Suche

05.03.2018

Südkoreas Schiffbau mit steigenden Auftragseingängen

Global wieder auf dem zweiten Platz vor Japan / Perspektiven dennoch durchwachsen / Von Alexander Hirschle

Seoul (GTAI) - Die südkoreanische Schiffbauindustrie hofft, 2018 wieder auf einen moderaten Erholungskurs einzubiegen. Nach einem katastrophalen Jahr 2016 konnten die Auftragseingänge der lokalen Branchenfirmen 2017 wieder deutlich zulegen. Im internationalen Ranking konnte der zweite Platz von den japanischen Wettbewerbern zurückerobert werden. Trotz weiterer Erfolgsmeldungen zu Jahresbeginn 2018 sind die Perspektiven nicht nur positiv. Kritiker mahnen nach wie vor Restrukturierungen an.

Nach einem verheerenden Jahr 2016 gab es 2017 wieder erste Hoffnungsschimmer bei den südkoreanischen Schiffbauern: Die eingegangenen Aufträge stiegen nach Angaben des Marktforschungsinstituts Clarkson Research in der lokalen Presse mengenmäßig um 198,6 Prozent auf 6,5 Millionen Compensated Gross Tonnage (CGT) beziehungsweise 176 Einheiten. Allerdings ist bei diesem enormen Zuwachs zu berücksichtigen, dass 2016 ein massiver Einbruch von mehr als 80 Prozent hatte verbucht werden müssen. Die Branche ist somit noch immer weit von den Zahlen der besseren Jahre entfernt.

Südkorea wieder auf Rang zwei im globalen Ranking

Dennoch gibt es weitere positive Aspekte zu registrieren. So lag Südkorea 2017 im globalen Vergleich an zweiter Stelle und wurde nur von der chinesischen Konkurrenz übertroffen, die Aufträge von 9,2 Millionen CGT beziehungsweise 426 Schiffen verbuchen konnte. Die Bestellungen im "Reich der Mitte" stiegen mit einem Plus von mengenmäßig 86 Prozent ebenfalls deutlich an.

An dritter Stelle rangierte 2017 Japan mit Auftragseingängen von 2,0 Millionen CGT beziehungsweise 98 Einheiten, was wiederum nur einem Wachstum von 13,7 Prozent entsprach. Noch 2016 war Südkorea nach zwei Dekaden, in denen Hersteller aus dem "Land der Morgenstille" den Sektor dominierten, hinter Japan und China auf Rang drei zurückgefallen.

Obwohl chinesische Branchenfirmen 2017 bei den mengenmäßigen Auftragseingängen die Nase um fast 50 Prozent vor ihren südkoreanischen Pendants hatten, fiel der Vorsprung wertmäßig deutlich geringer aus. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Südkorea einen größeren Anteil von Schiffen mit hohem Mehrwert in seiner Produktpalette führt. So erreichten die Auftragseingänge in China 15,5 Milliarden US-Dollar (US$) und lagen damit nur hauchdünn vor den Orders in Südkorea mit 15,3 Milliarden US$. Japan lag abgeschlagen mit 3,2 Milliarden US$ hinter den beiden Platzhirschen.

Weltweit stiegen die Schiffsorders 2017 um 78,3 Prozent auf 23,2 Millionen CGT. Der globale Auftragsbestand lag Ende 2017 bei 77,5 Millionen CGT. Der Auftragsbestand von südkoreanischen Werften erreichte 16,3 Millionen CGT, der von chinesischen Firmen 28,7 Millionen CGT.

Die Branchenproduktion war 2017 nach Angaben des Korea Institute für Industrial Economics & Trade (KIET) um 13,0 Prozent zurückgegangen. Die Importe des Schiffbausektors zeigten sogar um 25,5 Prozent nach unten. Zumindest der Binnenbedarf zog um knapp 5 Prozent an und die Exporte sogar um deutliche 21 Prozent. Am wertmäßigen Weltexport von Schiffen (SITC 793) gemessen hatte Südkorea mit 41,0 Milliarden US$ einen Anteil von 31,5 Prozent.

Ausfuhr von Schiffen nach maßgeblichen Ländern (in Milliarden US$, Anteil und Veränderung in Prozent) *)
Land Wert 2016 Anteil 2016 Veränd. 16/15 Wert 2017 Anteil 2017 Veränd. 17/16
Weltexport 124,0 100,0 -8,5 130,0 100,0 4,8
.Südkorea 33,1 26,7 -13,8 41,0 31,5 23,7
.China 22,5 18,2 -21,8 22,9 17,6 1,7
.Japan 12,9 10,4 13,0 12,3 9,4 -5,0
.Deutschland 5,6 4,6 -0,8 6,9 5,3 22,2
.Indien 3,2 2,6 -20,7 5,3 4,0 63,3

*) SITC 793

Quellen: Comtrade; ITC

Erfolgsmeldungen zu Jahresbeginn

Im Januar 2018 kursierten weitere Erfolgsmeldungen für die südkoreanische Schiffsbauindustrie. Presseberichten zufolge konnten die drei großen Branchenfirmen Hyundai Heavy Industries, Daewoo Shipbuildung & Marine Engineering (DSME) und Samsung Heavy Industries ihren Ende des Vorjahres eingeleiteten Positivtrend bei eingegangenen Aufträgen in den ersten Wochen des neuen Jahres fortsetzen.

