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15.06.2018

Solarstrom setzt Siegeszug in Mexiko fort

Neue Großparks dank öffentlicher Ausschreibungen / Mittelfristig auch neue Projekte durch Direktverträge möglich / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Zwischen 2016 und 2020 wird sich die installierte Photovoltaikleistung in Mexiko dem nationalen Energieministerium zufolge mehr als verzwanzigfachen. Hintergrund ist der Erfolg von Photovoltaik (PV) bei den langfristigen öffentlichen Ausschreibungen und der damit verbundene Aufbau von großen PV-Parks. Aber auch kleinere Projekte haben gute Chancen, wenn die derzeit große Unsicherheit über Marktpreise und -bedingungen erst einmal überwunden ist. (Kontaktadressen)

Der mexikanische Photovoltaikmarkt erlebt derzeit einen für das Land beispiellosen Ausbauboom. Der Markt für deutsche Technologieanbieter bleibt allerdings beschränkt, auch wenn mit Unternehmen wie Goldbeck Solar und BayWa r.e. einige deutsche Projektentwickler in Mexiko tätig sind. Deutsche Firmen treten häufig als Anbieter von Wechselrichtern, Schaltkästen und Kabeln auf, die Module für die neuen (Groß)Parks stammen jedoch vorwiegend aus China.

Deutsche Module kommen lediglich bei kleineren Projekten im Wohn- oder Gewerbebereich zum Einsatz, wo beispielsweise ästhetische Aspekte eine Rolle spielen. Die Anbieter der Unterkonstruktionen zur - in Mexiko verbreiteten - einachsigen Nachführung der Module stammen vorwiegend aus Spanien und den USA.

Installierte Leistung von Photovoltaikanlagen in Mexiko
Indikator 2016 2017 *) 2018 *) 2019 *) 2020 *)
Installierte PV-Leistung (in MW) 270 539 2.903 4.630 5.965
Anteil an Gesamtleistung (in %) 0,4 0,7 3,6 5,6 7,0

*) Schätzung/Prognose

Quelle: Energieministerium Sener

PV-Parks: Die Wachstumstreiber

Im November 2017 vergab die Aufsichtsbehörde Cenace (Centro Nacional de Control de Energía) die dritte langfristige Ausschreibung für Stromerzeugung, Kapazität und Saubere-Energie-Zertifikate. Neben dem staatlichen Stromkonzern CFE (Comisión Federal de Electricidad) erhielten mit Iberdrola und Cemex erstmals zwei private Player einen Zuschlag. Abermals war Solarenergie der Energieträger mit dem größten Erfolg. Die aus den drei Runden entstehenden PV-Projekte belaufen sich auf 5 GW an installierter Kapazität, die Investitionen werden schätzungsweise 5 Milliarden US-Dollar (US$) betragen.

Derzeit läuft die vierte langfristige Ausschreibung, die am 2. November 2018 vergeben werden soll. Der Vertragszeitraum beträgt 15 Jahre. Informationen dazu und zu den Gewinnern der bisherigen Runden sind verfügbar unter: http://www.cenace.gob.mx/paginas/publicas/mercadooperacion/subastaslp.aspx Daneben gibt es mittelfristige Ausschreibungen, deren Stromlieferungen in der Regel über drei Jahre laufen: http://www.cenace.gob.mx/SIM/VISTA/REPORTES/SubMedianoPlazo.aspx

Die Projekte aus den ersten beiden Ausschreibungsrunden müssen 2018 und 2019 ans Netz gehen, wie es im Fall der beiden Großprojekte Villanueva (310 MW in erster Etappe) und Don José (238 MW) des italienischen Entwicklers Enel schon geschehen ist. Weitere Parks werden in den nächsten Jahren folgen.

