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29.09.2017

Südkoreas Pharmamarkt legte 2016 zweistellig zu

Alternde Bevölkerung sorgt für Nachfrage / Forschung wird intensiviert / Von Alexander Hirschle

Seoul (GTAI) - Der südkoreanische Markt für Arzneimittel expandierte nach relativ durchwachsenen Vorjahren 2016 stark. Auch die Produktion von Medikamenten konnte deutlich ausgeweitet werden. Branchenexperten gehen von einer Fortsetzung des Trends in den Folgejahren aus, zumal die Bevölkerung in Südkorea rapide altert. Die lokalen Firmen legen zunehmend mehr Wert auf Forschung und Entwicklung. Darüber hinaus gilt Südkorea als hervorragender Markt für klinische Studien.

Nach einer schwachen Entwicklung in den Vorjahren konnte der südkoreanische Markt für Arzneimittel 2016 wieder deutlich um 12,9 Prozent zulegen. Zuvor waren die Branchenabsätze seit 2012 auf der Stelle getreten; 2015 sind sie sogar leicht zurückgegangen. Ausländische Firmen zeichnen für etwa 30 Prozent des Branchenumsatzes verantwortlich. Nach Schätzungen von Branchenvertretern soll sich der Markt bis 2020 weiter auf mindestens 20 Milliarden US-Dollar (US$) erhöhen.

Auch die Produktion von Arzneimitteln in Südkorea stieg 2016 zweistellig um 10,8 Prozent auf 17,7 Milliarden US$. Der Pharmasektor zeichnet für 1,2 Prozent der Produktion der gesamten Industrie Südkoreas verantwortlich.

Entwicklung des südkoreanischen Medizinmarktes (in Milliarden US$, Veränderung in Prozent) *)
2014 2015 2016 Veränd. 2016/2015
Marktvolumen 18,2 18,1 20,4 12,9
Importe 5,2 5,0 5,6 13,8
Produktion 15,4 16,0 17,7 10,8
Exporte 2,4 3,0 3,1 5,9

*) Umrechnung: 1 US$ = 1.064 Won (2014); 1.143 Won (2015); 1.173 Won (2016)

Quelle: MFDS (Ministry of Food and Drug Safety)

Zahl der Hersteller rückläufig

Die Zahl der Hersteller ging 2016 um 1,6 Prozent auf 542 zurück. Im Vergleich zu 2012 verringerte sich die Zahl der Produzenten sogar um mehr als 11 Prozent. Die Anzahl der Produkte belief sich 2016 auf 26.397, entsprechend einem Zuwachs von 2 Prozent. Im Vergleich zu 2012 ging die Zahl der Erzeugnisse aber um mehr als 4 Prozent zurück. Firmenvertreter gehen davon aus, dass die Abnahme auf eine Konsolidierung kleinerer Generikahersteller zurückzuführen ist.

Die größten südkoreanischen Medikamentenhersteller im Jahr 2016 waren Hanmi, Chong Kun Dang, Daewoong und Green Cross. Medienberichten zufolge wollen mehrere südkoreanische Firmen in den kommenden Monaten eine ganze Reihe neuer Medikamente lancieren, die einen erheblichen Einfluss auf die Marktstruktur haben sollen.

Ausgewählte südkoreanische Hersteller von Medikamenten 2016 (in Millionen US$, Anteil und Veränderung in %)
Hersteller Produktion 1) Anteil Veränd. 2016/2015 2)
.Hanmi 601 3,8 14,7
.Chong Kun Dang 584 3,7 13,8
.Daewoong 509 3,2 3,0
.Green Cross 491 3,1 3,0
.Dong-A ST 463 2,9 6,5
Insgesamt 15.858 100,0 9,6

1) Umrechnung: 1 US$ = 1.173 Won (2016); 2) auf Won-Basis

Quelle: MFDS

Andere südkoreanische Firmen setzen Presseberichten zufolge auf Kooperationen mit Unternehmen aus muslimischen Ländern, um den expandierenden Markt für Halal-Medikamente in Zukunft intensiver bearbeiten zu können. Weitere Impulse erhofft sich der Sektor durch die Ausweitung des Medizintourismus, der in den vergangenen Jahren hohe Wachstumsraten aufweisen konnte.

Der Anteil verschreibungspflichtiger Medikamente an der Gesamtzahl der in Südkorea hergestellten Medikamente lag 2016 bei 49 Prozent, der von rezeptfreien Arzneimitteln bei 19,2 Prozent. Gemessen am Produktionswert lag der Vergleichswert für rezeptpflichtige Medikamente mit 72,6 Prozent sogar noch deutlich höher. Rezeptfreie Medikamente kamen auf einen niedrigeren Anteil von 14,2 Prozent am gesamten Output in Landeswährung. Der Rest entfällt auf Vorprodukte und traditionelle chinesische Medizin.

