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18.06.2014

Südafrikas Kohlebergbau benötigt dringend Investitionen

Kraftwerke vor Versorgungsengpässen / Erschließung der Waterberg-Region wird vorbereitet / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (gtai) - Südafrikas Kraftwerken droht der Nachschub an Kohle auszugehen. Die Reserven in den eigens eingerichteten Minen neigen sich dem Ende zu, während die Kraftwerke deutlich länger als geplant am Netz bleiben. Da die Anlagen wegen des Strommangels auf Volllast laufen, nimmt der Kohlebedarf sogar weiter zu. Gleichzeitig werden neue Kraftwerke gebaut und auch die Exporte sollen steigen. Um den Bedarf decken zu können, werden dringend neue Minen gebraucht. (Kontaktanschriften)

In Südafrika fürchten die Kohlekraftwerke um ihre Brennstoffversorgung. Ab etwa 2020 kommt auf den staatlichen Betreiber Eskom ein Kohledefizit von rund 60 Mio. t pro Jahr zu. Um den sich abzeichnenden Engpass und einen Zusammenbruch der Stromversorgung zu verhindern, müssen nach Einschätzung von Fachleuten mindestens 80 Mrd. bis 100 Mrd. Rand (R; 5,5 Mrd. bis 6,9 Mrd. Euro; 1 Rand = rund 0,07 Euro) in neue Kohleminen investiert werden.

Die meisten Kraftwerke der Kaprepublik sind direkt in den Kohlerevieren der Witbank-Region und werden mit Kohle aus benachbarten Gruben befeuert, mit denen es langfristige Abnahmeverträge gibt. Diese Förderstätten erreichen nun allmählich das Ende ihrer Lebenszeit: Die Produktion sinkt und in den kommenden zehn Jahren müssen zahlreiche Minen stillgelegt werden. Gleichzeitig laufen die Kohlekraftwerke infolge der Stromknappheit bei weitem länger als ursprünglich geplant und überdauern die zu ihrer Versorgung errichteten Minen nun deutlich. Selbst drei "eingemottete" Kraftwerke mussten wieder in Betrieb genommen werden, um großflächige Stromausfälle zu verhindern.

Kohle trägt derzeit über 90% zum Energiemix des Landes bei und viele der existierenden Kohlemeiler werden noch bis weit nach 2030 am Netz bleiben. Allein um die bestehenden Kraftwerke bis ans Ende der derzeit vorgesehenen Laufzeiten zu befeuern, benötigt Eskom insgesamt rund 4,5 Mrd. t Kohle, von denen die Hälfte bislang nicht gesichert ist.

Noch gar nicht einkalkuliert ist der Bedarf, der durch den Betrieb neuer Kraftwerke entstehen wird. Mit Medupi und Kusile befinden sich zwei Megaprojekte für jeweils 4.800 MW in Bau, für deren Versorgung eigens zwei Großminen (Grootegeluk und New Largo Coal Mine) errichtet werden. Nach der derzeitigen Energieplanung Südafrikas sollen bis 2030 weitere 6.250 MW mit Kohlestrom erzeugt werden. Eine erste Tranche von 2.500 MW soll noch 2014 durch das Energieministerium zur Ausschreibung gebracht werden.

Steigende Exporte erschweren Eskom die Kohlebeschaffung

Woher die zur Versorgung der Kraftwerke erforderlichen Kohlemengen beschafft werden sollen, ist derzeit noch weitgehend unklar. Im Gegensatz zum Petrochemieriesen Sasol verfügt Eskom über keine eigene Bergbauerfahrung. Sasol betreibt eine Kohleverflüssigungsanlage (465.000 bpd) in Secunda und ist ebenfalls von alternden Minen betroffen. Rund 60% der Eigenproduktion müssen ersetzt werden. Die konzerneigene Sasol Mining investiert deshalb bis 2020 etwa 14 Mrd. R in vier neue Kohleprojekte, die den Eigenbedarf in Zukunft größtenteils decken können.

Der Versuch der südafrikanischen Regierung, mittels einer staatseigenen Bergbaugesellschaft namens African Exploration Mining & Finance Corporation (AEMFC) die Versorgungslage zu verbessern, ist bislang nicht der große Wurf. Die derzeitige Jahresproduktion der Vlakfonteinmine von 1,5 Mio. t ist allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Das in Entwicklung befindliche T-Project bei Kinross soll künftig weitere 3 Mio. t pro Jahr produzieren.

