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08.12.2017

SWOT-Analyse - Kuba (November 2017)

Modernisierung kommt nur langsam voran / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Kuba setzt stärker auf ausländische Investitionen und eröffnet Unternehmen damit mehr Chancen auf der Karibikinsel. Das Land wird auf absehbare Zeit jedoch nicht vom sozialistischen Wirtschaftsmodell abweichen, wodurch der Handlungsspielraum beschränkt bleibt. Der Tourismus bildet sich mit steigenden Besucherzahlen immer mehr als Stärke des Landes heraus. Risiken bestehen insbesondere hinsichtlich der weiteren Verschlechterung der Beziehungen zu den USA.

Kuba ist weltweit eines der letzten verbleibenden Länder mit einem stark sozialistisch geprägten Wirtschaftsmodell. Wichtige Bereiche der Wirtschaft wie der Außenhandel, die Industrie und die Elektrizitätserzeugung sind staatlichen Institutionen und Unternehmen vorbehalten. Die resultierenden Preisverzerrungen machen einen Vergleich mit anderen Ländern der Region schwierig. In einigen Bereichen, wie dem Gesundheitssektor, ist der 11 Millionen Einwohner zählende Inselstaat führend in Lateinamerika. Auf der anderen Seite sind weite Teile der Industrie und der Infrastruktur veraltet.

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Tourismus gewinnt an Bedeutung

Kuba wird immer beliebter als Ziel ausländischer Touristen. 2017 könnte ein Rekordwert von 4,7 Millionen Personen erreicht werden. Die Regierung hat erkannt, dass sie in den Sektor investieren muss, um das Angebot über Strandurlaube hinaus zu diversifizieren und somit langfristig weiter zu fördern. Das Potenzial ist dabei bei Weitem noch nicht ausgeschöpft wie das Beispiel der Dominikanischen Republik zeigt. Das Land ist Kuba in Größe und Klima sehr ähnlich, zieht aber pro Jahr rund 8 Millionen Besucher an.

Die wachsende Bedeutung des Tourismus zeigt jedoch auch die gravierendste Schwäche Kubas: Das Land ist auf die Devisen aus dem Fremdenverkehr angewiesen, denn andere Quellen sind derzeit wenig ergiebig. Venezuela, jahrelang ein Garant für günstige Öllieferungen und wirtschaftliche Unterstützung, zieht sich aufgrund interner Probleme zunehmend zurück. Die Nickelexporte, ebenfalls ein wichtiger Devisenbringer, fallen angesichts niedriger Weltmarktpreise mager aus. Auch wenn sich die Möglichkeiten zur Refinanzierung an internationalen Finanzmärkten langsam verbessern, werden die Mittel für Auslandskäufe mittel- bis langfristig knapp bleiben.

Ausländisches Engagement eröffnet Chancen

Eine weitere Öffnung der Wirtschaft ist in dem staatlich bestimmten kubanischen System derzeit nicht absehbar, ausländische Investoren zeigen dennoch größeres Interesse an einem Engagement auf der Insel. Diese stärkere private Tätigkeit bietet derzeit die interessantesten Chancen. Zum einen fließen mehr Investitionen in die Sonderwirtschaftszone Mariel. In den meisten Fällen nehmen ausländische Firmen dort zusammen mit kubanischen Staatsunternehmen die Produktion von Waren auf, die zuvor importiert werden mussten. Zum anderen kommt die Bautätigkeit durch neue touristische Erlebnisangebote wie Freizeitparks und Golfplätze sowie durch Investitionen in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Schwung.

Bislang waren US-Firmen Teil dieses neuen privaten Engagements, beispielsweise im Hotelbereich durch die Mariott-Tochter Starwood. Seitdem US-Präsident Donald Trump die Öffnungspolitik seines Vorgängers im Juni 2017 teilweise zurücknahm, stellt eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zu den USA jedoch eines der größten Risiken die wirtschaftliche Entwicklung Kubas dar.

Neben Beschränkungen für US-Touristen gibt es neue Restriktionen für Geschäfte mit dem kubanischen Militär, das weite Teile der Wirtschaft beherrscht. Die militäreigene Gruppe GAESA ist Besitzerin des Containerterminals in Mariel sowie verschiedener Großhotels und anderer Tourismuseinrichtungen. Ob und wie sich diese Beschränkungen auf die unter Obama gelockerten Handelsregeln auswirken, ist noch nicht vollständig abzusehen.

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/kuba.

(FST)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Geschäftspraxis allgemein

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