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07.09.2015

Tschechien steckt mehr Geld in die Krankenhaussanierung

Sonderprogramm zur Modernisierung von sieben großen Kliniken / Importe an Medizintechnik steigen / Von Gerit Schulze

Prag (gtai) - Die verbesserte wirtschaftliche Lage kommt in Tschechien auch dem Gesundheitssektor zugute. In sieben großen Krankenhäusern plant die Regierung ein Investitionsprogramm für fast 400 Mio. Euro. Dort entstehen neue Fachabteilungen, die Gebäude werden saniert und mit moderner Technologie ausgestattet. Doch auch kleinere Kliniken renovieren ihre medizinischen Abteilungen. Das bietet für Hersteller von Medizintechnik gute Absatzmöglichkeiten. Das Marktvolumen liegt bei rund 750 Mio. Euro pro Jahr.

Tschechiens Regierung hat ein neues Investitionsprogramm für sieben große Krankenhäuser im ganzen Land gebilligt. Von 2016 bis 2022 sollen 10 Mrd. Tschechische Kronen (Kc; rund 370 Mio. Euro; Wechselkurs am 31.8.2015: 1 Euro = 27,03 Kc) in Gebäude und medizinische Ausstattung fließen. Die ausgewählten Objekte gehören nach Aussage von Gesundheitsminister Svatopluk Nemecek zu den tragenden Säulen der medizinischen Versorgung im Land. Dennoch sei der technische Zustand der Einrichtungen sehr schlecht, weshalb ein Sonderprogramm zur Modernisierung erforderlich sei.

Von den rund 10 Mrd. Kc müssen die Krankenhäuser ein Drittel selbst aufbringen. Daneben sollen die nötigen Finanzmittel zum Teil durch Verkäufe von krankenhauseigenen Immobilien hereinkommen. Laut dem medizinischen Fachportal "Zdravotnicky denik" (http://www.zdravotnickydenik.cz) will das Gesundheitsministerium in Prag, Brno und Plzen Gebäude für rund 2 Mrd. Kc veräußern. Die restlich 5 Mrd. Kc für das Investitionsvorhaben steuert der Staatshaushalt bei.

Die größte Summe fließt in die Uniklinik (tschechisch: Fakultätskrankenhaus) Hradec Kralove. Dort muss der sogenannte Bedrna-Pavillon wegen Baufälligkeit dringend saniert werden. In dem Gebäude sind Chirurgie, Kardiochirurgie und Urologie untergebracht. Nach Informationen des "Zdravotnicky denik" wird zunächst ein Anbau errichtet und anschließend das bestehende Gebäude saniert. Als neue Abteilungen sollen die Akutrehabilitation und das Pflegemonitoring in den Pavillon einziehen.

Zweitgrößtes Vorhaben ist der Neubau einer Geburtsklinik beim Fakultätskrankenhaus Brno. Dort könnten die bisher auf zwei Standorte verteilten Gynäkologieabteilungen und die Geburtenabteilung zusammengelegt werden. Durch Einspareffekte beim Krankenhausbetrieb würde sich die Investition nach rund 17 Jahren amortisieren, schätzt das Gesundheitsministerium - fast doppelt so schnell wie beim Projekt in Hradec Kralove.

Schwerpunkt der Investitionen sind die Geburtsabteilungen

Rund 1,53 Mrd. Kc sind für das Allgemeine Fakultätskrankenhaus in Prag vorgesehen. Dort entstehen ein neues Gebäude für Labordiagnostik, Transfusionen und sterile Präparate sowie ein Energiezentrum. Die freiwerdenden Immobilien stehen anschließend zum Verkauf.

Ähnlich umfangreich sind die Investitionen auch an der Uniklinik Olomouc. In der mährischen Großstadt ist vorgesehen, das historische Franz-Josef-Gebäude, das derzeit ungenutzt ist, zu rekonstruieren. Anschließend sollen hier die Neurologie, die Neurochirurgie, die Innere, die Geburts- und Neugeborenenabteilung sowie die Orthopädie einziehen. Daneben werden die Notaufnahme und die OP-Säle erweitert, die Anzahl der Betten erhöht sowie die Ambulanz und Diagnostik modernisiert.

Auch in Plzen ist eine Zentralisierung verschiedener Krankenhausstandorte geplant. Im Stadtteil Lochotin baut die Uniklinik ein neues Gebäude, in die Abteilungen der Notfall- und Unfallmedizin aus Bory verlegt werden, berichtet "Zdravotnicky denik".

