Suche

17.05.2018

Südkoreanische Smartphones verlieren Weltmarktanteile

Produktion wird zunehmend ausgelagert / 5G mit hohen Wachstumsraten / Von Alexander Hirschle

Seoul (GTAI) - Die südkoreanischen Smartphoneproduzenten sehen sich großen Herausforderungen gegenüber: International müssen sie mit rückläufigen Marktanteilen kämpfen; die Branchenexporte gingen in den vergangenen Jahren zurück. Vor allem die Konkurrenz aus China macht den Herstellern zu schaffen. Auch werden die Kapazitäten zunehmend aus Südkorea in kostengünstigere Länder ausgelagert. Aus diesem Grund ist die Branche auf der Suche nach neuen Wachstumsmotoren wie OLED und 5G.

Die südkoreanischen Hersteller von Smartphones wie Samsung Electronics und LG haben mit sinkenden Marktanteilen zu kämpfen. Während die Produzenten aus dem "Land der Morgenstille" 2015 noch 22,2 Prozent aller weltweit verkauften Geräte auf sich vereinen konnten, sank der Anteil bis 2017 auf 19,9 Prozent. Im Jahr 2018 soll er gemäß Prognosen des Instituts Strategy Analytics in der lokalen Presse weiter auf 19,5 Prozent abnehmen. Im Gegenzug dürfte sich der Anteil chinesischer Produzenten stark auf 18,4 Prozent im Jahr 2018 erhöhen.

Entwicklung der Anteile am Weltmarkt für Smartphones nach maßgeblichen Ländern (in Prozent)
Jahr Südkorea China USA (Apple)
2015 22,2 10,5 16,1
2016 20,8 14,4 14,5
2017 19,9 17,8 14,5
2018 *) 19,5 18,4 14,1

*) Schätzung

Quelle: Strategy Analytics

Hohe Marktanteilsverluste in China

Besonders dramatisch war der Rückgang im "Reich der Mitte". Dort fiel der Marktanteil südkoreanischer Smartphones von knapp 20 Prozent im Jahr 2013 auf nur noch 1,7 Prozent im 4. Quartal 2017. Im Gegenzug konnten Hersteller aus China wie Huawei, Oppo und Vivo ihre Anteile im gleichen Zeitraum auf knapp 50 Prozent mehr als verdoppeln.

Die Ausfuhren sanken 2016 nach Angaben des Ministeriums Motie (Ministry for Trade, Industry and Energy) um 9,0 Prozent, im Folgejahr sogar um 25,1 Prozent auf 21,6 Milliarden US-Dollar (US$). Damit zeichnete die Sparte nur noch für 3,9 Prozent aller Exporte Südkoreas verantwortlich, nachdem der Vergleichswert 2016 bei 6,0 Prozent gelegen hatte. Im 1. Quartal 2018 setzte sich die Talfahrt mit einem Minus der Branchenausfuhren von knapp 16 Prozent nahtlos fort.

Nach Einschätzung des renommierten Instituts HRI (Hyundai Research Institute) wird die Smartphoneindustrie Südkoreas künftig kaum mehr in der Lage sein, als Kernsektor das Wachstum des Landes anzukurbeln. Dies sei gemäß dem im April 2018 in der lokalen Presse veröffentlichten Report "Crisis in South Korea's Main Industries and Solutions" zum einen auf die sinkenden Weltmarktanteile, zum anderen auf die zunehmende Auslagerung der Produktion zurückzuführen.

Massiver Auslagerungstrend seit 2010

Der Anteil der Outputmenge aller von südkoreanischen Firmen im Ausland hergestellten Smartphones erhöhte sich drastisch von 15,9 Prozent im Jahr 2010 auf 91,3 Prozent im Jahr 2017. Zwar ist auch in anderen Sektoren wie der Kfz-Branche eine Tendenz in Richtung Verlagerung der Produktion in andere Länder zu konstatieren, allerdings nicht mit einer derart hohen Dynamik wie im Smartphonesegment. Aus diesem Grund sei zu befürchten, dass auch die Teile- und Zulieferindustrie diesem Trend folgen und ihre Standorte in Drittländer verlagern wird, so die Studie.

Nach Einschätzung von HRI sind auch in der Displayindustrie Anzeichen für eine nachlassende Dynamik zu registrieren. So seien die Ausfuhren von Flüssigkristallanzeigen (Liquid Crystal Display, LCD) zwischen 2010 und 2017 von 32,2 Milliarden US$ auf nur noch 19,1 Milliarden US$ um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Als Gründe wurden unter anderem die sinkenden Preise für LCD wie auch der deutlich verschärfte internationale Wettbewerb genannt.

