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12.01.2018

Straßenbau in Polen erhält neuen Auftrieb

Lücken im Autobahnnetz müssen geschlossen werden / Baukosten steigen / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Rund 450 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen sollen 2018 in Polen zur Nutzung übergeben werden. Das wären knapp 100 Kilometer mehr als 2017. Lücken gilt es an der Anbindung des zentralen Autobahnkreuzes in Richtung Süden zu schließen. Das Straßenbauprogramm sieht von 2014 bis 2023 Ausgaben von 33 Milliarden Euro vor. Angesichts steigender Kosten für Materialien und Löhne könnten diese jedoch für die geplanten Maßnahmen nicht ausreichen. (Kontaktanschrift)

Nach einer schwächeren Aktivität in den Vorjahren kommt der Bau von Autobahnen und Schnellstraßen in Polen wieder in Fahrt. Im Jahr 2017 wurden laut der Generaldirektion für Landstraßen und Autobahnen (GDDKiA, Generalna Dyrekcja Drog Krajowych i Autostrad) 355 Kilometer Schnell- und Umgehungsstraßen zur Nutzung freigegeben, jedoch kein Autobahnabschnitt. Das soll 2018 nachgeholt werden, wenn zwei insgesamt 20 Kilometer lange Teilstücke der A1 vom zentralpolnischen Autobahnkreuz bei Lodz (Lodsch) in Richtung Flughafen Pyrzowice bei Katowice (Kattowitz) fertiggestellt werden.

Für 2018 ist laut GDDKiA geplant, insgesamt 450 Kilometer Schnellstraßen und Autobahnen fertigzustellen. Noch bestehende Lücken in der Schnellstraße S3 von Szczecin (Stettin) zur Ost-West-Autobahn A4 sollen geschlossen werden. Dadurch entsteht eine durchgehende schnelle Verbindung der Hafenstadt nach Tschechien und in die Ukraine.

Bauarbeiten dauern ferner an der besseren Anbindung der Stadt Bialystok an das Schnellstraßennetz an. Außerdem ist der weitere Ausbau der S7 von der Dreistadt Gdansk-Sopot-Gdynia (Danzig-Zoppot-Gdingen) zu den Woiwodschaften Warminsko-Mazurskie (Ermland-Masuren) und Mazowieckie (Masowien) vorgesehen. Auch im weiteren Verlauf der S7 zwischen Warschau und Krakow (Krakau) klaffen noch Lücken.

Fertiggestellte Schnellstraßen und Autobahnen (in km)
2014 2015 2016 2017 2018 *)
Autobahnen 62 0 81 0 20
Schnellstraßen 224 25 43 355 430
Insgesamt 286 25 124 355 450

*) Prognose

Quelle: GDDKiA

Unvollständig ist ebenfalls der Umgehungsring der Hauptstadt. Der südliche Teil befindet sich momentan im Bau. Die Firma Warbud will bis 2020 einen dreispurigen Abschnitt mit 7,5 Kilometern Länge übergeben. Eine neue Weichselbrücke wird ebenfalls gebaut. Die Firma Polaqua übernimmt den Bau der Verlängerung der A2 im Osten Warschaus, die schließlich bis Biala Podlaska unweit der weißrussischen Grenze führen soll.

Autobahn in Nord-Süd-Richtung bis 2021

Zu den wichtigen Vorhaben der kommenden Jahre zählt die Fertigstellung des südlichen Abschnitts der Nord-Süd-Achse A1. Die etwa 81 Kilometer lange Verbindung zwischen den Städten Piotrkow Trybunalski (Petrikau) und Czestochowa (Tschenstochau) soll in beide Richtungen dreispurig ausgebaut werden. Vorhanden sind dort bisher überwiegend zwei Spuren.

Die 64 Kilometer lange Strecke innerhalb der Woiwodschaft Lodz von Tuszyn, südlich von Lodz bis zur Grenze zur Woiwodschaft Slask (Oberschlesien) wurde in vier Teilabschnitte mit zwischen 7 und 24 Kilometer Länge eingeteilt. Hinzu kommt noch ein weiterer 17 Kilometer langer Abschnitt in Slask.