Insofern bleibt Eskom nur die Möglichkeit, Kohle von privaten Bergbaugesellschaften aufzukaufen. Dabei wird es aber kaum gelingen, im großen Stil zusätzliche Mengen von den anderen derzeit in Witbank operierenden Kohleminen zu ordern. Diese produzieren in erster Linie hochwertige Ware für den Export, für die sich auf den Weltmärkten Premiumpreise erzielen lassen. Für Eskom wäre diese Kohle ohnehin zu teuer, sollen die schon galoppierenden Strompreise nicht noch weiter in die Höhe getrieben werden.

Auch im Rahmen möglicher Produktionssteigerungen wollen sich die Betreiber der Kohlefelder in Witbank auf die Exportmärkte konzentrieren. Die jährlichen Ausfuhren sollen von derzeit etwa 74 Mio. t auf über 100 Mio. t steigen. Die staatliche Transnet investiert deshalb bereits in den Ausbau der Schienenstrecken von Witbank nach Richards Bay. Für die Erweiterung der Verschiffungsterminals gibt es ebenfalls Pläne, so zum Beispiel die Kapazitätsaufstockung des privaten Richards Bay Coal Terminal (RBCT) von 91 Mio. auf 110 Mio. t oder der Neubau eines Transnet-Terminals in Durban für 32 Mio. t.

Massive Produktionsausweitung erforderlich

Um die alten und neuen Kraftwerke versorgen sowie die Exporte steigern zu können, muss die Kohleproduktion nach Aussage von Roger Baxter, Chief Economist der südafrikanischen Chamber of Mines, von derzeit etwa 255 Mio. t auf über 320 Mio. t pro Jahr steigen. Da einige der bestehenden Förderstätten nahezu erschöpft sind, ist dieses Ziel nur zu erreichen, wenn in den kommenden Jahren Produktionskapazitäten von über 120 Mio. t geschaffen werden. Die Verfasser des Fachpapiers "The South African Coal Road Map" schätzen die Kosten für den Bau einer Kohlemine mit 10 Mio. t Jahresoutput auf 10 Mrd. bis 15 Mrd. R. Die erforderlichen Investitionen der Bergbaugesellschaften könnten sich auf mehr als 120 Mrd. R belaufen.

Trotz der hohen Nachfrage ist von einem Kohleboom in Südafrika derzeit wenig zu spüren. Manche Bergbaukonzerne, wie BHP Billiton, reduzieren ihre Aktivitäten oder ziehen sich, wie Total Coal oder Rio Tinto, sogar ganz zurück. Wie in vielen anderen Bereichen steht sich Südafrika im Kohlebergbau ungeachtet aller vorhandenen Potenziale in erster Linie selbst im Weg.

Schlechte Rahmenbedingungen schrecken Investoren ab

Minenbetreiber halten sich wegen ungünstiger Standortbedingungen und regulatorischer Unsicherheit mit Investitionen zurück. Die Bergbaugesellschaften leiden unter einem hohen Kostendruck. Im Jahr 2013 wuchsen die Kosten aufgrund steigender Löhne und Energiepreise um 23%. Die Tarifverhandlungen 2013 brachten für die Kohleindustrie Lohnsteigerungen zwischen 7 und 11%, deutlich über der Inflationsrate von 5,8%.

Bürokratische Hürden machen die Beantragung einer Minenlizenz zu einem schwierigen Unterfangen. Rund dreieinhalb Jahre dauert es, bis ein Kohleprojekt den Genehmigungsprozess durchlaufen hat, erklärte James Hall von Anglo American Anfang 2014 auf einer Konferenz in Kapstadt. Für den Erwerb von Mining Licence, Water-Use Licence sowie Environmental Permit müssen drei getrennte Verfahren durchlaufen werden, die zeitlich nicht aufeinander abgestimmt sind und jeweils ihre eigenen Fallstricke für eine Verzögerung des Projektes bieten.

Zudem beunruhigte die jahrelange Verstaatlichungsdebatte mögliche Investoren. Nachdem das Thema auf einem ANC-Parteitag Ende 2012 begraben wurde, sorgte die Reform des Mineral and Petroleum Resources Development Act (MPRDA) für neue Unsicherheit. Dem neuen Gesetz zufolge müssen Rohstoffproduzenten bei bestimmten, als strategisch eingestuften Mineralien einen Teil ihrer Produktion zu festgelegten Preisen an lokale Unternehmen abgeben.

