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03.09.2015

Thailands Pharmabranche auf neuen Wegen

Mehr Investitionschancen / Stärkere F&E-Aktivität / Impulse durch AEC / Von Waldemar Duscha

Bangkok (gtai) - Thailands Pharmamarkt wächst zügig. Die Etablierung der Genfer Produktionsstandards (PIC/S GMP) soll neue Investitionen herbeiführen. Parallel dürfte die Umsetzung der ASEAN Economic Community 2016 mehr Wachstumsimpulse aus der Region herbeiführen. Bei anhaltend hoher Importabhängigkeit dürften sich die Produktionsbasis und das Exportpotential verbessern. Deutschland ist drittgrößtes Lieferland hinter den USA und der VR China.

Thailand zählt laut der Klassifizierung der Weltbank zu den gehobenen Schwellenländern mit einem prosperierenden Gesundheitsmarkt in der Medizintechnik und der Versorgung mit Medikamenten. Ausschlaggebend sind der zunehmende Wohlstand, die wachsende Mittelschicht, höhere Staatsausgaben in die gesundheitliche Versorgung wie auch die gestiegene Lebenserwartung und somit alternde Bevölkerung. In der Asien-Pazifik-Region dürfte Thailand den aktuell achtgrößten Markt darstellen.

Produkttechnisch besteht der thailändische Markt vom Volumen her zum Großteil aus generischen Arzneimitteln. Der größte Kunde der nationalen Industrie ist die Regierung mit einem Anteil von rund 70% gegenüber 30% für den freien Verkauf in OTC Drugstores (Over the Counter). Die Zuständigkeit für die Überwachung von Produktion, Import, Verkauf und Marketing liegt bei der thailändischen Food and Drug Administration (Thai FDA) des Gesundheitsministeriums. Gesetzliche Grundlagen sind der Drug Act von 1967 sowie das Patentgesetz zum Schutz des geistigen Eigentums bei neuen Präparaten.

Sprungbrett für die Industrie

Die inländische Produktion dominieren die zwei internationalen Vertragshersteller Zuellig Pharma und OLIC, welche zu Fuji Pharma gehört. Die meisten multinationalen Konzerne sind vor Ort, engagieren sich aber nur beim Umpacken oder beiAuftragsproduktionen für OLIC und Zuellig Pharma sowie eine Handvoll kleinerer Hersteller. Zu den größeren Weltmarken zählen Unternehmen wie Meji, Baxter, Mega Lifesciences, Linaria, Otsuka, Sanofi, Pfizer, Merck, Novartis und GlaxoSmithKline.

Indes ist die Landschaft der lokalen Produzenten in den letzten fünf Jahren bedeutend angestiegen. Der Thailand Board of Investment (BOI) begründet dies mit den geringeren Produktionskosten und der Verschiebung der Arzneimittelnachfrage zu den Unternehmen und Produkten mit den niedrigsten Preisen. Solche Vertragsproduktionen dürften in Zukunft stärker zunehmen und neue Unternehmen kreieren. Der BOI konstatiert hier einiges Interesse bei der lokalen Industrie wie auch bei internationalen Großkonzernen.

Wegbereitend in diesem Rahmen ist, dass die Thai FDA im März 2015 die PIC/S-Mitgliedschaft (Pharmaceutical Inspection Co-operation Scheme) in Genf beantragte, welche die nationale Industrie zur Befolgung des damit verbundenen GMP-Leifadens verpflichtet (Good Manufacturing Practice). Entsprechende Trainingskurse in MIC/S GMP wurden bereits von der Thai Pharmaceutical Manufacturers Association ins Leben gerufen. Bisher sollen etwa 20 Unternehmen an dem Programm partizipiert haben, von denen die Hälfte von der Thai FDA genehmigt wurden.

Zu den größeren lokalen Produzenten gehört die bereits 1967 gegründete Greater Pharma mit eigenen F&E-Aktivitäten sowie Zertifizierung nach ISO 9001 und ISO/IEC 17025. Zur Produktpalette gehören neben pharmazeutischen Generika auch Kosmetika, Sportnahrung, Vitamine, Allergieimpfstoffe, Diätmittel sowie pflanzliche Nahrungsmittelzusätze. Eine Premiere in Südostasien schaffte Greater Pharma mit der Lancierung eines ersten generischen Inhalationsmittels für die Behandlung von Osteoporose.

AEC als Katalysator

Südostasien ist bereits ein bedeutender Wachstumsmarkt mit einer Bevölkerung von insgesamt über 620 Mio. Menschen. Die Verwirklichung der ASEAN Economic Community (AEC) verspricht zusätzlichen Schwung für den Pharmasektor. Die zehn Mitgliedsstaaten haben bereits erste Schritte zur Harmonisierung der Regelwerke für ihre pharmazeutischen und medizintechnischen Industrien eingeleitet.

Institutionelle Basis ist das 1992 gegründete ASEAN Consultative Committee on Standards and Quality (ACCSQ), das 1999 um eine eigene Pharmaceutical Product Working Group (PPWG) erweitert wurde. Diese Arbeitsgruppe beschäftigt sich seit 2009 intensiv mit der Standardisierung und Regulierung der Produktion und Distribution von Arzneimitteln. Ein weiteres wichtiges Instrument wurde mit dem ASEAN Commun Technical Dossier (ACTD) für die Sicherstellung der Produktinformation in Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit quer durch die Region geschaffen.

Thailands Export belief sich 2014 auf umgerechnet etwa 380 Mio. US$ mit den Hauptabnehmerländern in Vietnam, Kambodscha, Myanmar und den Philippinen. Starke Konkurrenz könnte der nationalen Industrie durch andere große Produzentenländer wie Indonesien oder Malaysia erwachsen.

Staatliche Förderprogramme und Investitionsanreize schaffen mehr qualitatives Wachstum und deutliche Wertzuwächse. Die Regierung unterstützt die Branche mit Forschungseinrichtungen in der Biotechnologie und steuerlichen Anreizen für nationale und internationale Investoren. Zuständig ist das Institut BIOTEC unter dem Dach der National Science and Technology Development Agency (NSTDA).

Die 2015 vom BOI eingeführten neuen Förderrichtlinien schließen Investitionsanreize für zwei Produktkategorien ein: aktive pharmazeutische Inhaltsstoffe (Kategorie 6.9/A2) sowie Produktion und/oder F&E-Aktivitäten bei biopharmazeutischen Mitteln auf der Basis von Biotechnologie (Kategorie 7.12.2/A1). Aktuell produziert Thailand nur 25 aktive Pharmazutaten - darunter Natriumchlorid, Kampfer und Menthol - die meisten müssen importiert werden.

Einen wesentlichen Wachstumsbeitrag leistet nicht zuletzt der über das letzte Jahrzehnt bedeutend weiter entwickelte Medizintourismus. Die landesweit etwa 1.500 Krankenhäuser konnten im letzten Jahr 2,1 Mio. ausländische Patienten verbuchen, viele aus den unmittelbaren Nachbarländern.

Ungeachtet des Potentials in Produktion und Export wird Thailand auch auf lange Sicht weiter stark importabhängig bleiben. 2014 belief sich der Import von pharmazeutischen Produkten auf knapp 1,8 Mrd. $. Das wichtigste Lieferland war die USA mit einem Importanteil von 13,5%. Danach folgten die VR China (10,5), Deutschland (8,3), die Schweiz (5,4), Indien (5,9), Frankreich (6,4) und Italien (4,3%).

(W.D.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Thailand Medizintechnik, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika

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