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11.08.2017

Tschechien setzt auf Nutzung von Regenwasser

Zuschüsse für Zisternen und Reinigungssysteme / Starkes Interesse bei Hausbesitzern in dürregeplagten Regionen / Von Gerit Schulze

Prag (GTAI) - Die Tschechische Republik hat ein Programm zur effizienteren Verwendung von Regenwasser aufgelegt. Hausbesitzer bekommen staatliche Förderung für Zisternen, Pumpen, Reinigungs- und Leitungssysteme. Damit will die Regierung den Wassermangel in vielen Regionen bekämpfen. Die Nachfrage nach der Förderung ist groß, weshalb nun ein zweiter Aufruf startet. Deutsche Anbieter von entsprechender Technologie können auf neue Aufträge hoffen.

Tschechien hat ein Dürreproblem, immer mehr Regionen des Landes leiden zeitweise unter Wassermangel. Darum hat das Umweltministerium ein großangelegtes Förderpaket zum Kampf gegen die Trockenheit auf den Weg gebracht. Eine Maßnahme ist die bessere Nutzung und Speicherung von Regenwasser im Rahmen des Programms "Destovka" (deutsch: Regenwasser). Förderberechtigt sind alle Eigentümer von Wohngebäuden.

Das Interesse an den staatlichen Hilfen ist groß. Nach dem ersten Förderaufruf im April 2017 gingen fast 2.300 Anträge ein. Zur Verfügung standen 110 Mio. Tschechische Kronen (Kc; rund 4,2 Mio. Euro, Wechselkurs am 3.8.17: 1 Euro = 25,97 Kc). Die meisten Bewerber kamen aus dem Großraum Prag und aus Südmähren. Über die Hälfte der Antragsteller plant eine Regenwasserspeicherung zur Nutzung im Garten und zur WC-Spülung.

Am 7.9.17 startet die zweite Runde des Destovka-Programms. Das Umweltministerium stellt dafür weitere 240 Mio. Kc bereit, die vor allem aus EU-Fonds kommen.

Die Förderhöhe ist gestaffelt. Einfache Systeme zur Speicherung und Nutzung von Regenwasser im Garten bekommen einen fixen Zuschuss von 20.000 Kc (rund 770 Euro). Solche Investitionen sind aber nur in besonders dürregefährdeten Regionen förderfähig. Dafür hat das Umweltministerium eine Liste mit 110 Gemeinden erstellt.

Komplexere Anlagen, die das gespeicherte Wasser neben der Bewässerung auch für die Toilettenspülung einsetzen, bekommen einen festen Zuschuss von maximal 30.000 Kc (rund 1.155 Euro).

Die Höchstförderung von 60.000 Kc (rund 2.300 Euro) erhalten Kombianlagen, die sowohl gering verschmutztes Abwasser (Grauwasser) reinigen, als auch Regenwasser auffangen und im Garten oder WC weiterverwenden können. Neben diesen Festzuschüssen gibt es variable Summen für die Zisternen: 3.500 Kc (rund 134 Euro) je Kubikmeter Fassungsvermögen, wobei die Mindestgröße zwei Kubikmeter beträgt. Insgesamt darf die Fördersumme 50% der Kosten für Ausrüstung, Montage und Leitungsvorbereitung nicht überschreiten. Bei Projekten, die eine Grauwasserreinigung vorsehen, können Hausbesitzer zusätzlich Projektierungskosten bis zu 10.000 Kc (380 Euro) geltend machen.

Tschechiens Umweltministerium wirbt mit einer schnellen Abwicklung der Förderprozedur. Zuständig für die Administration ist der staatliche Umweltfonds SFZP. Über die Webseite des "Regenwasser"-Programms http://www.dotacedestovka.cz können nach dem Start des neuen Aufrufs die Förderanträge eingereicht werden. Danach gilt die "Drei-Wochen-Regel": Innerhalb von drei Wochen bekommen Antragsteller Bescheid, ob alle Unterlagen vollständig sind oder weitere benötigt werden. Anschließend hat die Behörde drei Wochen Zeit, um das Projekt zu prüfen. Bei positivem Bescheid soll das Geld spätestens nach weiteren drei Wochen auf dem Konto des Hausbesitzers sein. Die geförderten Hauseigentümer müssen die Investition dann innerhalb eines Jahres realisieren.

Experten erwarten Marktwachstum von 60%

Für die Hersteller entsprechender Ausrüstungen bedeutet das Förderprogramm eine Sonderkonjunktur. Nach Einschätzung von Marktkennern werden in Tschechien üblicherweise rund 1.000 unterirdische Regenwasserspeicher und entsprechendes Zubehör pro Jahr verkauft. Nun rechnen die Anbieter mit einem Zuwachs um mindestens 60%, schreibt die Wirtschaftszeitung E15.

Davon profitieren auch deutsche Anbieter wie die Otto Graf GmbH aus dem badischen Teningen. Der nach eigenen Angaben führende Hersteller von Regenwasser-Nutzungsanlagen in Europa verzeichnet bereits ein steigendes Interesse bei tschechischen Kunden, erklärt der für die Region zuständige Sales-Manager Norbert Ungar. "Schon in den letzten Jahren lief das Geschäft dort gut. Doch meist waren nur einfache Tanks oder Technik zur Regenwasserversickerung auf Gewerbegrundstücken gefragt." Durch das Förderprogramm hofft Ungar, dass Tschechiens Hausbesitzer hochwertigere Technik und Systemlösungen kaufen.

Die lokalen Wettbewerber sind meist kleinere Firmen, die billigere Tanks aus Glasfasermaterial oder Beton produzieren. Sie spielen vor allem die Preiskarte. Bei Graf bestehen die Zisternen aus Polyethylen und Polypropylen. Das deutsche Unternehmen arbeitet in Tschechien mit mehreren Händlern in den Regionen zusammen. Gefragt sind überwiegend Regenwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 2.000 bis 6.000 Liter.

Für die Dürrebekämpfung will Deutschlands Nachbarland in den nächsten Jahren einen zweistelligen Milliardenbetrag in Kronen ausgeben (1 Mrd. Kc = rund 40 Mio. Euro). Dazu gehören neue Stauseen, Bewässerungsanlagen und die Umstellung auf eine effizientere Wassernutzung bei Haushalten, Industrie und Landwirtschaft. Die Programme werden vorrangig aus EU-Fonds finanziert. Eine entsprechende Konzeption hat die Regierung Ende Juli 2017 verabschiedet. Laut Premierminister Bohuslav Sobotka ist ein Fünftel der Landesfläche von Trockenheit bedroht.

(S.Z.)

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Tschechische Republik Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung

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