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25.03.2016

Thailand setzt stärker auf Solarenergie

Ehrgeiziges Langzeitziel / Größere Ausschreibung erwartet / Von Dr. Waldemar Duscha

Bangkok (gtai) - Thailand will im Jahr 2036 gut ein Fünftel seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien decken, wobei die Solarenergie mit 6.000 Megawatt (MW) einen Anteil von knapp 36% beitragen soll. In der Pipeline steht die Ausschreibung des Solarschemas für Regierungseinheiten und Agrarkooperativen mit einer Gesamtkapazität von 800 MW. Der führende Solarfarmbetreiber SPCG will 2016 seinen Umsatz mit Photovoltaikdachpanelen um 150% auf rund 25 Mio. US$ steigern.

Der aktualisierte "Alternative Energy Development Plan (AEDP) 2015" sieht vor, den Anteil der erneuerbaren Energien an der nationalen Energieerzeugung bis 2036 auf 15 bis 20% gegenüber aktuell knapp 10% anzuheben. Die Solarenergie soll hierbei mit 6.000 MW einen Großteil beitragen. Als Boden- oder Dachanlagen sind rund 1.600 MW in Betrieb, während zugleich gesicherte Abnahmeverträge mit einer zusätzlichen Kapazität von 3.800 MW bestehen sollen.

Laut der Energy Regulatory Commission bestanden Mitte 2015 landesweit 11.645 Solardachprojekte mit einer Kapazität von 93,2 MW. Hiervon entfielen 8.352 Projekte (67,8 MW) auf die Provincial Electricity Authority (PEA) und 3.293 Projekte (25,4 MW) auf die Metropolitan Electricity Authority (MEA).

Angestrebte Kapazität aus erneuerbaren Energien (MW)
Energietyp 2014 2036
Abfall 66 550
Biomasse 2.452 5.570
Biogas 312 600
Energiepflanzen - 680
Wasserkraft (klein) 110 376
Wind 220 3.002
Solar 1.570 6.000

*) nicht berücksichtigt ist hierbei der Import von Wasserkraftstrom aus Laos und Myanmar, der von aktuell 7% auf ebenfalls 15 bis 20% ansteigen soll

Quelle: Alternative Energy Development Plan 2015-2036 des National Economic and Social Development Board (NESDB)

Im Raum steht die öffentliche Ausschreibung des Solarschemas für Regierungsbehörden und Agrarkooperativen mit einer Kapazität von insgesamt 600 MW. Hiervon entfallen 200 MW auf die MEA, 389 MW auf die PEA und 11 MW auf die Sattahip Electricity der Royal Thai Navy. Private Investoren dürfen sich in mehreren Projekten bis zu einer individuellen Höchstkapazität von 50 MW bewerben. Weitere 200 MW sollen im späteren Jahresverlauf ausgeschrieben werden.

Die Energy Regulatory Commission erwartet für das laufende Jahr 2016 Neuinvestitionen in Höhe von über 36 Mrd. Baht (B; circa 920 Mio. Euro; 1 Euro = 39,2 B). Im März genehmigte die Regierung einen Plan für Haus- und Fabrikdachanlagen mit einer Gesamtkapazität von 100 MW, und zwar bis zu 10 KW für Häuser und 40 KW für Fabriken.

Erfolgreiche Pioniere

Bisherige Unternehmenserfolge verheißen einen recht positiven Ausblick. So erzielte SPCG Public Company Limited (SPCG) als der größte Betreiber von Solarfarmen in den ersten neun Monaten 2015 Bruttoeinnahmen von 3,7 Mrd. B gegenüber 586 Mio. B im ersten Geschäftsjahr 2011, meldete die "Bangkok Post" auf der Basis von Börsendaten. Parallel soll Energy Absolute, ein Unternehmen für Biodiesel, Wind- und Solarenergie, einen Umsatz von 6,8 Mrd. B verbucht haben, somit fast doppelt soviel wie 2013 mit 3,9 Mrd. B.

In ihrem Verkauf von Solarpanelen für Dachinstallationen erwartet SPCG 2016 einen Umsatzzuwachs von 150% auf rund 1 Mrd. B. Das bedeutendste Segment sieht das Unternehmen aktuell in Geschäftsgebäuden, insbesondere Kaufhäuser, Fabriken und Lagerhallen. Zum Kundenstamm zählen die Firmen Home Product Center, Tesco Lotus, Ikea wie auch die Börse und die Zentralbank. Wohngebäude sind ein anderer Umsatzmagnet. SPCG begann hierzu 2015 den Vertrieb von Solarmodulen über die Heimwerkerkette HomePro und will diesen Umsatz 2016 auf 100 Mio. B verdoppeln.

