. Viele Vietnamesen verfügen noch nicht über Bankkonten oder Kreditkarten. Die schnell wachsende Mittelschicht führt ihre Finanztransaktionen aber inzwischen über Banken aus. Die Städter probieren E-Bankingangebote aus und nutzen für ihre Bestellungen im Internet zunehmend lokale Onlinebezahlsysteme wie Mobivi und Ngan Luong.

Run auf die neusten Smartphones

Die Konsumforschungsfirma GfK beziffert die Einzelhandelsumsätze mit Telekommunikationsgeräten 2014 auf 49,8 Bill. Dong (D, etwa 1,8 Mrd. Euro, 1 Euro = 27.907 D Durchschnittskurs 2014). Der Absatz legte um satte 30% gegenüber 2013 zu.

Das Marktforschungsunternehmen IDC berechnet, dass 2014 offiziell etwa 28,7 Mio. Mobiltelefone ausgeliefert wurden, davon entfielen 11,6 Mio. Stück auf Smartphones. Dieses Segment verzeichnete ein rasantes Wachstum von 57% gegenüber 2013. Sechs von zehn Smartphones kosteten weniger als umgerechnet 150 $.

IDC schätzt, dass Privatleute und Grauhändler inoffiziell zusätzlich große Mengen an Luxustelefonapparaten direkt in den USA, Hongkong oder anderen Shoppingmetropolen einkaufen. Die wohlhabenden Bürger wollen schließlich das neuste iPhone direkt nach dessen Produktlaunch vorzeigen. Smartphones und andere elektronische Gadgets schwingen sich auch in Vietnam zu den Statussymbolen der urbanen Mittel- und Oberschicht auf.

Lahme Datennetze

Die Internetnutzer surfen jedoch in einem der langsamsten Netze in Asien. Die US-amerikanische IT-Firma Akamai ermittelte im 1. Quartal 2015 eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,2 Megabit pro Sekunde (Mbps). Damit lag Vietnam zwar noch vor den Philippinen (2,8 Mbps), Indien (2,3 Mbps) und Indonesien (2,2 Mbps), aber deutlich hinter dem weltweiten Geschwindigkeitschampion Korea (Rep.) mit 23,6 Mbps.

Das Statistikamt zählt landesweit knapp 30 Mio. 3G-Verträge, die meisten basieren auf günstigen Prepaidkarten und -tarifen. Die Smartphone- und Tabletbesitzer loggen sich aber am häufigsten über ihre WLAN-Netze zu Hause oder im Betrieb sowie über die zahllosen freien Wifi-Spots in Cafes, Restaurants und Einkaufszentren in das Internet ein.

Das Ministerium für Information und Kommunikation (MOIC) vergab im Jahr 2010 Lizenzen zum Probebetrieb von 4G-Mobilfunknetzen an die Telekomfirmen Vietnam Posts and Telecommunications (VNPT, http://www.vnpt.vn), CMC Corporation, FPT, Vietnam Television Corporation (VTC) und Viettel. Eine Versteigerung von 4G-Lizenzen hat das MOIC jedoch mehrfach verschoben und möchte, dass die Betreiber zunächst mehr Kunden für das 3G-Netz finden.

Telekomsektor in staatlichen Händen

Der größte Telekomkonzern des Landes ist Viettel (http://viettel.com.vn), der dem Verteidigungsministerium gehört. Viettel setzte 2014 umgerechnet 9,2 Mrd. $ um und will 2015 ein Wachstum von 20% realisieren. Die staatliche VNPT meldete 2014 Einnahmen von 4,7 Mrd. $. Sie hat im Juni 2014 eine ihrer Mobilfunksparten, Mobifone (http://mobifone.com.vn, Einnahmen 2014 circa 1,7 Mrd. $), ausgelagert. Seitdem managt das MOIC die Firma, die 2016 an Investoren verkauft werden soll. Der drittgrößte Mobilfunkanbieter Vinaphone gehört weiterhin zur VNPT.

Das junge Schwellenland kann beim Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) noch aufholen. Nach Messung der IuK-Agentur der Vereinten Nationen (ITU) liegt Vietnam im internationalen IuK-Entwicklungsvergleich auf Platz 101 von 166 untersuchten Staaten.

Mehr Informationssicherheit notwendig

Das heißt die technische IuK-Infrastruktur muss sowohl ausgebaut als auch verbessert werden. Es besteht ebenso großer Nachholbedarf bei der Daten- und Netzwerksicherheit. Die Urheberrechte ausländischer Software werden häufig verletzt. Das Unrechtbewusstsein bei Privatleuten und Unternehmen ist wenig ausgeprägt.

Aus vietnamesischen Computerstuben stammt sogar mancher Virus und Hackerangriff auf Kreditkarteninformationen oder Kundendaten. Darunter leiden die Internetnutzer. Vietnams Mobilgeräte und PC liegen bei der Infizierung mit Schadprogrammen auf einem weltweiten Spitzenplatz, berichtet das russische Sicherheitssoftwareunternehmen Kaspersky, das daher seine Softwareverkäufe in Vietnam kräftig steigern will.

Kontaktanschrift:

Ministry of Information and Communications (MOIC)

18 Nguyen Du, Hanoi

Tel: 0084 4/35 56 34-61, Fax: -58

E-Mail: banbientap@mic.gov.vn, tt_tt@mic.gov.vn, Internet: http://mic.gov.vn

(T.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Telekommunikationsdienste, Internetdienste, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

Kontakt

Anna Westenberger

Wirtschaft

‎+49(0)30 200 099-393

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