Zumindest haben es südkoreanische Firmen geschafft, sich sehr stark im OLED-Segment (Organic Light-emitting Diode; organische Leuchtdiode) zu positionieren und einen Wettbewerbsvorteil vor den Konkurrenten herauszuarbeiten. Die Branchenexporte hätten sich in den vergangenen Jahren von niedriger Basis aus stark erhöht. Allerdings wird China auch hier nachziehen und plant hohe Investitionen. Übergreifend sollen die Exporte und Binnenverkäufe von Displays gemäß der Prognosen des Instituts KIET (Korea Institute for Industrial Economics and Trade) 2018 zumindest um rund 2 Prozent zulegen, während die Produktion um 2,2 Prozent sinken soll.

5G-Versteigerung auf Juni 2018 vorverlegt

Angesichts der rückläufigen Dynamik in der südkoreanischen Smartphoneindustrie setzt die Branche auf Zukunftstechnologien wie 5G. Diese hat im Rahmen der Olympischen Winterspiele im Februar 2018 in Pyeongchang ihren ersten Testlauf bestanden. Die Regierung hat nun die geplante Versteigerung der 5G-Lizenzen um ein Jahr vorgezogen. Der ursprüngliche Termin war für das 1. Halbjahr 2019 anvisiert, jetzt soll die Auktion bereits am 15. Juni 2018 über die Bühne gehen.

In der Versteigerung werden 280 Megahertz der 3,5- und 2.400 Megahertz der 28-Gigahertz-Frequenzbänder unter den Hammer kommen. Mittels des 5G-Netzwerks können die Datenübertragungsgeschwindigkeiten im Vergleich zum bisher genutzten LTE-Netz um den Faktor 50 beschleunigt werden. Allerdings werden auch gigantische Investitionen in den Aufbau der entsprechenden Infrastruktur erforderlich sein: In den Medien kursieren Zahlen in einer Größenordnung von 9 Milliarden US$.

Starke Marktexpansion bis 2025 erwartet

Pressemeldungen zufolge will KT aggressiv in den neuen Markt einsteigen, um im März 2019 als erstes Unternehmen 5G-Dienste anbieten zu können. Damit würde sich der größte Festnetzbetreiber Südkoreas die Pole-Position im Rennen um den lukrativen Markt sichern, der schon 2020 knapp 3 Milliarden US$ Umsatz erreichen soll. Bis 2025 wird das 5G-Segment nach Schätzungen des zu KT gehörenden Forschungsinstituts Digieco um das zehnfache auf 31 Milliarden US$ massiv expandieren. Dieses rapide Wachstum wird sich auch auf zahlreiche andere Segmente auswirken wie etwa Smart Homes, Smart Factories und selbstfahrende Fahrzeuge - wovon auch ausländische Lieferanten profitieren dürften.

IuK-Sektor wächst moderat

Der Markt für Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) in Südkorea ist sehr breit gefächert und umfasst Sektoren mit abnehmender Dynamik wie die Smartphoneindustrie einerseits sowie Zukunftssegmente wie 5G oder die Digitalisierung von Fabriken, Städten oder Häusern andererseits. Unter dem Strich bleibt ein solides Wachstum, das sich in etwa im Gleichschritt mit der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts bewegt.

So soll nach Einschätzung von KIET der südkoreanische IuK-Binnenmarkt 2018 leicht überdurchschnittlich um 4,3 Prozent zulegen, die Importe um 5,7 Prozent. Das Wachstum der Produktion fällt mit 2,3 Prozent ebenso wie das der Branchenexporte mit 3,2 Prozent etwas schwächer aus. Im Jahr 2017 belief sich nach Angaben des Motie der gesamte Output von IuK in Südkorea auf 414,1 Milliarden US$, was einer Steigerung von 8,7 Prozent entsprach. In den beiden Vorjahren hatte der Sektor noch rückläufige Raten verzeichnen müssen.

Produktion von IuK in Südkorea (in Milliarden US$, Veränderung in Prozent)
Segment 2016 2017 Veränd. 17/16 *)
.Ausrüstungen für IuK 266,2 301,7 10,4
..Elektronische Teile (inklusive Halbleiter) 154,8 189,3 19,1
..Kommunikations- und Übertragungstechnik 44,5 41,1 -10,1
.IuK- und Übertragungsdienstleistungen 62,6 65,9 2,5
.Software 42,5 46,5 6,7
Insgesamt 371,3 414,1 8,7

*) auf Won-Basis; Abweichungen aufgrund von Umrechnung in Fremdwährung zum jeweiligem Jahresdurchschnittskurs

Quelle: Ministry of Science and ICT

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Südkorea können Sie unter http://www.gtai.de/korea abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Südkorea Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

Kontakt

Oliver Höflinger

‎+49 30 200 099 327

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche