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01.08.2017

Taiwan will Entwicklung der Biotech-Branche stärken

Verbesserung von Förderung und Umfeld / Investitionen steigen / Von Jürgen Maurer

Taipei (GTAI) - Taiwan soll ein asiatisches Biotechnologie-Zentrum werden. Dazu stellt die Regierung staatliche Förderung und Investitionsanreize zur Verfügung. Zudem passt sie die Rahmenbedingungen an, um Forschung und Entwicklung, klinische Tests und Produktion voranzubringen. Eine wichtige Basis in Form von Investitionskapital ist vorhanden. Jedoch bleibt das Land bei vielen Biotech-Erzeugnissen importabhängig, wie etwa Pharmazeutika, für die Deutschland seit 2015 der wichtigste Lieferant ist.

Taiwan setzt auf die Biotech-Industrie als eine wichtige Wachstumsbranche. Denn diese ist innovativ, kann Produkte erzeugen, die beim demographischen Wandel der Insel helfen und die zudem das Potenzial haben, hohe Exporteinnahmen zu erzielen. Dabei definiert das Land die Branche sehr umfassend und schließt biotechnologische, pharmazeutische und medizintechnische Erzeugung mit ein.

Seit Mitte der 80er Jahre hat Taiwan die Biotechnologie durch verschiedene Pläne und Steuererleichterungen staatlicherseits gefördert. Als eines der jüngsten Programme hat die Regierung im November 2016 das "Biomedical Industry Innovation Program" verabschiedet. Ziel ist, die Insel zu einem Zentrum für biomedizinische Forschung und Entwicklung in der asiatisch-pazifischen Region zu etablieren.

Konkret wird angestrebt, dass die einheimische Biotech-Branche im Jahr 2020 circa zehn neue Pharmazeutika und etwa 40 hochwertige medizintechnische Geräte entwickelt hat und auf den Markt bringt. Der Export soll sich dann auf 21,4 Mrd. US$ belaufen. In der Fünfjahresperiode bis 2025 wird das Ziel mit 20 pharmazeutischen Erzeugnissen und 80 Medizintechnikneuerungen angesetzt.

Investitionskapital vorhanden

Aufgrund der langen Forschungs- und Entwicklungszeiten ist die biomedizinische Branche sehr kapitalintensiv. Damit sich die meist relativ jungen Unternehmen Investitionsgelder für Forschung, klinische Studien und Produktionsaufbau beschaffen können, spielen sowohl die staatlichen Fördermaßnahmen als auch der private Kapitalmarkt eine Rolle.

Die privaten Investitionen erreichten 2016 knapp 50,9 Mrd. Neue Taiwan Dollar (NT$; rund 1,6 Mrd. US$; 1 US$ = 32,3 NT$ - Jahresdurchschnitt) und damit 5,0% mehr als 2015. Von staatlicher Seite hat der National Development Fund des Executive Yuan bis Ende 2016 insgesamt mehr als 10 Mrd. NT$ in 14 biotechnologische Unternehmen und 16 Biotech-Venture-Firmen investiert.

Zur Kapitalbeschaffung nutzen die Unternehmen auch den Weg über die Börsennotierung, deren Anforderungen relativ niedrig gehalten wurden. Unterstützt durch ein gutes Marktumfeld nehmen Zahl und Marktwert von Biotech-Unternehmen deutlich zu. Ende 2016 waren 105 Firmen angegeben, deren Kapitalisierung bei rund 23 Mrd. US$ lag, so Informationen des Executive Yuan. Laut Bloomberg sollen in Taiwan die meisten börsennotierten Unternehmen in Asien zu finden sein.

Rahmenbedingungen werden verbessert

Insbesondere bei der Verfügbarkeit von Venture Capital und den Rahmenbedingungen schneidet Taiwan gut ab, wie das Magazin "Scientific American" in ihrem 2016 Ranking bescheinigt. Beim biotechnologischen Innovationspotenzial hat sich die Insel um zwei Plätze auf Rang 23 unter 54 untersuchten Ländern vorgearbeitet. Deutschland stand wie im Vorjahr auf Platz zwölf.