Für die in der Woiwodschaft Lodz liegenden Strecken will die GDDKiA rund 600 Millionen Euro ausgeben. Von den eingereichten und noch Ende 2017 geöffneten Angeboten lagen zehn im Kostenrahmen. Sieben in- und ausländische Firmen sind an dem Bauvorhaben interessiert. Mit der Unterzeichnung entsprechender Verträge wird frühestens im März 2018 gerechnet.

Für den Bau der Betonautobahn werden die Auftragnehmer 38 Monate haben. Verlaufen die Arbeiten planmäßig, könnte ab Mai 2021 die Dreistadt im Norden mit dem Flughafen von Katowice durchgehend über die A1 verbunden sein.

Überwiegend Asphaltbelag

Gegen Ende 2017 gab es in Polen 1.627 Kilometer Autobahnen und 1.700 Kilometer Schnellstraßen. In der Ausschreibungsphase befanden sich 53 Abschnitte mit einer Gesamtlänge von 727 Kilometern. In der Vorbereitungsphase zum Bau beziehungsweise bereits im Bau waren weitere 1.293 Kilometer. Zwei Drittel der noch nicht übergebenen Strecken werden asphaltiert, bei einen Drittel kommt eine Betonoberfläche zum Einsatz.

Vom 1. Januar bis 20. Dezember 2017 unterzeichnete die GDDKiA 27 Verträge über Bauarbeiten im Gesamtwert von 1,4 Milliarden Euro, die den Bau von 266 Kilometern Autobahnen und Schnellstraßen betreffen. Weitere Vorhaben mit einer Länge von 25 Kilometern und einem Wert von 126 Millionen Euro um die Städte Lomza und Lubawa sollen bald entschieden werden.

Geplante Ausgaben für Landstraßen und Autobahnen (in Mrd. Euro)
2018 2019 2020 2021 2022 2023
3,7 4,5 3,9 3,6 3,2 2,9

Quelle: Ministerium für Infrastruktur und Bauwirtschaft MIiB, GDDKiA

Das staatliche Straßenbauprogramm 2014 bis 2023 sieht Ausgaben von insgesamt 32,5 Milliarden Euro vor. Gebaut werden sollen demnach 252 Kilometer Autobahnen, 2.641 Kilometer Schnell- und 35 Umgehungsstraßen mit einer Gesamtlänge von 369 Kilometern.

Fortschritte bei der Realisierung von Investitionen im Rahmen des Straßenbauprogramms 2014 bis 2023 (Länge in km, Wert in Mrd. Euro) *)
Länge Wert
Beendet 293 2,2
Durchführung 1.243 11,7
Ausgeschrieben 627 6,2
Ausschreibung geplant k.A. 12,4

*) Stand Herbst 2017

Quelle: MIiB

Preise ziehen an

Eine Herausforderung für die Finanzierung all dieser Straßenbaumaßnahmen sind jedoch die steigenden Baukosten. Nicht nur die Materialien werden teurer, der Arbeitskräftemangel treibt auch die Löhne in die Höhe. Laut dem Polnischen Arbeitgeberverband der Baubranche (PZPB, Polski Zwiazek Pracodawcow Budownictwa) stiegen die Gehälter von Bauarbeitern 2017 um 8 bis 16 Prozent an.

Anstieg der Kosten für Baumaterialien (Vergleich 2017/16 in %)
Asphalt Granitschotter Leitplanken Beton
32 20 19 14

Quelle: Bauunternehmen Budimex

Hinweis: Vom 30. Januar bis 2. Februar 2018 findet in Poznan (Posen) die internationale Messe für Bauwirtschaft, Architektur, Baumaschinen und -geräte Budma statt.

Kontaktadressen:

Generalna Dyrekcja Drog Krajowych i Autostrad (GDDKiA, Generaldirektion für Landstraßen und Autobahnen) http://www.gddkia.gov.pl
Ogolnopolska Izba Gospodarcza Drogownictwa (OIGD, Allpolnische Wirtschaftskammer für Straßenbau http://www.oigd.com.pl
Ministerstwo Infrastruktury i Budownictwa (MIiB, Ministerium für Infrastruktur und Bauwirtschaft http://www.mib.gov.pl
Baumesse Budma http://www.budma.pl

Mehr zu Polen finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

(B.R.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Infrastruktur

Kontakt

Michal Wozniak

‎+48 22 5310 610

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