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08.09.2015

Steigender Bedarf an Technologien für die Wasseraufbereitung in den USA

Membran- und Desinfektionssysteme stark gefragt / Wiederaufbereitung im trockenen Süden im Fokus / Von Christian Janetzke

New York (gtai) - Der Bedarf an Technologien und Ausrüstungen für die (Ab)-Wasseraufbereitung zieht in den USA an. Konventionelle Filter dominieren den Markt. Eine hohe Dynamik ist beim Absatz von hochwertigen Membran- und Desinfektionssystemen zu erwarten. Diese sind vor allem im Süden des Landes für die Wiederaufbereitung von Abwasser notwendig. Im Bereich der Rohstoffgewinnung wird mittelfristig eine hohe Nachfrage erwartet. Aus der Industrie sind ebenfalls Impulse zu erwarten. (Internetadressen)

Die Nachfrage nach Technologien für die (Ab)-Wasseraufbereitung stieg 2014 in den USA um 7,4% auf 11,6 Mrd. US$, so der Marktforscher Freedonia. Der Markt soll - leicht abgeschwächt - mittelfristig weiter kräftig zulegen.

Prognostizierte Nachfrage nach den bedeutendsten Produktsegmenten (in Mio. US$)
Produkte 2014 2019 Veränderung *)
Nachfrage insgesamt 11.620 15.000 5,2
.Konventionelle Filter 6.020 7.350 4,1
.Membrantechnologie 3.590 4.900 6,4
.Desinfektionstechnologie 980 1.400 7,4

*) durchschnittliche jährliche Veränderungsrate 2014 bis 2019 in %

Quelle: Freedonia Group

Konventionelle Filter dominieren den Markt. Auf sie entfielen 2014 rund 52% der wertmäßigen Nachfrage. Der Filtermarkt ist allerdings relativ gesättigt und die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind in diesem Bereich gering. Dennoch dürfte die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter zulegen, vor allem dank des Bedarfs in der kommunalen Abwasseraufbereitung. Nach Angaben der American Water Work Association gab es 2014 rund 51.000 Wasserversorger im Land. Der Marktforscher Bluefield Research prognostiziert, dass die Menge des in kommunalen Anlagen aufbereiteten Abwassers von 2015 bis 2025 um 61% steigen wird. Zahlreiche Aufbereitungsanlagen sind seit Jahrzehnten im Einsatz. Die Betreiber müssen verstärkt in Technologien und Ausrüstungen investieren, berichtet Vanessa Leiby, Geschäftsführerin der Water & Wastewater Equipment Manufacturers Association (WWEMA).

Unter anderem Kaliforniens Umweltbehörde hat in den vergangenen Jahren verschärfte Standards für die Qualität des aufbereiteten Wassers erlassen. Nicht zuletzt um den Regularien gerecht zu werden, errichtet beispielsweise der Sacramento Regional County Sanitation District für rund 2 Mrd. US$ eine hochmoderne Aufbereitungsanlage.

Hohe Dynamik im Segment für Umkehrosmose-Membranen

Im Filtersegment erwarten Marktexperten in den kommenden Jahren insgesamt die kräftigsten Zuwächse bei Filterpatronen. Die Sandfiltration verliert hingegen an Bedeutung und wird zunehmend durch neue Technologien ersetzt.

Der Bedarf an Membran- und vor allem Desinfektionssystemen dürfte in den kommenden Jahren kräftig zulegen. Umwelttechnologieunternehmen erzielen in diesen Segmenten in hohem Tempo technologische Fortschritte, beispielsweise bei hochwertigen, widerstandsfähigen Umkehrosmose-Membranen. Laut dem Marktforscher Frost & Sullivan werden Betreiber von Wasseraufbereitungsanlagen ihre oftmals veralteten Membransysteme verstärkt auf Umkehrosmose umrüsten.

Die Entsalzung ist die am stärksten wachsende Anwendung von Membransystemen, so Freedonia. Sowohl aus dem Industrie- als auch aus dem Energiesektor sollen in den kommenden Jahren bedeutende Impulse kommen.

Industrie hat hohen Bedarf an Desinfektionstechnologien

Die Nachfrage nach Desinfektionstechnologien (vor allem UV-Systemen) steigt, weil Abnehmer aus diversen Branchen zunehmend die Ausgaben für chemische Desinfektionsmittel sowie deren Transport und Lagerung sparen möchten. Zugleich steigt die Effektivität der UV-Desinfektionssysteme.

Die höchsten Nachfragezuwächse nach anspruchsvollen Aufbereitungstechnologien innerhalb der Industrie erwarten Analysten in der Nahrungsmittel- und Getränkebranche sowie im Pharmasektor. Diese Bereiche sind mit strengen Auflagen an die Wasserreinheit und -qualität konfrontiert. Marktexperten gehen zudem von einem stark steigenden Bedarf in der Metall- sowie in der chemischen Industrie aus.