Ihre Gesamtkapazität bei Solarfarmen will SPCG bis 2019 von 260 auf 500 MW verdoppeln. Der Großteil der zusätzlichen Kapazität werde in Japan, Myanmar und den Philippinen entstehen, heißt es. Als erstes Projekt wurde in Japan mit Kyocera und TC Lease ein Joint Venture für eine Solarfarm mit einer Kapazität von 30 MW vereinbart. Die Vorhaben in Myanmar und den Philippinen sollen im zweiten Halbjahr verhandelt werden, wobei eine Kapazität von zusammen rund 100 MW genannt wurde. Kyocera ist bereits Partner von SPCG in einem Solarprojekt im Nordosten Thailands, das mit 257 MW die größte Solarfarm in der ASEAN darstellt.

Grenzüberschreitende Chancen

Auch die thailändische Kasikornbank prognostiziert dem Solarzweig in den nächsten drei bis fünf Jahren einen breiteren regionalen Geschäftsradius über Fusionen und Übernahmen. Ein letztes Exempel setzte hier die thailändische Bangchak Petroleum, die im März 2016 drei Solarfarmen von der japanischen SunEdison International für 2,9 Mrd. B erwarb und damit ihre Solarkapazität von 118 MW um zusätzliche 198 MW aufstockte.

Mit dem Zweck der Expansion in Solarfarmen und Dachanlagen vereinigte sich Ende 2015 auch Yokohama Holdings Energy mit dem thailändischen Investor Kittisak Jampathip-phong (70:30), einem Hauptaktionär des Immobilienbrokers Century 21. Der japanische Photovoltaikanbieter zählt weltweit zu den 20 umsatzstärksten Unternehmen der Branche mit engen Beziehungen zu Hitachi, Toshiba und anderen Zulieferern. Zur Klientel zählen japanische Unternehmen im Rojana Industrial Park in Ayutthaya, und auch die Showrooms von Toyota erhalten Solardächer.

Förderung durch den Staat

Der Thailand Board of Investment (BOI) registrierte 2015 insgesamt 1.038 Projektanträge mit einem Investitionswert von 6,0 Mrd. $. Wertmäßig entfiel hierbei ein Großteil auf erneuerbare Energien mit 26 Projekten im Wert von 446 Mio. $. An der Spitze stand die Solarenergie, danach folgten Biomasse und Biogas.

Die neue Investitionsförderpolitik des BOI bietet seit Januar 2015 Anreize für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wie auch für Energy Service Companies. Dazu gehören eine Befreiung von der Körperschaftssteuer für acht Jahre und von Einfuhrzöllen auf Maschinen sowie das Recht auf Landbesitz und die Erleichterung von Visas und Arbeitsgenehmigungen für Expatriates.

Im Rückblick gilt, dass das Solardachprogramm seit 2013 mit der Einführung eines Feed-In-Tariff (FIT) durch die National Energy Policy Commission regen Zuspruch gefunden hatte. Zum damaligen Zeitpunkt waren 200 MW angesetzt, jeweils zu gleichen Teilen von 100 MW für Wohn- und Geschäftsgebäude. Die Resonanz bei privaten Investoren war groß, und die Quoten waren schnell ausgeschöpft.

Der überarbeitete AEDP 2015 spezifizierte neue attraktive FIT-Tarife für Solardachinstallationen über einen Zeitraum von 25 Jahren. Die Thai Photovoltaic Industry Association schätzte den ROI (Return on Investment) für Dachanlagen - abhängig von der Größe des Projekts - auf sieben bis zehn Jahre.

Einen weiteren Anreiz verspricht das im Januar 2016 beschlossene Solarprojekt "Quick Win", das den Prozess der Dachinstallation vereinfachen soll und mit dem Net Metering ein neues Förderschema schafft. Dieses neue Konzept bleibt zunächst auf Pilotprojekte in ausgewählten öffentlichen Behörden beschränkt.

(W.D.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Thailand Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/Energieerzeugung, Solarthermie