Es gilt als wahrscheinlich, dass insbesondere Kohle als strategischer Rohstoff deklariert wird. Die Regierung versucht, die Versorgung auf gesetzlichem Wege sicherzustellen, indem sie Minenbetreiber zwingen kann, einen Teil ihrer Produktion zu festgesetzten Preisen an Eskom zu verkaufen.

Für Bergbaugesellschaften bedeutet dies einen gravierenden Einschnitt in die unternehmerische Freiheit. Analysten kritisieren, die Regierung erreiche mit solchen interventionistischen Eingriffen eher das Gegenteil: Die Versorgungssicherheit verschlechtere sich aufgrund der Abschreckung von Investoren. Die Chamber of Mines konnte das Gesetz im letzten Moment noch deutlich entschärfen. Es konnte sichergestellt werden, dass Minengesellschaften auch bei strategischen Rohstoffen zumindest immer den Mine Gate-Preis verlangen können. Dies bedeutet im Grunde Parität mit Exportpreisen abzüglich Transportkosten. Auf diese Weise können die Unternehmen ihre Kosten decken und Gewinn erwirtschaften.

Erschließung der Waterberg-Region soll beginnen

Damit besteht Hoffnung, dass der Bergbaustandort Südafrika zumindest einen Teil des verlorenen Vertrauens zurückgewinnen kann und die benötigten Investitionen in Gang kommen. Ausreichende Kohlevorkommen für eine deutliche Produktionssteigerung sind in jedem Fall vorhanden. Ein neuer Report des Council of Geoscience beziffert die Kohlereserven Südafrikas mit 66,7 Mrd. t (Tonnes Run of Mine, ROM). Mit 48,3 Mrd. t befinden sich aber 72% der gesamten Vorkommen in der Limpopo Provinz, etwa im bislang kaum erschlossenen Waterberg-Gebiet oder den Kohlefeldern von Soutpansberg.

Bislang fehlt es insbesondere an der erforderlichen Infrastruktur, wie Beförderungsmöglichkeiten per Schiene. Transnet will den Ausbau aber nun in Angriff nehmen und die Kapazität der bestehenden Eisenbahnlinie von Waterberg nach Witbank bis 2018 auf 28 Mio. t ausbauen. Längerfristig ist der Bau einer neuen Strecke für 100 Mio. t geplant. Dies soll dazu führen, dass sich in der Waterberg-Region große Kohleminen ansiedeln, die sowohl hochgradige Kohle für den Export als auch genügend Mittelgut für die lokale Verstromung produzieren.

Eine besondere Herausforderung wird die Wasserknappheit der Waterberg-Region. Während in Witbank der Wasserverbrauch etwa 250 l/t beträgt, sollen in Waterberg nur 150 l/t genutzt werden. Dies erfordert wassersparende technische Lösungen wie die sogenannten Dry-Coal Beneficiation Technologies.

Chancen für Junior Miners in Witbank

Auch in den Witbank Revieren liegen mit 12,4 Mrd. t noch ergiebige Vorkommen, die weiter ausgebeutet werden können. Die dort verbleibenden Kohlefelder bestehen nach Branchenangaben jedoch häufig aus kleinen Blöcken und sind deshalb vor allem für Junior Mining Companies geeignet. Die Zahl der Juniors nimmt bereits stetig zu. Im Jahr 2013 waren schon 42 kleine Minen mit einer Produktion von häufig unter 1 Mio. t im Jahr in Betrieb. Bei einer Verbesserung der Bedingungen, insbesondere einfacheren Finanzierungsmöglichkeiten, könnten die Juniors künftig eine wichtige Rolle im südafrikanischen Kohlebergbau spielen.

