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20.12.2017

Südkorea will Feinstaubbelastung um 30 Prozent reduzieren

Ehrgeizige Zielsetzung bis 2022 / Kohlekraftwerke werden umgerüstet, erneuerbare Energien ausgebaut / Von Alexander Hirschle

Seoul (GTAI) - Die südkoreanische Regierung will den Kampf gegen die zuletzt stark gestiegene Feinstaubbelastung intensivieren. Ende September 2017 kündigten die Verantwortlichen in Seoul ein Maßnahmenpaket mit dem ehrgeizigen Ziel an, die Belastung bis 2022 um 30 Prozent im Vergleich mit dem derzeitigen Niveau zu reduzieren. Um dies zu erreichen, sollen alte Kohlekraftwerke ausrangiert und der Dialog mit China intensiviert werden. Ebenso ist geplant, stärker auf erneuerbare Energien zu setzen.

Die Regierung will bei der Bekämpfung der Luftverschmutzung neue Wege gehen. Bisher habe es zwar verschiedene Einzelmaßnahmen gegeben - allerdings seien diese sporadisch erfolgt und nicht abgestimmt gewesen, so die Stimmen. Durch den neuen umfassenden Ansatz soll das ambitionierte Ziel einer Reduktion von mehr als 30 Prozent bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Moon Jae-in im Jahr 2022 erreicht werden. Gemäß dem neuen Plan soll die stärkste Reduzierung mit mehr als 40 Prozent im industriellen Sektor realisiert werden.

Bei einer erfolgreichen Umsetzung der nun veröffentlichten Maßnahmen soll die Zahl der Tage, an denen der Particulate Matter-Wert (PM) eine höhere Belastung als 50 Mikrometer pro Kubikmeter und damit eine schlechte Luftqualität aufweist, von 258 im Jahr 2016 bis 2022 auf nur noch 78 nach unten geschraubt werden. Auch soll der durchschnittliche PM-Wert in Seoul im gleichen Zeitraum von 26 auf nur noch 18 Mikrometer gedrückt werden. Der Vergleichswert in Tokyo lag 2016 bei knapp 14 Mikrometern.

Grenzwerte sollen herabgesetzt werden

Die Regierung will auch die Grenzwerte für PM-2,5-Emissionen, die als teilweise gesundheitsgefährdend gelten, von 50 auf 35 Mikrometer pro Kubikmeter herabsetzen. Darüber hinaus soll das Thema Luftverschmutzung eine größere Rolle im Dialog mit der chinesischen Regierung einnehmen. Experten teilen die Meinung, dass eine engere Kooperation mit China von entscheidender Bedeutung für die Luftqualität in Südkorea ist. Schätzungen zufolge stammen knapp 50 Prozent der Emissionen aus Drittländern und dabei vor allem aus dem "Reich der Mitte".

In Seoul und der umliegenden Provinz Gyeonggi-do waren im Jahr 2014 offiziellen Angaben zufolge Dieselfahrzeuge mit einem Anteil von 23 Prozent der größte Verursacher von Luftverschmutzung, gefolgt von Baumaschinen mit 16 Prozent und Fabriken mit 14 Prozent. Landesweit war die industrielle Produktion wiederum mit einem Anteil von 38 Prozent die größte Emissionsquelle, gefolgt von Baumaschinen mit 16 Prozent und Kraftwerken mit 15 Prozent.

Feinstaubemissionen und geplante Reduzierung auf Sektorenebene (in Tonnen, Anteil und Reduzierung in Prozent)
Sektor Ausstoß 2014 Anteil 2014 Ausstoßziel 2022 Anteil 2022 Reduzierung 2022/2014
.Industrie 123.284 38,0 70.493 31,9 42,8
.Transport 90.361 27,9 61.377 27,8 32,1
.Haushalte 61.114 18,9 52.127 23,6 14,7
.Energie 49.350 15,2 36.839 16,7 25,4
Insgesamt 324.109 100,0 220.836 100,0 31,9

Quelle: Südkoreanisches Umweltministerium

Alte Kohlekraftwerke werden ausrangiert

Als wichtigste Maßnahme zur Reduzierung der Emissionen beschloss die Regierung, sieben Kohlekraftwerke mit einer Einsatzzeit von mehr als 30 Jahren bis 2022 zu schließen. Bereits im Juni 2017 waren diese temporär abgeschaltet worden als kurzfristige Maßnahme gegen die starke Feinstaubbelastung im 1. Halbjahr. Bis 2022 soll diese Maßnahme jeweils im Zeitraum März bis Juni mit der Abschaltung von fünf Kraftwerken wiederholt werden.

