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16.04.2018

Tansania legt Grundstein für neue Eisenbahnstrecke

Strom statt Diesel / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Der tansanische Staatspräsident John Magufuli hat den Grundstein für den zweiten Streckenabschnitt der neuen Normalspureisenbahn mit einer Länge von 426 Kilometern gelegt. Zusammen mit einem neuen Trockenhafen verspricht sich Magufuli von der Investition eine wirtschaftliche Belebung. Ruanda will derweil so schnell wie möglich an die neue Strecke angeschlossen werden und drückt aufs Tempo.

Die türkische Yap? Merkezi wird den zweiten Abschnitt der neuen tansanischen "Mittelgeschwindigkeits"-Normalspur-Eisenbahn alleine bauen, in Höhe von 1,9 Milliarden US-Dollar (US$). Der Auftrag für den ersten Abschnitt war im Februar 2017 für 1,2 Milliarden US$ an ein Konsortium der portugiesischen Mota-Engil Engenharia e Construção África und Yap? Merkezi gegangen. Die Höchstgeschwindigkeit der elektrifizierten Bahn wird mit 160 Kilometer pro Stunde (km/h) für Passagier- und 120 km/h für Frachtwaggons angegeben.

Aufwertung für das verschlafene Dodoma

Der erste Streckenabschnitt verläuft auf einer Strecke von 207 Kilometern von der Hafenstadt Dar es Salaam nach Westen zur Stadt Morogoro und soll 2019 fertiggestellt sein. Der zweite Streckenabschnitt führt dann über 426 Kilometer weiter bis nach Makutupora, 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Dodoma. Die neue Bahn ersetzt eine Schmalspurstrecke, die noch zu Zeiten der deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika gebaut worden war. Auftraggeber für die neue Bahn ist die staatliche Reli Assets Holding Company (RAHCO). Nach Einschätzung von Masanja Kadogosa, geschäftsführender RAHCO-Direktor, soll der zweite Abschnitt schon im September 2020 eingeweiht werden können. Es soll acht Passagierbahnhöfe und sechs Frachtstationen geben. Von Dodoma soll die Eisenbahn weiter bis nach Mwanza am Viktoriasee fortgeführt werden. Die Gesamtkosten sind mit 7 Milliarden US$ veranschlagt.

Ruanda und Tansania beraten derweil wie die ruandische Hauptstadt Kigali am besten an die Strecke angeschlossen werden kann. Ruanda drängt zudem darauf, dass die Bahn eine höhere Geschwindigkeit haben soll. Die Durchführbarkeitsstudien für den Kigali-Anschluss waren auf der Basis von langsamen Diesel-Lokomotiven erstellt worden und sollten nun entsprechend angepasst werden, fordert der ruandische Transportminister Jean de Dieu Uwihanganye. Die neue kenianische Eisenbahn zwischen Mombasa und Nairobi ist nicht elektrifiziert und schafft 110 km/h im Passagier- und 80 km/h im Frachtverkehr. Die äthiopische Bahn zwischen Dschibuti und Addis Abeba ist elektrifiziert und schafft 120 km/h im Passagier- und 100 km/h im Frachtverkehr. Geplant ist bislang eine Abzweigung der Dodoma-Mwanza-Bahn bei Isaka, 218 Straßenkilometer südlich von Mwanza.

Qualitative Aufwertung durch neue Studie

Kigali und Daressalam wollen nun kurzfristig eine neue Designstudie und den Bau der Isaka-Kigali-Bahn offen ausschreiben und hoffen so, das bestmögliche Design und eine günstige Finanzierung zu bekommen. Wenn alles klappt, soll im Oktober 2018 mit dem Bau begonnen werden können. Nach der ursprünglichen Durchführbarkeitsstudie sollte die Strecke von Isaka nach Kigali 2,5 Milliarden US$ kosten, wovon Tansania 1,3 Milliarden US$ übernehmen wollte. Eine elektrifizierte und auf höhere Geschwindigkeiten ausgelegte Bahn dürfte nun deutlich teurer werden.