Ausgewählte Kohleprojekte
Minen-gesellschaft Projektname Standort Projektstand Geplante Produktionsmenge
Firestone Energy und Sekoko Coal (60:40) Waterberg Coal Project Waterberg (Limpopo) Machbarkeits-studien durch SRK Consulting abgeschlossen 10 Mio. t/Jahr
Coal of Africa Makhado Coking Coal Project Soutpansberg Coalfield (Limpopo) Machbarkeits-studie abge-schlossen, Genehmigungs-verfahren läuft 12,6 Mio. t/Jahr
Anglo American New Largo Coal Mine Mpumalanga (Versorgung des Kusile Kraftwerks) Machbarkeits-studien 11 Mio. t/Jahr
Resource Generation (Resgen) Boi-karabelo Coal Project Waterberg (Limpopo) 1.Phase in Betrieb ab 2015, 2. Phase geplant für 2018 1. Phase 6;2. Phase 20 Mio. t/Jahr
Continental Coal Wittekrans Coal Project Ermelo (Mpumalanga) Genehmigungs-verfahren läuft 4 Mio. t/Jahr
Glencore Xstrata Zonnebloem Coal Mine Mpumalanga Genehmigungs-verfahren läuft 10 Mio. t/Jahr
African Rainbow Minerals & Glencore Xstrata Goed-gevonden Expansion Ogies (Mpumalanga) Geplant für 2020 8 Mio. t/Jahr
Glencore Xstrata Zandbaken Coal Mine Mpumalanga Planung 3,6 Mio. t/Jahr
Glencore Xstrata Paardekop Under-ground Coal Mine Perdekop (Mpumalanga) Planung 8 Mio. t/Jahr
Exxaro Resources Thabametsi Coal Project Waterberg (Limpopo) Planung 3,8 Mio. t/Jahr
Xceed Moabs-velden Coal Project Mpumalanga Genehmigungs-verfahren läuft 1,6 Mio. t/Jahr

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Kontaktanschriften:

Chamber of Mines

P.O. Box 61809, Marshalltown 2107

Tel.: 0027 11/498 71 00, Fax: -18 84

E-Mail: info@chamberofmines.org.za, Internet: http://chamberofmines.org.za

Sasol Mining

P.O. Box 5486, Johannesburg 2000

Tel.: 0027 11/441 31 11, Fax: -50 92

E-Mail: bhutiza.letsie@sasol.com, Internet: http://www.sasol.co.za

African Exploration Mining & Finance Corporation

P.O. Box 786141, Sandton 2146

Tel.: 0027 10/201 81 07

E-Mail: info@cefgroup.co.za, Internet: http://www.cefgroup.co.za/aemfc/

Firestone Energy

Hampton Office Park, 20 Georgian Crescent, 1st Floor Fulham House, Bryanston Johannesburg

Tel.: 0027 11/706 35 42/48, Fax: 35 73

E-Mail: enquiries@firestoneenergy.net, Internet: http://www.firestoneenergy.com.au

Coal of Africa

South Block, Summercon Office Park

96 Sunset Avenue (Cnr Rockery Lane), Lonehill, Sandton

Tel.: 0027 10/003 80 00

E-Mail: adminza@coalofafrica.co.za, Internet: http://www.coalofafrica.com

Anglo American Coal

P.O. Box 61587, Marshalltown, Johannesburg 2107

Tel.: 0027 11/638 98 11

E-Mail: Hulisani.Rasivhaga@angloamerican.com, Internet: http://www.angloamerican.co.za

Resource Generation

P.O. Box 5384, Reitvallei Rand, 0174 Pretoria

Tel.: 0027 12/345 10 57, Fax: -539 37 92

E-Mail: info@resgen.com.au, Internet: http://resgen.com.au

African Rainbow Minerals

P.O. Box 786136, Sandton 2146

Tel.: 0027 11/779 13 00, Fax: -13 12

E-Mail: ir.admin@arm.co.za, Internet: http://www.arm.co.za

Continental Coal

9th Floor Fredman Towers, 13 Fredman Drive, Sandton 2196

Tel.: 0027 11/881 14 20, Fax: -86/685 11 86

E-Mail: admin@conticoal.com, Internet: http://www.conticoal.com

Glencore Xstrata SA

P.O. Box 1146, Johannesburg 2000

Tel.: 0027 11/772 06 00

E-Mail: bmolapo@xstrata.co.za, Internet: http://www.xstratacoal.com

Exxaro Resources

P.O. Box 9229, Pretoria 0001

Tel.: 0027 12/307 50 00 Fax: -323 34 00

E-Mail: mzila.mthenjane@exxaro.com, Internet: http://www.exxaro.com

Xceed

Tel.: 0027 13/282 00 84, Fax: -282 93 20

(He.St.)

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Südafrika Transport und Verkehr, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Kohle, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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