Laut Volker Schwab, Energiespezialist der DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) in Mexiko, ist die Finanzierung auf Projektebene allerdings oft ein Problem: "Die Vergabepreise sind extrem niedrig, in der dritten Ausschreibung lagen sie bei durchschnittlich 20,57 US$ pro Megawattstunde." Die Gewinnmargen seien sehr gering und damit auch die für den Schuldendienst verfügbaren Cash Flows. "Die Betreiber sind darauf angewiesen, zusätzlich generierten Strom auf dem Großhandelsmarkt zu verkaufen. Diese Erlöse sind schwer kalkulierbar, insbesondere über die aufgrund der knappen Cash Flows langen Finanzierungslaufzeiten hinweg. Das macht es für Banken schwierig, die Projekte zu bewerten."

Mittelgroße Anlagen: Segment mit Perspektive

Hinsichtlich mittelgroßer Anlagen für die Industrie laufen erste Projekte an. BMW wird beispielsweise eine 71.000 Quadratmeter große Anlage nebst einer 5,8 Kilometer langen Übertragungsleitung für sein neues Werk in San Luís Potosí installieren lassen. Viele potenzielle Abnehmer warten jedoch noch ab, da sie nicht einschätzen können, wie sich die Strompreise auf dem Anfang 2016 eingeführten Stromgroßhandelsmarkt entwickeln. Auch eine Änderung der CFE-Tarife Ende 2017 erschwert die Planung. Diese Unsicherheit trifft vor allem Vorhaben von 0,5 bis 50 MW.

"Wir sehen gute Chancen bei Projekten für Industriefirmen und -parks, für die wir die Anlagen entweder auf den Fabrikdächern installieren oder auf einer Freifläche aufbauen können", sagt Matthias Lienekampf, Leiter des PV-Generalunternehmers und -Finanzierers Goldbeck Solar in Mexiko. Der Markt brauche aber noch Zeit, um sich zu entwickeln. "Im Fall von PPA-Verträgen (Power Purchase Agreements, Anm. der Red.) lassen sich mit den Solaranlagen Stromerzeugungskosten realisieren, die unterhalb der normalen Bezugskosten liegen, wobei die Laufzeiten der PPAs direkten Einfluss auf Preise und Finanzierbarkeit haben", so Lienekampf weiter.

Bislang hat lediglich das spanische Unternehmen Acciona ein größeres PPA für seinen PV-Park Puerto Libertad abgeschlossen. 90 MW installierte Leistung sind für einen mexikanischen Industriekonzern bestimmt, wie Acciona im Februar 2017 bekanntgab. Marktkenner schätzen, dass zukünftige PPA vorrangig mehrere Abnehmer haben werden, um für den Parkbauer und -betreiber das Risiko zu streuen. Auch müsse nicht der gesamte Strom an die PPA-Partner abgegeben werden, ein Teil könne auch über den Stromgroßhandelsmarkt verkauft werden.

Als Verkaufspreis in einem PPA sehen Experten 35 bis 40 US$ pro MWh (inklusive Netzentgelte) als realistisch an. Die Erzeuger (Generadores) können den produzierten Strom allerdings nicht direkt verkaufen, sondern müssen sich an einen der momentan circa 20 in Mexiko operierenden Händler (Suministrador de Servicios Calificados) wenden. Alternativ können sie sich bei der Regulierungsbehörde CRE (Comisión Reguladora de Energía) selber als Händler anmelden.

Neben den PV-Parks und mittelgroßen Anlagen besteht in Mexiko ein wachsender Markt für Kleinerzeugung (bis 0,5 MW), für den ein gesonderter Regulierungsrahmen gilt: http://www.gtai.de/MKT201806148011

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Comisión Reguladora de Energía (CRE) http://www.gob.mx/cre Regulierungsbehörde
Centro Nacional de Control de Energía (Cenace) https://www.gob.mx/cenace Aufsichtsbehörde
Asociación Mexicana de Energía Solar (Asolmex) http://www.asolmex.org Branchenverband (spezialisiert auf Großprojekte)
Asociación Nacional de Energía Solar (Anes) http://www.anes.org Branchenverband (spezialisiert auf Kleinprojekte und Solarthermie)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Strom-/ Energieerzeugung, Solar

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‎+49 228 24 993 267

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