Um das Umfeld für Biotech-Firmen weiter zu verbessern, hat die Regierung Anfang 2017 den "Act for the Development of Biotech and New Pharmaceuticals Industry" angepasst. Dadurch ist die Definition von hochriskanter Medizintechnik ausgeweitet worden. Zudem wurden angewandte biotechnologische und pharmazeutische Erzeugnisse der Produktliste zugefügt, die für Steueranreize infrage kommen.

Ebenfalls Anfang des Jahres wurde das "Center of Biomedical Industry Innovation Program" gegründet, das im Hsinchu Biomedical Science Park angesiedelt ist. Dieses soll biomedizinische Firmen unterstützen. Für Ende 2017 ist die Fertigstellung des National Biotechnology Research Park in Taipei geplant, die ein weiteres Cluster für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten einheimischer und ausländischer Unternehmen bildet.

Taiwans Firmen im Transformationsprozess

Auf Grundlage der neuen Bestimmungen wurden bis Ende Mai 2017 von den Behörden 118 Firmen als biotechnologische und neue pharmazeutische Unternehmen anerkannt. Zudem erhielten 283 Erzeugnisse den Stempel als neue biopharmazeutische Produkte, die für Steuererleichterungen in Frage kommen. Für den Verkauf im Markt waren aber erst 38 Produkte zugelassen.

In Taiwan stellen die meisten pharmazeutischen Unternehmen Generika her und einige auch pharmazeutische Wirkstoffe. Von den 320 Firmen im pharmazeutischen Bereich hatten Ende März 131 Herstellungsstätten westlicher Arzneimittel die PIC/S GMP Anforderung erfüllt und 24 Hersteller von Wirkstoffen die GMP-Standards. Um diese Standards zu erhalten, müssen Unternehmen in moderne Ausrüstung investieren.

Taiwans Biotech-Branche 2016 (Produktion in Mrd. NT$; % = Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %)
Angewandte Biotechnologie % Pharmazeutika % Medizintechnik %
Produktion 94,0 6,3 79,5 3,0 141,5 6,4
Firmen 525 2,9 320 0 1.073 3,1
Mitarbeiter 20.219 5,0 18.500 0 39.500 2,9

Quelle: IDB, Ministry of Economic Affairs, 2017

Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben der heimischen Firmen steigen. Bei den börsennotierten Unternehmen nahmen sie 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 21% zu und stellten damit 6,6% der Umsätze. Aufgrund von Produktzulassungen oder Produktionsvereinbarungen mit ausländischen Partnern investieren einige taiwanische Unternehmen in den Kapazitätsausbau, wie etwa Taiwan Leader Biotech, Scinopharm Taiwan oder TaiMed Biologics.

Ausländische Anbieter sehr aktiv

Die in- und ausländischen Unternehmen meldeten 2016 insgesamt 658 Patente mit biotechnologischem Bezug an, darunter 284 von lokalen und 374 von ausländischen Firmen. Biotech-Hersteller aus anderen Ländern sind die hauptsächlichen Patentinhaber westlicher Medikamente und auch die Initiatoren klinischer Tests für neue Arzneimittel. In der klinischen Testphase befanden sich 274 pharmazeutische Erzeugnisse, davon 94 in der Versuchsphase II und 121 in der Versuchsphase III.

Zwar nimmt die Produktion pharmazeutischer Erzeugnisse zu. Jedoch ist die Insel insgesamt stark auf die Einfuhr westlicher Pharmazeutika angewiesen, deren Importwert seit Jahren weiter steigt und mittlerweile über 3 Mrd. US$ pro Jahr beträgt. Deutschland ist seit 2015 größter Lieferant westlicher Pharmazeutika in Form von Patentmedikamenten und Generika.

Import westlicher Pharmazeutika (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zur Vorjahresperiode in %)
Land 2015 2016 Veränd. 1. Hj. 2017 Veränd.
Insgesamt 3.023 3.346 4,1 1.694 12,6
.Deutschland 499 551 10,5 311 16,9
.USA 486 450 -7,3 237 -2,8
.Irland 181 305 68,6 147 36,9
.Frankreich 248 260 4,6 146 20,7
.Japan 162 194 19,3 90 -4,8

Quelle: Department of Statistics, Ministry of Finance, 2017

(M.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Taiwan Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Arzneimittel, Diagnostika, Bio-, Gentechnik

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Bernhard Schaaf

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