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29.01.2015

Taiwans Geschäfte mit Elektronik florieren

Produzent und Abnehmer mit globaler Reichweite / E-Commerce hinkt hinterher / Von Jürgen Maurer

Taipei (gtai) - Für Taiwans Wirtschaft ist die Informations- und Kommunikationstechnik inklusive Elektronikerzeugnisse von hoher Bedeutung. Immerhin trägt die Branche zu 15% zum Bruttoinlandsprodukt der Insel bei. Ausländische Bestellungen für die Auftragsfertigung zeigen insgesamt eine weiter anhaltende Dynamik. Zudem führen sie dazu, dass die lokale Branche hohen Bedarf an Vorprodukten, Werkstoffen und Herstellungsausrüstung entwickelt, der zu einem erheblichen Teil durch Importe gedeckt werden muss.

Taiwan ist und bleibt eines der Zentren der globalen Elektronikindustrie. Denn ein großer Teil der internationalen Markenanbieter der Informations- und Kommunikationstechnikbranche lässt Teile und Endprodukte von taiwanischen Firmen herstellen. Daran scheint sich vorläufig auch nichts zu ändern. Abzulesen ist dies an den eingegangenen Exportaufträgen.

Die vom Ausland insgesamt in Taiwan getätigten Bestelleingänge für Elektronikerzeugnisse sowie Informations- und Kommunikationstechnik beliefen sich laut Ministry of Economic Affairs 2014 auf umgerechnet rund 246 Mrd. US$. Darunter stiegen die Aufträge für die Elektroniksparte um 12% auf knapp 119 Mrd. US$ und für Informations- und Kommunikationsgeräte um 9,4% auf 127 Mrd. US$.

Zudem sind die einheimischen Hersteller von Elektronik- und Endgeräten als Anbieter international eine wichtige Größe; halten sie doch in einigen Segmenten, wie Laptops, Displays, Hauptplatinen etc., weltweit hohe Marktanteile. In der Produktion und im Design von Halbleitern gehört Taiwan ebenfalls zu den Top-Adressen. Die Chip-Herstellung soll 2014 um 20% gewachsen sein und auch 2015 zweistellig zulegen.

Nachfrage bleibt in allen Sparten 2015 hoch

Aufgrund der ungebrochen hohen Nachfrage nach elektronischen Bauelementen und smarten Mobilgeräten werden taiwanische Branchenfirmen ihre Dynamik auch 2015 behalten. Jedoch soll es Verschiebungen in den Absatzaussichten der verschiedenen Segmente geben. Während die Verkäufe von Smartphones weiter zulegen, soll die Nachfrage nach TabletPC ihren Höhepunkt überschritten haben, wie Marktforschungsinstitute prognostizieren. Als ein neuer Wachstumsbereich treten Wearables in den Fokus der Produzenten.

Die Insel bleibt sowohl in der Produktion von Branchenerzeugnissen wie auch im Einkauf von Vor- und Zwischenprodukten sowie Produktionsausrüstung eine der Top-Adressen. So importierte Taiwan 2014 elektronische Erzeugnisse im Wert von 43,6 Mrd. US$ und zusätzlich Herstellungsausrüstung für die Halbleiterindustrie im Wert von 10 Mrd. US$. Die Exporte von elektronischen Erzeugnissen erreichten knapp 100 Mrd. US$.

Neben einigen wenigen international bekannten Markenunternehmen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik existiert in Taiwan eine Vielzahl von Auftragsfertigungsfirmen, die Brancheninsidern gut bekannt sein dürften. Diese Markenhersteller wie Auftragsfertiger produzieren nur zum Teil in Taiwan, lassen ansonsten in "Ablegerfabriken" im Ausland montieren.