Eine Modernisierung ist ebenso am Thomayer-Krankenhaus in Prag dringend nötig. Die weitläufig verteilten Gebäude sind zum Teil 90 Jahre alt, eine zentrale Patientenaufnahme fehlt. Darum soll nun eine Notaufnahme für 180 bis 250 Akutpatienten am Tag entstehen.

Aus allen Nähten platzt das Institut für klinische und experimentelle Medizin (IKEM) in Prag. Die Einrichtung ist unter anderem auf Transplantationen spezialisiert. Um die Kapazitäten zu erhöhen, steht der Bau von zwei neuen Gebäuden und einer Notaufnahme auf der Tagesordnung. Es sollen eine Abteilung für Gefäßerkrankungen eingerichtet werden sowie Spezialeinheiten für Stoffwechselkrankheiten und Zelltherapie.

Geplante Baumaßnahmen in wichtigen tschechischen Krankenhäusern
Krankenhaus Maßnahme Zeitraum Kosten in Mio. Kc Internet
Fakultätskrankenhaus Hradec Kralove Modernisierung der Chirurgieabteilungen, Renovierung des Bedrna-Pavillons 2017 bis 2022 2.000 http://www.fnhk.cz
Fakultätskrankenhaus Brno Bau einer Geburtsklinik und Verlegung einzelner Abteilungen 2016 bis 2019 1.950 http://www.fnbrno.cz
Allgemeines Fakultätskrankenhaus Prag Bau eines Verbindungsgebäudes, u.a. für Labordiagnostik 2017 bis 2021 1.530 http://www.vfn.cz
Fakultätskrankenhaus Olomouc Renovierung und Erweiterung des Hauptgebäudes 2016 bis 2019 1.500 http://www.fnol.cz
Fakultätskrankenhaus Plzen Pavillon für die chirurgischen Bereiche 2016 bis 2020 1.500 http://www.fnplzen.cz
Thomayer-Krankenhaus Prag Zentrale Notaufnahme 2016 bis 2020 800 http://www.ftn.cz
Institut für klinische und experimentelle Medizin (IKEM) Prag Errichtung der beiden Gebäudekomplexe G1 und G2 2016 bis 2018 750 http://www.ikem.cz

Quelle: Gesundheitsministerium der Tschechischen Republik

Kleinstädte modernisieren mit Hilfe von EU-Fonds

Neben den sieben Vorzeigekliniken laufen auch in anderen Krankenhäusern des Landes umfangreiche Erneuerungsarbeiten. Die Mittel dafür kommen überwiegend aus EU-Fonds. In Nachod an der polnischen Grenze ist die Sanierung und Erweiterung des Gebietskrankenhauses (Oblastni nemocnice) für 1,2 Mrd. Kc geplant. Im Bezirk Südböhmen stehen 2015 rund 1 Mrd. Kc (37 Mio. Euro) für Investitionen in die Gesundheitseinrichtungen bereit. Das Geld fließt je zur Hälfte in die Gebäudesanierung und in Medizintechnik.

Die größte Prager Uniklinik FN Motol schreibt ab Mitte September Umbau und Vergrößerung der Kinder-Poliklinik für mehr als 300 Mio. Kc aus. Das Bezirkskrankenhaus Liberec schafft einen Linearbeschleuniger für die Onkologie an. Jihlava (Bezirk Vysocina) will die Innere Medizin komplett für 300 Mio. Kc umbauen lassen.

Auch kleinere Einrichtungen modernisieren. Das Krankenhaus in Ceska Lipa zum Beispiel steckt 50 Mio. Kc in die Kinderabteilung. In Havlickuv Brod richtet das örtliche Krankenhaus 2016 eine Magnetresonanzabteilung ein. In Trebic (Bezirk Vysocina) wurde der Bau eines Chirurgiegebäudes für rund 430 Mio. Kc ausgeschrieben.

Nach Berechnungen von Germany Trade & Invest liegt das Marktvolumen für Medizintechnik in Tschechien bei rund 750 Mio. Euro pro Jahr. Das Einfuhrvolumen ist noch größer, weil ein Teil davon reexportiert wird. In den beiden NACE-Positionen 26.6 (Herstellung elektromedizinischer Geräte) und 32.5 (Herstellung von medizinischen und zahnmedizinischen Apparaten und Materialien) stiegen die Importe 2014 um 4% auf 943 Mio. Euro. Ein Drittel davon entfiel auf deutsche Lieferanten. Zurzeit gibt es zwischen Plzen und Ostrava knapp 190 Krankenhäuser für die Grundversorgung mit rund 60.000 Betten. Hinzu kommen etwa 150 Fachkliniken mit über 20.000 Betten.

(S.Z.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Tschechische Republik Medizintechnik, allgemein, Hochbau