Von den neun Kohlekraftwerken, die sich derzeit im Bau befinden, sollen vier Projekte, in LNG-Kraftwerke (Liquefied Natural Gas, Flüssigerdgas) umgerüstet werden. Die restlichen fünf sollen als Kohlekraftwerke in Betrieb gehen. Allerdings will die Regierung bei diesen eine deutlich schärfere Überwachung der Emissionen vornehmen. Neue Kohlekraftwerke werden nach Angaben des Umweltministeriums nicht mehr geplant. Derzeit tragen Kohlekraftwerke mehr als 40 Prozent zum Strommix bei.

Als weiteres Ziel wurde ausgegeben, fast 80 Prozent der 2,9 Millionen alten Diesel-Kfz, die vor 2005 produziert wurden, bis 2022 aus dem Verkehr zu ziehen. Unter diese Maßnahme fallen auch die meisten alten Schulbusse. Die Regierung will finanzielle Unterstützung für die Umrüstung von 2.600 Bussen bis 2018 zur Verfügung stellen. Gleichzeitig soll die Nutzung von Elektro- und Hybridfahrzeugen intensiviert werden.

Als Zielsetzung wurde ausgegeben, bis 2022 etwa 2 Millionen umweltfreundliche Kfz auf Südkoreas Straßen zu haben. Ende 2016 belief sich deren Zahl auf 244.000, davon knapp 11.000 elektrische Fahrzeuge. Um die Zielsetzung erreichen zu können, sollen 10.000 Ladestationen an Autobahnen, Wohnblöcken und Einkaufszentren installiert werden. Als weitere Maßnahme sollen bei 310.000 älteren Baumaschinen bis 2022 die Motoren ausgetauscht und durch umweltfreundlichere Modelle ersetzt werden.

Seoul wird "Solarcity"

Um die Stromversorgung Südkoreas weiter auf einem stabilen Niveau zu halten, soll die Nutzung erneuerbarer Energien massiv nach oben geschraubt werden. So ist geplant, deren Anteil bis 2030 auf 20 Prozent auszuweiten - von 6,4 Prozent im Jahr 2015. Dabei ist die Definition von alternativen Stromquellen jedoch weiter gefasst als in Deutschland.

Ende November 2017 veröffentlichte die Stadtregierung von Seoul den "2022 Solarcity Plan" zur Förderung der Solarenergie; Ziel ist, innerhalb von vier Jahren eine Million Haushalte mit Solarpanelen auszustatten. Zu diesem Zweck sollen rund 1,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben werden, die in 59 Einzelprojekte fließen.

Für die Installierung der Anlagen sollen Subventionen von bis zu 75 Prozent des Anschaffungspreises gewährt werden. Für neue Wohnungen, die von öffentlichen Firmen gebaut werden, werden Solaranlagen verpflichtend. Mit Hilfe dieser Maßnahmen soll der Ausstoß von Treibhausgasen um 540.000 Tonnen reduziert werden.

Darüber hinaus sollen bestimmte Regionen der Hauptstadt als "solarfreundlich" gekennzeichnet werden. So ist geplant, eine Straße in der Nähe des Gwanghwamun-Platzes in "Solar Street" umzubenennen und dort sämtlich Lichter, Parkbänke und auch Mülleimer mit Solarmodulen auszustatten. Darüber hinaus sollen die Gwangjin-Brücke und der World Cup Park mit Solarmodulen umweltfreundlich gestaltet werden. Ebenso ist der Aufbau von fünf Supportzentren in verschiedenen Stadtteilen von Seoul anvisiert, die als "One-Stop-Shops" Hilfestellung bei der Installierung und Reparatur von Fotovoltaikanlagen geben können.

Große Solarprojekte geplant

Derweil plant die Korea Rural Community Corporation ab 2019 in Dangjin in der Provinz Chungcheong den Bau der weltweit größten schwimmenden Solaranlage. Die Anlage mit 80 Megawatt soll 2020 den Betrieb aufnehmen und wird eine Fläche von fast 170 Fußballfeldern umfassen. Auf diese Weise sollen 140.000 Menschen mit Strom versorgt werden können. Ein Konsortium aus den Firmen Hanwha General Chemical und Korea Midland Power wurde Anfang November 2017 als "Preferred Bidder" für den Bau der Solaranlage ausgewählt.

Südkoreanische Firmen weiten auch ihre Aktivitäten auf dem Markt für erneuerbare Energien in Drittländern aus. So veröffentlicht das Unternehmen Hanwha Energy Anfang Dezember 2017 die Meldung, dass es den Zuschlag für den Bau eines Solarprojekts in Malaysia erhalten habe. Das Vorhaben soll auf BOO-Basis (Build-Own-Operate) durchgeführt werden. Die Anlage wird im Nordwesten des Landes errichtet werden und über eine Kapazität von 48 Megawatt verfügen. Der Bau soll im Juli 2019 starten, mit der Produktion von Strom im Oktober 2020 begonnen werden.

(A.H)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Südkorea können Sie unter http://www.gtai.de/korea abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Südkorea Umweltschutz Luft, Klimaschutz

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