Laut Angaben des Wirtschaftsministeriums wurden von den 2014 gebuchten Auslandsaufträgen im Segment Informations- und Kommunikationstechnik fast 91% offshore erledigt, gegenüber 87,3% im Jahr 2013. Dabei ist anzumerken, dass die Entscheidungsfindung und Auftragsabwicklung in den Hauptquartieren in Taiwan stattfindet und Forschung und Entwicklung auf der Insel verbleiben.

Weg vom reinen Hardware-Geschäft

Tendenziell wird mehr auf Entwicklungspartnerschaft mit ausländischen Unternehmen statt auf reine Auftragsarbeit hingearbeitet sowie mehr in Software und Systemintegration investiert. Neben der schnellen Modernisierung der lokalen Telekommunikationsinfrastruktur stehen das Cloud-Computing, der Aufbau von Datenzentren, die Umsetzung des Internet der Dinge und Informationssicherheit auf der Agenda, durch die Taiwan als "smarte Insel" wettbewerbsfähig bleiben soll.

Dass sich die akkumulierten Investitionen in Wissen und Infrastruktur bislang auszahlten, wird durch die Studie "Innovative Asia: Advancing the Knowledge-based Economy" der Asian Development Bank unterstrichen. Demnach landet Taiwan insgesamt auf Platz eins unter 28 asiatischen Volkswirtschaften, die auf vier Schlüsselindikatoren untersucht wurden.

Dabei bekam in diesem Vergleich Taiwan die besten Noten bei Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Viele Nutzer in Taiwan haben sowohl durch Mobiltelefone als auch durch Computer Netzzugang. Allerdings wird das Internet beispielsweise für E-Commerce noch vergleichsweise gering genutzt. Während der Anteil des E-Commerce an den gesamten Einzelhandelsverkäufen laut eMarketer im weltweiten Durchschnitt 2014 etwa 5,9% betrug, hatte er in Taiwan am Gesamtumsatz nur einen Anteil von etwa 2%.

E-Commerce-Umsatz noch verhalten

Das taiwanische Institute for Information Industry prognostiziert, dass der E-Commerce-Umsatz auf der Insel 2015 die Marke von 1.000 Mrd. Neuen Taiwan-Dollar (NT$; rund 24,9 Mrd. Euro; 1 Euro = 40,2 NT$ im Jahresdurchschnitt 2014) NT$ erreichen wird. Nach vorläufigen Angaben sollen 2014 im E-Commerce rund 880 Mrd. NT$ umgesetzt worden sein. Diese verteilten sich zu 529 Mrd. NT$ auf den Business-to-Consumer-Bereich und 354 Mrd. NT$ auf das Consumer-to-Consumer-Segment.

Taiwans E-Commerce-Entwicklung (in Mrd. NT$)
2010 2012 2014 2015 *)
B2C 260 382 529 614
C2C 202 279 354 393
Gesamt 462 661 883 1.007

*) Prognose

Quelle: Institute for Information Industry, 2014

Zwar nutzen Taiwaner das Internet intensiv, um sich über Preise und Angebote zu informieren; aber der überwiegende Teil kauft die Produkte später im Laden. Wenn online eingekauft wird, stehen Kleidung und Accessoires sowie Nahrungsmittel als Produktgruppen oben auf der Liste, gefolgt von Kosmetika und Computern, so Ergebnisse des "2014 Digital Opportunity Survey".

Die durchschnittliche Zahl der Online-Shopping-Aktivitäten ist 2014 auf zehn Einkäufe zurückgegangen. Gesunken sind auch die Ausgaben pro Kopf, die im Durchschnitt etwa 14.700 NT$ betrugen. Laut der Umfrage wird meist das Bezahlen bei Lieferung bevorzugt oder die Ware dann bezahlt, wenn sie in einem Convenience-Laden abgeholt wird.

(M.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Taiwan E-Commerce, Unterhaltungselektronik, Audio-, Videotechnik, Computer, -Hardware, Peripheriegeräte etc., Elektronik, allgemein, Elektronische Bauelemente, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

Kontakt

Bernhard Schaaf

‎+49 228 24 993 349

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