Schon heute gilt die Verschreibungsdichte für Medikamente mit 3,8 Arzneimitteln pro Besuch als sehr hoch im internationalen Vergleich. Branchenvertreter erklären dies mit einer hohen Diagnoserate, da in Südkorea kein Konzept analog zum deutschen Hausarzt vorhanden sei. Auch gelte das Verschreiben von Medikamenten als wichtiges Qualitätskriterium der Ärzte. Als Negativpunkt für Branchenfirmen gilt, dass die Preisstruktur für Medikamente sehr niedrig ist und nur 44 Prozent des OECD-Durschnitts erreicht.

Forschung wird ausgebaut

Die Regierung versucht auch die Medikamentenforschung und -entwicklung anzukurbeln, wobei vor allem der Sektor Biopharmazeutika im Vordergrund steht. Die Forschungslandschaft im Bereich Gesundheitswesen wird von Branchenvertretern allgemein und insbesondere im Bereich Biosimilars als effizient, schnell in der Umsetzung und qualitativ hochwertig beschrieben.

Allerdings wird von internationalen Marktteilnehmern eine de facto-Bevorzugung lokaler Firmen bei der Förderung kritisiert. Denn es wird bei einer Neuzulassung eines Medikaments nur dann ein höherer Preis garantiert, wenn selbige in Südkorea erfolgt. Da ausländische Firmen im Regelfall ihre Produkte zunächst im Heimatmarkt erstmalig zulassen, entfällt für sie diese Option.

Südkorea hat sich als eine der globalen Spitzennationen bei klinischen Studien etabliert, vor allem aufgrund starker staatlicher Förderung, aber auch umfangreichen Investitionen internationaler Firmen. Im Frühjahr 2017 liefen 25 Studien für Biosimilars in Südkorea, zwölf davon wurden von ausländischen Branchenfirmen durchgeführt. Vertreter internationaler Branchenfirmen sprechen von einem hervorragenden Image und einer sehr hohen Qualität Südkoreas als Markt für klinische Studien.

Neue Regierung will staatliche Leistungen ausbauen

Der Großteil der südkoreanischen Bevölkerung ist über die staatliche Krankenversicherung NHI (National Health Insurance) abgedeckt. Diese wird von Branchenexperten im internationalen Vergleich als hochwertig eingestuft und vom Ministry of Health and Welfare (MOHW) verwaltet. Weitere Impulse könnten von der neuen Regierung kommen, die im Mai 2017 gewählt wurde und Akzente auch im Gesundheitssystem setzen will.

So soll ein neues, noch vom Parlament zu verabschiedendes Programm mit Namen "Mooncare" (in Anlehnung an den neuen Präsidenten Moon Jae-in) den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen deutlich nach oben schrauben. Dafür sollen bis 2022 rund 26 Milliarden US$ zur Verfügung gestellt werden. Insbesondere einkommensschwache Familien und Personen, die bisher keinen Versicherungsschutz genossen, sollen davon profitieren. Kritiker stellen aber auch die Frage nach der langfristigen Finanzierbarkeit der geplanten Maßnahmen.

Alterung und Singlehaushalte sorgen für Nachfrageverschiebungen

Auch sei die Altersversorgung nicht gut aufgestellt. So gibt es deutlich weniger Pflegeheimplätze als etwa in Deutschland, da die Betreuung der älteren Generation bisher meist im Familienumfeld erfolgte. Doch dies wird sich künftig ändern, so dass in diesem Bereich neue Potenziale aufkeimen dürften - vor allem, da auch die Zahl der Singlehaushalte in Südkorea rapide zunimmt.

Die niedrige Fruchtbarkeitsrate - mit 1,17 im Jahr 2016 die niedrigste im OECD-Kontext - gepaart mit einer steigenden Lebenserwartung wird darüber hinaus nach einer zunehmenden Nachfrage nach Behandlungen und Medikamenten für ältere Menschen führen. Südkorea dürfte bis 2050 eines der Länder sein, das weltweit die älteste Bevölkerung aufweist. Aus diesem Grund dürften chronische Krankheiten wie Diabetes, Arthritis, Herz-Kreislauferkrankungen sowie Bluthochdruck künftig an Häufigkeit zunehmen.

(A.H.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Südkorea können Sie unter http://www.gtai.de/korea abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Südkorea Arzneimittel, Diagnostika

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