Ein Wachstumstreiber für Membran- und Desinfektionssysteme ist der Trend zur "zero liquid discharge"-Produktion, so Leiby. Immer mehr Industrieunternehmen streben an, ohne Schmutzwasserableitung zu produzieren und setzen daher auf geschlossene Kreisläufe.

Prognostizierte Nachfrage nach den bedeutendsten Abnehmersegmenten (in Mio. US$)
Segmente 2014 2019 Veränderung *)
Städte/Gemeinden für die kommunale (Ab)-Wasseraufbereitung 6.050 7.510 4,4
Industrie 2.350 3.100 5,7
Bausektor 1.400 1.845 5,7
Ressourcengewinnung 1.245 1.865 8,4
Stromerzeugung 420 472 2,4

*) durchschnittliche jährliche Veränderungsrate 2014 bis 2019 in %

Quelle: Freedonia Group

Ölindustrie fiel 2014 als Wachstumstreiber aus

Die Öl- und Gasindustrie hatte in den vergangenen drei Jahren erhebliche Impulse für die positive Marktentwicklung der Abwassertechnologien geliefert, berichtet Leiby. Die Schiefergasindustrie steht zunehmend unter Druck, die im Zuge des Frackings mit Schwermetallen und teilweise radioaktiven Stoffen angereicherten Abwässer umfangreich aufzubereiten. Betreiber von Aufbereitungsanlagen rüsten daher zunehmend mit Technologie nach, die auf die Bedürfnisse der Branche zugeschnitten ist. In der Frackinghochburg Pennsylvania sind in den letzten Jahren zahlreiche Industrieabwasseranlagen in der Nähe von Bohrfeldern errichtet worden.

Im trockenen Süden und Südwesten mache die Trinkwasserknappheit den Wasserbezug für das Fracking kostenintensiv und unpopulär, so Leiby. Die Wiederaufbereitung des verwendeten Wassers habe nicht zuletzt daher in den letzten Jahren auch in der Ölindustrie deutlich an Bedeutung gewonnen. Im Sektor wirkt sich allerdings der relativ geringe Ölpreis negativ auf Explorations- und Frackingprojekte aus. Der Bedarf an Abwassertechnologien ist laut Leiby seit Sommer 2014 gefallen.

Starkes Interesse an Technologien für die Trinkwasseraufbereitung

Zahlreiche Kommunen und Städte im Süden der USA, insbesondere in Kalifornien, sind von saisonal auftretenden Dürreperioden betroffen. Die zunehmende Trockenheit gefährdet die Trinkwasserversorgung und lässt den Bedarf an neuen Technologien steigen. Die Wiederaufbereitung von Abwasser gewinnt daher zunehmend an Gewicht.

Ein Vorreiter ist Orange County. Seit 2008 bereitet eine Anlage in einem Dreistufenprozess Abwasser so gründlich wieder auf, dass es für die Trinkwasserversorgung geeignet ist. Im Februar 2015 wurde die Kapazität der Anlage um etwa 30% auf 100 Mio. Gallonen (1 Gallone = 3,79 l) Trinkwasser pro Tag (gpd) erhöht. Die Stadt San Diego plant ein Megaprojekt: Für rund 3,5 Mrd. US$ soll eine Anlage mit einer Kapazität von 83 Mio. gpd zur Wiederaufbereitung nach dem Vorbild von Orange County errichtet werden. Im Jahr 2035 dürfte rund ein Drittel der Bevölkerung der Stadt ihren Wasserbedarf aus der Anlage decken.

Steigender Bedarf an Ausrüstungen für Entsalzungsanlagen

In Süden der USA (vor allem in Kalifornien, Texas und Florida) werden zunehmend Entsalzungsanlagen für die Trinkwassergewinnung installiert. In der Nähe der Stadt Carlsbad (Kalifornien) soll ab 2016 die größte Mehrwasserentsalzungsanlage des Landes mit einer Kapazität von rund 50 Mio. gpd den Trinkwasserbedarf des San Diego County zu etwa 10% decken. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 1 Mrd. US$.

Von Seiten der Betreiber von Entsalzungsanlagen steigt der Bedarf an Ultra- und Mikrofiltrationsmembranen, um die Regularien der US-Umweltbehörde EPA zur Trinkwasserqualität ("Safe Drinking Water Act") einzuhalten. Vor allem bei einem mittelfristigen Durchbruch der sehr energieintensiven Meerwasserentsalzung würde sich die Nachfrage nach innovativen, energieeffizienten Membrantechnologien deutlich erhöhen.

Internetadressen:

American Water Works Association

Internet: http://www.awwa.org

Water and Wastewater Equipment Manufacturers Association

Internet: http://www.wwema.org

Umweltbehörde EPA

Internet: http://water.epa.gov

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

Internet: http://www.ahk-usa.com

(C.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung

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