So gewann Hyundai Heavy im Januar 2018 einen Auftrag über 14 Schiffe im Wert von 800 Millionen US$. Dies entsprach dem höchsten Auftragseingang des Unternehmens im Januar seit 2014 und einer Vervierfachung im Vergleich mit demselben Monat des Vorjahres. Bereits im vorangegangenen Dezember konnte Hyundai Heavy Aufträge für 21 Einheiten wie unter anderem LNG-Tanker und VLCC (Very Large Crude Carriers) im Wert von 1,9 Milliarden US$ vermelden.

DSME wiederum konnte Auftragseingänge von 400 Millionen US$ registrieren unter anderem für den Bau von zwei LNG-Tankern. Samsung Heavy bestätigte in der lokalen Presse Orders in einer Größenordnung von rund 900 Millionen US$ unter anderem für den Bau von acht Neopanamax-Schiffen für einen asiatischen Abnehmer.

Gemischte Perspektiven für 2018

Optimisten sehen daher einen weiteren Aufschwung für die südkoreanischen Schiffbauer am Horizont im Schlepptau der globalen Erholung des Sektors. So soll das maritime Handelsvolumen aufgrund der gesunden Weltkonjunktur steigen, was wiederum zu einer erhöhten Nachfrage nach Schiffen führen dürfte. Nach Einschätzung von Clarkson sollen die weltweiten Auftragseingänge 2018 wertmäßig um mehr als 50 Prozent zulegen.

Andere Stimmen gehen davon aus, dass sich die schwierige Phase für den südkoreanischen Schiffbau dennoch fortsetzen dürfte. So sieht KIET für die wichtigsten Kennzahlen wie Produktion und Außenhandel durch die Bank zweistellige Rückgänge für 2018 voraus. Samsung Heavy wie auch Hyundai Heavy planen im 1. Halbjahr 2018 massive Kapitalerhöhungen zur Verhinderung von Liquiditätsproblemen und Stabilisierung der finanziellen Lage.

Allerdings mahnen Kritiker an, dass der Effekt solcher Kapitalzuflüsse nur temporärer Natur sei und vielmehr eine Neuaufstellung der fundamentalen Strukturen für eine Verbesserung der Unternehmenssituation und damit die Rettung des südkoreanischen Schiffbaus erforderlich sei.

Entwicklung des südkoreanischen Schiffbaus (Veränderung in Prozent)
2016 2017 1) 2018 2) Veränd. 18/17 2) 3)
Produktion (in 1.000 CGT) 12.200 10.700 7.300 -31,8
Binnenbedarf (in 1.000 CGT) 1.050 1.100 1.050 -4,5
Import (in Mrd. US$) 3,4 2,4 2,1 -13,9
Export (in Mrd. US$) 35,4 41,5 25,0 -39,8

1) Schätzung; 2) Prognose, 3) Abweichungen durch Rundungsfehler

Quelle: Korea Institute für Industrial Economics & Trade (KIET)

Branchenfirmen kämpfen mit Umsatzrückgängen

Samsung Heavy fuhr Medieninformationen zufolge 2017 einen operativen Verlust ein, und auch 2018 soll das Unternehmen wieder im roten Bereich operieren. Die Verkäufe drohen um 35 Prozent im laufenden Jahr zurückzugehen. Nicht viel besser sieht es bei DSME aus, das einen Umsatzrückgang von 31 Prozent für 2018 erwartet. Bei Hyundai Heavy sollen die Verkäufe um 11 Prozent sinken. Gleichzeitig kommen die 2016 angegangenen Restrukturierungsprogramme angesichts zäher Verhandlungen mit den Gewerkschaften nicht im ursprünglich vorgesehenen Maße voran.

Auch Regierungsvertreter sehen weiterhin schweres Fahrwasser für die Branche voraus aufgrund von rückläufigen Auftragsbeständen, sinkenden Preisen für Schiffe bei gleichzeitig steigenden Stahlpreisen sowie einer anziehenden Landeswährung Won. Branchenexperten empfehlen den südkoreanischen Schiffbauern eine stärkere Ausrichtung auf umweltfreundliche Schiffe, die mit emissionsärmeren Treibstoffen fahren wie etwa LNG. Die Nachfrage nach solchen Schiffen dürfte angesichts der anziehenden internationalen Umweltvorschriften künftig zunehmen - so die Stimmen.

(A.H)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Südkorea können Sie unter http://www.gtai.de/korea abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Südkorea Wasserfahrzeuge

Funktionen

Kontakt

Oliver Höflinger

‎+49 30 200 099 327

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche