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14.02.2018

Südchinas Metropolen ziehen mit Hongkong gleich

Shenzhen und Guangzhou mit hoher Wirtschaftskraft / Region wächst wirtschaftlich und verkehrstechnisch zusammen / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Die südchinesischen Städte Guangzhou und Shenzhen verkündeten Anfang 2018 stolz, dass ihre Wirtschaftsleistungen mit der des wohlhabenden Hongkongs gleichgezogen haben. Bis ihre Pro-Kopf-Einkommen aber das Niveau der Sonderverwaltungsregion (SVR) erreichen, dürfte noch einige Zeit verstreichen. Die Regierung in Beijing strebt derweil eine stärkere wirtschaftliche Verflechtung in der Region an. Große Infrastrukturprojekte flankieren die Strategie.

Die Stadt Shenzhen nördlich der Grenze zu Hongkong war vor 40 Jahren ein unbedeutendes Fischerdorf. Doch dann wurde sie zur Sonderwirtschaftszone ausgebaut und zog viele Milliarden US-Dollar (US$) an Investitionen aus der damals noch britischen Kolonie, aber auch aus Taiwan, Korea (Rep.) und Japan an. Seit 1997 ist Hongkong wieder Teil Chinas und Shenzhen hat sich aus seiner Rolle als verlängerte Werkbank emanzipiert.

Heute versteht sich die Stadt als Hightech-Metropole Chinas. Sie beherbergt bekannte Firmen wie den Batterie- und Autohersteller BYD oder den Elektronikriesen Huawei. Laut der Shenzhen Special Zone Daily beliefen sich die Ausgaben für Forschungs- und Entwicklung der Grenzmetropole 2017 auf 4,1 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Shenzhen übertraf beim BIP 2017 Hongkong

Besonders stolz konnte die Zeitung Mitte Januar 2018 folgende Nachrichten verkünden: Die Wirtschaftsleistung der Stadt stieg 2017 um real fast 9 Prozent auf knapp 340 Milliarden US$. Damit habe man mit Hongkong gleichgezogen. Die SVR hatte ihre Daten für 2017 zwar noch gar nicht veröffentlicht. Doch 2016 lag ihr BIP bei rund 320 Milliarden US$. Bei einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent und einer Inflation von 1,5 Prozent dürfte das Bruttoinlandsprodukt der ehemaligen britischen Kolonie sogar ganz knapp unterhalb desjenigen Shenzhens liegen.

Eine weitere Nachricht erfüllte die Regierung der Provinz Guangdong, in der auch Shenzhen liegt, mit Freude: Ihre Hauptstadt Guangzhou - besser bekannt und auszusprechen unter ihrem ehemaligen Namen Kanton - konnte 2017 ebenfalls (fast komplett) zu Hongkong aufschließen. Ihre Wirtschaft wuchs um real 7 Prozent auf umgerechnet knapp 320 Milliarden US$.

Guangzhou hat in jüngster Vergangenheit einen besonders rasanten Wandel vollzogen. Noch vor 15 Jahren wurde die Metropole als Wilder Westen Chinas bezeichnet. Eine hohe Kriminalitätsrate gepaart mit schmutzigen Straßen und verpesteter Luft prägten das Stadtbild. Es gab kein einziges Hotel mit (westlichem) Fünf-Sterne-Standard. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder musste bei seinem Besuch 2004 im etwas heruntergekommenen "White Swan Hotel" absteigen.

Guangzhou hat sich gemausert

Doch seitdem eröffneten Dutzende von ausländischen Luxushotels ihre Pforten. Mit Hilfe eines engen Netzes von Überwachungskameras bekamen die Behörden zudem das Kriminalitätsproblem in den Griff. Da viele Fabriken in den letzten Jahren ins Hinterland zogen, verbesserte sich auch die Luftqualität spürbar. Die Stadt biete heute, so berichten Expatriates, echte Lebensqualität.

Dennoch bleibt in den südchinesischen Metropolen in Sachen Lebensstandard ein gehöriger Abstand zu Hongkong. Das BIP pro Kopf in Shenzhen belief sich 2017 laut dem städtischen Statistikamt zwar auf rund 27.000 US$. Guangzhou kam auf einen entsprechenden Wert von immerhin 21.000 US$. Doch Hongkong bleibt mit seinen schätzungsweise über 46.000 US$ eine der wohlhabendsten Metropolen in ganz Asien.

All diese Kennzahlen sagen noch wenig über die Wettbewerbsfähigkeit aus. Hongkong bietet im direkten Vergleich mit Guangzhou oder Shenzhen eine Vielzahl von Standortvorteilen und landet in internationalen Rankings stets auf den vordersten Plätzen. Die Stadt zieht dadurch zahlreiche ausländische Fachkräfte an. Laut der South China Morning Post lebten 2016 rund 570.000 Ausländer in der SVR. Das kam im Vergleich zur Gesamtbevölkerung einem Wert von 7,8 Prozent gleich. Guangzhou zählte hingegen (2014) weniger als 50.000 Einwohner ausländischen Ursprung und erreichte damit eine entsprechende Quote von 0,4 Prozent.

Allerdings sollte man die Konkurrenz zwischen Hongkong und den benachbarten festlandschinesischen Metropolen auch nicht überbewerten. Südchina und Hongkong bilden bereits jetzt so etwas wie eine wirtschaftliche Einheit, wobei sich jede Stadt auf unterschiedliche Branchen konzentriert. Die SVR erbringt vor allem Finanz- und Handelsdienstleistungen, Shenzhen produziert Hightech-Produkte und in Guangzhou (mit der angrenzenden Stadt Foshan) spielt die Automobilindustrie eine gewichtige Rolle.

Beijing forciert die "Greater Bay Area"

Die Region dürfte zudem weiter zusammenwachsen. So möchte die Regierung in Beijing im Rahmen der Strategie der "Greater Bay Area", dass die südchinesischen Städte sowie Hongkong und Macau stärker miteinander und untereinander kooperieren. Kritiker bemängeln allerdings, dass es sich bei dem Konzept um alten Wein (früher sprach man vom Perlflussdelta) in neuen Schläuchen handele.

Laut Einschätzung der Unternehmensberatung Dezan Shira and Associates biete die neue Strategie zwar inhaltlich keine großen Neuerungen. Dafür aber habe sie qualitativ mehr Gewicht, da sie erstmals von der Zentralregierung (und nicht wie beim Perlflussdeltakonzept von der Provinzregierung Guangdongs) gepusht werde.

Flankiert wird die neue Politik von großen Infrastrukturprojekten. Eine gut 30 Kilometer lange Brücke zwischen Hongkong und Macau (sowie der angrenzenden Stadt Zhuhai) wird 2018 in Betrieb gehen. Im selben Jahr eröffnet die Hochgeschwindigkeitszugstrecke zwischen der SVR und Guangzhou. Eine weitere Brücke zwischen Shenzhen und Zhongshan befindet sich im Bau. Sie soll 2023/24 fertiggestellt werden.

(R.R.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Hongkong können Sie unter http://www.gtai.de/hongkong abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Hongkong, SVR, China Regionalstruktur, Urbanisierung, Stadtentwicklung

Kontakt

Bernhard Schaaf

‎+49 228 24 993 349

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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