Eine moderne Eisenbahn ist zum neuen nationalen Statussymbol in Ostafrika geworden. Bislang hat Äthiopien die Nase vorne, dessen Frachtzüge für die 756 Kilometer lange elektrifizierte und 4 Milliarden US$ teure Strecke zwischen Addis Abeba und Dschibuti 13 Stunden brauchen. Nach den Vorstellungen in Ruanda sollte der Transport auf der 1.320 Kilometer langen Strecke zwischen Kigali und Dar es Salaam aber keine Minute länger dauern - ein ambitioniertes Ziel.

Wettbewerb mit Kenia

Damit wollen Ruanda und Tansania vor allem Kenia ausstechen. Denn die kenianische Bahn kann bislang wenig überzeugen: zu teuer, langsam, sowie unmoderne und unbequeme Waggons. Die Passagiere zeigen sich wenig beeindruckt und die Speditionen bleiben lieber beim Straßentransport - ein absehbares finanzielles Desaster für den Betreiber. Bislang scheint der Bau bis Naivasha gesichert, doch die Streckenabschnitte bis zur ugandischen Grenze sind finanziell noch nicht gewährleistet. Dabei gilt Kenia als hoch verschuldet und muss alte Verbindlichkeiten mit immer neuen Krediten stopfen. Es erscheint deshalb mehr als fraglich, ob und wie schnell das Land den Bau weiterführen kann.

Kenia und Uganda haben bislang (anders als Tansania und Ruanda) auf direkte Verhandlungen auf Regierungsebene mit der VR China gesetzt, die dann Bau und Finanzierung aus einer Hand und ohne Ausschreibung durchführt. Für die VR China zweifellos ein gutes Geschäft.

Deutsche Beteiligungschancen

Aus deutscher Sicht ist es zu begrüßen, dass chinesische Unternehmen in Tansania und Ruanda wohl nicht zum Zuge kommen. Denn dadurch steigen die Beteiligungs- und Zulieferchancen für deutsche Firmen. Beide Staatschefs haben sich zudem die Bekämpfung der Korruption auf die Fahnen geschrieben. Ohne Korruption ließe sich zudem die Qualität der Bahn erhöhen, sagen Ostafrika-Kenner, bei gleichzeitig niedrigeren Kosten.

Während der Eisenbahnbau bis nach Ruanda schon ein Riesenmeilenstein ist, wird schon über weitere Schritte nachgedacht. So ist die Rede von einem Transportkorridor von Dar es Salaam bis Burundi, Ruanda, Uganda und am besten noch weiter bis zum Osten der Demokratischen Republik Kongo. Ein weiteres Ziel wäre es, entlang der neuen Eisenbahnstrecke Industrien anzusiedeln. Die mangelhafte Infrastruktur der Länder gilt bislang als Haupthindernis für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung.

Finanzierungshürde muss noch genommen werden

Während es an Ideen nicht mangelt, ist es bei Fragen zur Finanzierung und volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit auffällig still. Dabei dürften genau diese Fragen die größten Hürden darstellen. Die Weltbank hatte seinerzeit eine Finanzierung der kenianischen Eisenbahn abgelehnt, weil sich das Prestigeprojekt nach Ansicht der Weltbanker nicht rechnete. Der neue tansanische Staatshaushalt (Juli 2018 bis Juni 2019) sieht Ausgaben in Höhe von 14,3 Milliarden US$ vor, 0,3 Milliarden US$ mehr als im Jahr zuvor. Von dem Geld sollen mehrere große Infrastrukturprojekte finanziert werden, um die Wirtschaft voranzubringen.

Dabei kann Tansania seine Einnahmeziele schon seit Längerem nicht erreichen: Von den geplanten 13,26 Milliarden US$ (Haushaltsjahr 2016/17) konnten nur 8,98 Milliarden US$ eingenommen werden. Und für 2017/18 sieht es nicht besser aus: Das Verhältnis zwischen internationaler Gebergemeinschaft und Tansania ist so angespannt, dass sich in- und ausländische Investoren inzwischen zurückhalten.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Tansania können Sie unter http://www.gtai.de/tansania abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

(M.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Tansania Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Eisenbahnbau, Schienenfahrzeuge

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